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Helgoland
Die einzige allgemeinbildende Schule der Insel ist die James-Krüss-Schule, eine Gemeinschaftsschule mit integrierter Grundschule bis zum Abschluss der zehnten …
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Lage, Aufbau und Besonderheiten
Helgoland ist eine Inselgruppe in der Deutschen Bucht der Nordsee und gehört als amtsfreie Gemeinde zum Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Zur Gemeinde gehören die Hauptinsel und die östlich davon liegende Nebeninsel Düne. Helgoland hat 1297 Einwohner (31. Dezember 2025), eine Fläche von 4,21 km² und liegt bei 54° 11′ nördlicher Breite und 7° 53′ östlicher Länge. Vom östlichen Ufer der Hauptinsel bis zur Westküste des schleswig-holsteinischen Festlands bei Sankt Peter-Ording sind es 48,5 km.
Helgoland wird oft als „einzige Hochseeinsel Deutschlands“ bezeichnet. Genau genommen liegt sie aber weder geografisch noch rechtlich in der Hohen See, sondern auf dem Schelf der Deutschen Bucht; die 12-Meilen-Zone des Festlands überschneidet sich mit der Zone um Helgoland. Die Gemeinde gehört zwar zum deutschen Wirtschaftsgebiet, aber nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union; außerdem werden dort keine deutschen Verbrauchsteuern erhoben.
Die Hauptinsel ist etwa 1 km² groß und gliedert sich in Oberland, Mittelland und Unterland sowie die im 20. Jahrhundert durch Aufschüttung entstandenen Bereiche Nordostland und Südhafen. Das Unterland mit dem Hafen liegt im Osten und Süden, das Oberland im Norden und Westen. Viele öffentliche Einrichtungen befinden sich im Nordostland. Das bekannteste Wahrzeichen ist die Lange Anna, ein 47 Meter hoher Brandungspfeiler am Nordwestende. Die höchste Erhebung der Insel und des Kreises Pinneberg ist mit 61,3 m der seit 1998 nichtamtlich „Pinneberg“ genannte Punkt.
Die Düne liegt knapp einen Kilometer östlich der Hauptinsel jenseits der Reede. Sie war bis zur Neujahrsflut 1721 durch einen Naturdamm mit der Hauptinsel verbunden. Heute ist sie Badeinsel, Standort des kleinen Flugplatzes Helgoland-Düne, eines Campingplatzes und eines Bungalowdorfs.
Klima, Geologie und Natur
Helgoland hat ein typisches Seeklima: Es gibt ganzjährig Niederschläge und nur geringe Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Mit durchschnittlich 6,4 °C besitzt die Insel das wintermildeste Klima Deutschlands; Tiefsttemperaturen unter 0 °C sind selten. Die Nordsee wirkt im Winter als Wärmespeicher. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9 °C, die jährlichen Niederschläge bei etwa 700 mm. Als Extremwerte wurden −11,2 °C im Februar 1956 und +28,7 °C im Juli 1994 gemessen. Seit Beginn der Messungen einer Dauermessstation vor Helgoland 1962 stieg die durchschnittliche Wassertemperatur um 1,7 Grad.
Geologisch ist Helgoland vor allem durch roten Buntsandstein geprägt. Dieser sichtbare Fels entstand im Erdmittelalter und wurde durch ältere Salzgesteine aus dem Zechstein nach oben gedrückt. Dieser Vorgang heißt Salztektonik: Salz reagiert unter Druck plastisch, steigt an Schwächezonen auf und hebt darüberliegende Gesteinsschichten mit. Die Buntsandsteinschichten sind bei Helgoland um etwa 17 bis 20 Grad geneigt. Während der Eiszeiten und durch den späteren Meeresspiegelanstieg wurde die Landschaft stark verändert. Wann genau Helgoland zur Insel wurde, lässt sich nicht präzise bestimmen; manche frühere Annahmen über eine stark schrumpfende Fläche seit dem Frühmittelalter gelten als möglich, aber nicht gesichert.
