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Wie wird Sylts Küste geschützt? | Die Maus | WDR

Die Maus11:50 381.164 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 97 Zeilen
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  1. Das da ist die Insel Sylt, die liegt in der Nordsee, vor der Küste von Schleswig-Holstein.
  2. Und da kann man richtig gut Strandurlaub machen, so schön in der Sonne.
  3. Aber da ist auch noch was anderes los. Anna aus Dachau hat der Maus diesen Brief geschrieben.
  4. Und in dem schreibt sie: Ich fahre gern nach Sylt
  5. und dort wird immer der Sand vom Meer mit Schiffen aufgesaugt und wieder an Land gebracht.
  6. Und ich frage mich Wie funktioniert das eigentlich genau? Weißt du was, liebe Anna?
  7. Wir von der Maus fanden deine Frage so spannend, dass ich mich mal auf den Weg gemacht habe, um genau das rauszufinden.
  8. Und dir und allen anderen davon zu erzählen. Und da sieht man auch das, was Anna beschreibt.
  9. Da, wo diese Raupenfahrzeuge sind und dieses Wasser auf den Strand gespült wird. Und man sieht auch noch dieses ewig lange Rohr am Strand.
  10. Aber viel wichtiger ist dieses Schiff da vorne vor der Küste. Das ist ein ganz besonderes Schiff, das ist ein Nassbaggerschiff.
  11. Es heißt Thor. Und es fährt hier gerade raus auf die Nordsee.
  12. Und wir durften da mal ausnahmsweise mit drauf. Dieses Schiff hat ganz, ganz vorne so ein Loch, hier.
  13. Aber warum es das hat, das erzähle ich euch später. Wichtig ist dann noch dieses Teil hier,
  14. das vorne so ein komisches Gitter hat. Und wenn man durch das Gitter guckt, dann sieht man da so ein Rohr.
  15. Und das ist eigentlich so was ähnliches wie ein Staubsauger. Den Staubsauger, den lassen die jetzt am Schiff runter ins Wasser.
  16. Das machen diese beiden Kräne, die ihr hier sehen könnt. Und der Staubsauger geht dann bis zum Meeresboden.
  17. Und vom Meeresboden saugt er dann ein Sand-Wasser-Gemisch in den Laderaum vom Schiff. Hier auf der rechten Seite, dem sogenannten Steuerbord,
  18. sieht man das auch, dass das Wasser so trüb ist. Hier läuft jetzt das Sand-Wasser-Gemisch an Bord.
  19. Und da passiert noch was, das zeigen wir euch mal mit diesem Aquarium.
  20. Das Sand-Wasser-Gemisch kommt also an Bord und der Sand, der ja viel schwerer ist, der setzt sich jetzt unten ab.
  21. Und der Sand ist genau das, was die auch haben wollen. Das Wasser brauchen die nur zur Hilfe, um den Sand an Bord zu bekommen
  22. und deswegen kann man das Wasser dann einfach wieder ablassen. Hier am Aquarium machen wir das über so ein Röhrchen.
  23. Bei der Thor, dem Nassbaggerschiff geht das natürlich nicht über so ein kleines Plastikröhrchen, sondern über so einen Ablauf hier.
  24. Da fließt das Wasser wieder raus, sieht man auch ganz gut,
  25. und kommt dann auf der linken Seite vom Schiff raus. Da seht ihr das.
  26. Es ist so ein bisschen aufgeschäumt. Und wenn dann irgendwann genügend Sand im Laderaum ist, dann soll der ja auch da drin bleiben.
  27. Deswegen ziehen die dann den Überlauf einfach hoch. Dann kann da nichts mehr rausfließen.
  28. Klar, ein bisschen Wasser ist noch drin, aber das ist nicht schlimm. So, jetzt ist es zu.
  29. Der Staubsauger kann wieder hochgeholt werden und die Thor macht sich wieder los Richtung Küste.
  30. Mit einer vollen Ladung Sand für den Strand. Insgesamt drei Stunden ist sie unterwegs.
  31. Sieht so ein bisschen aus wie eine Buddelkiste. Eine ganz, ganz große Buddelkiste.
  32. Und dann sieht man sie endlich, die Küste von Sylt. Da wollen wir ja auch hin.
  33. Hier seht ihr auch, wie schwer das Schiff beladen ist. Es liegt ganz tief im Wasser.
  34. Unser Nassbaggerschiff Thor hält jetzt hier an einer Stelle, wo drei Bojen im Wasser schwimmen.
  35. Und jetzt kommt Wojciech Rutkowskis Einsatz. Der hat so einen Enterhaken in der Hand
  36. und den wirft er jetzt wie ein alter Pirat ins Wasser. Platsch!
