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Laienmusizieren
Das Laienmusizieren (auch: Laienmusik) bezeichnet den nicht-professionellen Bereich des aktiven, produzierenden oder reproduzierenden Musizierens.
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Begriff und Bedeutung
Laienmusizieren, auch Laienmusik genannt, bezeichnet aktives Musizieren ohne beruflichen Status. Gemeint ist produzierendes oder reproduzierendes Musizieren, also etwa Singen, Instrumentalspiel oder Aufführen vorhandener Musik. Es unterscheidet sich vom professionellen Musizieren durch Berufsmusiker, das auf Gewinnerwerb ausgerichtet ist und meist eine musikalische Fachausbildung voraussetzt. Es unterscheidet sich auch vom passiven Musikgenuss, bei dem Musik nur gehört oder konsumiert wird. Die Übergänge zum professionellen Bereich sind fließend.
Für nicht-professionelle Musiker werden verschiedene Begriffe verwendet: „Laie“, „Amateur“, „Liebhaber“ oder „Dilettant“. Diese Wörter überschneiden sich, haben aber unterschiedliche Nebenbedeutungen. Orchestermusiker bevorzugen oft „Amateur“, weil damit Ernsthaftigkeit und musikalische Ausbildung stärker betont werden.
Laienmusizieren ist wichtig, weil es kulturelle Teilhabe, gemeinschaftliches Handeln und persönliche Lebensqualität verbindet. Musik kann ruhige Momente ermöglichen, Gemeinschaft ausdrücken und Menschen in Familien, Schulen, Vereinen, Kirchen oder freien Gruppen zusammenbringen.
Formen und Lernwege
Musikunterricht findet in öffentlichen und privaten Musikschulen sowie bei privaten Musiklehrern statt. Er kann zum Musizieren in Familien, Schulen, Vereinen, Kirchen und freien Gruppen führen. Traditionelle Formen sind unter anderem Spielmannszüge, Fanfarenzüge, Posaunenchöre, Akkordeonorchester, Zupforchester und verschiedene Laienchöre. Dirigenten von Amateurorchestern sind meist professionelle Musiker.
Auch Improvisation, also spontanes musikalisches Erfinden beim Spielen, ist Laien zugänglich. Bei intensivem experimentellem Spielen können Laien eine hohe Performance erreichen. Zu informellen Formen gehören Hausmusik, private Musikkreise, Karaoke, DJing, Sampling und Singen in Fußball-Fankulturen.
Angebote für Laienmusiker reichen von Einzel- und Gruppenunterricht bis zu Musikfreizeiten, Schnupperkursen, „Offenes Singen“, „Mitmachkonzerten“, Workshops und Musikurlauben. Allgemeinbildende Schulen bieten ebenfalls Musikunterricht an, etwa Musikgymnasien, JeKits („Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“) sowie Bläser-, Streicher- oder Chorklassen. Schulen kooperieren dabei mit Musikschulen oder privaten Musiklehrern.
Musikalische Früherziehung beginnt häufig im Vorschulalter. Kinder nehmen bereits ab der Geburt Unterschiede der Tonhöhen, Klangfarben, Rhythmen und Melodien wahr; gemeinsames Singen und Musizieren gehört in Kindertageseinrichtungen oft zum Alltag. Programme wie El Sistema und das Musik- und Integrationsprojekt Hangarmusik nutzen gemeinsames Musizieren auch als Mittel sozialer Integration. Volkshochschulen bieten mancherorts Musikkurse an. Musikgeragogik schafft Musiziermöglichkeiten für ältere Menschen mit und ohne musikalische Vorerfahrung.
Community Music und öffentliche Anlässe
Community Music, ungefähr „Gemeinschaftsmusik“, ist eng mit Laienmusizieren verwandt und versteht sich teilweise als Gegenentwurf zur Hochkultur. Dabei sind musikalische Aktivitäten in das soziale und räumliche Umfeld der Teilnehmenden eingebunden. Zugleich können Elemente der Musiktherapie und der sozialen Arbeit eine Rolle spielen. Musik wird hier nicht nur als Kunstform, sondern auch als Beitrag zu Inklusion und Teilhabe betrachtet.
