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Kloster Lorch
Das Kloster Lorch ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Lorch in Baden-Württemberg (Deutschland). Es war das Hauskloster der Staufer. Gesamtansicht, 2022 …
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Überblick und Gründung
Das Kloster Lorch in Lorch, Baden-Württemberg, ist eine ehemalige Benediktinerabtei und das Hauskloster der Staufer. Es wurde um 1102 von Herzog Friedrich I. von Schwaben und seiner Familie gestiftet. Die überlieferte Gründungsurkunde gilt zwar als Fälschung aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, gibt den Sachverhalt aber wohl im Wesentlichen richtig wieder.
Wie bei Klöstern der Hirsauer Reform war Lorch dem Papst unterstellt; die Staufer behielten jedoch die Vogtei, also das weltliche Schutz- und Herrschaftsrecht. Die zunächst eher bescheidene Ausstattung umfasste staufisches Hausgut in Lorch, Güter beim Hohenstaufen und nördlich der Rems sowie weiter entfernten Besitz, sicher in Ebermergen bei Harburg. Von 1140 bis 1208 war die Abtei eine der Grablegen der Staufer. Nach dem Bau von Kirche und Klausur konnten 1139 verstorbene Staufer aus der Stiftskirche in die neue Klosterkirche überführt werden.
Mittelalterliche Entwicklung und Krisen
Um die Wende zum 13. Jahrhundert erhielt die Abteikirche Schmuckpfeiler und einen Turm über der Vierung, dem quadratischen Bereich zwischen Langhaus und Querhaus. Damit wurde die Staufergrablege sichtbar hervorgehoben. Nach dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft war das Kloster gefährdet: Ehemalige Ministerialen, Graf Ulrich I. von Württemberg und Walter II. Schenk von Limpurg erhoben Ansprüche auf Vogteirechte. Die meisten Forderungen konnten abgewehrt oder durch Geld abgelöst werden. Unterstützung erhielt Lorch von den Herren von Rechberg sowie von benachbarten Klöstern wie Murrhardt, Komburg und Anhausen.
König Rudolf I. stellte Lorch 1274 unter die Vogtei des Reiches. Dadurch geriet das Kloster in die Konflikte mit Graf Eberhard I. von Württemberg. Da Lorch seine Güter um Münster am Neckar, im württembergischen Machtzentrum, ausbauen wollte, ging es 1291 ein Schutzverhältnis mit dem Grafen ein.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts führten Kriegszüge und sinkende Stiftungen zu einer schweren Krise. Güter mussten verkauft werden; um 1329 war ein Tiefpunkt erreicht, als Papst Johannes XXII. dem zurückgetretenen Abt Kuno von Gundelfingen befahl, weiterhin als Pfleger zu amtieren. Später gewann das Kloster wirtschaftlich wieder an Bedeutung. Es rundete seinen Besitz nördlich der Rems ab, kaufte etwa die Burg Leineck und baute Besitz sowie Weinbau und Weinhandel an Enz und mittlerem Neckar aus. 1462 wurde Lorch auf Veranlassung Graf Ulrichs V. an die Melker Reform angeschlossen. Die daraus folgende Bautätigkeit und finanzielle Forderungen des Grafen lösten jedoch erneut eine Finanzkrise und Konflikte mit Untertanen aus.
Im Armen Konrad 1514 und im Bauernkrieg 1525 zeigte sich die begrenzte Macht des Klosters: Aufständische Bauern plünderten die Mönche und zündeten Gebäude an. Von diesen Schäden erholte sich das Kloster nur mühsam.
Reformation, Verwaltung und nationalsozialistische Nutzung
Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs 1534 wurde in Württemberg die Reformation eingeführt. Die Mönche wurden vertrieben, und Lorch kam unter Zwangsverwaltung. Die Grundherrschaft blieb bestehen, weil der Herzog sie als Sondervermögen erhalten wollte. Durch das Augsburger Interim durften die Mönche 1548 zurückkehren; unter Abt Benedikt gelang eine Sanierung.
1556 hob Herzog Christoph die Benediktinerabtei endgültig auf und errichtete eine Klosterschule, die aus den Einkünften der Grundherrschaft finanziert wurde. Der letzte katholische Abt starb 1563. Danach bestimmte der Herzog evangelische Äbte als Verwalter; sie hatten Sitz und Stimme im württembergischen Landtag und wurden Prälaten genannt. Die Klosterschule wurde 1583 zusammen mit den Schulen in Anhausen und Denkendorf aufgehoben; ihre Schüler wechselten nach Adelberg. Im Dreißigjährigen Krieg hielten sich nochmals katholische Mönche in Lorch auf, jedoch nur zeitweise. Seit 1727 war der Abtstitel mit dem Kanzleramt der Universität Tübingen verbunden. Das Klosteramt wurde in napoleonischer Zeit aufgehoben und ging 1807 im Oberamt Lorch, ab 1820 im Oberamt Welzheim, auf.
