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Harlingerode
Harlingerode [ˈhaʁ.lɪŋɘˌʁoːdɘ] ist ein Stadtteil von Bad Harzburg im Landkreis Goslar. Mit 2.981 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2022) handelt es sich nach …
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Überblick, Lage und Naturraum
Harlingerode ist ein Stadtteil der Stadt Bad Harzburg im Landkreis Goslar. Nach der Kernstadt und Bündheim ist es die drittgrößte Ortschaft im Stadtgebiet. Für den 31. Dezember 2024 werden 2.948 Einwohner auf 11,32 km² angegeben; das entspricht 260 Einwohnern je km². Eine ältere Angabe nennt 2.981 Einwohner zum 31. Dezember 2022.
Der Ort liegt nordwestlich der Bad Harzburger Kernstadt am Steilhang des Langenbergs. Die Ortslage reicht ungefähr von 190 bis 250 m ü. NHN, die gesamte Gemarkung von 170 m im Okertal bis 304 m am Soldatenkopf. Benachbarte Orte und Gebiete sind unter anderem Oker, Göttingerode, Schlewecke, Bündheim, Westerode, Bettingerode, Lochtum, Vienenburg und Immenrode.
Geologisch liegt Harlingerode unmittelbar an der Nordharzrandverwerfung, also an einer Bruchzone zwischen unterschiedlichen Erdschichten. Am Langenberg treten mesozoische Schichten zutage: vom Weißen Jura am nördlichen Steilhang bis zur Unteren Kreide im südlichen Oberharlingerode. Etwa ab der Landstraße folgen tertiäre Schichten. Nördlich des Ortes liegt der Wiederberg, eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Lössebene zwischen Oker und Radau. Heute wird dort vor allem Weizen angebaut, bis in die 1950er-Jahre überwiegend Hafer. Nach Westen fällt der Wiederberg zum Okertal ab; dessen kiesgeprägter Bereich heißt historisch Steinfeld.
Gewässer und Umweltbelastung
Der größte Teil der Gemarkung wird durch den Hurlebach entwässert. Er entspringt am Langenberg auf dem Gelände der ehemaligen Grube Hansa, verläuft innerhalb des Ortes unterirdisch und nimmt mehrere heute verrohrte Nebenbäche auf, die Strüllecken genannt werden. Nordöstlich verlässt er Harlingerode und mündet in Vienenburg in die Oker. Der Teufelsbach entspringt im Gewerbegebiet Bad Harzburg-Nord und fließt durch das Radauer Holz zur Radau. Im äußersten Nordwesten berührt die Oker die Gemarkung. Große Teile des dortigen Okertals südlich von Vienenburg stehen unter Naturschutz.
Eine wichtige Belastung sind die Folgen der jahrhundertelangen Metallverhüttung in der Zinkhütte Harlingerode und benachbarten Betrieben. Die Böden sind stark mit Blei, Zink, Kupfer und Cadmium belastet; genannt werden Werte von über 10 ppm/kg Oberboden. Landwirtschaftliche Erzeugnisse aus der Feldmark sind deshalb nicht für den menschlichen Verzehr freigegeben und werden ausschließlich in der Futtermittelindustrie verarbeitet. Einige Flächen im Kalten Feld nördlich der ehemaligen Zinkhütte wurden vollständig aufgegeben. Auch Oker und Radau sind stark belastet.
Seit 1977 werden im Auftrag der Hildesheimer Gewerbeaufsicht Ablagerungen von Schadstoffen gemessen. Erfasst wurden zunächst Staubniederschläge sowie Blei und Cadmium, seit 2009 zusätzlich Arsen und Nickel und seit 2011 Thallium. Von 2019 bis 2022 arbeitete unter der Schirmherrschaft von Olaf Lies eine Lenkungsgruppe an einem umweltmedizinischen Gutachten.
Historische Entwicklung bis 1945
Harlingerode wurde im 10. Jahrhundert durch das sächsische Adelsgeschlecht der Billunger angelegt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom 3. Juni 1053: König Heinrich III. übertrug den zuvor beschlagnahmten Besitz des Grafen Tiemo an das Goslarer Domstift. Papst Viktor II. bestätigte den Besitz 1057 und bezeichnete das Landgut als Herlingerode. Der ursprüngliche Name Heregeltingerot wird wahrscheinlich auf einen Personennamen wie Herigold zurückgeführt; eine andere Deutung nennt Herilo. Die im Ort verbreitete Sage, Harlingerode sei von Bewohnern der Wüstungen Harlierode und Göttingerode neu gegründet worden, gilt wegen widersprechender zeitlicher Belege als problematisch.
