Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Weißer Nil

Der Weiße Nil ist einer der beiden Hauptquellflüsse des Nils. Er hat seine Quellen in den Bergen von Ruanda, Burundi und teils in Tansania.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Quellflüsse und Kagera
  3. 3. Flusslauf bis Khartum
  4. 4. Wasserführung, Nebenflüsse und Gefälle
  5. 5. Eingriffe und Konflikte um das Wasser
  6. 6. Erforschung, Tierwelt und Querungen

Überblick und Bedeutung

Der Weiße Nil ist einer der beiden Hauptquellflüsse des Nils. Seine entferntesten Quellen liegen in den Bergen von Burundi und Ruanda; Teile seines Einzugsgebiets reichen auch nach Tansania. Der Fluss durchquert oder berührt anschließend Uganda, den Südsudan und den Sudan. Zwischen Khartum und Omdurman vereinigt er sich mit dem aus Äthiopien kommenden Blauen Nil. Von dort an heißt der Strom Nil und fließt schließlich ins Mittelmeer.

Der Weiße Nil führt vor allem Wasser aus den immerfeuchten Tropen Mittelafrikas. Ein kleinerer Teil stammt über den Sobat aus den wechselfeuchten Tropen Ostafrikas. Gegenüber dem Blauen Nil besitzt er ein mehr als fünfmal so großes Einzugsgebiet und ist mit rund 3800 km mehr als 2,5-mal so lang. Deshalb gilt er häufig als der eigentliche Nil, obwohl er im Sudan weniger Wasser führt. In den Grunddaten wird seine Länge mit 3762 km und sein Einzugsgebiet mit 1.588.194 km² angegeben. Der Quellfluss oberhalb des Victoriasees ist fast 900 km lang; zwischen Victoriasee und Khartum liegen 2870 km.

Streng genommen bezeichnet „Weißer Nil“ nur den Bahr al-Abiad zwischen dem No-See im Sudd und Khartum. Im allgemeinen Sprachgebrauch meint der Name jedoch meist den gesamten Fluss vom Victoriasee bis Khartum und häufig auch seine Quellflüsse oberhalb des Sees.

Quellflüsse und Kagera

Der wichtigste Zufluss des Victoriasees ist der Kagera, im Oberlauf auch Akagera genannt. Er entsteht aus zwei Hauptquellästen:

  • Der längere burundische Quellfluss besteht aus Luvironza und Ruvuvu. Mit mindestens 400 km bildet er den südlichsten und längsten Quellfluss des Kagera; über diesen Fließweg wird die Gesamtlänge des Nils gemessen. Der Ruvuvu entspringt auf etwa 2240 m Höhe. Der Luvironza beginnt etwa 45 km östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana. Ein etwas längerer rechter Nebenbach gilt als mündungsfernste Nilquelle; sie ist durch ein pyramidenförmiges Monument markiert. Nach der Einmündung des Luvironza fließt der Ruvuvu überwiegend nach Nordosten und mündet schließlich in den Kagera.

  • Der kürzere, aber etwas wasserreichere ruandische Quellfluss verläuft als Rukarara, Mwogo, Nyabarongo und schließlich Akagera. Die etwa 2700 m hoch im Nyungwe-Wald gelegene Rukarara-Quelle wurde 1898 von Richard Kandt gefunden. Der Rukarara mündet nach 50 km in den Mwogo; danach heißt der Fluss Nyabarongo. Er umfließt in geringer Entfernung Kigali und nimmt den 165 km langen Akanyaru auf. Beim Rugwerosee trägt er bereits den Namen Kagera beziehungsweise Akagera.

Nur einen Kilometer unterhalb der Vereinigung der beiden Quellflüsse stürzt der Kagera durch die Rusumo-Fälle. Danach ist er über mehr als 230 km schiffbar und bildet abschnittsweise eine Grenze. Nach weiteren 290 km in Tansania erreicht er das Westufer des Victoriasees. Sein etwa 60.000 km² großes Einzugsgebiet umfasst den größten Teil Ruandas, die Hälfte Burundis und kleine Gebiete im Nordwesten Tansanias. Der Kagera ist insgesamt weit über 900 km lang und führt mehr als 230 m³/s Wasser.

Flusslauf bis Khartum

Der Victoriasee entstand vor etwa einer Million Jahren zwischen den beiden Hauptarmen des Ostafrikanischen Grabens. Während besonders trockener Kaltzeiten konnte er trockenfallen. Vor etwa 12.000 Jahren lief er nach Norden über und erhielt Verbindung zum Flusssystem des Weißen Nils.

