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Karpaten
... Hochgebirge in Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa. Sie bilden einen über 1300 km langen, etwa 100 bis 350 km breiten nach Westen offenen Bogen, der …
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Überblick und Lage
Die Karpaten sind ein Hochgebirge in Mitteleuropa, Osteuropa und Südosteuropa. Sie bilden einen nach Westen offenen Gebirgsbogen, der einschließlich seiner Ausläufer in der nördlichen Umfassung des Wiener Beckens beginnt und an den Flusstälern von Morava, Nišava und Timok im Osten Zentralserbiens endet. Der Bogen ist über 1300 km lang, etwa 100 bis 350 km breit und umfasst rund 220.000 km². Die durchschnittliche Breite beträgt etwa 150 km.
Die Karpaten sind der nördlichste Ausläufer des alpidischen Gebirgsgürtels. Dieser Faltengürtel setzt sich nach Westen in den Alpen und nach Südosten im Balkan- und Rhodopengebirge fort. Dinariden und Apenninen liegen südwestlich versetzt und verlaufen annähernd parallel zu den Ostkarpaten. Neben den Alpen sind die Karpaten das bestimmende Gebirgssystem in Mitteleuropa.
Das höchste Massiv ist die Hohe Tatra. Dort liegt der Gerlachovský štít mit 2655 m n.m.; er ist zugleich der höchste Berg der Slowakei und der höchste Gipfel der gesamten Karpaten. Danach folgt das Făgăraș-Massiv in den Südkarpaten mit der Moldoveanu-Spitze, 2544 m, dem höchsten Berg Rumäniens. Insgesamt haben acht Staaten Anteil an den Karpaten. Die größten Anteile liegen in der Slowakei und Rumänien; außerdem gehören Teile zu Polen, der Ukraine, Österreich, Tschechien, Ungarn und Serbien.
Entstehung und Landschaft
Der Karpatenbogen umschließt die Ungarische Tiefebene von Norden und Osten und grenzt sie nach Nordmittel- und Osteuropa hin ab. Der Gebirgsbogen ist stärker gekrümmt als der Alpenbogen. Geologisch sind Karpaten und Alpen Ergebnisse plattentektonischer Vorgänge der vergangenen 100 Millionen Jahre. Besonders in den letzten 30 Jahrmillionen wurden durch den nordwärts gegen den europäischen Teil der Eurasischen Platte gerichteten Druck der Afrikanischen Platte Faltengebirge in der Südhälfte Europas aufgewölbt. Dieser Vorgang wird als alpidische Orogenese bezeichnet.
Die Krümmung ist zwischen Ost- und Südkarpaten besonders stark. Dort umschließen die Karpaten mit dem Apuseni-Gebirge nahezu ganz Transsilvanien, also Siebenbürgen, und setzen sich jenseits der Donau am Eisernen Tor im bulgarischen Balkangebirge fort. Teile des Karpatenbogens gehören zur Europäischen Hauptwasserscheide, also zu einer Grenze, von der Wasser in verschiedene große Flusssysteme abfließt.
Die Karpaten bestehen aus ähnlich vielfältigen Gesteinen wie die Alpen. Eine frühere Verbindung zwischen Ostalpen und Westkarpaten sank bei der Bildung des Wiener Beckens mehrere Kilometer in die Tiefe; ähnlich geschah es mit Teilen des Pannonischen Beckens.
Landschaftlich sind die Karpaten sehr vielfältig. Es gibt Hochgebirgsregionen mit Höhen über 2000 m, etwa Hohe und Niedere Tatra sowie Teile der Ost- und Südkarpaten. Daneben gibt es viele Gebiete mit Mittelgebirgscharakter, darunter Kleine und Weiße Karpaten, Slowakisches Erzgebirge, West- und Ostbeskiden sowie das Siebenbürgische Becken. In den Westkarpaten kommen große Längstäler sowie Quer- und Durchbruchstäler vor, zum Beispiel an Waag und Hron.
Gliederung des Gebirges
Die Karpaten werden nach zwei Prinzipien gegliedert: horizontal und vertikal. Die horizontale Gliederung richtet sich nach Alter, Gesteinsart und Oberflächenart. Dabei unterscheidet man vor allem Äußere und Innere Karpaten.