Das Domstift entwickelte Harlingerode zu einem seiner elf Haupthöfe. Dieser lag im Bereich Brunnenstraße, Viehweide und Meinigstraße und bildete den Ausgangspunkt der Ortsentwicklung. Für 1181 sind neben ihm zehn weitere Höfe belegt. Nach der Aufgabe des Haupthofsystems um 1200 entstanden drei Großhöfe. 1346 wurde erstmals ein Pfarrer genannt, sodass spätestens damals eine Kirche oder Kapelle bestanden haben muss.
Ende 1625 wurde Harlingerode im Dreißigjährigen Krieg zusammen mit Schlewecke niedergebrannt. Auch die St.-Marien-Kirche wurde zerstört. Ihr heutiger Bau wurde im Oktober 1750 eingeweiht und 1794/95 um einen Kirchturm ergänzt. Der Friedhof am Rupenklint folgte am 18. November 1854.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Harlingerode vor allem von Landwirtschaft und Handwerk geprägt. Nachdem Wilhelm Castendyck 1857 rentable Erzvorkommen entdeckt hatte, wurde 1861 die Grube Hansa gegründet. Sie förderte bis zu ihrer Stilllegung 1960 mit Unterbrechungen ungefähr drei Millionen Tonnen Erz. 1912 gingen die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker und der Bahnhof Harlingerode in Betrieb.
Unter dem Nationalsozialismus entstanden 1935 die Mustersiedlung Göttingerode und die Zinkhütte Harlingerode. Im Zusammenhang mit dem Rammelsbergprojekt arbeiteten dort 1936/37 insgesamt 618 Menschen; etwa 200 von ihnen waren Zwangsarbeiter in einem Barackenlager. Am Abend des 10. April 1945 erreichten Einheiten des 329. Regiments der 9. US-Armee den Ort.
Nachkriegszeit, Eingemeindung und Bevölkerung
Nach 1945 kamen viele Heimatvertriebene, vor allem aus Schlesien, nach Harlingerode. Das Flüchtlingslager Steinfeld war für 250 Personen vorgesehen, beherbergte tatsächlich aber ungefähr 1.000. Viele Zugewanderte fanden Arbeit in der Industrie. Die Einwohnerzahl der damaligen Gemeinde, einschließlich Göttingerode und des Lagers, erreichte 1951 mit 6.231 ihren historischen Höchststand.
Die wachsende Montanindustrie verursachte zugleich erhebliche Umweltprobleme. In den 1950er-Jahren schädigten Blei- und Schwefeldioxidemissionen der stark ausgelasteten Zinkhütte die Vegetation. Ab 1962 sollten Aufforstungen, Windschutzreihen, Baumpflanzungen und Wanderwege den Langenberg bis 1975 wiederherstellen. Die Grube Hansa/Hermann war bereits am 23. August 1960 stillgelegt worden. Zwischen 1963 und 1966 erhielt Harlingerode eine Abwasserkanalisation mit Anschluss an das neue Klärwerk Steinfeld. Neue Wohngebiete entstanden ab 1953 unter anderem in der Nachthude, ab 1960 im Steinkamp, ab 1965 am Langenberg und ab 1970 im Bruche.
Am 1. Juli 1972 wurden Harlingerode und Göttingerode in Bad Harzburg eingemeindet; 1974 wechselte das Gebiet vom Landkreis Wolfenbüttel in den Landkreis Goslar. Eigene Ortsräte wurden nicht eingerichtet. Das frühere Dorfgemeinschaftshaus wurde zum Freizeitzentrum. Die ehemalige Gemeindeverwaltung dient seitdem der Lebenshilfe Goslar und beherbergt den heilpädagogischen Kindergarten „Lollipop“.
In den folgenden Jahrzehnten endete die traditionelle Montanindustrie: Der Kalksteinbruch Langenberg stellte im Dezember 1985 den Abbau ein, der Bahnhof schloss im Mai 1987 für den Personenverkehr und die Zinkhütte beendete am 30. Juni 1988 zusammen mit dem Bergwerk Rammelsberg den Betrieb. Neue Gewerbegebiete und ein Windpark dienten dem Strukturwandel. Am Galgenberg gingen 2001 bis 2002 fünf Windkraftanlagen des Typs Vestas V80-2.0 MW in Betrieb.
