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CESNUR

... New Religions) ist eine internationale Vereinigung zum Studium der neuen religiösen Bewegungen. Der Sitz ist in Turin, Präsident ist Luigi Berzano …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Arbeit und Themen
  3. 3. Gründung und Personen
  4. 4. Vorstand und wissenschaftliches Umfeld
  5. 5. Kritik und Streitpunkte
  6. 6. Konflikte um Regierungsberichte

Überblick

CESNUR ist das „Zentrum für Studien über neue Religionen“ (italienisch: Centro Studi sulle Nuove Religioni, englisch: Center for Studies on New Religions). Es ist eine internationale Vereinigung, die neue religiöse Bewegungen untersucht. Mit „neuen religiösen Bewegungen“ sind religiöse Gruppen und Strömungen gemeint, die nicht zu den traditionellen Großreligionen oder etablierten Kirchen gezählt werden oder erst in jüngerer Zeit größere Aufmerksamkeit erhalten haben.

Der Sitz von CESNUR ist in Turin. Präsident ist Luigi Berzano, Soziologieprofessor an der Universität Turin. Direktor ist Massimo Introvigne. Direktor für Frankreich war Antoine Faivre, der 2021 starb. CESNUR wurde 1988 von Massimo Introvigne, Jean-François Mayer, John Gordon Melton und Eileen Barker gegründet. In der Geschichte des Zentrums spielen außerdem Ernesto Zucchini, Giuseppe Casale und weitere Mitglieder des Vorstands eine Rolle.

Arbeit und Themen

CESNUR veranstaltete und veranstaltet Kolloquien an mehreren internationalen Universitäten. Ein Kolloquium ist eine wissenschaftliche Gesprächs- oder Tagungsform, bei der Fachleute Forschungsergebnisse diskutieren. Außerdem hat CESNUR zahlreiche Studien veröffentlicht.

Ein wichtiges Werk sind die zwei Ausgaben der „Enciclopedia delle religioni in Italia“. Diese gelten in Italien allgemein als Standardnachschlagewerk zu religiösen Themen. Daneben gibt es eine regelmäßig aktualisierte Internet-Enzyklopädie der Religionen in Italien.

Die Themen der CESNUR-Kolloquien haben sich im Laufe der Zeit erweitert. Anfangs standen vor allem neue religiöse Bewegungen im Mittelpunkt. Später richtete sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf religiösen Pluralismus allgemein. Religiöser Pluralismus bedeutet, dass in einer Gesellschaft mehrere Religionen und Weltanschauungen nebeneinander bestehen. Weitere Themen sind die Beziehungen zwischen Immigration, Globalisierung und Religion sowie verschiedene Formen des Fundamentalismus. Fundamentalismus bezeichnet religiöse oder weltanschauliche Strömungen, die sich besonders streng auf grundlegende Lehren oder Texte berufen.

2006 begann CESNUR ein Projekt zum Studium der chinesischen Immigration in Italien. Nach dem plötzlichen Tod von PierLuigi Zoccatelli im Jahr 2024 wurde Márk Nemes zu seinem Nachfolger als stellvertretender Direktor ernannt. Zoccatelli hatte diese Position über dreißig Jahre lang inne.

Gründung und Personen

CESNUR wurde 1988 auf einem Seminar in Italien gegründet, das von Massimo Introvigne, Jean-François Mayer und Ernesto Zucchini organisiert worden war. Introvigne ist ein italienischer Anwalt für geistiges Eigentum und Soziologiedozent. Er fungiert auch als Direktor der Gruppe. Seit 1972 ist er Mitglied der katholisch-konservativen Organisation Alleanza Cattolica und war bis 2016 deren Vizepräsident.

Jean-François Mayer ist ein Schweizer Historiker, der auf neue religiöse Bewegungen spezialisiert ist. Er war zeitweise Dozent an der Universität Freiburg. 2012 wurde er vom Kanton Freiburg beauftragt, einen Bericht zur Situation der dortigen Religionsgemeinschaften zu erstellen. Ernesto Zucchini ist ein katholischer Priester. Er wurde 2009 Professor für Theologie an der Theologischen Fakultät der Diözese Massa Carrara-Pontremoli in Italien und veröffentlichte beziehungsweise hielt Vorträge unter anderem über die italienische Mystikerin Maria Valtorta und die Zeugen Jehovas.

