Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Parallelismus (Musik)

Als Parallelismus werden in der Musiktheorie bestimmte Satzmodelle bezeichnet, darunter (als Dur-Moll-Parallelismus) die Sequenz, die dem berühmten Kanon …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Dur-Moll-Parallelismus
  3. 3. Deutung nach Fladt
  4. 4. Historische Herleitung und Beispiele

Grundidee

Parallelismus bezeichnet in der Musiktheorie bestimmte Satzmodelle, also typische Muster, nach denen Stimmen und Akkorde angeordnet werden. Besonders wichtig ist der Dur-Moll-Parallelismus: eine Akkordfolge, die unter anderem dem berühmten Kanon von Johann Pachelbel zugrunde liegt. Andere gängige Namen dafür sind Pachelbel-Sequenz, terzschrittige Quartfallsequenz und Romanesca.

Der Begriff stammt von Carl Dahlhaus. Er verwendet ihn einerseits für das Verhältnis zwischen Parallelklängen im Sinne der Funktionstheorie. Andererseits meint er damit ein harmonisches Muster, das neben der vollständigen Kadenz und der Quintschrittsequenz zu den „charakteristischen Schemata der tonalen Harmonik“ gehört.

Dur-Moll-Parallelismus

Dahlhaus beschreibt den Dur-Moll-Parallelismus mit Formeln, die dieselbe Akkordfolge aus Moll- und Dur-Perspektive zeigen: „Moll: V–I–VII–III = Dur: III–VI–V–I oder Moll: III–VII–I–V = Dur: I–V–VI–III“.

Ein Beispiel in C-Dur/a-Moll zeigt diese Umdeutung besonders deutlich. Die Folge E–a–G–C kann in a-Moll als V–I–VII–III verstanden werden, in C-Dur aber als III–VI–V–I. Umgekehrt kann C–G–a–E in C-Dur als I–V–VI–III und in a-Moll als III–VII–I–V gedeutet werden. Entscheidend ist, dass dieselben Klänge je nach tonalem Bezug unterschiedlich benannt werden.

Deutung nach Fladt

Hartmut Fladt hat den Begriff Parallelismus anders gewichtet. Bei ihm steht nicht nur die Akkordfolge im Vordergrund, sondern die Parallelführung zweier Stimmen, die dem Dur-Moll-Parallelismus satztechnisch zugrunde liegt. Parallelführung bedeutet, dass zwei Stimmen sich in gleichbleibendem Abstand gemeinsam bewegen.

Vor diesem Hintergrund spricht Fladt auch von Terzen-, Sexten- und Dezimen-Parallelismen. Eine Terz, Sexte oder Dezime bezeichnet dabei den Abstand zwischen zwei Tönen. Fladt unterscheidet außerdem mehrere Arten von Parallelismen: Moll-Dur-Parallelismen wie D–t–(D)–tP, Parallelismen mit chiastisch vertauschten Gliedern wie T–D–(D)–Tp, Dur-Dur-Parallelismen wie C–G7–As–Es7–E–H7–… und Moll-Moll-Parallelismen wie c–B–es–Des–ges–E–a–…

Historische Herleitung und Beispiele

Historisch sind die Akkordfolgen des Dur-Moll- und Moll-Dur-Parallelismus aus der Parallelführung zweier Stimmen mit einer hinzugefügten Bassstimme entstanden. Ein Beleg dafür ist der Traktat De praeceptis artis musicae von Guilielmus Monachus aus der Zeit um 1480. Dort wird dieses Verfahren als Improvisationspraxis beschrieben.

Die Bassstimme, lateinisch contratenor bassus, wechselt in Bezug auf die Oberstimme der Terzparallelen beziehungsweise die Unterstimme der Sextparallelen zwischen Unterterz und Unterquinte. Aus diesem Verfahren lassen sich charakteristische Klangfolgen des Passamezzo, der Folia und auch die in aktueller Popularmusik häufig verwendete Progression I–V–VI–IV herleiten.

Weiterlesen