Als Victoria-Nil verlässt der Fluss den See bei Jinja nach Norden. Der Owen-Falls-Damm staut ihn so weit auf, dass auch der Spiegel des Victoriasees etwas angehoben wird. Unterhalb der Bujagali-Stromschnellen durchfließt er den flachen Kyogasee. Als Kyoga-Nil überwindet er auf einer 85 km langen Strecke mit den Karuma Falls und den Murchison Falls 350 Höhenmeter. Anschließend erreicht er den Albertsee und heißt danach Albert-Nil.

Ab der Grenze zum Südsudan trägt der Fluss den Namen Bahr al-Dschabal, also „Bergfluss“. Nach einer rund 150 km langen Gefällestrecke verlässt er bei Juba das Hochland. Bei Bur tritt er in den Sudd ein, ein mehr als 300 km langes Sumpfgebiet. Dort verdunsten 51 % des Nilwassers; die Wasserführung sinkt von 1048 m³/s auf 510 m³/s.

Im No-See vereinigt sich der Bahr al-Dschabal mit dem langen, aber nur 2 m³/s führenden Bahr al-Ghazal. Ab hier heißt der Fluss Bahr al-Abiad. Bei Malakal münden von rechts der unvollendete Jonglei-Kanal und der lehmfarbene Sobat mit 412 m³/s. Danach fließt der Weiße Nil nach Norden und bildet für etwa 30 km die Grenze zwischen Südsudan und Sudan. Wichtige Städte an seinem Lauf sind Kigali, Jinja, Juba, Malakal, Kusti, Rabak, Khartum und Omdurman; Kampala liegt am Victoriasee.

Zwischen Khartum und Omdurman trifft der Weiße Nil auf den von Südosten kommenden Blauen Nil. In der Trockenzeit kann der Weiße Nil am Zusammenfluss dominieren; während der Regenzeit dominiert der Blaue Nil und kann den Weißen Nil zurückstauen.

Wasserführung, Nebenflüsse und Gefälle

Die Durchflussmenge wurde am Pegel Malakal von 1912 bis 1982 gemessen. Dort, 789 km oberhalb der Mündung und nach dem Sudd, beträgt der mittlere Abfluss 939 m³/s. Der mittlere Niedrigwasserabfluss liegt bei 585 m³/s, der mittlere Hochwasserabfluss bei 1288 m³/s; als kleinster beziehungsweise größter monatlicher Mittelwert wurden 331 und 2396 m³/s erfasst.

Am Zusammenfluss bei Mogren wurde für 1973 bis 1982 ein mittlerer Abfluss von 897 m³/s angegeben. Die entsprechenden Werte für mittleres Niedrig- und Hochwasser betragen 535 beziehungsweise 1161 m³/s; die äußersten monatlichen Mittelwerte liegen bei 300 und 1377 m³/s. Die Wasserführung nimmt zwischen Malakal und Khartum durch Verdunstung und Bewässerung ab. Im trockenen Sudan erhält der Fluss bis zum Zusammenfluss mit dem Blauen Nil kaum zusätzliches Wasser.

Die wichtigsten linken, also westlichen Nebenflüsse sind Bahr al-Ghazal und Wadi al-Malik, der oft trockenliegt. Der Sobat ist der wichtigste rechte, östliche Nebenfluss.

Das tektonisch unruhige Gebiet des Oberlaufs verursacht ein unausgeglichenes Längsprofil mit vielen Stromschnellen und Wasserfällen. Dazu gehören die Rusumo Falls an der Grenze von Ruanda und Tansania, die Kuruma-Schnellen in Tansania, die Ripon Falls und Owen Falls in Uganda, die durch den Owen-Falls-Damm überflutet wurden, die Bujagali-Fälle sowie die Murchison Falls, auch Kabalega Falls genannt.

Eingriffe und Konflikte um das Wasser

Der Sudd behindert die Schifffahrt und verursacht hohe Verdunstungsverluste. Der mit langen Unterbrechungen gebaute, aber unvollendete Jonglei-Kanal sollte Wasser schneller am Sumpfgebiet vorbeiführen. Dadurch würde jedoch ein großer Teil des Sudd trockengelegt. Erwartet werden schwerwiegende Folgen für Tiere und Pflanzen sowie kaum abschätzbare Auswirkungen auf das regionale Klima.

Unterhalb der Atbara-Mündung erreichen im Jahresmittel nur noch gut 5 % des Abflusses das Mittelmeer. Ägypten und Sudan legten 1959 in einem bilateralen Abkommen die verfügbare Nilwassermenge auf durchschnittlich 84 Mrd. m³ pro Jahr fest. Davon sollten 10 Mrd. m³ durch Verdunstung und Versickerung verloren gehen. Grundlage war ein gemessener Durchsatz von rund 2660 m³/s am alten Assuan-Staudamm. Ägypten beanspruchte jährlich 55,5 Mrd. m³ und gestand dem Sudan 18,5 Mrd. m³ zu.