Zum ersten Präsidenten von CESNUR wurde Giuseppe Casale ernannt, ein katholischer Historiker und Erzbischof der Erzdiözese Foggia-Bovino. Später wurde Luigi Berzano Präsident. Der französische Soziologe Jean Séguy schrieb in seiner Analyse einer der ersten CESNUR-Konferenzen 1988, dass die meisten Teilnehmer Katholiken gewesen seien und eine traditionelle katholische Sicht auf Phänomene wie Spiritualismus und New Age dargestellt hätten.

Vorstand und wissenschaftliches Umfeld

Zu den im Artikel genannten Mitgliedern des CESNUR-Vorstands gehören Luigi Berzano, Gianni Ambrosio, Reender Kranenborg, Eileen Barker und J. Gordon Melton. Berzano ist Professor für Soziologie an der Universität Turin. Ambrosio ist ein italienischer Soziologe und wurde 2007 Bischof der katholischen Diözese Piacenza-Bobbio. Kranenborg ist ein niederländischer reformierter Theologe.

Eileen Barker ist Soziologin. Sie schrieb „The Making of a Moonie: Choice or Brainwashing?“ aus dem Jahr 1984 und gründete 1988 das Information Network Focus on Religious Movements, kurz INFORM. J. Gordon Melton ist angesehener Professor für amerikanische Religionsgeschichte an der Baylor University in Waco, Texas. Diese Zusammensetzung zeigt, dass CESNUR im Umfeld von Religionswissenschaft, Soziologie, Theologie und Geschichtswissenschaft arbeitet.

Kritik und Streitpunkte

CESNUR wurde vor allem wegen seiner Ansichten zu neuen religiösen Bewegungen kritisiert. In Europa kam Kritik von Gegnern von Sekten und Psychogruppen. CESNUR betrachtet seinerseits den Kampf gegen Sekten als gefährlich für die Religionsfreiheit. Religionsfreiheit bedeutet das Recht, eine Religion oder Weltanschauung zu haben, zu wechseln, auszuüben oder keine Religion zu haben.

Kritiker hielten CESNURs Internet-Informationsseiten über Diskurse im Zusammenhang mit neuen Religionen teilweise für zu „sektenfreundlich“. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass der Abschnitt zur Kritik nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet sei. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten laut Wikipedia entfernt werden.

CESNUR antwortete auf Vorwürfe, das persönliche Engagement Massimo Introvignes in der Alleanza Cattolica habe nichts mit der Ausrichtung von CESNUR zu tun. Außerdem erklärte CESNUR, es werde von einem wissenschaftlichen Gremium geleitet, dessen Mitglieder sehr unterschiedliche religiöse und politische Anschauungen hätten.

Konflikte um Regierungsberichte

Ein wichtiger Konflikt entstand nach 1995. Damals veröffentlichte die französische Parlamentarische Kommission für Sekten nach den Ereignissen um den Orden des Sonnentempels einen kritischen Bericht über Sekten. Danach folgten ähnliche Berichte anderer Regierungen. CESNUR behauptete, diese Texte stützten sich zu stark auf Informationen der Anti-Sekten-Bewegung, und kritisierte sie öffentlich.

Besonders wichtig war dabei das Buch „Pour en finir avec les sectes“. Die kanadische Wissenschaftlerin Susan Jean Palmer schrieb, der Titel habe in der Übersetzung als „Um den Sekten ein Ende zu setzen“ eine doppelte Bedeutung und sei „absichtlich irreführend“. Nach ihrer Darstellung zielten die Autoren nicht darauf, Sekten oder Kulte zu beenden, sondern die staatliche Kritik an ihnen.

Die französischen Soziologen Jean-Louis Schlegel und Nathalie Luca rezensierten das Buch kritisch. Sie meinten, CESNUR habe zwar einige Fehler des Parlamentsberichts zutreffend kritisiert, sich mit dem Buch aber von einer wissenschaftlichen Position zu einer militanten Anwaltsposition und zu einer einseitigen Verteidigung von Sekten bewegt. Laut Palmer verärgerte das Buch die französischen Behörden so sehr, dass der Mitautor Antoine Faivre kurzzeitig von der Polizei festgehalten wurde. Ihm wurde vorgeworfen, vertrauliche Informationen über von der Parlamentarischen Kommission befragte Personen preisgegeben zu haben. Er wurde nur einige Stunden festgehalten, und ein Richter ließ die Anklage später fallen.

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