Harlingerode wandelte sich vom bäuerlichen und später industriell geprägten Ort zu einem Pendlerort. Viele Einwohner arbeiten in Goslar, Bad Harzburg oder Braunschweig. Nach dem starken Wachstum durch Industrie und Vertriebene sank die Bevölkerung langfristig: von 4.389 Einwohnern 1972 auf 3.065 im Jahr 2010, durchschnittlich um etwa 1 % jährlich. Gründe waren der Verlust industrieller Arbeitsplätze, Abwanderung und demografischer Wandel.
Wirtschaft, Verkehr und öffentliche Einrichtungen
Harlingerode bildet gemeinsam mit Oker eine Industrieregion. Auf dem Gelände des früheren Hüttenwerks Harz liegt heute ein Schwerpunkt der Kreislaufwirtschaft, also der Wiederverwertung von Materialien. Nach der Insolvenz der Harz-Metall GmbH übernahm die Industriepark und Verwertungszentrum Harz GmbH die Flächen im Oktober 2020. Dort arbeitet auch der bedeutende Elektronikschrottverwerter Electrocycling. Im Gewerbegebiet Ellernwiesen befindet sich das Holzunternehmen Holz-Reimann. Zum Ort gehört außerdem das etwa 500 Hektar große Gewerbegebiet Bad Harzburg-Nord, das 1998 südlich der Kreisstraße 46 planfestgestellt wurde. Ein Nahversorgungszentrum entwickelte sich ab 1985 auf dem Gelände des früheren Sägewerks Klages.
Über die Kreisstraße 46 ist Harlingerode an die Bundesautobahn 369, über die Kreisstraße 25 an die Bundesstraße 6 angebunden. Die Buslinie 810 fährt im Stundentakt mit einzelnen Verstärkerfahrten über Oker nach Goslar. Die Linie 871 verbindet den Ort ebenfalls stündlich mit der Bad Harzburger Innenstadt und verläuft ringförmig durch Harlingerode.
Die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker besteht seit dem 1. Mai 1912, doch der Bahnhof Harlingerode wurde am 31. Mai 1987 geschlossen. Ein neuer Haltepunkt wird langfristig geprüft; vorgesehen wäre eine Bedienung durch die RB 82 Göttingen–Kreiensen–Bad Harzburg. Im Nordwesten verläuft außerdem die 1866 gebaute Bahnstrecke Goslar–Vienenburg.
Harlingerode besitzt eine Offene Ganztagsgrundschule; im Schuljahr 2018/19 wurden dort 43 Erstklässler in zwei Klassen eingeschult. Weiterführende Schulen befinden sich in Bad Harzburg. Hinzu kommen eine Kindertagesstätte und der heilpädagogische Kindergarten. Die Freiwillige Feuerwehr ist für Harlingerode und Göttingerode zuständig. Sie unterhält eine Atemschutzpflegestelle für fast alle Ortsteile Bad Harzburgs; außerdem ist dort ein Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr stationiert.
Kultur, Religion und Sport
Das in den 1970er-Jahren errichtete Freizeitzentrum besitzt einen Mehrzweckraum für höchstens 400 Personen. Im Ort gibt es vier Spielplätze und einen Bolzplatz. Eine moderne örtliche Tradition ist das jährliche Einschmieren der scherzhaft so genannten „Erdachse“ am 3. Juni, dem Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung.
Die St.-Marien-Kirche steht im historischen Dorfkern und gehört zur Propstei Bad Harzburg. Nach einem Brand von 1748 wurde sie im Barockstil wiederaufgebaut. Der in den 1960er-Jahren erwogene Bau einer katholischen Kirche wurde nicht verwirklicht. Die nächste katholische Filialkirche, St. Gregor VII., liegt in Bündheim, die nächste Moschee in Oker. Seit dem 1. Januar 2018 bilden die evangelischen Kirchengemeinden Harlingerode, Schlewecke, Bad Harzburg-Stadt und Bündheim einen Verband.
Das 1922 eingeweihte Sportheim an der Planstraße bietet Anlagen für Fußball, Tennis, Leichtathletik und Softball. Träger ist der 1883 gegründete MTV Brunonia Harlingerode. Der Sportclub 1918 Harlingerode entstand am 1. März 1918 als Nachfolger des FC Hohenzollern Harlingerode von 1909. Die Schützengesellschaft Harlingerode von 1927 besitzt Stände für Laser-, Luft- und Kleinkalibergewehre sowie Sportpistolen. Weitere Vereine sind Harzer Roller Harlingerode und TTC Rot Weiß Harlingerode.