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Kirche des Allmächtigen Gottes
Die Gruppierung wird vonseiten der chinesischen Regierung als gefährliche Sekte angesehen und verfolgt. ... Von unabhängigen Beobachtern werden ihr verschiedene …
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Überblick und zentrale Lehre
Die Kirche des Allmächtigen Gottes (chinesisch 全能神教會 beziehungsweise 全能神教会, Pinyin Quánnéng Shén Jiàohuì, englisch Church of Almighty God) ist eine um 1991 in China gegründete Religionsgemeinschaft. Früher trat sie auch unter der Bezeichnung Eastern Lightning beziehungsweise Lightning from the East auf; unter diesem Namen ist sie bis heute bekannt.
Im Mittelpunkt ihrer Lehre steht die Überzeugung, dass die von Christen erwartete Wiederkunft Christi bereits geschehen sei: Christus sei in Gestalt einer 30-jährigen Chinesin erschienen. Die chinesische Regierung stuft die Gruppierung als gefährliche Sekte ein und verfolgt sie. Unabhängige Beobachter machen ihr verschiedene Gewaltverbrechen zum Vorwurf; mehrere dieser Vorwürfe sind jedoch umstritten.
Der Name „Östlicher Blitz“ bezieht sich auf Matthäus 24,27: „Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen des Menschensohns sein.“ Die Lehre verbindet christliche Vorstellungen mit Elementen der chinesischen Volksfrömmigkeit und mit Neuoffenbarungen.
Gründung und Verbreitung
Die Glaubensgemeinschaft entstand um 1991 in der chinesischen Provinz Henan. Als Religionsgründer gilt häufig Zhao Weishan, der ursprünglich Physiklehrer war und zuvor einen unabhängigen Arm einer von Witness Lee gegründeten Glaubensgemeinschaft leitete. Dieser Arm war in China als „die Schreier“ bekannt.
Laut journalistischen Quellen behauptete Zhao Weishan, in einer 30-jährigen Frau namens Yang Xiangbin den wiedergekommenen Christus gefunden zu haben. In der Forschung wird sie auch als Yang Xiaobin bezeichnet; Emily Dunn zufolge wurde sie 1973 geboren und war bei der Gründung tatsächlich 18 Jahre alt. Der Beiname „Lightning Deng“ wird nach Dunn und anderen Forschern vermutlich nur von Gegnern der Kirche verwendet. Es gibt keine verifizierten Fotos von Yang. Einige Kommentatoren bezweifeln sogar, dass sie existiert habe; Forscher wie Emily Dunn und PierLuigi Zoccatelli teilen diese Einschätzung nicht. Zoccatelli hält außerdem Zhao Weishan möglicherweise nicht für den eigentlichen Gründer. Die Bewegung könne bereits vor seinem Beitritt um Yang bestanden haben, weshalb Yang eher als Gründerin anzusehen sei.
Um 2000 floh Zhao Weishan in die USA und erhielt dort politisches Asyl wegen religiöser Verfolgung. Auch Yang soll nach Chinatown in New York geflohen sein. Während 2013 und 2014 ihr beziehungsweise Zhaos weiterer Aufenthaltsort als unklar beschrieben wurde, kamen Forscher 2017 und 2018 zu dem Schluss, dass beide die Glaubensgemeinschaft von New York aus leiteten. Aktivitäten wurden besonders in chinesischen Vierteln von New York und San Francisco, in Toronto sowie in chinesischsprachigen Kirchengemeinden beobachtet. Seit 2014 flohen weitere Mitglieder ins Ausland, unter anderem nach Seoul, Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien.
Die Mitgliederzahlen sind wegen der Heimlichkeit der Gruppierung und der staatlichen Unterdrückung nur geschätzt. Die Kirche selbst nannte 2001 300.000 Mitglieder und später drei oder vier Millionen. Unabhängige Beobachter gingen im ersten Teil der 2000er Jahre nur von fünfstelligen Zahlen aus. Spätere Schätzungen nannten eine Million Mitglieder in Festlandchina; chinesische Behörden erwähnten 2014 vier Millionen. Forscher halten diese höheren Zahlen für übertrieben, stimmen aber einem deutlichen Wachstum zu.