Die heutige Form wird durch Verwitterung und Abrasion, also Abtragung durch Meeresbrandung, geprägt. Frost sprengt Gestein, Brandungshöhlen und Felsvorsprünge entstehen, und aus eingestürzten Felsbögen können einzelne Felstürme, sogenannte Stacks, zurückbleiben. Die Lange Anna ist ein solcher Stack. Menschen veränderten die Insel ebenfalls stark: durch Abbau von Muschelkalk und Gips, Schutzmauern, Hafen- und Militärbauten, Bombardierungen sowie die große Sprengung von 1947.
Das Felswatt am Helgoländer Felssockel ist in Deutschland einzigartig und von über 300 Algenarten besiedelt. Dazu gehören verschiedene Tange und unterhalb der Niedrigwasserlinie Tangwälder. Auf der Hauptinsel wachsen Salzpflanzen, Klippenkohl, Strand-Grasnelke und Grünlandpflanzen; auf der Düne dominieren Grau- und Weißdünen sowie Sanddorn und Silber-Ölweide. Besonders wichtig ist Helgoland für Vögel: Am Lummenfelsen brüten unter anderem Trottellumme, Dreizehenmöwe, Silbermöwe, Tordalk, Eissturmvogel und seit 1991 der Basstölpel. Mit 446 nachgewiesenen Vogelarten (Stand Oktober 2025) gilt Helgoland als besonders artenreicher Ort Europas. Mehrere Schutzgebiete sichern Felssockel, Seevögel und Lummenfelsen.
Geschichte bis 1890
Die Vorgeschichte Helgolands ist wegen einer schwierigen Quellenlage umstritten. Sicher belegt sind bronzezeitliche Hügelgräber; im 19. Jahrhundert wurden unter anderem Steinkistengräber freigelegt. Funde aus rotem Helgoländer Feuerstein auf dem Festland zeigen Kontakte oder Handel bis zu 300 km entfernt. Ob es auf Helgoland bronzezeitlichen Kupferabbau gab, ist nicht durch Funde belegbar. Antike Hinweise, etwa auf eine Bernsteininsel „Abalus“ oder „Basileia“, werden von manchen Autoren auf Helgoland bezogen, sind aber sehr umstritten.
Im frühen Mittelalter berichten Heiligenlegenden von Missionaren wie Willibrord und Liudger; auch hier ist umstritten, ob alle Quellen wirklich Helgoland meinen. Ab dem 14. Jahrhundert galt Helgoland als dänisch. Im Spätmittelalter war die Insel als Fanggebiet von Heringen bekannt. In der frühen Neuzeit waren Schifffahrt, Fischerei, Lotsenwesen und Strandungsrecht wichtig. 1630 wurde von Hamburg das erste Leuchtfeuer gebaut, 1656 ist ein erstes Lotsenexamen belegt. Die Neujahrsflut 1721 trennte die heutige Düne von der Hauptinsel.
1807 besetzten britische Truppen Helgoland während der Napoleonischen Kriege. Die Insel wurde britische Kronkolonie und entwickelte sich wegen der Kontinentalsperre zu einem wichtigen Schmuggelplatz. Zeitweise liefen bis zu 400 Schiffe täglich die Insel an. Über Helgoland wurden Waren, Nachrichten, Propagandaschriften, Waffen und Personen zwischen Großbritannien und dem Kontinent bewegt. Nach dem Ende der Kontinentalsperre verlor diese Funktion an Bedeutung.
Ab 1826 entwickelte Jacob Andresen Siemens Helgoland nach dem Vorbild Norderneys zum Seebad. Die Insel wurde im 19. Jahrhundert ein bedeutender Badeort und ein Treffpunkt von Schriftstellern, Naturforschern und politisch freiheitlich gesinnten Gästen. Heinrich Heine besuchte Helgoland 1829 und 1830. Hoffmann von Fallersleben dichtete am 26. August 1841 auf Helgoland das Lied der Deutschen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reformierten britische Gouverneure die Verwaltung; zugleich blieb die Insel ein beliebtes Seebad.
