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Geschichte Athens
Ihre endgültige Blüte erlebte die attische Demokratie im 4. Jahrhundert v. Chr., als die Zeit der größten Machtentfaltung Athens bereits vorbei war. Mit den …
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Anfänge und Weg zur Polis
Athen, die heutige Hauptstadt Griechenlands, liegt auf der Halbinsel Attika. Seine Geschichte reicht etwa 7500 Jahre bis in die Jungsteinzeit zurück. Sicherere Einzelheiten sind ab etwa 1600 v. Chr. bekannt: Im 14. Jahrhundert v. Chr. stand auf der Akropolis, der „hohen Stadt“, ein mykenischer Königspalast; in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. entstand eine Wehrmauer. Anders als viele mykenische Palastzentren wurde die Akropolis möglicherweise um 1200 v. Chr. nicht zerstört. Brandspuren sind zwar nachweisbar, aber nicht datierbar; die Stadt scheint im 12. Jahrhundert v. Chr. weiter besiedelt gewesen zu sein.
In der submykenischen und protogeometrischen Zeit um 1050–900 v. Chr. ging die Wirtschaft zurück. Ab der geometrischen Zeit (900–700 v. Chr.) und der archaischen Zeit (700–500 v. Chr.) stieg Athen wieder auf. Die Festung auf der Akropolis, der Zugang zum Meer und der Handel über den Hafen Piräus begünstigten Wohlstand. Die Vereinigung Attikas zu einer Polis, also einem Stadtstaat mit Umland, führte jedoch zu sozialen Spannungen.
Die Archonten waren Stadtoberhäupter, die angeblich seit 682 v. Chr. jeweils für ein Jahr bestimmt wurden. Drakon ließ allgemein geltende Strafen aufschreiben und öffentlich ausstellen, um Willkürurteile und Blutrache einzuschränken. Solon versuchte später, Konflikte zwischen adligen Grundbesitzern und verarmten, teils schuldversklavten Bürgern auszugleichen: Er schaffte Schuldsklaverei und übergroßen Landbesitz ab, förderte freien Handel und teilte die Athener in vier Klassen ein. Nur die oberste Klasse durfte politische Ämter übernehmen; in der Volksversammlung hatten aber Bürger aller Klassen Stimmrecht.
Die Machtkämpfe endeten zunächst nicht. Peisistratos übernahm wohl 561 v. Chr. die Macht und errichtete eine Tyrannis, also die Herrschaft eines Einzelnen. Nach seinem Tod 527 v. Chr. regierten seine Söhne Hippias und Hipparchos weiter. 510 v. Chr. endete die Tyrannis durch Ermordung und Vertreibung der Brüder, wobei Sparta eingriff.
Demokratie, Seemacht und Peloponnesischer Krieg
Nach 510 v. Chr. prägte Kleisthenes den Demokratisierungsprozess. Er gliederte Attika in 139 selbstverwaltete Demen, ungefähr dorfartige Einheiten. Diese wurden auf Stadtgebiet, Binnenland und Küstengebiet verteilt. Je zehn Abteilungen dieser drei Regionen bildeten zusammen zehn Phylen; jede Phyle enthielt somit einen Teil jeder Region und umfasste etwa 3500 Bürger. So sollte die Stadtbevölkerung nicht bevorzugt und die gesamte Bürgerschaft politisch eingebunden werden.
Jede Phyle entsandte 50 ausgeloste Vertreter in die Boule, den Rat der Fünfhundert. Das Losverfahren galt als Ausdruck des göttlichen Willens. Das ebenfalls eingeführte Scherbengericht sollte die Entstehung einer neuen Tyrannis verhindern. Ab 462 v. Chr. entmachtete Ephialtes den Areopag; er blieb nur Gerichtshof für Mordfälle an athenischen Bürgern. Volksversammlung, Rat der 500 und oberstes Volksgericht übernahmen die übrigen Aufgaben. Die Bürger übten damit Gesetzgebung, Regierung, Kontrolle und Rechtsprechung aus. Ämter wurden meist ausgelost und nach dem Rotationsprinzip besetzt; nur Aufgaben mit besonderen Kenntnissen und Erfahrungen wurden gewählt. Perikles führte Tagegelder für politische Versammlungen und Diäten für Ämter ein, damit auch wirtschaftlich weniger begüterte Bürger teilnehmen konnten. Die attische Demokratie galt als erste Demokratie der Geschichte, bezog aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung ein: Sklaven und Fremde, die Metöken, hatten praktisch keine Rechte.