Gottesbild, Schriften und Endzeiterwartung
Ein zentraler Bestandteil der Lehre ist die Vorstellung von drei Zeitaltern und drei Erscheinungsformen Gottes. In jedem Zeitalter habe Gott einen eigenen Namen angenommen:
- Im Zeitalter des Gesetzes, das dem Alten Testament zugeordnet wird, heißt Gott Jehova. Er habe Gesetze und Gebote eingeführt, um die Menschen zu führen.
- Im Zeitalter der Gnade, das dem Neuen Testament zugeordnet wird, heißt Gott Jesus Christus. In diesem Zeitalter habe Jesus die Erlösung bewirkt.
- Im Zeitalter des Königreichs heißt Gott Der Allmächtige Gott. Ihm wird die Schrift Das Wort erscheint im Fleisch zugeordnet. In diesem letzten Zeitalter sei die Wiederkunft Christi erfolgt und das göttliche Gericht habe begonnen.
Nach dieser Lehre genügt der Glaube an den Allmächtigen Gott allein nicht zur Rettung. Jesu Opfer am Kreuz habe zwar die Sünden vergeben, aber die sündhafte Natur des Menschen nicht beseitigt. Der Allmächtige Gott arbeite deshalb im Zeitalter des Königreichs daran, diese Natur zu vernichten. Nur Menschen, die dadurch „gereinigt“ würden, könnten die endzeitlichen Katastrophen überleben und für immer auf einer zur paradiesischen Welt verwandelten Erde leben. Alle anderen würden in diesem Prozess vernichtet.
Das Wort erscheint im Fleisch gilt als Sonderoffenbarung neben der Bibel und enthält persönliche Äußerungen des Allmächtigen Gottes. Es kündigt Gericht über diejenigen an, die sich nicht „reinigen“ lassen oder die Botschaft ablehnen. Die Offenbarung wird als Prophezeiung für das Wirken Gottes in den „letzten Tagen“ besonders hervorgehoben.
Das Verhältnis zur Bibel wird unterschiedlich beurteilt. Einige Kommentatoren berichten, sie werde als überholt und durch die Neuoffenbarung ersetzt; Zhao Weishan soll Gläubigen empfohlen haben, Bibeln wegzuwerfen. Holly Folk kam dagegen in einer theologischen Studie zu dem Schluss, dass die Kirche die Bibel nicht verleugne, sondern sie trotz „menschlicher Fehler“ auch als Quelle echter Botschaften Gottes betrachte.
Medien berichteten, die Gruppierung habe, beeinflusst durch den Film 2012 und eine Deutung des Maya-Kalenders, den Weltuntergang für 2012 vorhergesagt. Dabei kam es zu Protesten gegen die Kommunistische Partei Chinas und zu landesweiten Razzien, bei denen rund 1000 Mitglieder festgenommen wurden. Emily Dunn zufolge übernahmen zwar einige Mitglieder die Maya-Prophezeiung, ohne dass dies von den maßgeblichen Autoritäten gebilligt worden sei. Massimo Introvigne erklärte, die offizielle Theologie verkünde nicht das Ende der Welt, sondern ihre Transformation. Diese werde erst nach Vollendung des Wirkens des Allmächtigen Gottes auf Erden eintreten.
Konflikte, Vorwürfe und Kontroversen
Die Anhänger betrachten die chinesische Regierung als Feind und bezeichnen sie als „großen roten Drachen“, den es zu bekämpfen gelte. Umgekehrt stuft der chinesische Staat die Kirche als „Sekte“ ein. Nach offiziellen Angaben wurden in den letzten Jahren einige Tausend Mitglieder festgenommen; die Gruppierung selbst sprach 2014 von rund 400.000 Festgenommenen. Betroffene müssten mit harten Strafen, Folter und Lagerhaft rechnen. Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation CAP-LC vom 2. Februar 2018 an den UN-Menschenrechtsrat bewertete Berichte über Folter und verdächtige Todesfälle als „glaubwürdig“.
