Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Koevolution

Koevolution, auch Coevolution, bezeichnet im Rahmen der Evolutionstheorie einen evolutionären Prozess mit wechselseitiger Anpassung zweier stark …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Formen
  3. 3. Biologische Beispiele
  4. 4. Weitere Verwendungen

Grundidee

Koevolution, auch Coevolution, bezeichnet in der Evolutionstheorie einen evolutionären Prozess, bei dem sich zwei stark miteinander interagierende Arten wechselseitig anpassen. Eine Art beeinflusst dabei die Entwicklung der anderen Art und umgekehrt. Dieser Prozess kann sich über sehr lange Zeiträume in der Stammesgeschichte beider Arten erstrecken.

Der Begriff ist auf Artenpaare beschränkt, bei denen beide Arten einen starken Selektionsdruck aufeinander ausüben. Selektionsdruck bedeutet, dass bestimmte Merkmale für Überleben oder Fortpflanzung vorteilhaft oder nachteilig werden. Das Ergebnis der Koevolution sind Koadaptationen, also aufeinander bezogene Anpassungen bei beiden beteiligten Arten.

Formen

Koevolutionäre Prozesse können mutualistisch oder antagonistisch sein.

Mutualistische Koevolution liegt vor, wenn die Entwicklungen beiden beteiligten Arten nützen. Ein typischer Zusammenhang ist eine Symbiose, also eine enge Beziehung zwischen zwei Arten.

Antagonistische Koevolution liegt vor, wenn die Entwicklungen den gegenseitigen Selektionsdruck verschärfen. Dabei kann eine Art Vorteile entwickeln, auf die die andere Art mit Gegenanpassungen reagiert.

Biologische Beispiele

Beispiele für Koevolution gibt es bei den Beziehungen zwischen den beiden beteiligten Arten einer Symbiose. Genannt werden Bestäuber und die von ihnen bestäubten Pflanzen, besonders Bedecktsamer.

Weitere Beispiele sind Beutegreifer und ihre Beutetiere oder Beutepflanzen in einer Räuber-Beute-Beziehung. Auch Parasiten und ihre Wirte können koevolutiv verbunden sein, etwa Agrobacterium tumefaciens als Parasit und dikotyle Pflanzen als Wirte. Ebenso wird die Entwicklung der Behaarung des Menschen zusammen mit Menschenläusen genannt.

Auch zwischen Weidetieren und dem von ihnen beweideten Grasland können koevolutionäre Beziehungen bestehen.

Weitere Verwendungen

Der Begriff wurde ursprünglich ausschließlich in der Evolutionsbiologie verwendet. Später wurde er in andere Disziplinen übernommen und erhielt je nach Fachgebiet veränderte Bedeutungen.

In der molekularen Biologie prägte Gabriel Dover 1984 den Begriff der „molekularen Koevolution“. In der Memetik wird von der Koevolution von Memen und Genen gesprochen sowie von der Koevolution zweier Memplexe, zum Beispiel Demokratie und Kapitalismus.

Weitere Verwendungen gibt es in der Astronomie, etwa bei Theorien zur Koevolution von Galaxien und Schwarzen Löchern, sowie in Erich Jantschs Theorie des sich selbst organisierenden Universums. Dort erscheint Koevolution als allgemeiner Mechanismus der Entwicklung des Universums im Sinne einer universalen Evolutionstheorie. Außerdem wird der Begriff in der Informatik für die Koevolution von Algorithmen, in der Evolutionsökonomik für sich gegenseitig beeinflussende Entwicklungen unterschiedlicher Systeme oder Komponenten sowie in Soziologie, Ökonomie und Kulturanthropologie verwendet. In der Kulturanthropologie wird Kultur als koevolutionärer Prozess der biologischen Evolution verstanden.

Lernvideos zu Koevolution

Weiterlesen

Synthetische Evolutionstheorie Die Synthetische Evolutionstheorie erklärt den Artenwandel, einschließlich der Bauplan-Transformationen (Makroevolution), seit ca. 1950. Evolution Darunter wird die von Generation zu Generation stattfindende allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen und von anderen … Art (Biologie) Jede biologische Art ist ein Resultat der Artbildung. Bislang gelang keine allgemeine Definition der Art, welche die theoretischen und praktischen Anforderungen … Selektion (Evolution) Die Bezeichnung natürliche Selektion wurde von Charles Darwin geprägt. Die Selektion mittels Selektionsdruck ist ein Aspekt von Darwins Evolutionstheorie und … Evolutionäre Anpassung Schutzmechanismen als Anpassung an kalte Jahreszeiten gibt es auch bei Pflanzen. So verlieren Laubbäume im Herbst ihr Laub und überdauern den Winter mit … Mutualismus (Biologie) ... Räuber-Beute-Beziehung beide Partner Nutzen ziehen. In der US-amerikanischen Literatur wird das Wort mutualism synonym zur deutschen Bezeichnung Symbiose im … Symbiose Dieser Artikel behandelt die Symbiose in der Biologie, weitere Bedeutungen unter Symbiose (Begriffsklärung). ... Parasitismus, in die Biologie einzuführen. In … Bestäubung Die Bestäubung ist bei der sexuellen Fortpflanzung der Samenpflanzen die Übertragung des Pollens mit den darin befindlichen Spermienzellen auf die … Räuber-Beute-Beziehung Es handelt sich um ein vereinfachendes Modell eines Ausschnitts der Nahrungsnetze, die im biologischen Fachgebiet Ökologie analysiert werden. Räuber-Beute- … Parasitismus Parasitismus (von altgriechisch παρά ‚neben', und σιτεῖσθαι ‚essen'), veraltet auch Schmarotzertum, bezeichnet den Ressourcengewinn von kleinen Lebewesen … Hominisation Als Hominisation (auch Anthropogenese, selten Anthropogenie) wird die evolutive Herausbildung des Merkmalsgefüges bezeichnet, das für den anatomisch … Evolutionsbiologie Die Evolutionsbiologie ist ein Teilbereich der Biowissenschaften. Sie untersucht das Evolutionsgeschehen im Laufe der Erdgeschichte bis heute sowie die …