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Rotes Meer
Rotes Meer ; Länge, 2 240 km ; Fläche, 438.000 km² ; Größte Wassertiefe, 3040 m ; Mittlere Wassertiefe, 538 m.
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Überblick und Lage
Das Rote Meer ist ein schmales Nebenmeer des Indischen Ozeans zwischen Nordost-Afrika und der Arabischen Halbinsel. Es ist 2240 km lang, bis zu 355 km breit und besitzt eine Oberfläche von etwa 438.000 km². Sein Rauminhalt beträgt etwa 200.000 km³. Die größte Tiefe liegt im zentralen Suakin-Trog bei 3040 m, die mittlere Wassertiefe bei 538 m.
Zum Roten Meer gehören mehrere wichtige Meeresteile und Verbindungen. Im Nordwesten liegt der Golf von Suez, der über den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden ist; angrenzender Staat ist Ägypten. Im Nordosten liegt der Golf von Akaba mit den angrenzenden Staaten Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten. Im Süden verbindet die Meerenge Bab al-Mandab das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit mit dem Indischen Ozean; dort grenzen Eritrea, Dschibuti und Jemen an. Weitere angrenzende Staaten sind Sudan und Saudi-Arabien.
Entstehung und Eigenschaften des Wassers
Das Rote Meer liegt in einer geologisch sehr aktiven Spreizungszone. Eine Spreizungszone ist ein Bereich, in dem Erdplatten auseinanderdriften und Magma aufsteigt. Seit 130 Millionen Jahren driften hier die Afrikanische und die Arabische Platte auseinander. Die Senke wurde vor 38 Millionen Jahren im Eozän deutlicher sichtbar; vor 13 Millionen Jahren entstand die erste ozeanische Kruste. Heute besteht der Meeresgrund bereits vollständig aus neugebildeter ozeanischer Kruste. Das Meer wird gegenwärtig jedes Jahr im Norden um 0,8 cm und im Süden um 1,6 cm breiter. Seinen heutigen Zustand erreichte es erst vor knapp 5000 Jahren, nachdem es mehrfach vom Indischen Ozean isoliert war, zeitweise mit dem Mittelmeer verbunden war und sogar austrocknete.
Bei Bab al-Mandab verengt sich das sonst bis zu 360 km breite Meer auf nur 29 km. Dort liegt der Meeresboden nur 130 m unter dem Wasserspiegel. Diese Schwelle erschwert den Wasseraustausch stark. Deshalb hat das Rote Meer einen ungewöhnlich hohen Salzgehalt von 4,2 %, also 42 g/l; normal sind etwa 3,5 %, in der Nordsee bei Sylt 3,0 % bis 3,2 %. Es enthält außerdem vergleichsweise wenige Nährstoffe und hat nur einen Tidenhub von einem halben bis einem Meter. Wenige Nährstoffe bedeuten vermindertes Planktonwachstum, was zur oft sehr guten Sicht unter Wasser beiträgt.
Das Rote Meer ist außerdem das einzige Meer, in das keine perennierenden Flüsse münden, also keine dauerhaft wasserführenden Flüsse. Nur gelegentlich gelangt Wasser über intermittierende Zuflüsse wie Wadis hinein. Dadurch gibt es wenige Schwebstoffe, das Wasser ist klar und für UV-Strahlung besonders transparent. An der Schwelle bei Bab al-Mandab steigt 16 °C kühles Tiefenwasser aus dem Golf von Aden auf. Es bildet eine biologische Barriere für manche Arten; damit wird erklärt, warum es im ganzen Roten Meer keine Seeschlangen gibt.
Riffe, Tiere und besondere Lebensräume
Das Rote Meer ist für seine Korallenriffe bekannt. Vorherrschend sind Saumriffe, also Riffe nahe an Küsten oder Inseln, meist nur wenige dutzend bis hunderte Meter entfernt. An einigen flachen Stellen gibt es Fleckriffe, etwa im Nordosten von Hurghada, vor Safaga, südlich von Ras Ghalib und südlich von Marsa Alam. Weit vor der Küste liegen außerdem Riffgruppen wie Ǧuzur al-Iḫwa nordöstlich von Al-Qusair, das Daedalus Riff südöstlich von Marsa Alam sowie St.-Johannes-Insel und Rocky Island nahe der Grenze zum Sudan.
Durch topographische Barrieren und besondere ökologische Bedingungen mit stark wechselnden Umweltverhältnissen entwickelte sich eine große Zahl spezialisierter Arten; viele kommen endemisch vor, also nur in dieser Region. Zugleich finden sich fast alle Arten aus dem Indopazifik, obwohl die Zusammensetzung der Tierwelt ungewöhnlich stark abweicht. Genannt werden Schildkröten, Weißspitzen-Hochseehai, Weißspitzen-Riffhai, Grauer Riffhai, Manta, seltene Walhaie mit meist höchstens 5–6 m Länge, Napoleon-Lippfische, Büffelkopf-Papageifische, Doktor-, Kaiser-, Rotfeuer-, Kugel- und Igelfische, Blaupunktstachelrochen, Kraken und Muränen. Große Tümmler und Spinner-Delfine können bei Bootsfahrten, seltener beim Schnorcheln und Tauchen, beobachtet werden. Insgesamt ist die Artenvielfalt aber geringer als in tropischen Gebieten.