Deutsches Helgoland, Krieg und Wiederaufbau
Am 1. Juli 1890 kam Helgoland durch den Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland zum Deutschen Reich und wurde Preußen zugeschlagen. Umgangssprachlich wurde der Vertrag später oft „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ genannt, obwohl Sansibar nie deutsche Kolonie war. Strategisch wichtig war Helgoland für das Deutsche Reich wegen des im Bau befindlichen Nord-Ostsee-Kanals. Die Helgoländer behielten zunächst wichtige Sonderrechte: Sie mussten weiter keine Steuern zahlen, die Zollfreiheit wurde 20 Jahre garantiert, und erst nach 1890 geborene Männer wurden wehrpflichtig.
Im Kaiserreich wurde Helgoland stark militarisiert und zu einem Marinestützpunkt ausgebaut. Der Tourismus veränderte sich: Wohlhabende Gäste wurden weniger, Vereinsausflüge und national geprägte Besuche nahmen zu. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurden Gäste und Bewohner ausgewiesen; die Helgoländer durften erst 1918 zurückkehren. Während des Krieges war Helgoland Stützpunkt der 2. U-Boot-Flottille, größere Kämpfe um die Insel selbst fanden aber nicht statt.
In der Weimarer Republik wollten manche Helgoländer wieder britisch werden oder suchten Kontakt zu Dänemark; dies scheiterte. Helgoland wurde zeitweise eigener Landkreis. Der günstige zollfreie Einkauf gewann an Bedeutung. 1925 schloss Werner Heisenberg auf Helgoland grundlegende Arbeiten zur mathematischen Beschreibung der Quantenmechanik ab.
In der NS-Zeit erhielt die NSDAP 1933 auf Helgoland 50,6 % der Stimmen bei der Reichstagswahl. Die Insel wurde erneut militärisch ausgebaut, unter anderem im Projekt Hummerschere. Im Zweiten Weltkrieg war Helgoland zunächst weniger stark betroffen, doch am 18. und 19. April 1945 warfen etwa 1000 Flugzeuge der Royal Air Force rund 7000 Bomben ab. 285 Menschen starben, darunter zwölf Zivilisten. Eine Widerstandsgruppe hatte kurz zuvor versucht, die Insel kampflos zu übergeben; fünf Beteiligte wurden am 21. April 1945 hingerichtet.
Nach Kriegsende besetzten britische Soldaten Helgoland. Am 18. April 1947 zerstörten die Briten mit der bis 1985 größten nichtnuklearen Sprengung der Geschichte militärische Anlagen der Insel. Helgoland blieb Sperrgebiet und Bombenabwurfplatz. 1950 besetzten Studenten und Unterstützer die Insel gewaltlos und machten die Forderung nach Rückgabe öffentlich sichtbar. Am 1. März 1952 gaben die Briten Helgoland an die Bundesrepublik Deutschland zurück; dieser Tag ist bis heute Feiertag auf der Insel. Beim Wiederaufbau ab 1952 wurde die völlig zerstörte Insel städtebaulich neu geplant. Prägend wurden Reihenhäuser mit seewindgerechten Dächern, ein Farbkonzept von 1957 und die bunten Hummerbuden am Hafen. 1962 wurde Helgoland staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.
Politik, Sprache, Kultur und Sehenswürdigkeiten
Helgoland ist heute eine amtsfreie Gemeinde im Kreis Pinneberg. Die politische Zuordnung wechselte mehrfach: Von 1891 bis 1922 gehörte Helgoland zum Kreis Süderdithmarschen, danach kurz zum eigenen Kreis Helgoland, seit 1932 zum Kreis Pinneberg. Stärkste politische Kraft ist seit der Kommunalwahl 2023 die Freie Wählergemeinschaft Helgoland. Bürgermeister ist Thorsten Pollmann, der 2022 als parteiloser Kandidat in der Stichwahl 51,31 % erhielt.
Das Wappen ist zweimal geteilt von Grün, Rot und Silber. Diese Farben beziehen sich auf den bekannten Spruch: „Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand. Dat sünd de Farven vun’t hillige Land.“ Die traditionelle Sprache ist das Halunder Spreek, ein helgoländischer Dialekt des Nordfriesischen. Es ist auch zum Amtsgebrauch zugelassen, wird aber nur noch von wenigen Helgoländern beherrscht. Die verbreitetste Sprache ist Standarddeutsch; einige ältere Bewohner sprechen auch Plattdeutsch.