Auch mit chinesischen Hauskirchen und anderen christlichen Kirchen besteht ein gespanntes Verhältnis. Der Gruppierung wird vorgeworfen, Hauskirchen gezielt zu unterwandern, zunächst Vertrauen aufzubauen und anschließend Mitglieder zu werben. Kritiker nennen als mögliche Methoden sexuelle Verführung, Bedrohung, Erpressung und Entführung. PierLuigi Zoccatelli hält insbesondere die Vorwürfe sexueller Verführung wegen der puritanischen Ausrichtung der Bewegung für schwer glaubhaft und bezeichnet Beweise für Entführungen als nicht vollständig überzeugend. Im September 2013 verabschiedete die 9. Nationalversammlung der chinesischen evangelischen Kirchen eine Resolution gegen „Irrlehren und Häresien“, die sich besonders gegen die Kirche des Allmächtigen Gottes richtete.
Der Gruppierung wurden zahlreiche Straftaten zugeschrieben, darunter Diebstahl, Angriffe, Folter, Entführungen, sexuelle Gewalt und Tötungen. Die chinesische Presse berichtete 1998 von Opfern mit gebrochenen Knochen und abgeschnittenen Ohren. CAP-LC bezeichnete solche Vorwürfe 2018 als „Fake News, um Verfolgung zu rechtfertigen“.
Besonders umstritten ist der Fall von 2002, bei dem die Hauskirche China Gospel Fellowship der Kirche die Entführung und zweimonatige Gefangenschaft von 34 Gemeindeleitern vorwarf. Es wurde von Drogen, Schlafentzug, sexueller Verführung, Erpressung und Zwang zur Konversion berichtet. Massimo Introvigne fand 2018 Unstimmigkeiten in dieser Darstellung und wies darauf hin, dass es keine Verhaftungen und keinen Prozess gab. Er hielt es für möglich, dass die Geschichte eine Erklärung für Übertritte aus der Hauskirche liefern sollte, räumte aber andere Deutungen ein.
Auch der Mord in einem McDonald’s-Restaurant in Zhaoyuan im Mai 2014 ist umstritten. Nach offizieller chinesischer Darstellung schlugen mehrere Personen eine Frau zu Tode, nachdem sie ihre Telefonnummer nicht herausgeben wollte, und bezeichneten sie als „Dämon“. Zwei Täter wurden im Januar 2015 hingerichtet. Die Gruppierung bestreitet, dass sie Mitglieder waren; zwei westliche Forscher ordneten sie einer anderen religiösen Bewegung zu. Holly Folk zufolge hatte die Polizei den Fall des zuvor bekannt gewordenen Jungen Guo Xiaobin, dem am 24. August 2013 die Augen herausgeschnitten worden waren, bereits im September 2013 seiner Tante zugeschrieben und keinen Zusammenhang mit der Kirche festgestellt. Erst nach dem McDonald’s-Mord wurde die Gruppierung damit verbunden.
Zur inneren Struktur berichten Kritiker von familiärer Entfremdung, Wohngemeinschaften, der Abgabe finanzieller Mittel, geheim gehaltener Mitgliedschaft und Problemen beim Austritt. Mitglieder erhielten religiöse Namen, was das Auffinden vermisster Angehöriger erschweren könne. Dem steht Massimo Introvignes Einschätzung gegenüber, die Schriften verträten ein positives Familienbild und konservativ-protestantische Familienwerte. Umfragen zufolge werden viele Mitglieder in China von Familienangehörigen gewonnen und versuchen anschließend, Verwandte zu bekehren.
Flucht, Asyl und Veröffentlichungen
Nach dem harten Vorgehen der chinesischen Regierung im Zusammenhang mit den Vorwürfen um die McDonald’s-Morde 2014 flohen tausende Anhänger nach Südkorea, in die USA, nach Kanada, Italien, Frankreich, Deutschland, Australien und weitere Staaten. Sie beantragten dort die Anerkennung als Flüchtlinge. Einige Behörden sahen keine ausreichenden Beweise für eine individuelle Verfolgung. Internationale Experten verwiesen dagegen auf Belege dafür, dass die Bewegung als Ganze verfolgt werde und Rückkehrern nach China ernste Risiken drohten.
Bis September 2017 lagen nur wenige deutschsprachige Veröffentlichungen vor. Sie erschienen im Selbstverlag: Das Wort erscheint im Fleisch, Kundgebungen Christus der letzten Tage sowie Folge dem Lamm und singe neue Lieder. Alle drei Werke waren als Online-Ausgaben verfügbar.