  37. Und mit diesem Enterhaken zieht er ein Seil hoch, an dem die Bojen dran sind. Jakub Wolny, sein Kollege, hilft ihm dabei,
  38. denn an diesem Seil mit den Bojen hängt wiederum ein dickeres Seil. Das müssen die jetzt hier über so eine Winde hochziehen.
  39. Und am Ende dieses Seils kommt eine Kette zum Vorschein. Und jetzt wird es spannend,
  40. denn an dieser Kette hängt das Ende einer Leitung. Und diese Leitung kommt genau in das Loch
  41. vorne am Schiff, das wir am Anfang gesehen haben. Da wird die Leitung angekoppelt.
  42. Sitzt! ssper!
  43. Jetzt kann nämlich der Steuermann Loth Lars Peter Holm auf der Brücke des Schiffs eine Pumpe einschalten
  44. und die pumpt dann von ganz unten im Laderaum wieder Meerwasser ins Schiff. Denn jetzt soll der Sand ja aus dem Laderaum in diese dicke Leitung gepumpt werden.
  45. Und das geht eben nur, wenn er wieder mit Wasser gemischt wird. Würde er nämlich trocken bleiben, dann bräuchte man eher einen Bagger
  46. oder so ein paar Schaufeln. Den Sand also wieder mit Wasser zu mischen und dann zu pumpen ist viel einfacher.
  47. Und die neu hergestellte Mischung läuft dann durch die lange Leitung vom Schiff bis an die Küste der Insel Sylt.
  48. Das ist ein ziemlich langer Weg. Hier läuft dann die Rohrleitung über den Strand
  49. bis hin zur Stelle, wo der Sand dann aufgespült wird. Da ist auch noch mal ein langes Rohr aus Metall verlegt über den Strand,
  50. durch das dann das Sand-Wasser-Gemisch auch noch muss. Wenn ich mein Ohr hier an dieses Rohr lege,
  51. dann höre ich das auch. Und dann kommt das mit einem richtig großen Schwall vorne aus dem Loch raus.
  52. Das schaue ich mir noch mal genauer an! Da kommt wirklich ordentlich was raus.
  53. Die Möwen freuen sich auch über das Sand-Wasser-Gemisch vom Meer und hoffen natürlich auf gute Beute.
  54. Dieser Bulldozer hier, der fängt dann auch gleich an, den Sand in die richtige Position zu schieben,
  55. nämlich in den Wasserstrom, damit der Sand sich auch mit verteilen kann. Von oben kann man nämlich ganz gut sehen, wie sich das Wasser am Strand ausbreitet
  56. und so auch den Sand mitnimmt. Und ihr könnt sehen, dass der Strand im oberen Teil hinter dem Rohr
  57. breiter ist als an der Stelle, wo gespült wird. Das passiert dann so lange, bis der ganze Laderaum vom Schiff leer ist.
  58. Und man sieht auch ganz gut, je mehr Sand da rausgepumpt wird, desto leichter wird das Schiff.
  59. Eine Stunde dauert das, bis der Laderaum leer ist. Dann wird das Rohr einfach wieder abgekoppelt
  60. und in der Nordsee versenkt. Aber dank der Bojen finden die das ja immer wieder.
  61. Und dann dreht die Thor auch schon wieder um und fährt zurück an die Stelle, wo sie den Sand von der Nordsee hochpumpt.
  62. Währenddessen können jetzt die Bulldozer am Strand richtig loslegen. Die schieben jetzt nämlich den Sand an die richtige Stelle.
  63. Hier im Zeitraffer könnt ihr gut sehen, wie das aussieht. Der Sand wird also an eine Abbruchkante geschoben, von der der Strand
  64. bis zum Meer gleichmäßig erhöht werden muss. So hoch muss das also noch werden.
