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Künstliche Knappheit

Unter künstlicher Knappheit versteht man das Marktverhalten eines Herstellers, der das Angebot seiner Produkte oder Dienstleistungen unterhalb der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ökonomische Erklärung
  3. 3. Monopole, Patente und Urheberrechte
  4. 4. Kartelle und Marktfolgen
  5. 5. Wichtige Arten
  6. 6. Staatliche Eingriffe und weitere Sichtweisen

Grundidee und Bedeutung

Künstliche Knappheit bedeutet, dass ein Hersteller oder Anbieter das Angebot seiner Produkte oder Dienstleistungen bewusst unterhalb der vorhandenen Nachfrage hält. Dadurch entsteht ein Mangel, der preistreibend wirkt. Das kann geschehen, indem die Produktionskapazität absichtlich niedrig bleibt oder indem nur bestimmte Stückzahlen pro Zeitspanne, etwa pro Tag, Monat oder Jahr, oder pro Aktion ausgegeben werden.

Im Marketing wird künstliche Knappheit als Instrument eingesetzt, um ein Produkt oder eine Marke exklusiver erscheinen zu lassen. Unternehmen verzichten dabei bewusst auf mögliche Gewinne aus zusätzlichen, nicht produzierten Mengen, weil die begrenzte Verfügbarkeit den wahrgenommenen Wert erhöhen soll. Typische Beispiele sind limitierte und teilweise nummerierte Sonderauflagen, besonders bei Luxusgütern, sowie Kunstdrucke in künstlich begrenzter Auflage.

Die Wirkung beruht auf dem Knappheitsprinzip aus der Psychologie: Menschen zeigen eine Vorliebe für quantitativ begrenzte Güter, unabhängig davon, ob deren Produktqualität tatsächlich höher ist.

Ökonomische Erklärung

In der klassischen ökonomischen Theorie kann künstliche Knappheit auf einem vollkommenen Markt höchstens kurzfristig bestehen. Ein vollkommener Markt ist ein theoretisches Modell, in dem unter anderem viele Anbieter und Nachfrager sowie vollständige Markttransparenz angenommen werden. Wenn ein Anbieter dort weniger anbietet, als zum Marktpreis nachgefragt wird, kann ein anderer Anbieter die Marktlücke schließen und mehr anbieten.

In der Praxis ist die Marktform des vollkommenen Marktes jedoch meist nicht anzutreffen. Deshalb kann künstliche Knappheit unter bestimmten Marktbedingungen länger bestehen. Besonders wichtig sind dabei Monopole und Kartelle, weil dort Wettbewerb fehlt oder eingeschränkt ist. Aus ökonomischer Sicht gilt künstliche Knappheit als marktschädigend, da sie Preise künstlich oberhalb des Gleichgewichtsniveaus hält. Das Gleichgewichtsniveau ist der Preisbereich, in dem Angebot und Nachfrage zusammenpassen.

Monopole, Patente und Urheberrechte

Ein Monopol liegt vor, wenn es nur einen Anbieter auf einem Markt gibt. In diesem Fall kann der Anbieter das Angebot künstlich verknappen und durch die höheren Preise trotzdem einen höheren Ertrag erzielen. Dieser zusätzliche Ertrag wird Monopolrente genannt.

Ein Sonderfall sind Patente und Urheberrechte. Sie schaffen ebenfalls eine künstliche Knappheit, indem sie den Zugang zu Informationen und deren Verwertung rechtlich beschränken. Dadurch werden Renditen erst möglich, oder es entsteht überhaupt erst ein künstlich verknappter Markt. Das betrifft nicht die natürliche Begrenztheit eines Gutes, sondern eine rechtlich geschaffene Begrenzung der Nutzung oder Verwertung.

Kartelle und Marktfolgen

Kartelle sind Zusammenschlüsse oder Absprachen von Unternehmen, die den Wettbewerb einschränken können. Auch sie können künstliche Knappheit erzeugen und damit höhere Preise durchsetzen. Ein Beispiel aus dem Artikel sind die Ölpreiskrisen von 1973 und 1979/80. Sie wurden auf die Drosselung der Erdölförderung durch das OPEC-Kartell zurückgeführt und nicht auf geringere Erdölreserven. In der Folge stieg der Ölpreis stark an und es kam zu einer weltweiten Rezession.