In vielen Community-Music-Projekten dienen wiederkehrende Bausteine, sogenannte Patterns, als Grundlage für Improvisation. Außerdem werden informelles Lernen, das Schreiben eigener Musik und das Lernen ohne Noten angeregt. Kritisiert wird bisweilen ein „naiver Glauben an die heilende Wirkung von Musik und eine Überbewertung der Amateurimprovisation sowie der Bedeutung des informellen Lernens als Methode“. Deutlich ist aber, dass Community Music keine strenge Grenze zwischen Musik als Selbstzweck und Musik für soziale oder therapeutische Zwecke zieht.
Ein internationales Beispiel für öffentliches Laienmusizieren ist die Fête de la Musique am 21. Juni. Dabei geben Amateur- und Berufsmusiker kostenlose Aufführungen in mehr als 540 Städten weltweit.
Deutschland: Umfang, Organisation und Förderung
In Deutschland gehört Laienmusizieren zu den größten Bewegungen bürgerschaftlichen Engagements. Das Deutsche Musikinformationszentrum stellte 2014 fest, dass ungefähr 14 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig in ihrer Freizeit singen, ein Instrument spielen oder sich anderweitig musikalisch betätigen. Darunter waren mindestens 2 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 13 Jahren. Rund 3 Millionen Personen musizieren aktiv in Laienverbänden, meist in Chorverbänden. Insgesamt musizieren rund 820.000 Kinder und Jugendliche in Schulorchestern, Schulchören, Bands und anderen Ensembles allgemeinbildender Schulen.
Nach dem Statistischen Bundesamt waren 2014 von den 3 Millionen Laienmusikern etwa zwei Millionen in Verbänden organisiert, davon etwa 500.000 in evangelischen Chören und Instrumentalgruppen und knapp 400.000 in katholischen Chören und Instrumentalgruppen. Demgegenüber übten 128.000 Erwerbstätige einen Musikberuf aus, einschließlich Musikpädagogen und Instrumentenbauern. Ulrike Liedtke nannte für 2017/18 insgesamt 3,67 Millionen aktive oder fördernde Mitglieder in Instrumental- und Chorverbänden der Laien- und Amateurmusik.
Die beiden großen Dachverbände der Amateurmusik in Deutschland sind die Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände und die Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände. In ihnen sind 18 bundesweit tätige Chor- beziehungsweise Orchesterverbände zusammengeschlossen; den Mitgliedsverbänden gehören rund 70.000 Ensembles an. In der populären Musik sind geschätzte 85 bis 90 % der Musiker Amateure. Manche Bands wechseln zwischen professionellem, semiprofessionellem und Amateur-Status.
Die Förderung der Laienmusik ist vor allem Aufgabe der Kommunen. Auch alle 16 Landesmusikräte und der Deutsche Musikrat auf Bundesebene haben entsprechende Aufgaben. Aktivitäten mit überregionaler Bedeutung und Qualifizierung werden zusätzlich staatlich gefördert. Regional ist Laienmusik im ländlichen Raum Süddeutschlands stärker verwurzelt als im Norden, besonders in Blasorchestern. Im Westen gibt es mehr Orchester als im Osten. Im Norden sind Spielmannszüge besonders verbreitet; im Saarland und in Nordrhein-Westfalen bestehen viele Zupforchester.
Deutschland: Recht, Wettbewerbe, Kritik und Wirtschaft
Bei öffentlichen Aufführungen durch musikalische Laien fallen GEMA-Lizenzgebühren wie bei professionellen Aufführungen an, sofern es sich nicht um GEMA-freie Musik handelt. Keine Vergütungspflicht besteht nach § 52 Abs. 1 Satz 3 UrhG bei bestimmten Veranstaltungen der Jugendhilfe, Sozialhilfe, Alten- und Wohlfahrtspflege, Gefangenenbetreuung sowie Schulveranstaltungen, wenn sie nach ihrer sozialen oder erzieherischen Zweckbestimmung nur einem abgegrenzten Personenkreis zugänglich sind. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmenden ohne Entgelt zugelassen werden und die Musiker keine besondere Vergütung erhalten.