In den Perserkriegen unterstützte Athen um 500 v. Chr. den Ionischen Aufstand. Die Athener siegten 490 v. Chr. bei Marathon. 480 v. Chr. zerstörten Perser Athen, verloren aber die Seeschlacht von Salamis; 479 v. Chr. wurden sie bei Plataiai endgültig besiegt. 493 v. Chr. war der Haupthafen von Phaleron nach Piräus verlegt worden, der später durch die Langen Mauern mit Athen verbunden wurde.
477 v. Chr. gründete Athen den Attischen Seebund. Dieser entwickelte sich zum attischen Reich, und Athen wurde zur stärksten Seemacht. Im 5. Jahrhundert v. Chr. lebten etwa 40.000 Menschen in der Stadt und etwa 300.000 in ganz Attika. Athen war zugleich ein kulturelles Zentrum; Perikles ließ die zerstörten Bauwerke auf der Akropolis erneuern. Konflikte mit Korinth und Sparta führten zum Peloponnesischen Krieg. Eine Epidemie von 430 bis 426 v. Chr. tötete ein Drittel der Stadtbevölkerung; DNA-Untersuchungen von 2006 deuten auf Typhus statt Pest, dieser Befund wurde aber bald angezweifelt. Perikles starb 429 v. Chr. Die Sizilienexpedition von 415–413 v. Chr. scheiterte. Nach der Niederlage bei Aigospotamoi 405 v. Chr. verlor Athen 404 v. Chr. den Krieg, löste den Seebund auf und wurde kurzzeitig von der Herrschaft der Dreißig regiert. 403 v. Chr. wurde eine gemäßigte Demokratie wiederhergestellt.
Viertes Jahrhundert und hellenistische Abhängigkeit
Im 4. Jahrhundert v. Chr. blieben die demokratischen Institutionen funktionsfähig: jährlich ausgeloste Bürger besetzten sie, und eine politische Gleichgültigkeit der Bürger ist nicht überliefert. Die fortlaufende Erweiterung der Pnyx, des Versammlungsortes, weist auf politisches Engagement hin. Philosophisch wurde Athen durch Platon und Aristoteles besonders bedeutend; Xenophon knüpfte als Historiker an Thukydides an.
Nach dem Peloponnesischen Krieg gewann Athen durch Politik zwischen Persien, Sparta und Theben Handlungsspielraum zurück. 377 v. Chr. entstand erneut ein attischer Seebund. Seit den 350er Jahren v. Chr. trat die Stadt Makedonien unter Philipp II. entgegen. Ein fast alle griechischen Städte umfassendes Bündnis wurde 338 v. Chr. bei Chaironeia besiegt. Athen musste im folgenden Jahr dem von Philipp II. beherrschten Korinthischen Bund beitreten und verlor seine Unabhängigkeit.
Ein Befreiungsversuch nach Alexanders Tod scheiterte 322 v. Chr. im Lamischen Krieg. Athen schränkte seine Demokratie ein und musste eine makedonische Garnison hinnehmen. Von 317 bis 307 v. Chr. regierte Demetrios von Phaleron als makedonisch gestützter Verwalter. Danach kehrte zeitweise eine radikale Demokratie zurück; bis 262 v. Chr. konnte sich die Stadt gegen Makedonien behaupten. Nach dem Chremonideischen Krieg war Athen bis 229 v. Chr. makedonisch und anschließend wieder eine freie Stadt. Die Volksversammlung beschloss Neutralität gegenüber den Diadochen, also den Nachfolgeherrschern Alexanders, doch die Unabhängigkeit blieb gefährdet.