Weil Kartelle das Angebot künstlich verknappen und Preise oberhalb des Gleichgewichtsniveaus halten können, betrachten moderne Marktwirtschaften sie als schädlich. Deshalb werden Kartelle verboten, und der Staat bemüht sich, Wettbewerb zu fördern.

Wichtige Arten

Künstliche Knappheit kann durch Unternehmen oder durch den Staat entstehen. Sie liegt besonders dann vor, wenn das Angebot nicht von Natur aus begrenzt ist, wie es zum Beispiel bei Edelmetallen der Fall sein kann, sondern künstlich verengt wird.

Unternehmen nutzen künstliche Knappheit vor allem bei Luxusgütern. Sie bieten bewusst weniger an, als nachgefragt wird. Renommierte Modelabels, zum Beispiel bei It-Bags von Louis Vuitton, Hermès oder Chanel, sowie Schmuckhersteller verbinden das Knappheitsprinzip mit Hochpreisstrategie und Wartezeit. Diese gelten im Artikel als zwei Eigenschaften, die einer Luxusmarke innewohnen. Solche Anbieter verzichten auf Ubiquität, also auf überall verfügbare Produkte, und verkaufen nur in wenigen ausgewählten Flagship-Stores.

Auch Guerilla-Marketing und Pop-up-Verkauf nutzen künstliche Knappheit. Guerilla-Stores begrenzen den Zugang durch ungewöhnliche Lagen. Pop-up-Stores bieten ein zeitlich begrenztes Sortiment an; dabei gilt das Windhundprinzip, also der Vorrang für diejenigen, die zuerst zugreifen.

Staatliche Einfuhrkontingente, etwa die Zuckerquote, oder Produktionsquoten, etwa die Milchquote, sind ebenfalls Formen künstlicher Angebotsverknappung. Sie sollen entweder die heimische Industrie schützen oder ein Marktversagen beseitigen oder verhindern.

Staatliche Eingriffe und weitere Sichtweisen

Der Staat schafft in vielen Bereichen künstliche Knappheit. Bei vielen staatlichen Angeboten gibt es keine Marktpreise, zum Beispiel bei öffentlichen Gütern wie der Nutzung staatlicher Infrastruktur. In anderen Bereichen ist eine Steuerung der Nachfrage über Preise politisch nicht erwünscht, etwa im Gesundheitswesen. Deshalb müssen Preise und Angebotsmengen administrativ festgelegt werden; man spricht von einem administrierten Preis.

Wenn die bereitgestellte Angebotsmenge zu knapp ist, kann es zu Übernutzung oder zu Zugangsbeschränkungen kommen. Bei Verkehrsinfrastruktur kann Übernutzung zum Beispiel Staus verursachen. Im Gesundheitswesen kann es zu Budgetierung kommen, beim Hochschulzugang zum Numerus clausus.

Ein weiteres Feld sind Genehmigungen und Konzessionen. Gemeinden weisen in vielen Gegenden systematisch weniger Bauland aus, als der Nachfrage entspricht, um Zersiedelung zu vermeiden. Ökonomisch führt dies dazu, dass Bauland auch in schlechten Lagen deutlich teurer sein kann als landwirtschaftliche Fläche zuzüglich Erschließungskosten. Auch Branchen wie das Taxigewerbe benötigen staatliche Konzessionen, die zur Einschränkung des Wettbewerbs meist künstlich knapp gehalten werden.

Die Freiwirtschaft vertritt zusätzlich die Ansicht, dass auch Boden einer künstlichen Knappheit unterliegt, weil er ohne Durchhaltekosten gelagert werden kann. Boden erzielt demnach nicht nur als Bau- oder Ackerland einen Preis, sondern auch als Wertaufbewahrungsmittel. Dadurch steigen Bodenpreise, weil der Bedarf an Wertaufbewahrungsmitteln im Vergleich zum Bedarf an Bau- oder Ackerland unbegrenzt anwächst. Dieser Anstieg halte an, solange kein besseres Wertaufbewahrungsmittel zur Verfügung steht, etwa Bargeld in einer deflationären Ökonomie, das von sich aus ständig an Kaufkraft gewinnt.

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