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Katholische Kirche in Österreich
Sie ist die mitgliederstärkste Konfession des Christentums sowie insgesamt die größte Religionsgemeinschaft Österreichs. Sie hat fast 3000 Gemeinden mit etwa 4, …
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Bedeutung, Mitglieder und Rechtsstellung
Die katholische Kirche in Österreich ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche und die größte Religionsgemeinschaft des Landes. Sie umfasst drei Kirchen eigenen Rechts: die römisch-katholische oder lateinische Kirche, die griechisch-katholische Kirche mit byzantinischem Ritus und die armenisch-katholische Kirche. Ende 2024 hatte sie 4.557.471 Mitglieder, entsprechend 49,6 Prozent der Bevölkerung. Von rund 4,56 Millionen Mitgliedern gehören bis auf etwa 10.000 alle der lateinischen Kirche an.
Die katholische Kirche ist in Österreich gesetzlich und historisch anerkannt. Ihre Rechtsstellung beruht besonders auf dem Konkordat von 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich. Zum anerkannten katholischen Bereich gehören der lateinische, der griechisch-katholische und der armenisch-katholische Ritus. Die Wiener griechisch-katholische Gemeinde St. Barbara wurde 1783 errichtet und ist heute Zentralpfarre für die byzantinischen Gläubigen Österreichs. Die Wiener Niederlassung der armenisch-katholischen Mechitaristen wurde 1810 anerkannt. Weitere katholische Ostkirchen spielen zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle und sind als Organisationen nicht ausdrücklich rechtlich verankert. Die Altkatholische Kirche Österreichs gehört nicht zur katholischen Kirche, sondern ist eine eigenständig anerkannte Kirche.
Historische Entwicklung bis 1918
Das Christentum gelangte mit den Römern in das Gebiet des heutigen Österreich; sein frühester Nachweis stammt aus dem Jahr 174. Frühe Bistümer bestanden unter anderem in Tiburnia, Virunum, Lauriacum und Aguntum. Während der Völkerwanderung gingen viele kirchliche Strukturen verloren, die christliche Glaubenspraxis blieb jedoch bestehen. Dafür stehen etwa der Märtyrer Florian von Lorch († 304) und der Missionar Severin von Noricum († 482).
Die erneute Christianisierung im Mittelalter wurde vor allem von Rupert und Virgil sowie von den 739 durch Bonifatius gegründeten Diözesen Passau und Salzburg getragen. Passau missionierte entlang der Donau, Salzburg im Alpenraum. Klöster wie Mondsee (748), Innichen (769), Kremsmünster (777) und Sankt Florian (um 800) wurden wichtige Zentren. Dauerhaft festigten sich die Strukturen nach dem Awarenfeldzug Karls des Großen um 800 und der Schlacht auf dem Lechfeld 955. Das 996 erwähnte freisingische Landgut Ostarrichi wurde zur Keimzelle des heutigen Österreich.
Unter den Habsburgern nahm die Kirche zunehmend den Charakter einer Staatskirche an. Wien erhielt 1365 ein Kapitel an der Stephanskirche, wurde aber erst 1469 eigene Diözese. Ab 1520 breitete sich die Reformation aus; um 1570 war Österreich weitgehend protestantisch. Die katholischen Habsburger setzten jedoch eine energische Gegenreformation durch, sodass das Land nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder katholisch war. Joseph II. gewährte mit den Toleranzpatenten von 1781 und 1782 zumindest einigen weiteren christlichen Konfessionen Religionsfreiheit. Ein Vertrag von 1784 ordnete die Diözesangrenzen weitgehend nach dem Staatsgebiet. Zugleich hob der Josephinismus kontemplative Orden auf und stellte die Kirche stark in den Dienst des absolutistischen Staates.
Der Katholizismus blieb bis zum Ende der Monarchie 1918 politisch und gesellschaftlich vorherrschend. Das Konkordat von 1855 lockerte die staatliche Kontrolle des Josephinismus, wurde jedoch 1870 von Österreich aufgekündigt. Die Maigesetze von 1870 und eine Novelle von 1874 unterstellten unter anderem Ehegerichtsbarkeit, Unterricht, Erziehung und Fragen interkonfessioneller Ehen der Staatsgewalt. Bis 1918 nominierte der Kaiser die Bischöfe; der Papst ernannte sie anschließend entsprechend dieser Entscheidung.
Erste und Zweite Republik
In der Ersten Republik blieb die Kirche eng mit der Christlichsozialen Partei verbunden. Das Konkordat von 1933 regelte unter anderem ihre Rechtsstellung, die Ausbildung des Klerus, den Religionsunterricht, kirchliche Schulen und Eheschließungen, Militärseelsorge, Feiertage und Vermögensfragen. Die Bischöfe begrüßten damals die Ausschaltung der Demokratie und die Errichtung der Diktatur. Die katholische Kirche hielt 2024 selbst fest, dass zahlreiche kirchliche Vertreter dieser unter vermeintlich christlicher Politik auftretenden Diktatur das Wort redeten und entsprechend handelten.