1932 stellte die evangelische Württembergische Landeskirche Räume für eine Evangelische Bauernschule bereit. Der NS-Staat verbot deren Nutzung ab Herbst 1934, löste die Schule auf und richtete eine vom Reichsnährstand finanzierte nationalsozialistische Bauernhochschule ein. Dort wurde die Blut-und-Boden-Ideologie gelehrt; sie bestand bis 1945. Ab 1937 galt die Klosterkirche als „Staufer-Gedenkstätte“ und Ort nationalsozialistischer Feierstunden, darunter Feiern von NSDAP und SS, „Eheweihen“, „Jugendweihen“ und ab 1940 „Heldenfeiern“ für gefallene Soldaten. Die Nationalsozialisten verherrlichten dabei die Staufer und sahen sich in deren Tradition.
Anlage und Kunstschätze
Die Klosterkirche ist eine romanische Pfeilerbasilika mit Querhaus und ausgeschiedener Vierung. An ihrer Westseite standen zwei runde Treppentürme. Der nördliche stürzte im 15. Jahrhundert ein; der südliche wurde 1881 restauriert und um ein Stockwerk erhöht. Ein um 1200 errichteter Vierungsturm verschwand am Ende des Mittelalters, möglicherweise wegen der Brandschäden von 1525.
Der ursprünglich romanische Chor wurde nach der Reform von 1462 durch einen längeren gotischen 5/8-Chor ersetzt. Ungewöhnlich liegt der Kreuzgang auf der Ostseite der Kirche. Deshalb wurde der Chor treppenförmig gestuft, sodass der Kreuzgang unter dem Chorschluss hindurchführen konnte. Auch die Klausurgebäude lagen im Osten; erhalten ist heute nur ihr Nordflügel. Die zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtete sogenannte Abtei diente als repräsentativer Wohnsitz des Prälaten. Reste der Befestigung, darunter ein Wehrturm, sind erhalten; die Wirtschaftsgebäude wurden zu einem Altersheim umgebaut.
Von den früher zahlreichen Reliquien, Kunstwerken und der Bibliothek blieb wegen Bauernkrieg und Reformation wenig erhalten. Die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart bewahrt drei Lorcher Chorbücher: zwei Antiphonare und ein Graduale von 1511/12. Ein Antiphonar enthält Gesänge für das Stundengebet, ein Graduale Gesänge für die Messe.
Besonders bedeutend ist das spätgotische Staufergrabmal von 1475, geschaffen von einem unbekannten Göppinger Bildhauer. Unter seiner Tumba, einem grabartigen Steinbau in der Form eines Kastenaltars von 2,31 × 1,36 × 0,99 m, liegen Angehörige der Stauferfamilie begraben, darunter Herzog Friedrich I. von Schwaben und Herzogin Judith Welf; bei König Heinrich (VI.) ist die Bestattung nur als möglich angegeben. Die um 1530 angebrachten Stauferbilder an den Pfeilern zeigen trotz späterer Übermalungen Formen der Renaissance. Weitere Grabmäler erinnern an die Familien von Schechingen und von Woellwarth sowie an Äbte des 14. bis 16. Jahrhunderts. Ein Teil des ursprünglich unbemalten Chorgestühls kam 1565 in die St.-Afra-Kirche von Täferrot, wurde dort 1683 bemalt sowie 1906 ergänzt und renoviert.
Heutige Nutzung
Kloster Lorch ist für Besichtigungen geöffnet und wird als landeseigenes Monument von Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Im Kapitelsaal befindet sich das 2002 fertiggestellte, 130 m² große Staufer-Rundbild von Hans Kloss.
Vor dem Eingang steht seit 2008 eine Stauferstele zum 800. Todestag von Irene von Byzanz. Sie war die Ehefrau des Stauferkönigs Philipp von Schwaben und ist im Kloster begraben. Am Eingang befindet sich außerdem die Staufer-Falknerei Kloster Lorch. Das Abtsgebäude ist seit 1952 an die Evangelische Heimstiftung GmbH verpachtet, die dort ein Pflegeheim mit 34 vollstationären Plätzen betreibt.