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Hochkultur (Soziologie)

Hochkultur als soziologischer Begriff umfasst die von meinungsbestimmenden Eliten genutzten, als besonders wertvoll akzeptierten Kulturleistungen – im …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Abgrenzung
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Hochkultur heute
  4. 4. Konflikte und gesellschaftliche Bedeutung

Begriff und Abgrenzung

Hochkultur ist ein soziologischer Begriff. Er bezeichnet Kulturleistungen, die von meinungsbestimmenden Eliten genutzt und als besonders wertvoll anerkannt werden. Damit steht Hochkultur im Gegensatz zu Alltagskultur, Massenkultur, Populärkultur, Volkskultur und Subkultur.

Im Mittelpunkt stehen nicht ausschließlich bestimmte Werke oder Kulturtechniken, sondern auch gesellschaftliche Wertungen: Bestimmte kulturelle Leistungen gelten als besonders anspruchsvoll, bildungsnah oder ästhetisch maßgebend. Welche Kultur als Hochkultur gilt, hängt daher mit den Vorstellungen einflussreicher gesellschaftlicher Gruppen und mit geltenden Bildungsidealen zusammen.

Historische Entwicklung

Historisch war Hochkultur stets die Kultur der führenden Gesellschaftsschicht, insbesondere des Adels oder anderer oligarchischer Gruppen. Kennzeichnend war eine aktive intellektuelle Produktion. Früher wurde diese kulturelle Produktion durch die herrschenden Gruppen alimentiert, also finanziell unterstützt; heute trifft dies nur noch teilweise zu.

Nach dem Machtverlust des Adels infolge der Französischen Revolution versuchte man, Hochkultur nicht mehr vor allem über die bessere Abstammung ihrer Träger zu bestimmen. Stattdessen sollte sie mit der größeren Leistung kulturell Tätiger und kulturell Interessierter verbunden werden. Hochkultur wurde dadurch zunehmend zu einer Errungenschaft des Bildungsbürgertums.

Teile des Adels wandten sich in der Folge der Populärkultur zu. Als Beispiel für diese Entwicklung nennt der Artikel die enge Verbindung von Zirkus, höfischer Reitkunst und höfischem Gesellschaftstanz um 1900, unter anderem im Zusammenhang mit Carl Godlewski.

Hochkultur heute

Heute bezieht sich der Begriff meistens auf Musik, Bildende Künste, Literatur und darstellende Künste. In der Musik ist typischerweise der E-Bereich der Einteilung in E- und U-Musik gemeint. Bei der Literatur spricht man auch von „Höhenkammliteratur“. Zu den darstellenden Künsten zählen insbesondere Tanz und Theater.

Diese Kulturformen sollen bestimmten ästhetischen Maßstäben entsprechen und den geltenden Bildungsidealen gerecht werden. Eine maßgebende Rolle spielten dabei die Universitäten seit dem 19. Jahrhundert, besonders die damals neu entstehenden Geisteswissenschaften.

Hochkultur umfasst jedoch nicht automatisch alle kulturell hochentwickelten Gebiete. In Europa werden beispielsweise traditionell Kalligraphie, Sport, zirzensische Künste und Design beziehungsweise „Kunsthandwerk“ nicht zur Hochkultur gezählt. Bei der Kalligraphie wird dabei ausdrücklich ein kultureller Unterschied zu Asien genannt.

Konflikte und gesellschaftliche Bedeutung

Im 20. Jahrhundert wurde „Hochkultur“ in kulturpolitischen Konflikten, vor allem im deutschsprachigen Raum, teilweise als „massenfeindlich“ oder „elitär“ bekämpft. Umgekehrt konnte der Begriff dazu dienen, den Führungsanspruch von Bildungseliten zu behaupten, etwa unter dem Stichwort „Leitkultur“.

Eine häufig vertretene Argumentation lautete, dass auch die Massen Hochkultur wählen würden, wenn sie nicht durch Produkte einer „Kulturindustrie“ verdummt würden. Diese Position findet sich in der Kultursoziologie von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, insbesondere im Zusammenhang mit dem Thema „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“.

Die Gegenüberstellung von Hochkultur und Massenkultur wurde zunehmend infrage gestellt, weil die massenmedial verbreitete Popkultur an Definitionsmacht gewann. Die Auseinandersetzung der 68er-Bewegung führte außerdem zur gesellschaftlichen Anerkennung weiter Teile der Popkultur.

In den Vereinigten Staaten ist die Unterscheidung „high brow“ und „low brow“ üblich. „High brow“ bedeutet wörtlich „hohe Augenbraue“ und geht auf die Pseudowissenschaft Phrenologie zurück. Diese Begriffe sollen eine inhaltliche Bewertung vermeiden und stattdessen die Haltung charakterisieren, die Menschen gegenüber Hochkultur oder Populärkultur einnehmen.

Auch heute unterscheidet sich die Nutzung hochkultureller Angebote wie Theater, Opern, Konzerte und Museen zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu untersuchte solche kulturellen Differenzen, die mit dem Begriff des kulturellen Kapitals verbunden sind. Er stellte sie als Faktoren individueller und gesellschaftlicher Macht sowie der Machterhaltung in den Mittelpunkt seiner Forschungen.

Lernvideos zu Hochkultur (Soziologie)

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