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Koevolution
Koevolution, auch Coevolution, bezeichnet im Rahmen der Evolutionstheorie einen evolutionären Prozess mit wechselseitiger Anpassung zweier stark …
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Grundidee
Koevolution, auch Coevolution, bezeichnet in der Evolutionstheorie einen evolutionären Prozess, bei dem sich zwei stark miteinander interagierende Arten wechselseitig anpassen. Eine Art beeinflusst dabei die Entwicklung der anderen Art und umgekehrt. Dieser Prozess kann sich über sehr lange Zeiträume in der Stammesgeschichte beider Arten erstrecken.
Der Begriff ist auf Artenpaare beschränkt, bei denen beide Arten einen starken Selektionsdruck aufeinander ausüben. Selektionsdruck bedeutet, dass bestimmte Merkmale für Überleben oder Fortpflanzung vorteilhaft oder nachteilig werden. Das Ergebnis der Koevolution sind Koadaptationen, also aufeinander bezogene Anpassungen bei beiden beteiligten Arten.
Formen
Koevolutionäre Prozesse können mutualistisch oder antagonistisch sein.
Mutualistische Koevolution liegt vor, wenn die Entwicklungen beiden beteiligten Arten nützen. Ein typischer Zusammenhang ist eine Symbiose, also eine enge Beziehung zwischen zwei Arten.
Antagonistische Koevolution liegt vor, wenn die Entwicklungen den gegenseitigen Selektionsdruck verschärfen. Dabei kann eine Art Vorteile entwickeln, auf die die andere Art mit Gegenanpassungen reagiert.
Biologische Beispiele
Beispiele für Koevolution gibt es bei den Beziehungen zwischen den beiden beteiligten Arten einer Symbiose. Genannt werden Bestäuber und die von ihnen bestäubten Pflanzen, besonders Bedecktsamer.
Weitere Beispiele sind Beutegreifer und ihre Beutetiere oder Beutepflanzen in einer Räuber-Beute-Beziehung. Auch Parasiten und ihre Wirte können koevolutiv verbunden sein, etwa Agrobacterium tumefaciens als Parasit und dikotyle Pflanzen als Wirte. Ebenso wird die Entwicklung der Behaarung des Menschen zusammen mit Menschenläusen genannt.
Auch zwischen Weidetieren und dem von ihnen beweideten Grasland können koevolutionäre Beziehungen bestehen.
Weitere Verwendungen
Der Begriff wurde ursprünglich ausschließlich in der Evolutionsbiologie verwendet. Später wurde er in andere Disziplinen übernommen und erhielt je nach Fachgebiet veränderte Bedeutungen.
In der molekularen Biologie prägte Gabriel Dover 1984 den Begriff der „molekularen Koevolution“. In der Memetik wird von der Koevolution von Memen und Genen gesprochen sowie von der Koevolution zweier Memplexe, zum Beispiel Demokratie und Kapitalismus.
Weitere Verwendungen gibt es in der Astronomie, etwa bei Theorien zur Koevolution von Galaxien und Schwarzen Löchern, sowie in Erich Jantschs Theorie des sich selbst organisierenden Universums. Dort erscheint Koevolution als allgemeiner Mechanismus der Entwicklung des Universums im Sinne einer universalen Evolutionstheorie. Außerdem wird der Begriff in der Informatik für die Koevolution von Algorithmen, in der Evolutionsökonomik für sich gegenseitig beeinflussende Entwicklungen unterschiedlicher Systeme oder Komponenten sowie in Soziologie, Ökonomie und Kulturanthropologie verwendet. In der Kulturanthropologie wird Kultur als koevolutionärer Prozess der biologischen Evolution verstanden.