Die Äußeren Karpaten ziehen sich vom nordöstlichen Niederösterreich über Bratislava und das Grenzgebiet zwischen Tschechien und der Slowakei, weiter über das Grenzgebiet zwischen der Slowakei und Polen, über große Teile der Waldkarpaten und über Teile Rumäniens bis in ein Gebiet nördlich von Bukarest. Ihr höchster Berg ist die Babia Góra, auch Teufelsspitze, mit 1725 m.
Die Inneren Karpaten umfassen vereinfacht die höchsten Teile des Gebirges, darunter Tatra, Niedere Tatra, Slowakisches Erzgebirge, Nördliches Ungarisches Mittelgebirge, Rodnaer Gebirge, Retezatgebirge, Parâng-Gebirge und Harghita-Gebirge. Sie werden unter anderem in den Mittelslowakischen Block, den Ostkarpatischen Block, den Südkarpatischen Block, das Apuseni-Gebirge und vulkanische Gebirge unterteilt. Die vulkanischen Gebirge wie Vihorlat, Bükk, Munții Calimani, Gurghiuer Gebirge und Harghita-Gebirge bilden den innersten und jüngsten Teil des Karpatenbogens und werden manchmal als eigene Gruppe der „innersten“ Karpaten ausgegliedert.
Die vertikale Gliederung beruht auf geologisch-tektonischen, physiografischen und grob morphografischen Kriterien. Die Westkarpaten liegen vor allem in der Slowakei und angrenzenden Gebieten Österreichs, Tschechiens, Polens und Ungarns. Ihr höchster Teil ist die Tatra mit der Gerlsdorfer Spitze, 2655 m. Die Südostkarpaten umfassen die Ostkarpaten im weiteren Sinne und die Südkarpaten. Die Ostkarpaten im weiteren Sinne bestehen aus Ostbeskiden, Ukrainischen Karpaten und Ostkarpaten im engeren Sinne. Die Bezeichnungen sind teilweise umstritten: Besonders „Waldkarpaten“ wird unterschiedlich verwendet, teils für die Ostbeskiden, teils für die Ukrainischen Karpaten, teils sogar für die gesamten Ostkarpaten im weiteren Sinne.
Die Waldkarpaten liegen in der Ostslowakei, in Polen, in der Ukraine und zu einem kleinen Teil in Rumänien. Sie enden am Prisloppass; ihre höchste Erhebung ist die Howerla mit 2060 m, zugleich der höchste Berg der Ukraine. Die Ostkarpaten im engeren Sinne liegen vollständig in Rumänien zwischen Prislop-Pass und Predeal-Pass und erreichen mit dem Pietros 2305 m. Die Südkarpaten, auch Transsilvanische Alpen oder Siebenbürger Alpen genannt, folgen vom Predealpass nach Westen. Sie liegen in Rumänien und zu einem kleineren Teil in Serbien und erreichen mit dem Moldoveanu 2544 m. Wichtige Gebirge sind das Fogarascher Gebirge und das Retezatgebirge, das besonders reich an Bergseen ist.
Gewässer, Städte und Natur
Zu den wichtigsten Karpatenflüssen gehören unter anderem Morava beziehungsweise March, Wisła beziehungsweise Weichsel, San, Dunajec, Poprad, Váh beziehungsweise Waag, Hron, Dnister, Pruth, Sereth, Theiß, Argeș, Bistrița, Jiu, Târnava, Kreisch, Mieresch, Alt beziehungsweise Olt, Someș, Temesch und Timok. Diese Flüsse zeigen, dass die Karpaten für mehrere große Flusssysteme Mittel-, Ost- und Südosteuropas wichtig sind.
Größere Städte in oder an den Karpaten sind zum Beispiel Bratislava, Banská Bystrica, Košice, Prešov, Poprad und Žilina in der Slowakei; Bielsko-Biała, Nowy Sącz, Nowy Targ, Sanok und Zakopane in Polen; Brașov, Sibiu, Piatra Neamț, Suceava, Petroșani und Reșița in Rumänien; Mukatschewo, Uschhorod und Tscherniwzi in der Ukraine; Ostrava und Zlín in Tschechien; Miskolc und Eger in Ungarn; sowie Bor, Vršac und Drobeta Turnu Severin im serbisch-rumänischen Raum.