Kulturell und wirtschaftlich blieb Athen wichtig. In den Kriegen zwischen Makedonien und Rom stand die Stadt auf römischer Seite. Spätestens seit 146 v. Chr. stand Griechenland faktisch unter römischer Hegemonie. Athen profitierte ab 166 v. Chr. von römischen Handelsprivilegien über Delos und vom dortigen Sklavenhandel. Der Reichtum der Kaufleute verschärfte jedoch die soziale Ungleichheit, weil die Konkurrenz von Sklavenarbeit die Einkommen einfacher Bürger senkte.
Römische, byzantinische und osmanische Zeit
88 v. Chr. unterstützte Athen König Mithridates VI. gegen Rom. Daraufhin eroberte und plünderte Sulla die Stadt 86 v. Chr., ließ die Langen Mauern schleifen und führte ein Zensussystem ein: Nur Wohlhabende konnten politische Ämter erreichen. Die Volksversammlung blieb bestehen; Athen blieb freie Stadt und intellektuelles Zentrum. Der Handel über Delos verlor jedoch seine Bedeutung.
Auch unter direkter römischer Herrschaft ab 27 v. Chr. blieb Athen ein kulturelles Zentrum. Die Provinz Achaea hatte allerdings Korinth als Hauptstadt. Paulus von Tarsus predigte 49 n. Chr. auf Agora und Areopag mit sehr mäßigem Erfolg. Römische Eliten studierten in Athen Philosophie. Augustus ließ die Römische Agora bauen. Hadrian, Kaiser von 117 bis 138 n. Chr., stiftete die Hadriansstadt, die Hadriansbibliothek und die Vollendung des Olympieions; auch das Odeon des Herodes Atticus entstand in römischer Zeit. Nach der Eroberung durch Heruler 267 erholte sich die Stadt noch einmal.
Mit der Christianisierung verlor Athen als Zentrum des Neuplatonismus an Bedeutung: Seit 380 war das Christentum faktisch Staatsreligion, seit 391 waren heidnische Kulthandlungen verboten. Justinian schloss 529 die neuplatonischen Philosophenschulen. Schwere Zerstörungen durch awarische und slawische Krieger um 582 beendeten die antike Stadtgeschichte.
Im späten 6. Jahrhundert wurde die Stadt erneut stark zerstört und schrumpfte vermutlich auf ein kleines befestigtes Gebiet am Fuß der Akropolis. Bischofssitz blieb sie. Nach dem Vierten Kreuzzug 1204 wurde Athen ein fränkisches Herzogtum und kehrte nicht mehr unter byzantinische Herrschaft zurück. Sultan Mehmed II. eroberte die Stadt 1456 und gewährte der christlichen Bevölkerung begrenzte Selbstverwaltung. 1687 traf bei einer venezianischen Belagerung eine Kugel den Parthenon; dort gelagertes Schwarzpulver explodierte und zerstörte Teile des Tempels. Im Unabhängigkeitskampf nahmen Griechen 1822 die Akropolis ein, kapitulierten jedoch am 5. Juni 1827. Türkische Truppen blieben bis März 1833.
Hauptstadt, Kriege und Diktatur
1834 wurde Athen statt Nauplion Hauptstadt Griechenlands. Die Stadt hatte damals etwa 7000 bis 12.000 Einwohner; nach den Unabhängigkeitskriegen standen nur noch ungefähr 300 Häuser, zuvor etwa 3000. Die Bevölkerung verdoppelte sich in zehn Jahren, erreichte aber erst in den 1860er Jahren 40.000 und Ende der 1880er Jahre 100.000. Athen wuchs zunächst vor allem als Verwaltungs- und weniger als Industriezentrum. König Otto I. ließ die Stadt ausbauen, gründete 1837 die Athener Universität und erließ 1844 nach der Revolution vom 3. September 1843 eine Verfassung. Eisenbahn, Straßenbahn, Gasbeleuchtung und später Elektrizität verbesserten die Infrastruktur. 1896 fanden bei etwa 140.000 Einwohnern die ersten modernen Olympischen Sommerspiele statt.
