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Geschichte Algeriens
Zwei Tage später erklärte Frankreich Algerien für unabhängig. 800.000 Menschen verließen Algerien, die meisten migrierten nach Frankreich. Im August 1962 …
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Kern der Geschichte
Die Geschichte Algeriens umfasst die Entwicklung des heutigen Staatsgebiets der Demokratischen Volksrepublik Algerien von den ältesten menschlichen Spuren bis zur Gegenwart. Wichtig ist sie, weil Algerien immer wieder ein Übergangsraum war: zwischen Mittelmeer und Sahara, zwischen lokalen Berbergesellschaften, römischer, islamischer, osmanischer und französischer Herrschaft sowie zwischen Kolonialismus und Unabhängigkeit.
Die ältesten Spuren stammen aus dem Altpaläolithikum: In Aïn el-Hanech wurden etwa 1,78 Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden. Etwa 700.000 Jahre alt sind menschliche Überreste aus Tighénif, die als Homo erectus mauritanicus oder Homo mauritanicus bezeichnet werden. Der anatomisch moderne Mensch, also Homo sapiens, ist in Nordwestafrika nach Funden aus Marokko vor rund 300.000 Jahren belegt. Spätere Kulturen waren das Atérien, das Ibéromaurusien und das Capsien. Im Capsien könnten Vorfahren der späteren Berber, der Imazighen, greifbar werden. Ab etwa 2500 v. Chr. wurde die Sahara wieder trockener, was Wanderungen und neue Siedlungsräume auslöste.
Antike Reiche und Rom
Seit Beginn der schriftlichen Überlieferung war Algerien von Berbern bewohnt. An der Küste wirkten Phönizier und später Karthago, das um 250 v. Chr. den Osten Algeriens dominierte. Im Binnenland entstanden Königreiche wie Numidien im Osten und Mauretanien im Westen. In den Punischen Kriegen zwischen Karthago und Rom spielten numidische Herrscher eine wichtige Rolle, besonders Massinissa, der nach 202 v. Chr. als römischer Verbündeter König von Numidien wurde.
Nach Konflikten um die Nachfolge, dem Jugurthinischen Krieg und den römischen Bürgerkriegen endeten die numidischen Monarchien: Juba I. starb 46 v. Chr., Mauretanien fiel 33 v. Chr. an Rom. Ab 40 n. Chr. wurde Mauretanien römisch besetzt und in Provinzen gegliedert. Unter römischer Herrschaft kam es im Norden zu starker Verstädterung und Romanisierung, also zur Übernahme römischer Sprache, Verwaltung, Bauweise und Lebensformen. Ab etwa 200 breitete sich das Christentum langsam aus. Gleichzeitig blieb die Kultur der Berber prägend. Im 4. Jahrhundert gab es Aufstände gegen Rom. 435 musste Rom Mauretania Tingitana, Mauretania Caesariensis und Numidien an die Vandalen abtreten. Ab 533 eroberte Ostrom/Byzanz das Vandalenreich, konnte aber das Hinterland mit seinen Berberreichen nur begrenzt kontrollieren.
Islamisierung und mittelalterliche Dynastien
Ab 663 wehrten sich Berber und Byzantiner gegen arabische Heere, die Nordafrika für den Islam erobern wollten. 698 fiel Karthago. Viele Berber nahmen den Islam an und beteiligten sich an weiteren Eroberungen, erlebten aber unter den arabischen Eliten auch Benachteiligung. Deshalb schlossen sich viele der charidschitischen Richtung an, die Gleichheit aller Muslime betonte. Im M’zab entstanden später ibaditische Gemeinschaften der Mozabiten.
Im 9. und 10. Jahrhundert prägten die Aghlabiden, die Kotama-Berber und dann die schiitischen Fatimiden die Region. Die Fatimiden riefen 909 ein Kalifat aus, verlegten ihren Schwerpunkt aber später nach Ägypten und gründeten Kairo. In Algerien wurden die Ziriden wichtig; unter ihnen wurde im 10. Jahrhundert Algier gegründet. 1015 machten sich die Hammadiden im Osten Algeriens unabhängig. Die von den Fatimiden ausgelöste Wanderung der Banū Hilāl und Banū Sulaim ab 1051/1052 verstärkte Arabisierung und Islamisierung; das Christentum verschwand im Laufe der folgenden Zeit.
Vom 12. bis 13. Jahrhundert vereinigten die Almohaden zeitweise den Maghreb unter einer Berberdynastie. Danach dominierten regionale Mächte: im Westen die Abdalwadiden mit Tlemcen, im Osten die Hafsiden, daneben der Druck der Meriniden aus Marokko. Im Süden gewannen die Tuareg ab dem 11. Jahrhundert Bedeutung; Kamelhaltung und Nord-Süd-Handel erleichterten Verbindungen durch die Sahara.
Osmanische Zeit
Im 16. Jahrhundert geriet Algerien in den Gegensatz zwischen Spanien und dem Osmanischen Reich. Spanien besetzte mehrere Küstenstützpunkte, darunter 1509 Oran. Osmanisch unterstützte Korsaren wie Arudsch und Khair ad-Din Barbarossa wurden zu wichtigen Gegenspielern. Khair ad-Din erkannte 1519 die Oberhoheit des osmanischen Sultans an. Algier wurde zu einer starken Seefestung und zu einem Zentrum der Kaperei, also des staatlich geduldeten oder organisierten Kaperkriegs gegen Handelsschiffe.