Die Haltung zum Nationalsozialismus war widersprüchlich: Die Bischöfe befürworteten den „Anschluss“, zugleich gab es katholischen Widerstand wie die Rosenkranz-Demonstration. Da die Nationalsozialisten die Konkordate nicht auf Österreich anwandten, war die Kirche nicht geschützt. Enteignungen, Verhaftungen, Predigtverbote und die Abschaffung des Religionsunterrichts sollten ihren Einfluss vermindern; zahlreiche Priester und Laien wurden in Konzentrationslager deportiert und hingerichtet.
In der Zweiten Republik wurden Kirche und Staat im modernen Sinn getrennt. Im Mariazeller Manifest von 1952 erklärte die Kirche, weder zum Staatskirchentum zurückkehren noch unter dem Schutz einer einzelnen Partei stehen zu wollen. 1957 erkannte die Bundesregierung das Konkordat von 1933 grundsätzlich wieder an. Für NS-Enteignungen erhält die Kirche auf Grundlage des Staatsvertrags und eines Vertrags von 1960 eine Entschädigung; seit 2018 beträgt sie jährlich 20,7 Millionen Euro. Der Religionsunterricht wurde 1962 neu geregelt. Die obligatorische Ziviltrauung blieb trotz abweichender Konkordatsbestimmungen bestehen.
Das II. Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 beeinflusste das Verhältnis von Kirche und Staat positiv. Kardinal Franz König förderte die Aussöhnung mit der Sozialdemokratie und Kontakte zu den Ostkirchen. 1994 trat die katholische Kirche dem bereits 1958 gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich bei. In den 1980er- und 1990er-Jahren kam es zu innerkirchlichen Debatten und Konflikten um Amtsbesetzungen. 1995 entstanden die Bewegung „Wir sind Kirche“ und das Kirchenvolks-Begehren. Nach der Affäre Groër von 1995 und zahlreichen bekannt gewordenen Missbrauchsfällen richtete die Kirche diözesane Ombudsstellen sowie eine Kommission unter Waltraud Klasnic ein, die Fälle untersucht und Betroffene entschädigt.
Mitgliederentwicklung und religiöse Praxis
Der Anteil der Katholiken betrug 1951 und 1961 jeweils 89,0 Prozent. Die absolute Mitgliederzahl erreichte 1971 mit 6.548.316 ihren Höchststand, während der Bevölkerungsanteil bereits auf 87,4 Prozent gesunken war. Gründe waren die Zuwanderung von Menschen anderer Religionen und die zunehmende Zahl Konfessionsloser, besonders durch Kirchenaustritte. Danach sank auch die absolute Zahl kontinuierlich: 2001 gab es 5.915.421 Katholiken (73,6 Prozent), 2021 noch 4.827.683 (53,8 Prozent) und 2024 schließlich 4.557.471 (49,6 Prozent). Seit der Volkszählung 2001 verlor die Kirche damit über 1,3 Millionen beziehungsweise fast ein Viertel ihrer Mitglieder. Ende 2019 fiel die Zahl erstmals unter fünf Millionen, 2024 der Anteil erstmals unter 50 Prozent. Bei anhaltendem Trend wird für 2030 ein Rückgang unter vier Millionen erwartet.
2022 wurde mit 90.975 Kirchenaustritten der bisherige Höchststand erreicht; 2010 waren es im Zusammenhang mit damals diskutierten Missbrauchsfällen 85.960 gewesen. In den letzten drei Jahren lag der Durchschnitt bei rund 83.000 Austritten, entsprechend einem jährlichen Mitgliederverlust von etwa 1,8 Prozent.
Auch der sonntägliche Messbesuch ging zurück. 2001 nahmen 931.225 Menschen teil, also 15,7 Prozent der Katholiken beziehungsweise 11,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2021 wurden am Zählsonntag in der Fastenzeit 251.623 Menschen gezählt, entsprechend 5,2 Prozent der Katholiken und 2,8 Prozent der Bevölkerung; am Zählsonntag Christkönig waren es 281.131 Menschen, entsprechend 5,8 beziehungsweise 3,1 Prozent. Von 77.238 Neugeborenen wurden 2024 insgesamt 27.111 katholisch getauft, also 35,1 Prozent.
