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Küste
Als Küste wird der Grenzraum der sich wechselseitig beeinflussenden Ökosysteme von Land und Meer bezeichnet. Abhängig von der Küstenform ist dieser Raum von …
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Begriff, Küstenlinie und Wandel
Eine Küste ist der Grenzraum zwischen den Ökosystemen von Land und Meer, die sich gegenseitig beeinflussen. Ihre Breite hängt von der Küstenform ab. An Flachküsten wie der Nordseeküste kann sich dieser Raum über mehr als 100 km erstrecken.
Die Küstenlinie beziehungsweise der Ufersaum wird durch die Linie des mittleren Wasserstands bestimmt. An Gezeitenküsten gilt dafür die Linie des mittleren Tidehochwassers.
Küsten verändern sich ständig. Ihre Lage und Gestalt werden unter anderem durch den Meeresspiegel, Strömungen und den Salzgehalt des Wassers beeinflusst. Zu den natürlichen Vorgängen gehören eustatische Meeresspiegelschwankungen, also Veränderungen der Wassermenge in den Meeren, sowie isostatische Hebungen und Senkungen des Landes. Auch menschliche Eingriffe wirken auf den Küstenraum ein, etwa Deichbau, Fischerei, Fremdenverkehr, Offshore-Windparks und Schiffsverkehr.
Grundlegende Einteilung
Eine eindeutige Einteilung der Küsten ist schwierig, weil verschiedene Merkmale verwendet werden und sich die Typen überschneiden können. Wichtige Kriterien sind:
- nach dem Querschnitt: Flachküste und Steilküste
- nach dem Küstenverlauf: Ausgleichsküste und Buchtenküste
- nach der Ausrichtung zum Gelände: Längsküste und Querküste
- nach der geologischen Entstehung: beispielsweise Hebungsküste und Senkungsküste
Eine Längsküste besitzt Gebirgszüge, die parallel zur Küste verlaufen. Sie ist buchtenreich und entstand durch den Abbruch eines höher gelegenen Gebiets zum Meer.
Die Senkungsküste ist eine tektonisch verursachte Form der Ingressionsküste, also einer Küste, bei der das Meer in abgesunkenes Land eindringt. Ihre Strandlinie wurde durch die Absenkung der Landmasse unter den heutigen Meeresspiegel verlagert. Allerdings lässt sich eine tektonische Landhebung oder -senkung nicht immer eindeutig von eustatischen Meeresspiegelschwankungen unterscheiden.
Buchtenküsten an Nord- und Ostsee
Buchtenküsten entstehen, wenn das Meer weit in das Land hineinreicht. Sie bildeten sich durch den Meeresspiegelanstieg nach der letzten Kaltzeit. Große Abschnitte der Ostsee- und Nordseeküste sind Beispiele dafür.
Die Formen der Ostseeküste gehen vor allem auf eiszeitliche Gletscherbewegungen und die anschließende Isostasie zurück. Dabei hebt sich das Gelände im Norden, während es sich im Süden absenkt; beide Vorgänge dauern bis heute an. Da die Ostsee in der Westwindzone liegt, transportieren Strömungen außerdem ständig Sedimente von Westen her. Typische Formen sind Fördenküste, Boddenküste, Ausgleichsküste und Fjord-Schärenküste.
Die Nordseeküste wurde hauptsächlich durch nacheiszeitliche eustatische Meeresspiegelschwankungen infolge der Gletscherschmelze, isostatische Landhebung, Sturmfluten und Gezeiten geformt. Kennzeichnend ist die Wattküste mit Barriereinseln. Sie reicht von Westfriesland über Ostfriesland bis Nordfriesland, genauer von der niederländischen Insel Texel bis zum dänischen Fischereihafen Esbjerg. Lahnungen zur Landgewinnung und Deiche zum Küstenschutz prägen diese Landschaft. Daneben kommen Steilküsten vor, beispielsweise auf Helgoland.
Überflutete Täler und Gebirge
Eine Riasküste besitzt schmale, lange Meeresbuchten, die tief in das Land eindringen. Sie entsteht, wenn der Meeresspiegel steigt und Flusstäler überflutet. Rias sind daher fluvial, also durch Flüsse, und nicht wie Fjorde glazial durch Gletscher geprägt. Vor Riasküsten liegen häufig zahlreiche Inseln. Beispiele finden sich in Galicien im Nordwesten Spaniens, in Irland, Cornwall, der Bretagne am Golf von Morbihan und auf Korsika.
Bei einer Canaleküste ist ein parallel zur Küste verlaufendes Gebirge durch den eustatischen Meeresanstieg im Meer versunken. Auch die Antiklinalen, also nach oben gewölbte Gesteinsfalten, verlaufen parallel. Ein Beispiel ist die dalmatinische Küste auf der Balkanhalbinsel.
Die Lagunenküste gilt als vollendete Form der Haff- oder Nehrungsküste. Ihre Buchten sind endgültig zusammengewachsen. Die Nehrung, ein schmaler Landstreifen vor der Küste, wird besonders im Italienischen „Lido“ genannt. Sie trennt die Lagune vom offenen Meer. Diese Küstenform ähnelt einer Haffküste und kommt überwiegend in Italien vor.
Schären- und Mangroveküsten
Schären sind kleine felsige Inseln, die während der Eiszeit durch Gletscher geformt wurden. Bewegte sich das Eis über die Felsen, schliff oder zermahlte es sie. Deshalb gibt es zwei typische Oberflächenformen: Manche Schären sind relativ eben und zeigen Schleifspuren von Gestein, das der Gletscher über sie hinwegschob. Andere sind stark zerklüftet. Dort froren Teile des Felsens am Eis fest und wurden herausgerissen; dieser Vorgang heißt Detraktion. Schärenküsten kommen in Europa beispielsweise in Norwegen, Schweden und Finnland vor. An den Küsten Dänemarks konnten sie nicht entstehen, weil dort der felsige Untergrund des übrigen Skandinaviens fehlt.
Mangroveküsten werden auch als „Wattenküsten der Tropen“ beschrieben und kommen ausschließlich in den Tropen vor. Kennzeichnend ist ein dichter Pflanzenbewuchs mit Stelzwurzeln. Seine Entstehung wurde dort durch einen größeren Tidenhub, also einen größeren Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, ermöglicht.
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