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Kurzes 20. Jahrhundert
Andererseits ging – mit dem Ende der Sowjetunion 1991 und der bereits seit 1989 erfolgten Öffnung vieler Länder des Ostblocks dem Westen gegenüber – der die …
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Begriff und zeitliche Abgrenzung
Das „kurze 20. Jahrhundert“ ist ein geschichtswissenschaftliches Konzept, das der Historiker Iván T. Berend prägte und der britische Historiker Eric Hobsbawm 1994 durch sein Buch „Das Zeitalter der Extreme“ bekannt machte. Es beruht auf der Vorstellung, dass kalendarische Jahrhunderte historische Epochen nur unzureichend abbilden, weil politische und gesellschaftliche Veränderungen nicht genau an Jahrhundertgrenzen stattfinden.
Als „kurzes 20. Jahrhundert“ gilt ungefähr die Zeit von 1914 bis 1989. Die für das Jahrhundert charakteristische Epoche umfasst damit nur etwa 75 Jahre und ist gegenüber einem kalendarischen Jahrhundert ungefähr 25 Jahre „zu kurz“. Die vorausgehende Epoche von 1789 bis 1914 wird entsprechend als „langes 19. Jahrhundert“ zusammengefasst.
Der Erste Weltkrieg als Epochenbruch
Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ähnelte gesellschaftlich und politisch noch stark dem 19. Jahrhundert. Deshalb bildet nicht das Jahr 1900, sondern der Kriegsbeginn 1914 die Grenze zwischen dem langen 19. und dem kurzen 20. Jahrhundert. Der Erste Weltkrieg gilt dabei als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.
Der Krieg brachte eine totale Mobilmachung von Staat und Gesellschaft. Sein Ende führte zu tiefgreifenden Umbrüchen: 1917 kam es zur Revolution in Russland, 1918 zu Revolutionen in Deutschland und Österreich. Zugleich gingen in mehreren europäischen Ländern Monarchien unter. Dadurch entstanden eine neue Gesellschafts- und Weltordnung sowie eine politische Neuordnung von Teilen Mittel- und Osteuropas und des Balkans.
Ideologien, Gegensätze und Fortschritt
Die Jahre von 1914 bis 1989 werden auch als „Jahrhundert der Ideologien“, „Jahrhundert der Extreme“ oder „Jahrhundert der Gegensätze“ bezeichnet. In diesem Zeitraum bildeten sich gegensätzliche Herrschaftsideologien wie Faschismus und Kommunismus heraus und fanden schließlich auch ihr Ende.
Gleichzeitig zeigte sich der wissenschaftliche und technische Fortschritt stärker als je zuvor sowohl in nützlichen als auch in zerstörerischen Formen. Beispiele dafür sind die Atombombe, die Luft- und Raumfahrt, die Mondlandung, Fortschritte in Medizin und Medizintechnik sowie Fernsehen und andere Massenmedien.
Das Jahrhundert wird außerdem als „Jahrhundert Amerikas“ („the American century“) bezeichnet. Das von europäischen Kolonialmächten wie Großbritannien und Frankreich sowie ab etwa 1880 auch Deutschland beherrschte 19. Jahrhundert gilt dagegen als „europäisches Jahrhundert“. Die USA stiegen um die Jahrhundertwende zur wirtschaftlich mächtigsten Nation der Welt auf. Durch die Zerstörung Europas in den beiden Weltkriegen wurden sie 1917, spätestens aber 1945, neben der Sowjetunion zur einzigen politischen Großmacht beziehungsweise Supermacht.
Das Ende des kurzen Jahrhunderts
Die zweite Hälfte des kurzen 20. Jahrhunderts wurde wesentlich durch den Ost-West-Konflikt, den Kalten Krieg, bestimmt. Dabei standen sich ideologisch geprägte Machtblöcke gegenüber.
Diese Ordnung löste sich seit 1989 auf, als sich viele Länder des Ostblocks gegenüber dem Westen öffneten. Mit dem Ende der Sowjetunion 1991 war auch der Ost-West-Konflikt beendet. Deshalb gilt 1989 als gefühltes Ende des kurzen 20. Jahrhunderts und als Beginn einer neuen Epoche, obwohl die Sowjetunion erst zwei Jahre später zerfiel.
Die Welt nach 1989
Nach 1989 schien zunächst eine „Neue Weltordnung“ zu entstehen. Stattdessen nahm die Unsicherheit in der Weltpolitik zu. Viele betrachten die Terroranschläge vom 11. September 2001 und den anschließenden Krieg gegen den Terrorismus als Beginn einer weiteren Epoche. In diesem Zusammenhang ist von einer „Rückkehr der Geschichte“ oder einer „neuen Weltunordnung“ die Rede. Diese Vorstellungen widersprachen Erwartungen der 1990er-Jahre: Autoren wie Francis Fukuyama hatten ein „Ende der Geschichte“ im herkömmlichen Sinne erwartet. Die Festlegung von 1989 als gefühltem Jahrhundertende entstand allerdings bereits vor 2001.
Kennzeichen der Zeit nach dem Kalten Krieg sind die Politik der USA als einzig verbliebener Supermacht, die Überwindung der Teilung Europas durch die Osterweiterung der Europäischen Union und der weltpolitische Aufstieg asiatischer Wirtschafts- und Militärmächte wie China und Indien. Außerdem brachen lange unterdrückte nationale, religiöse und kulturelle Konflikte wieder auf. Besonders prägend wurden wirtschaftliche und kulturelle Massenphänomene der Globalisierung.