Aufbau und zentrale Einrichtungen
Die katholische Kirche ist in die Kirchenprovinzen Salzburg und Wien mit neun Gebietsdiözesen gegliedert. Deren Grenzen entsprechen ungefähr den Bundesländern. Wichtige Abweichungen sind das östliche Niederösterreich, das zur Erzdiözese Wien gehört, und das östliche Nordtirol, das Teil der Erzdiözese Salzburg ist. Hinzu kommen die Österreichische Militärdiözese, das unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellte Ordinariat für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen und die Territorialabtei Wettingen-Mehrerau. Im Jahr 2024 bestanden 2.890 katholische Pfarren, die von 1.764 Diözesanpriestern und 1.193 Ordenspriestern betreut wurden. Die größten Gebietsdiözesen nach Mitgliederzahl waren die Erzdiözese Wien mit 1.039.055, die Diözese Linz mit 868.650 und die Diözese Graz-Seckau mit 726.832 Katholiken.
Alle österreichischen Erz- und Diözesanbischöfe sind in der Österreichischen Bischofskonferenz zusammengeschlossen. Diese Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde 1849 mit Zustimmung des Apostolischen Stuhls errichtet. Sie behandelt gemeinsame Angelegenheiten und vertritt die Kirche gegenüber der Republik und im Ökumenischen Rat der Kirchen; außerdem führt sie die Nachrichtenagentur Kathpress.
Der Heilige Stuhl wird durch den Apostolischen Nuntius vertreten. Die Wiener Nuntiatur besteht seit 1529. Der Nuntius ist nicht Mitglied der Bischofskonferenz, wird aber zu deren Vollversammlung eingeladen und übermittelt das Protokoll nach Rom. Die männlichen und weiblichen Ordensgemeinschaften schlossen ihre früher getrennten Vertretungen 2019 zur Ordenskonferenz Österreich zusammen. Weitere wichtige überdiözesane Einrichtungen sind die Caritas Österreich für soziale und seelsorgliche Aufgaben sowie Kathpress als zentrales Medienorgan.
Wirtschaft und Kulturerbe
Katholische Organisationen gehören gemeinsam zu den großen Grundbesitzern Österreichs. Ihr Bodenbesitz wird auf etwa 250.000 Hektar geschätzt. Davon sind 121.400 Hektar Wald, wobei Betriebe unter 500 Hektar nicht eingerechnet sind; mit ihnen wäre die Waldfläche ungefähr nochmals um die Hälfte größer. Dies entspricht etwa 3 bis 5 Prozent des österreichischen Waldes. Der größte land- und forstwirtschaftliche Betrieb ist das Stift Admont. In Wien und Salzburg zählen kirchliche Organisationen zusammen jeweils zu den größten Hausbesitzern.
Mit rund 60.000 Beschäftigten stellen die katholischen Organisationen als Gruppe etwa 1,5 Prozent der 4,3 Millionen Erwerbspersonen. Viele arbeiten in Bildung, Medizin, Pflege und Sozialdiensten, etwa in Ordenskrankenhäusern. Knapp 60 Prozent der kirchlichen Ausgaben entfielen 2008 auf Personal; das waren 283 Millionen Euro. Die Diözesen nahmen 2008 insgesamt 482 Millionen Euro ein, davon 81 Prozent aus Kirchenbeiträgen. Die einzelnen Einrichtungen sind rechtlich unabhängig und dürfen nicht gewinnorientiert arbeiten; Einnahmen dienen ihrer Erhaltung und ihren Aufgaben. Eine vollständige Übersicht über alle Finanzen besteht nicht, und die Kirche veröffentlicht hierzu nur begrenzt Informationen.
Die Kirche ist außerdem ein bedeutender Kulturträger und damit ein Wirtschaftsfaktor für den Tourismus. Etwa ein Viertel der denkmalgeschützten Objekte, geschätzt rund 15.000, gehört Diözesen, Klöstern oder anderen kirchlichen Körperschaften. In den historischen Zentren von Wien und Salzburg ist der kirchliche Anteil besonders groß; in Wien wird er auf 10 Prozent aller Gebäude, in Salzburg auf die Hälfte geschätzt. Restaurierungen werden häufig zu ungefähr gleichen Teilen vom Bundesdenkmalamt, der Diözese und der Pfarrgemeinde über Spenden finanziert. Die jährliche Erhaltung der Kirchen kostet schätzungsweise 150 Millionen Euro, weitere 3 Millionen Euro werden für Glocken ausgegeben.
Zum Kulturgut zählen außerdem Museen, kirchliche Kunstwerke, seit 2011 von der UNESCO anerkanntes immaterielles Erbe sowie bedeutende Bibliotheken und Archive. Pfarrmatriken dokumentieren Geburten und Todesfälle bis ins 19. Jahrhundert sowie Taufen und Eheschließungen bis heute. Zusammen mit frühen Urbaren bilden diese Archivalien wichtige Primärquellen zur österreichischen Geschichte.