Die Vogelwelt ist insgesamt artenärmer, enthält aber auffällige Arten wie Palmtaube, Türkentaube, Große Raubseeschwalbe, Rußseeschwalbe, Küstenreiher, Strandläufer, Sperber, Eisvögel, Afrikanischen Schwarzstorch und Fischadler. Eine Besonderheit ist die endemische Weißaugenmöwe. Im Frühjahr und Herbst dient die Region außerdem dem Vogelzug.
In der Tiefsee gibt es zahlreiche Solebecken. Das sind hypersaline, also extrem salzhaltige, und anoxische, also sauerstofffreie, Lebensräume mit extremophilen Mikroorganismen. Weil Sauerstoff fehlt, gibt es dort keine Megafauna, die Sedimente durchwühlt. Deshalb bleibt die Sedimentabfolge meist ungestört erhalten. Beispiele sind Afifi Pool, Erba Deep, Atlantis II Deep, Discovery Deep, Nereus Deep, Kebrit Deep, Shaban Deep, Oceanographer Deep, Conrad Deep und die NEOM Brine Pools.
Nutzung, Bauwerke und Name
Eine wichtige künstliche Verbindung ist der Suezkanal, der im 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde und das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Bereits in der Antike gab es verschiedene Kanalprojekte in dieser Richtung. Ein weiterer, nicht verwirklichter Vorschlag ist der Red Sea Dam: ein spekulatives Makro-Engineering-Projekt aus den 1960er Jahren, bei dem das Rote Meer durch einen Staudamm abgesperrt und abgesenkt werden sollte. Die Universität Utrecht griff die Idee 2007 wieder auf und entwickelte sie weiter.
Die Namensgebung wird unterschiedlich erklärt. Wahrscheinlich stammt sie aus einem alten System, in dem Himmelsrichtungen durch Farben bezeichnet wurden. Zur Zeit des persischen Achämenidenreiches lag dieses Meer aus Sicht dieses iranischen Volkes im Süden, der durch Rot symbolisiert wurde; „Rotes Meer“ bedeutete dann „Südsee“. Herodot nannte es im Zusammenhang mit dem Kanalbau des Necho II. auch den „Arabischen Meerbusen“ und erklärte, dass dieser auch „rotes Meer“ genannt werde.
Weitere Erklärungen beziehen sich auf rote Erde an der Ostseite, von der Sonne rot wirkende Berge im Westen, die Rotfärbung durch die aufgehende Sonne, die Figur Erythras, Porphyrstaub, Algenblüten der Blaualge Trichodesmium erythraeum oder eine Übersetzung aus dem Altgriechischen. Die Griechen nannten Gebiete südlich von Oberägypten „Erythraia“, wohl wegen roter Erde und roten Sandsteins. Daraus konnte die Bezeichnung „Erythräisches Meer“ entstehen, die später auf das heutige Rote Meer ausgedehnt wurde. Auch eine Herleitung vom Volk der Himyaren wird genannt, deren Name mit „rot“ oder „die Roten“ verbunden werden kann. Im frühen 16. Jahrhundert war es üblich, das Rote Meer auf Seekarten rot einzufärben.
Umweltschäden und Schutzmaßnahmen
Das Rote Meer ist besonders durch Massentourismus, Gewässerverschmutzung, wildes Ankern und Korallenbleiche gefährdet. Vor Hurghada wurden viele Korallen irreversibel stark beschädigt oder vollständig vernichtet. Die Zerstörung breitet sich nach Einschätzung des Artikels rasch nach Süden aus, sogar bis in die Nähe der Grenze zum Sudan. Auch massenhafte Tauchsafaris tragen erheblich dazu bei. Illegales Fischen an geschützten Korallenriffen ist üblich; gelegentlich wird in Hurghada sogar Fleisch von Meereskühen und Haifischen angeboten. Die Population der Gabelschwanzseekühe scheint vor dem Zusammenbruch zu stehen.
Die HEPCA, die Hurghada Environmental Protection and Conservation Association, ist eine 1992 gegründete Nichtregierungsorganisation. Sie schützt den ägyptischen Meeresteil mit seinen Tieren über und unter Wasser. Dazu gehört die Installation von über 1000 Mooring-Bojen, also festen Ankerbojen, die Schäden durch wildes Ankern vermeiden sollen.
Am 19. Juni 2010 wurde bekannt, dass nahe Hurghada Öl ins Meer gelangt war. Offizielle Stellen sprachen von 20–40 Barrel, Umweltschützer gingen von einer deutlich höheren Verschmutzung aus. Nach Angaben des verantwortlichen Ölkonzerns wurde ein Küstengebiet von 160 km Länge verschmutzt; offiziell war von einem etwa 20 Meilen langen Ölteppich vor Hurghada die Rede. Am 25. Juni 2010 teilte das ägyptische Erdölministerium mit, der Ölteppich stamme vermutlich nicht von einer Bohrinsel, sondern von einem Öltanker, der bei der Reinigung auf hoher See Ölrückstände verlor.
2012 startete die Dolphin Watch Alliance im Gouvernement des Roten Meeres das Aufklärungsprojekt Care for Dolphin. Daraus entstand 2013 ein amtlicher Verhaltenskodex für Delfinbeobachtungstouren sowie die zeitweise Sperrung von Ruheplätzen der Delfine bei Hurghada. 2016 wurden vor Hurghada zwei Meeresschutzgebiete für Delfine ausgewiesen, die seither patrouilliert werden.