Nach 1919–1922 kamen etwa 350.000 Flüchtlinge aus Kleinasien zu den 453.000 Bewohnern der Hauptstadt. Der Staat wies Grundstücke am Stadtrand zu; es entstanden Barackensiedlungen und Flüchtlingsunterkünfte. Die zusätzlichen Arbeitskräfte förderten die Industrialisierung. Ab 1935 regierte General Ioannis Metaxas autoritär; 1936 setzte er das Kriegsrecht durch.
Die Wehrmacht besetzte Athen am 27. April 1941. Die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Besatzungsmächte führte zu Arbeitslosigkeit, niedrigeren Brotrationen und Hungersnot. Im Ballungsgebiet starben in den Wintern 1941/1942 und 1942/1943 über 100.000 Menschen. 1944 konnten rund 1800 von 3500 Athener Juden vor der Deportation gerettet werden, unter anderem durch Erzbischof Damaskinos, Polizeipräsident Angelos Evert und die EAM. Am 13. Oktober 1944 rückte die British Army ein.
Am 3. Dezember 1944 begannen nach Demonstrationen und Schüssen der Polizei Straßenkämpfe zwischen ELAS und britischen Einheiten, die Dekemvriana. Im Januar 1945 unterlag die Linke; ab August 1945 folgte der Bürgerkrieg. Die Stadt war verarmt und beschädigt, zahlreiche neoklassizistische Gebäude wurden zerstört. Zuwanderung vom Land und ein Bauboom prägten die Zeit bis in die 1960er Jahre. Von 1967 bis 1974 herrschte die Militärdiktatur. Der Aufstand am Polytechnio Athen wurde am 17. November 1973 blutig niedergeschlagen. Am 24. Juli 1974 kehrte Konstantinos Karamanlis zurück und wurde Premierminister; die Junta war zusammengebrochen.
Entwicklung seit 1974
Nach der Wiederherstellung der Demokratie nahmen Autoverkehr, Staus und Luftverschmutzung zu. Der Daktylios beschränkte im Stadtzentrum den Verkehr nach geraden und ungeraden Endziffern der Kennzeichen. Ausgenommen sind heute schadstoffarme, Hybrid- und Elektroautos (Stand 2026). In den 1990er Jahren wurde die lange vernachlässigte Infrastruktur ausgebaut: Metro, Straßenbahn und Proastiakos wurden modernisiert oder erweitert; Stadtautobahn und Flughafen entstanden. Archäologische Ausgrabungen verzögerten die Vorhaben oft. Der U-Bahn-Bau gilt als größte innerstädtische archäologische Kampagne des europäischen Kontinents.
Athen war 1985 erste Kulturhauptstadt Europas. 2004 richtete die Stadt die Olympischen Sommerspiele aus; sie wurden vor allem wegen geänderter Sicherheitsbestimmungen nach dem 11. September 2001 erheblich teurer als geplant. Viele danach entstandene Sportanlagen wurden nicht weiter genutzt. Das Akropolismuseum wurde 2009 eröffnet. 2016 kam das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Foundation hinzu; es beherbergt seitdem Nationaloper und Nationalbibliothek und umfasst 210.000 m².
Erdbeben verursachten schwere Schäden: 1981 starben 20 Menschen, über 500 wurden verletzt und mehr als 85.000 Gebäude beschädigt. Beim Beben von 1999 starben 143 Menschen, über 700 wurden verletzt und ungefähr 70.000 Gebäude beschädigt. Die Akropolis und andere antike Bauten blieben fast unbeschadet; anschließend wurden neue Gebäude erdbebensicherer gebaut.
Seit der Jahrtausendwende kommen Einwanderer verstärkt aus Asien und Afrika, während sie seit den 1990er Jahren vor allem aus Nachbarländern stammten. Nach der Tötung des 15-jährigen Alexis Grigoropoulos durch den Polizisten Epaminondas Korkoneas am 6. Dezember 2008 kam es in Athen und weiteren Städten zu gewaltsamen Ausschreitungen. Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan gründeten 25 nach Griechenland geflohene frühere Parlamentarierinnen in Athen ein Exilparlament.