Zum Vergleich der Leistungen und zur Begegnung veranstaltet der Deutsche Musikrat regelmäßig den Deutschen Chorwettbewerb und den Deutschen Orchesterwettbewerb. Dazu kommen Jugendmusikwettbewerbe wie „Jugend musiziert“. 2008 betonte die Bundesregierung, gemeinsames Singen und Musizieren sei für viele Menschen eine aktive Freizeitgestaltung, die kulturelle Interessen, Gemeinschaft, Kommunikation und Lebensfreude verbinde. Laienmusikvereine seien eine wichtige Quelle sozialer Bindungen und eine Plattform gesellschaftlichen Engagements.
Mieter dürfen nach der Rechtsprechung außerhalb allgemeiner Ruhezeiten, also außerhalb von Mittags- und Nachtruhe, in angemessenem Rahmen musizieren, sofern der Mietvertrag nichts anderes festlegt. Die zulässige Höchstdauer pro Tag hängt vom Instrument ab.
Kritik richtet sich gegen eine als zu gering empfundene Qualität und Verfügbarkeit des Musikunterrichts an Schulen. Außerdem wird bemängelt, dass es weniger Schulchöre gebe oder Lehrkräfte entsprechende Stunden nicht als Unterricht abrechnen könnten, sowie weniger Chöre und Instrumentalensembles in Kirchen.
Amateurmusiker sind für die Musikbranche ein wichtiges Käuferpotenzial, etwa für Musikinstrumente, Zubehör, Musikunterricht und Notenmaterial. Dazu kommen Ausgaben für Gastronomie, Tourismus und Garderobe. Wissenschaftlich lässt sich die Wertschöpfung nicht-kommerziellen Musizierens aber nicht befriedigend berechnen. 2008 verwies die Bundesregierung auf 1,4 Millionen in Vereinen spielende Laieninstrumentalisten und auf 10.200 Planstellen in 135 professionellen Orchestern; außerdem nannte sie für 2002 Umsätze von 609 Millionen Euro in der Musikinstrumentenherstellung und 930 Millionen Euro im Musikfachhandel. Dem stehen öffentliche Aufwendungen für Förderung gegenüber.
In das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO wurden 2014 die „Chormusik in deutschen Amateurchören“, 2016 das „Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren“ und 2018 als Gutes Praxisbeispiel die „Amateurmusikpflege in Baden-Württemberg“ aufgenommen.
Weitere Länder
In Österreich spielen große Laienorganisationen wie der Chorverband Österreich und der Österreichische Blasmusikverband eine wesentliche Rolle. Sie setzen sich besonders für musikalische Ausbildung der Jugend, lebenslanges Lernen und Erwachsenenbildung bis ins hohe Alter ein. Der Begriff „Laienmusiker“ ist dort umstritten, weil nebenberufliche Musiker ein Leistungsniveau erreichen können, das dem von Berufsmusikern entspricht.
In Irland wird irische Folkmusik traditionell in Sessions gespielt, oft als offene Sessions in Pubs.
In Vilnius in Litauen wird seit 2007 jährlich im Mai der Gatvės muzikos diena, der Tag der Straßenmusik, gefeiert. Er wurde vom Musiker Andrius Mamontovas initiiert. An diesem Tag dürfen alle Menschen auf den Straßen musizieren. Die Idee wurde von anderen Städten und Gemeinden in Litauen übernommen und auch in Riga, Minsk, Tbilisi und Dublin aufgegriffen.
In den Vereinigten Staaten ergab eine Gallup-Studie von 2003, dass es in 54 % der Haushalte mindestens eine Person gab, die ein Musikinstrument spielte.