Da die meisten der zehn Anrainerstaaten im Abkommen von 1959 nicht berücksichtigt wurden, bestehen erhebliche Verteilungskonflikte. Ägypten und Sudan sind rund 88 % der Wassernutzung vorbehalten, während Äthiopien trotz eines Anteils von rund 90 % am Abfluss nur eine minimale Nutzung zugestanden wurde. Die seit 1999 bestehende Nile Basin Initiative versucht, partnerschaftliche Regeln zu entwickeln. 2010 schlossen Oberliegerstaaten in Entebbe eine eigene Rahmenvereinbarung mit dem Ziel, mehr Wasser selbst zu nutzen. Auch Wasserkraftwerke, etwa das im Artikel als im Bau befindlich beschriebene ugandische Kraftwerk unterhalb der Bujagali-Stromschnellen, verändern die Nutzung des Flusses.

Erforschung, Tierwelt und Querungen

Die Suche nach den Nilquellen dauerte seit Herodots Diskussion fast 2400 Jahre. Claudius Ptolemäus schrieb im 2. Jahrhundert, der Nil entspringe zwei großen Seen nahe dem Äquator. Im 19. Jahrhundert wurden der Victoriasee und andere Seen als mögliche Quellen untersucht. John Hanning Speke betrachtete den Victoriasee als Quelle und entdeckte 1862 mit James Augustus Grant die Ripon Falls, die irrtümlich als Nilquelle galten. Oskar Baumann und Oskar Lenz entdeckten 1893 die Quelle am burundischen Luvironza, bestimmten sie aber nicht genau. Richard Kandt fand 1898 die Rukarara-Quelle. Erst 1937 bestimmte Burkhart Waldecker die genaue geografische Lage der Luvironza-Quelle.

Im Nil leben laut Artikel über 120 Fischarten; FishBase führte 2025 insgesamt 168 Arten auf. Etwa ein Viertel der Arten ist endemisch, kommt also nur in diesem Gebiet vor; eine ausschließlich dort vorkommende Gattung gibt es nicht. Rund 75 Arten leben auch im Nigergebiet, mehr als 20 zusätzlich im Kongobecken. Zu den großen Arten zählen der Afrikanische Knochenzüngler, der Großnilhecht und der Nilbarsch. Die artenreichsten Fischfamilien sind die Karpfenfische mit 18 Arten und die Nilhechte mit 16 Arten. Nach dem Fluss benannte Tiere sind unter anderem Nilkrokodil, Nilgans, Nil-Grasratte, Nilwaran und Nil- oder Flusspferd.

Im Sudan entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts Eisenbahnbrücken über den Nil, darunter die Kusti-Eisenbahnbrücke über den Weißen Nil. Oberhalb Khartums gibt es im Sudan drei Straßenbrücken über ihn. Südlich des Sudan besitzt der Weiße Nil nur fünf feste Querungen.

Weiterlesen

Blauer Nil Er verläuft durch Äthiopien und den Sudan. Auch wenn seine Wasserführung im Mittel größer ist als die des Weißen Nil, wird er heute als größter Nebenfluss des … Khartum Inhaltsverzeichnis · Geographie · Bevölkerung · Geschichte · Wirtschaft & Infrastruktur · Sehenswürdigkeiten · Lebensqualität · Söhne und Töchter der Stadt. Sudan Aufgrund regionaler Separatistenbewegungen und regelmäßiger Militärputsche ist der Sudan heute als zusammengehöriges souveränes Staatsgebilde allerdings nicht … Victoriasee Der Victoriasee (auch Viktoriasee, Victoria Nyanza, Nam Lolwe, Nnalubaale, Ukerewe) liegt in Ostafrika und ist Teil der Staaten Tansania, Uganda und Kenia. Nil Er entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi, durchfließt dann Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet. Tansania In Tansania werden etwa 125 Sprachen gesprochen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen; … Quelle Eine Quelle ist ein Ort, an dem dauerhaft oder zeitweise Grundwasser auf natürliche Weise an der Geländeoberfläche austritt. Meistens handelt es sich dabei … Virunga-Vulkane Die Virunga-Vulkane (auch als Mfumbiro bzw. Mufumbiro bezeichnet) sind acht Vulkane im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Claudius Ptolemäus Durch den Einsatz solcher (gegeneinander leicht geneigter) Bahnen konnte Ptolemäus sein Modell mit den damals noch freiäugigen Beobachtungen in Einklang bringen … Kairo Kairo ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und der Arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, … Plankton Phytoplankton ist Primärproduzent in der ozeanischen Nahrungskette und bildet mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Nährstoffen seine …