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Hausmusik

Dieser Artikel befasst sich mit der traditionellen Hausmusik; für das gleichnamige Plattenlabel siehe Hausmusik (Label) bzw. ... Tonart transponieren. Vor …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Merkmale
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Instrumente und Besetzung
  4. 4. Liederbücher und vereinfachte Noten
  5. 5. Konzerte im privaten Raum

Begriff und Merkmale

Hausmusik bezeichnet das Musizieren in der Familie, in der Schule oder in anderen sozialen Gemeinschaften. Entscheidend ist, dass die musikalische Betätigung in einem nicht öffentlichen Rahmen stattfindet. Häufig wird gemeinsam gesungen, wobei die wenigen vorhandenen Instrumente vor allem zur Begleitung des Gesangs dienen. Hausmusik ist daher meist auf kleine Besetzungen und gut spielbare Musik ausgerichtet.

Historische Entwicklung

Im Mittelalter entstanden aus dem gemeinsamen Singen nach getaner Arbeit zahlreiche Volkslieder. Sie wurden zunächst mündlich überliefert. Erst die Volksliedsammlungen der Romantik hielten sie schriftlich fest und bilden damit die ersten notierten Beispiele der Hausmusik.

In Wien erlebte die Hausmusik zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Blütezeit. Eine neue Welle des Mäzenatentums – der Förderung von Kunst durch wohlhabende Unterstützer – prägte das Musikleben. Adlige Kunstförderer luden Musiker und Kapellen in ihre Schlösser ein, wo neue Kompositionen meist einem ausgewählten Publikum vorgestellt wurden. Zuvor war weltliche Musik fast ausschließlich am kaiserlichen Hof gepflegt worden, etwa durch die von Maximilian I. gegründete Hofmusikkapelle oder durch Opernaufführungen unter Leopold I. und Karl VI. Später verbreitete sich die Musikpflege im hohen und niederen Adel. Haydn, Mozart und Beethoven wirkten unter adligen Gönnern. Besonders kennzeichnend für die enge Verbindung zwischen Künstlern und Adel war die Kammermusik, also Musik für eine kleine Instrumentalbesetzung.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm auch das Bürgertum diese Form der Musikpflege. Im Biedermeier erreichte sie dort eine Hochphase. Typisch waren leicht spielbare Stücke und kleine Besetzungen. Wohlhabende Familien richteten teilweise eigene Musikzimmer ein, in denen sie gemeinsam musizierten oder professionelle Musiker auftreten ließen.

Im gehobenen europäischen Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts galten Klavier- und Gesangsstunden als Bestandteil der guten Erziehung von Töchtern. Die musikalische Ausbildung sollte vor allem ihre Chancen auf eine erfolgreiche Verheiratung erhöhen; berufliche Ziele waren damit nur selten verbunden. Instrumental begründete Karrieren von Frauen wie Clara Wieck, der späteren Clara Schumann, blieben Ausnahmen.

Im 20. Jahrhundert verlor die Hausmusik an Beliebtheit. Nach dem Pianola und ähnlichen Vorrichtungen ermöglichten besonders Schallplatten, andere Tonträger und der Rundfunk den Musikkonsum ohne eigenes Musizieren. Schulmusik, die Musik der Wandervogel-Bewegung und das Singen traditionellen Liedguts in Studentenverbindungen wirkten diesem Rückgang entgegen. In vielen Familien blieben dennoch nur einzelne Formen erhalten, vor allem das gemeinsame Singen von Geburtstags-, Advents- und Weihnachtsliedern.

Instrumente und Besetzung

Zu den traditionellen Hausmusikinstrumenten gehören Klavier, Harmonium, Gitarre, Akkordeon, Blockflöte, Hackbrett und Zithern. Regionale Beispiele für Zithern sind die Langeleik in Norwegen und die Citera in Ungarn. In neuerer Zeit kommen häufig Rhythmusinstrumente wie Maracas, Eggshaker und Schellenringe hinzu.

Elektronische Instrumente fanden vor allem mit dem Keyboard Eingang in die Haushalte, obwohl es bereits in den 1930er Jahren erste Ansätze wie den Neo-Bechstein gab. E-Gitarre und Schlagzeug spielen in der Hausmusik weiterhin eine Nischenrolle, werden aber besonders bei jüngeren Menschen beliebter. Grundsätzlich richtet sich die Besetzung danach, welche wenigen Instrumente vorhanden sind und den Gesang ausreichend begleiten können.

Liederbücher und vereinfachte Noten

Einfache Liederbücher bilden die Grundlage für die schriftliche Form heutiger Hausmusik. Bei mündlich überlieferten oder aus den Medien bekannten Melodien kann bereits der Liedtext als Erinnerungshilfe genügen. Für die Begleitung mit Gitarre oder Akkordeon sind darüber gesetzte Akkordsymbole wichtig.

Musikverlage veröffentlichen besondere Ausgaben für die moderne Hausmusik. Sie bearbeiten schwierige Vorlagen leichter, reduzieren Kompositionen auf die Melodie und eine einfache Begleitung oder transponieren sie in eine leichter singbare Tonart. Transponieren bedeutet hier, ein Stück in eine andere Tonhöhe beziehungsweise Tonart zu übertragen. Vor allem populäre Musik wird für den Hausgebrauch neu gedruckt und bearbeitet.

Manche Songs werden zunächst unmittelbar auf einer Tonspur aufgenommen und erst nach einem erfolgreichen Tonträger-Verkauf als Noten veröffentlicht. Dies betrifft Musicals ebenso wie Pop- und Rocksongs. Für den Hausgebrauch erscheinen die Stücke meist stark vereinfacht und häufig in Sammlungen. Je nach Ausgabe enthalten diese die Gesangsstimme, Akkordsymbole für Gitarristen und eine einfache Klavierbegleitung zur Unterstützung des Gesangs. Teilweise ist die Gesangsstimme zusätzlich in den Klavierpart integriert.

Konzerte im privaten Raum

Vor allem in Großstädten werden Konzerte, auch „Gigs“ genannt, und andere Darbietungen zunehmend in privaten Räumen veranstaltet. Bei einem Wohnzimmer- oder Atelierkonzert stellt ein Gastgeber den Raum bereit, legt Rahmen und Programm fest und lädt die Künstler sowie die Teilnehmer ein. Bei den auftretenden Künstlern handelt es sich typischerweise um professionelle Musiker.

Oft stehen Getränke, Snacks oder ein Buffet bereit. Nach dem Auftritt gibt es gewöhnlich Gelegenheit zu Gesprächen. Die Bezahlung wird vereinbart; häufig wird ein „Hut“ herumgereicht, in den die Gäste Geld für die Künstler geben. Solche Veranstaltungen können auch als „Salon“ stattfinden und Musik mit literarischen oder anderen kulturellen Darbietungen verbinden, beispielsweise mit einer Ausrichtung auf Jazz.

Kommerzielle Veranstalter und Online-Plattformen unterstützen inzwischen die Organisation solcher Konzerte und vermitteln unter anderem den Kontakt zwischen Gastgebern und Musikern. Auch Nachbarschaftsplattformen werden genutzt, um Wohnzimmerkonzerte zu organisieren.

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