Die osmanische Oberherrschaft dauerte von 1519/74 bis 1830. Ab 1659 herrschten in Algier die Deys, deren Macht stark vom Militär, der Ujaq, abhing. Das Land bestand neben dem Bezirk um Algier aus drei Provinzen: Constantine im Osten, Tittari im Zentrum und Muaskar beziehungsweise später Oran im Westen. Staatseinnahmen kamen aus Abgaben, Handel, Kaperei, Lösegeldern und Sklavenverkäufen. Mit der Stärkung Englands, Frankreichs, der Niederlande und anderer Seemächte verlor die Kaperei an Bedeutung. Im 17. Jahrhundert hatte Algier über 100.000 Einwohner; um 1830 hatte Algerien höchstens 3 Millionen Einwohner. Innere Konflikte, Soldkürzungen, Aufstände religiöser Orden und Spannungen mit Nachbarn schwächten die Herrschaft.
Französische Kolonialherrschaft und Unabhängigkeit
1830 eroberte Frankreich Algier, Bône und Oran. Anlass war unter anderem ein Streit um Schulden und ein diplomatischer Zwischenfall, bei dem der Dey den französischen Konsul Pierre Deval mit einem Fliegenwedel schlug. Am 14. Juni 1830 landeten 37.000 Mann bei Sidi Ferruch; am 5. Juli wurde Algier übergeben. Danach begann die Eroberung des Landes. Abd el-Kader leistete in Westalgerien Widerstand und wurde 1837 im Vertrag an der Tafna als Emir anerkannt, musste aber 1847 aufgeben.
Ab 1848 wurde Nordalgerien integraler Bestandteil Frankreichs und eine Siedlungskolonie. Europäische Siedler erhielten Land, während einheimische Besitzer und Nutzer vielfach enteignet wurden. Der Kabylenaufstand von 1870 bis 1871 wurde mit 80.000 Soldaten niedergeschlagen; danach verlor Algerien weitere große Landflächen an Siedler. Der Code de l’indigénat von 1881 stellte die einheimische Bevölkerung unter eine Sondergerichtsbarkeit und blieb bis 1946 gültig, für Algerier faktisch bis 1962. Die Kolonialwirtschaft zerstörte Teile des Handwerks, schwächte die Landwirtschaft und schränkte Bildung ein; 1954 galten 85 % der algerischen Bevölkerung als illiterat.
Ab 1911 entstanden moderne antikoloniale Bewegungen. 1954 begann unter Führung der Nationalen Befreiungsfront FLN der Algerienkrieg. 1961 stimmten 69,09 % der Wähler in Algerien und 75,25 % in Frankreich für die Unabhängigkeit. Die Verträge von Évian vom 18. März 1962 führten zur Unabhängigkeit; am 1. Juli 1962 stimmten über 99 % für ihre Annahme. Die Opferzahlen sind umstritten: französische Angaben nennen 300.000 getötete muslimische Algerier, algerische Quellen bis zu eine Million. Etwa 90 % der mehr als eine Million französischen Siedler verließen das Land. Viele Harkis, muslimische Algerier, die für Frankreich gearbeitet hatten, wurden nach 1962 verfolgt oder ermordet.
Republik seit 1962
Nach der Unabhängigkeit wurde die Demokratische Volksrepublik Algerien ausgerufen. Ahmed Ben Bella machte die FLN zu einer sozialistisch orientierten Einheitspartei. 1965 wurde er durch Houari Boumedienne gestürzt. Unter Boumedienne wurden Erdöl, Erdgas und Teile der Landwirtschaft verstaatlicht; mit Hilfe der Bodenschätze sollte ein „algerischer Sozialismus“ entstehen. Wirtschaftliche Probleme, Jugendarbeitslosigkeit, Wohnungsnot und sinkende Ölpreise führten in den 1980er Jahren zu Protesten. 1989 wurden Verfassungsänderungen beschlossen: Trennung von Partei und Staat, Pluralismus, politische Freiheiten und Menschenrechtsgarantien.
1991 gewann die Islamische Heilsfront FIS den ersten Durchgang der freien Wahlen. 1992 stoppte das Militär den Wahlprozess, verbot die FIS und zwang Präsident Chadli Bendjedid zum Rücktritt. Es folgte ein Bürgerkrieg zwischen radikalen Islamisten und Armee, dem über 120.000 Menschen zum Opfer fielen. 2002 wurde Tamazight, die Berbersprache, als Nationalsprache anerkannt.
Abd al-Aziz Bouteflika regierte von 1999 bis 2019. Er setzte auf Amnestien und Versöhnungspolitik, bekämpfte aber weiter islamistischen Terror. 2019 trat er nach Massenprotesten zurück; Abdelmadjid Tebboune gewann im Dezember 2019 die Präsidentenwahl. 2024 vereinbarte Algerien mit Russland eine Vertiefung der strategischen Allianz, gleichzeitig verbesserten sich die Beziehungen zu Frankreich. Algerien hat inzwischen rund 50 Millionen Einwohner.