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Hochgebirge

Ein Hochgebirge ist (im deutschen Sprachraum) eine aus der Ebene um mindestens 1000 Meter Höhenunterschied herausragende Massenerhebung der Erdoberfläche …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Merkmale und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung und Höhenstufen
  3. 3. Formen nach Relief und Feuchte
  4. 4. Verbreitung auf der Erde
  5. 5. Menschen, Nutzung und Gefährdung

Merkmale und Bedeutung

Ein Hochgebirge ist im deutschen Sprachraum eine Massenerhebung der Erdoberfläche, die sich aus der Ebene um mindestens 1000 Meter Höhenunterschied heraushebt. Kennzeichnend sind ein stark ausgeprägtes Relief mit steilen Hängen, Felsregionen, schroffen Gipfeln oder Graten, eine von der Umgebung unterscheidbare natürliche Vegetation und meist mehrere Höhenstufen. Die Höhe über dem Meeresspiegel ist nachrangig, obwohl populäre Definitionen oft mehr als 1.500 m oder 2.000 m nennen.

Deshalb können Teile der über 5.000 m hohen tibetischen Hochfläche oder der Appalachen mit Höhen über 2.000 m Mittelgebirgscharakter haben. Die Snowdon-Range in Wales ist dagegen trotz nur knapp über 1.000 m ein Hochgebirge. Sehr junge, wenig verwitterte Gebirge können auch bei geringerer Reliefenergie hochgebirgsartig sein, etwa die 700 bis 900 m hohen Cuillin Hills auf Skye oder die Felsendome Gros Piton auf St. Lucia; eine eigene Gebirgsvegetation ist dort oft kaum ausgeprägt.

Hochgebirge schaffen stets ein gegenüber der globalen Klimazone abweichendes Gebirgsklima und beeinflussen das Umland. Stärke und Reichweite nehmen mit Höhe, Küstennähe und Barrierewirkung gegenüber Hauptwinden zu. So stehen die Coast Mountains mit gemäßigtem Regenwald an ihren pazifischen Hängen in Zusammenhang, während der Himalaya höhere Temperaturen in Indien und erhebliche Trockenheit in Zentralasien bewirkt. Unterschiedliche Bedingungen bei Klima, Wasser, Böden, Relief und Vegetation führen oft zu hoher Biodiversität. Viele Megadiversitätszentren mit mehr als 5.000 Gefäßpflanzen-Arten auf 10.000 km² liegen an feuchtwarmen Hochgebirgsabdachungen. Gebirge waren in Eiszeiten Rückzugsrefugien und zugleich Barrieren; dies begünstigte endemische Arten und Artbildung. Sie gehören zum Makrorelief der Erde; entsprechende Erhebungen unter dem Meer heißen Meeresrücken.

Abgrenzung und Höhenstufen

Eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition gibt es wegen zahlreicher Sonderfälle nicht. Carl Trolls einflussreiche Definition verlangte rezente oder ehemalige Vergletscherung, eine Erhebung über die klimatische Waldgrenze sowie eine Solifluktionsstufe. Solifluktion ist das langsame Fließen wassergesättigten Bodens an Hängen, das besonders bei Frost-Tau-Wechseln auftritt.

Heute werden mehrere Kriterien kombiniert: das Überschreiten der oberen Waldgrenze, mehrere Vegetations-Höhenstufen, jahreszeitliche Bodengefrornis mit Frostsprengung und Strukturböden, eine periglaziale Höhenstufe sowie aktuelle oder quartäre Vergletscherung. Als Spuren der Vergletscherung gelten Kare, Trogtäler und Hängetäler. Weitere Merkmale sind mehr als 1000 m Reliefenergie, der Verlust flacher Altformen, Grate, Gipfelpyramiden und Hörner, Hangneigungen von mehr als 30° mit aktiven Hangschutthalden und ein raueres Klima als im tieferen Umland.

Der Begriff kann auch die Hochgebirgsstufe meinen: Sie umfasst die an der Firngrenze getrennten Stufen alpin und nival und beginnt oberhalb der montanen Mittelgebirgsstufe. Zur Abgrenzung einzelner Berge wird häufig eine Schartenhöhe von mindestens 100 m verwendet; in den Alpen oft 100–300 m, im Himalaya 500 m.

Formen nach Relief und Feuchte

Geomorphologisch, also nach den Formen der Erdoberfläche, gibt es zwei Grundtypen. Der „Alpen-Typ“ ist stark durch glaziale Erosion, also die Abtragung durch Gletscher, geprägt. Typisch sind Hörner, Karlinge, Trogschultern und Trogtäler. Beim „Rocky-Mountains-Typ“ treten glaziale Formen zurück; abgerundete Formen und Rumpfflächen dominieren.