Wichtige Sehenswürdigkeiten sind die Lange Anna, der Lummenfelsen, die Hummerbuden, das Museum Helgoland mit James-Krüss-Museum, der Leuchtturm, der Richtfunkturm, die St.-Nicolai-Kirche und Teile der alten Bunker. Der Leuchtturm wurde aus einem im Zweiten Weltkrieg als Flakturm beziehungsweise Flakleitstand geplanten Bau entwickelt und 1952 in Betrieb genommen. Er besitzt mit 28 Seemeilen, also 52 Kilometern, das lichtstärkste deutsche Feuer. Rund 400 Meter der unterirdischen Bunkeranlagen können besichtigt werden.
Regelmäßige Veranstaltungen sind unter anderem die Nordseewoche als Hochseeregatta, der Störtebeker Opti Cup, der Helgoland-Marathon, Beachvolleyball, Beachsoccer, das Inselfest, eine Ruderregatta, die Börtebootregatta und die Rock’n’Roll Butterfahrt. Sportlich gibt es eine Fußballanlage, Lauf- und Schwimmtraditionen; wegen hoher Überfahrtskosten nimmt der Fußballverein derzeit nicht am regulären Spielbetrieb teil.
Wirtschaft, Versorgung und Verkehr
Traditionell waren Fischfang und Lotsenwesen wichtig, spielen aber seit dem 19. Jahrhundert kaum noch eine Rolle. Bedeutend sind heute Tourismus, Windenergie und der öffentliche Sektor mit Forschungseinrichtungen. Helgoland ist staatlich anerkanntes Seeheilbad. 2017 gab es 1602 Betten in Privatquartieren, Pensionen und Hotels. Die Zoll- und Umsatzsteuerfreiheit zieht besonders Tagesgäste zum Einkaufen an, wobei die Gemeindeeinfuhrsteuer den Preisvorteil mindert. Die Düne ist ein wichtiges Ziel für Badegäste; dort teilen sie den Strand teils mit Seehunden und Kegelrobben. Die Insel versucht seit den 1990er Jahren stärker Übernachtungsgäste, Naturerlebnisse und ein besseres Image zu fördern.
Seit 2015 bringen Offshore-Windenergie-Firmen der Gemeinde hohe Gewerbesteuereinnahmen. Auf dem Südhafengelände entstanden Betriebsbasen für Wartung und Service mehrerer Offshore-Windparks, darunter Meerwind Süd, Meerwind Ost, Nordsee Ost und Amrumbank West. Seit 2020 wird außerdem diskutiert, Helgoland mit grünem Wasserstoff zu einem wichtigen Knotenpunkt der Windenergieentwicklung zu machen.
Zu den wichtigen Einrichtungen gehören die Biologische Anstalt Helgoland, die seit 1892 besteht und seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut gehört, sowie die Vogelwarte Helgoland. Trinkwasser wird auf Helgoland durch Meerwasserentsalzung mit Umkehrosmose gewonnen. Seit 2009 ist Helgoland über das knapp 53 km lange Helgolandkabel von St. Peter-Ording an das europäische Stromverbundnetz angeschlossen. Müll und Klärschlamm werden per Schiff aufs Festland gebracht; eine neue Kläranlage wurde 2021 eingeweiht.
Helgoland ist nur mit Wasser- oder Luftfahrzeugen erreichbar. In der Saison fahren Seebäderschiffe von mehreren Festlandhäfen, besonders von Cuxhaven; von dort besteht auch die einzige Ganzjahresverbindung. Eine Besonderheit war lange das Ausbooten mit Börtebooten von auf Reede liegenden Schiffen zur Landungsbrücke; seit 2020 wird es wegen der damaligen Coronasituation nicht durchgeführt. Auf der Düne liegt der Flugplatz Helgoland-Düne mit Verbindungen zum Festland. Auf der Hauptinsel sind seit 1971 Kraftfahrzeuge und Fahrräder grundsätzlich verboten; Ausnahmen gibt es etwa für Polizei, Rettungsdienste, Bau- und Versorgungsfahrzeuge. Unterland und Oberland verbindet seit 1885 ein Aufzug.