Die niedrigeren Lagen der Karpaten sind bewaldet. Die Waldgrenze schwankt zwischen 1150 m und 1900 m. Vegetation und Tierwelt ähneln im Wesentlichen den Alpen, sind aber reich an endemischen Arten, also Arten, die nur in bestimmten Karpatenregionen vorkommen. Die Karpaten enthalten das größte noch bestehende geschlossene Laubwaldgebiet Europas. Mehr als ein Drittel aller in Zentraleuropa noch wildlebenden Großraubtiere, nämlich Braunbären, Wölfe und Luchse, lebt hier. Im Oberlauf des Argeș und in seinen Zuflüssen kommt oder kam der extrem seltene Groppenbarsch endemisch vor.
Die Südostkarpaten lassen sich in vier Vegetationshöhenstufen gliedern. Die kolline Höhenstufe liegt bei 400 bis 700 m und ist von Eichenwäldern und Laub-Mischwäldern geprägt. Die montane Höhenstufe reicht von 700 bis 1700/1800 m; im unteren Bereich wachsen Traubeneichen- und/oder Hainbuchenwälder, danach Rotbuchenwälder, die nach oben zunehmend mit Tannen und Fichten durchsetzt sind und meist in reine Fichtenwälder übergehen. Die subalpine Höhenstufe liegt bei 1700/1800 bis 2150/2350 m und enthält Legföhren-Krummholz, teils Wacholder oder Grünerle. Die alpine Höhenstufe reicht von 2150/2350 bis 2300/2500 m und ist von verschiedenen Bergwiesen-Gesellschaften geprägt.
Während der letzten Kaltzeit entwickelte sich im westlichen und östlichen Bereich der Karpaten teilweise kein Permafrostboden. Dadurch blieb in 300 beziehungsweise 600 m Höhe ein waldreicher Refugialraum erhalten. Ein Refugialraum ist ein Rückzugsgebiet, in dem Arten ungünstige Klimaphasen überdauern konnten. Zusammen mit den Refugialräumen auf der Iberischen Halbinsel und in Italien war dies wichtig für die Wiederbesiedelung Europas zu Beginn des Holozäns und für die Biodiversität.
Nutzung, Schutz und Kultur
Der Tourismus ist in den Karpaten im Vergleich zu den Alpen weniger stark entwickelt. Ausnahmen sind vor allem die Tatra und die Prahova-Region. Einige Gebiete, darunter Poiana Brașov und Predeal, entwickeln sich zu touristischen Zentren auch für ausländische Gäste.
Für den Landschafts- und Naturschutz ist die Karpatenkonvention wichtig. Im Jahr 2003 schlossen sich sieben Karpatenländer zusammen und verabschiedeten diese Konvention. Ihr Ziel ist die Koordination von Maßnahmen zum Schutz von Landschaft und Natur des Gebirges. Am 24. Mai 2010 wurde in fünf Ländern unter Beteiligung von etwa 30 Nationalparks und Schutzgebieten der „Tag der Nationalparks in den Karpaten“ gefeiert. Er sollte das Gebiet bekannter machen und seine Schutzwürdigkeit hervorheben.
Die Karpatenregion ist sprachlich und kulturell vielfältig. Der entsprechende Abschnitt des Artikels ist allerdings als nicht hinreichend belegt markiert; seine Angaben sollten daher vorsichtig verwendet werden. Genannt werden mehrere Sprachgruppen, darunter Tschechisch, Slowakisch, altdeutsche Dialekte, Polnisch, Wolhynisch, Ukrainisch, Ungarisch, Rumänisch, Serbisch und Bulgarisch. Für den deutschen Sprachraum wird eine besondere Bedeutung beschrieben, weil seit etwa 800 Jahren deutsche und österreichische Siedler im Norden, Osten und Süden des Karpatenbogens lebten, besonders in Siebenbürgen, im Banat und in Ungarn. Ihre Zahl ging nach 1918 und nach der Wende von 1989 stark zurück, dennoch wird ihr Beitrag zur kulturellen Vielfalt betont. Als Beispiel für internationale Aufmerksamkeit wird Sibiu, deutsch Hermannstadt, genannt, das 2007 Europäische Kulturhauptstadt war.