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Kanon und Gigue in D-Dur (Pachelbel)

Kanon und Gigue in D-Dur, Originaltitel Canon per 3 Violini con Basso continuo, ist ein Werk des Nürnberger Barock-Komponisten Johann Pachelbel (1653–1706).

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Überlieferung und Datierung
  3. 3. Aufbau, Besetzung und Harmonik
  4. 4. Verwendung in späterer Musik

Werk und Bedeutung

„Kanon und Gigue in D-Dur“ ist ein Werk des Nürnberger Barockkomponisten Johann Pachelbel (1653–1706). Der Originaltitel lautet „Canon per 3 Violini con Basso continuo“. Es ist Pachelbels mit Abstand bekannteste Komposition und machte seinen Namen auch im Bereich der Pop- und Crossover-Musik bekannt. Zugleich ist es der einzige von ihm überlieferte Kanon.

Das Werk besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Stücken: einem Kanon und einer Gigue. Ein Kanon ist eine Kompositionsform, bei der mehrere Stimmen dieselbe Melodie zeitlich versetzt einsetzen. Die Gigue ist ein schneller Tanzsatz; sie steht hier im 12/8-Takt und umfasst 40 Takte.

Überlieferung und Datierung

Pachelbel war vor allem für seine Orgel- und Klaviermusik bekannt, gilt heute aber auch als bedeutender Komponist von Kirchen- und Kammermusik. Von seiner Kammermusik ist nur wenig erhalten. Neben einzelnen Manuskripten ist vor allem die zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Sammlung „Musikalische Ergötzung“ bekannt.

Von Kanon und Gigue existiert nur eine erhaltene handschriftliche Kopie aus dem 19. Jahrhundert. Sie wird unter der Signatur Mus.ms. 16481/8 in der Staatsbibliothek zu Berlin aufbewahrt und enthält außerdem zwei weitere Kammersuiten. Eine andere Kopie, die sich in der Hochschule der Künste in Berlin befand, gilt als verschollen.

Die genauen Entstehungsumstände und das Entstehungsdatum sind unbekannt. Hans-Joachim Schulze vermutete 1985, Pachelbel habe das Werk möglicherweise für die Hochzeit seines Schülers Johann Christoph Bach, des ältesten Bruders Johann Sebastian Bachs, am 23. Oktober 1694 komponiert. Pachelbel, Johann Ambrosius Bach und weitere Angehörige und Freunde gestalteten die Feier musikalisch. Die Pachelbel-Forscherin Kathryn Jane Welter bewertet diese Verbindung jedoch als „reine Spekulation“.

Charles E. Brewer untersuchte mögliche Beziehungen zu Heinrich Bibers Kammermusik. Nach seiner Forschung könnte Pachelbels Kanon eine Antwort auf eine Chaconne mit kanonischen Elementen aus Partia III von Bibers „Harmonia artificioso-ariosa“ sein. In diesem Fall wäre der Kanon frühestens 1696 entstanden, weil Bibers Sammlung in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Gelegentlich wird auch 1680 als Entstehungsjahr genannt; eine sichere Datierung ist damit nicht möglich.

Aufbau, Besetzung und Harmonik

Die Urtextausgaben schreiben drei Violinen und Basso continuo vor. Der Basso continuo ist eine durchgehende Bassbegleitung, deren Harmonien von geeigneten Instrumenten ergänzt werden. Über dieser Bassstimme spielen die drei Violinen einen dreistimmigen Kanon.

Die Grundlage bildet ein Ostinato, also eine ständig wiederholte Bassfigur. Dazu gehört die zweitaktige Akkordfolge D – A – h – fis – G – D – G – A. Sie wird auch als Pachelbel-Schema bezeichnet und beruht auf einer als Parallelismus bezeichneten Sequenz. Eine Sequenz ist die Wiederholung eines musikalischen Musters auf anderen Tonstufen.

Die Akkordfolge wird 28-mal wiederholt. Zusammen mit dem Schlusstakt umfasst der Kanon 57 Takte, in denen dieses harmonische Schema streng beibehalten wird. Innerhalb dieses festen Rahmens erscheinen unterschiedliche Variationen des Kanonthemas. In den ersten zehn Takten lassen sich vier der insgesamt 28 Variationen erkennen. An den Kanon schließt sich die 40 Takte lange Gigue im 12/8-Takt an.

Verwendung in späterer Musik

Die Melodie, Basslinie oder Akkordfolge des Kanons wurde vielfach aufgegriffen. Mozart verwendete eine angepasste Tonfolge mit Abweichungen in den letzten beiden Takten für den ersten Auftritt der drei Jünglinge in „Die Zauberflöte“. Vermutet wird außerdem ein Einfluss auf die von Alexander Wassiljewitsch Alexandrow komponierte Hymne der Sowjetunion, deren Musik auch für die Hymne der Russischen Föderation verwendet wird; diese Verbindung ist jedoch nicht gesichert.

In der Popmusik übernahmen zahlreiche Stücke einzelne Elemente:

• „Spicks and Specks“ von den Bee Gees (1966) verwendet Basslinien des Kanons, wobei jeder Basston viermal erklingt. • „Wenn ein Mensch lebt“ von den Puhdys (1973) beginnt mit entsprechenden Klavierbasslinien, bei denen jeder Basston zweimal gespielt wird. • Die Village People nutzten die Melodie für „Go West“ (1979). International erfolgreich wurde besonders die Coverversion der Pet Shop Boys von 1993. • Weitere Verwendungen finden sich in „K.i.K. III“ von Wizo (1992), „C U When U Get There“ von Coolio und „Die Eine 2005“ von Die Firma; letzteres übernimmt die Harmoniefolge. • „Memories“ von Maroon 5 beruht auf der Akkordfolge und zu großen Teilen auf der Melodie des Kanons. „Full of Life“ von Christine And The Queens basiert ebenfalls auf seiner Akkordfolge.

Eine von Eberhard Schoener produzierte Fassung wurde 1986 in „Zwei Leben“, einer Folge der ZDF-Krimiserie „Der Alte“, eingesetzt. Es war die letzte Folge mit Siegfried Lowitz als Kriminalhauptkommissar Erwin Köster.

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