Nach Fred-Günter Schroeder lassen sich Hochgebirge außerhalb der Polargebiete anhand der mit der Höhe zunehmenden Niederschläge in vier hygrische, also feuchtebezogene, Typen gliedern: Typ A hat humides Klima und Wald von der Ebene bis zur Waldgrenze, etwa Appalachen, Alpen, Zentrale Anden und Kinabalu. Typ B ist teilarid: Am Fuß wächst waldfreie Trockenvegetation, die Montanstufe ist bewaldet. Typ C ist arid und hat keine flächenhafte Waldbedeckung; Bäume kommen höchstens fragmentarisch oder an besonders günstigen Standorten vor. Typ D ist teilhumid und trägt Wald auf den Hängen in Hauptwindrichtung, wenn regelmäßig feuchte Luftmassen herangeführt werden.

Verbreitung auf der Erde

Die höchsten Gipfel konzentrieren sich in Asien: Alle 14 Achttausender liegen im Himalaya und Karakorum in Südasien; alle Berge über 7000 m, mindestens 256, liegen in Hochasien. Der Himalaya erreicht mit dem Mount Everest beziehungsweise Tschomolungma 8848 m, der Karakorum mit K2 8611 m. Zum Hochasien gehören außerdem unter anderem Pamir (bis 7649 m), Tian Shan (bis 7439 m), Kunlun Shan (bis 7167 m) und Hindukusch (bis 7708 m). In Europa ist der Mont Blanc mit 4810 m der höchste Berg; weitere wichtige Hochgebirge sind Alpen, Pyrenäen mit dem Aneto (3404 m), Karpaten, Kaukasus mit dem Elbrus (5642 m) und Skandinavisches Gebirge.

In Nordamerika dominieren die Kordilleren: Die Alaskakette erreicht am Denali 6168 m, die Eliaskette am Mount Logan 5959 m, die Sierra Volcánica Transversal am Citlaltépetl 5636 m. Die Appalachen werden zwar aufgeführt, haben jedoch vielfach Mittelgebirgscharakter. In Südamerika bilden die Anden die große Hochgebirgskette; sie besitzen mehr als 100 Sechstausender und erreichen am Aconcagua 6961 m. Weitere Beispiele sind die Sierra Nevada de Santa Marta mit 5720 m und die Patagonischen Anden mit 4058 m.

In Afrika ragen Kilimandscharo (5895 m), Mount-Kenya-Massiv (5199 m), Ruwenzori-Gebirge (5109 m), Atlas und Drakensberge heraus. In Ozeanien liegt das Maokegebirge in Neuguinea mit dem Puncak Jaya bei 4884 m; die Neuseeländischen Alpen erreichen 3724 m. Auf dem Hawaiirücken erreicht der Mauna Kea 4205 m über dem Meer, vom untermeerischen Gebirgsfuß bis zum Gipfel aber ungefähr 10.000 m; danach ist er das höchste Gebirge der Erde. Das höchste vollständig eisbedeckte Gebirge ist das Watkins-Gebirge in Ostgrönland mit mehreren Gipfeln knapp unter 3700 m. Auch im Nord- und Südpolarmeer sowie in der Antarktis gibt es Hochgebirge, etwa das Ellsworthgebirge mit Mount Vinson (4892 m).

Menschen, Nutzung und Gefährdung

Hochgebirge sind natürliche Barrieren und erschweren Siedlung und Leben, werden aber mindestens seit der Steinzeit genutzt: als Jagdgebiet, Rückzugsort, Fundstelle seltener Bodenschätze sowie für Holz und Wasserkraft. Sie besitzen zudem religiöse oder „mystische“ Bedeutung; heilige Berge sind beispielsweise Kailash, Olymp, Sinai, Bromo, Kilimandscharo, Mount Shasta, Popocatépetl und Chimborazo. Die Gletschermumie Ötzi vom Tisenjoch in Österreich stammt aus der späten Jungsteinzeit und lieferte durch ihre Ausrüstung Erkenntnisse zum damaligen Leben in den Alpen. Gebirgsräume weisen oft große kulturelle Vielfalt auf, etwa in den Anden, im tibetischen Kulturraum oder in Neuguinea.

Seit Industrialisierung und modernem Lebensstil haben Wald-, Land- und Wasserwirtschaft, Bergbau und Tourismus den ökologischen Fußabdruck in vielen Hochgebirgen stark vergrößert. Sie gefährden seltene Lebensformen und ökologische Zusammenhänge. Die globale Erwärmung wirkt dort besonders schnell und stark: Permafrost taut, Extremwetterereignisse nehmen zu und können Erdrutsche, Felsstürze, Murgänge, Lawinen und Überschwemmungen auslösen. Hinzu kommen Gletscherschwund und die vertikale Verschiebung der Vegetationsstufen, durch die Arten bedroht werden. Der Rückgang von Gletschern beeinträchtigt außerdem die Wasserversorgung, auch weit entfernt in den Ebenen.

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