  65. Deswegen kommt hier schon die nächste Ladung. Das geht dann so lange, bis der Strand gleichmäßig erhöht wird.
  66. Denn das dient dann zum Schutz der Insel Sylt und der gesamten Küste. Damit ihr das ein bisschen besser erkennen könnt, habe ich hier mal
  67. Sylt im Sand von Sylt hier am Strand nachgebaut. Und was im Prinzip passiert ist, dass über die Jahre das Meer hier
  68. an dieser Küste ganz viel Sand abträgt. Das passiert vor allem im Herbst und im Winter,
  69. denn anders als im Sommer gibt es in dieser Zeit immer wieder heftige Unwetter und Stürme.
  70. Und die machen natürlich das Meer ganz unruhig. Dann gibt es große Wellen, die schlagen an den Strand
  71. und reißen dabei den Sand mit sich. Der gerät dann ins Rutschen und das Wasser spült ihn dann weg.
  72. Das bedeutet, dass die Küste der Insel immer und immer weiter angeknabbert wird.
  73. Es entstehen Abbruchkanten wie hier am Roten Kliff von Kampen.
  74. Und ich kann jetzt hier einfach frischen Sand wieder dran bauen. Und eigentlich ist genau das das Prinzip,
  75. wie der Küstenschutz das auch macht. Es wird also künstlich Sand an der Küste angespült, der dann
  76. als Puffer dient, wenn die Fluten kommen und den Sand wieder mit sich reißen. So werden dann vor allem die Dünen geschützt
  77. und der Strand wieder verbreitert. Ich brauche noch mehr Sand.
  78. Und der Sand kommt eben nicht vom Strand, sondern vom Meeresboden. Wenn der Sand geholt wird für die Küste, dann entsteht an einer ganz bestimmten Stelle
  79. am Meeresboden in der Nordsee ein Loch, das ist eigentlich so ähnlich wie hier. Das hier war mal eine Kiesgrube, es ist also auch ein Loch entstanden.
  80. Auch wenn da mittlerweile wieder Pflanzen stehen und das schön grün ist, sieht die Landschaft nicht mehr so aus wie vorher und das Loch bleibt.
  81. Und im Prinzip ist das am Meeresboden genauso. Und das nimmt man dann auch in Kauf,
  82. um eben die Insel Sylt, aber auch andere Inseln in der Nordsee zu schützen. Hier seht ihr, wo der Strand schon verbreitert wurde und wie das im Prinzip auch noch weitergeht.
  83. Denn Ladung um Ladung wird der Sand an die Abbruchkante geschoben. Das haben wir ja auch schon gesehen und der Strand so verbreitert.
  84. Und ungefähr nach jeder zweiten bis dritten Spülung muss dann die Rohrleitung verlängert werden.
  85. Das geht relativ schnell. Ein neues Rohr wird einfach angebaut,
  86. dann kommt das Endstück dran und schon ist das Nassbaggerschiff wieder da und die nächste Ladung schießt auf den Strand.
  87. Und wenn der Sand dann am Strand getrocknet ist, dann passiert noch etwas, was ganz wichtig für den Schutz der Küstenlinie ist.
  88. Denn dieser Sand aus dem Meer wird an die Dünen geweht. Und was das macht, das kann man von einem
  89. etwas höheren Punkt besser sehen. Hier seht ihr die Dünenlandschaft
  90. und die hinteren größeren, die schon fast wie kleine Berge aussehen und auf denen auch große Pflanzen wachsen wie diese Heckenrosen.
  91. Das sind die alten Dünen von Sylt, und die sollen besonders geschützt werden. Und hier, davor, in diesem Gebiet,
  92. das sind die neueren sogenannten Vordünen. Die sind entstanden, weil der Sand vom Strand da angeweht wurde.
  93. Und über die Jahre ist da jetzt natürlich auch Dünengras und Strandhafer gewachsen. Aber wenn da was abgetragen wird, ist das nicht so schlimm,
  94. denn die sind ja dafür da, dass die Küstenlinie von Sylt und die dahinter liegenden alten Dünen geschützt werden.
  95. Und genau deswegen arbeiten fast ein halbes Jahr lang Menschen, sieben Tage in der Woche, 24 Stunden für den Küstenschutz um Sand nach Sylt
  96. und auch zu anderen Inseln vor der Küste zu bringen. So, liebe Anna, jetzt weißt du und alle anderen auch, wie das mit dem Sand aufspülen funktioniert
  97. und warum die das überhaupt machen. Vielen Dank für diese spannende Frage.

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