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Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung beschreibt die Entwicklung der Zahl der Menschen (Einwohner) auf einer bestimmten Fläche. Sie ergibt sich zum einen aus der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und demografische Grundgleichung
  2. 2. Wachstum und Verdopplung
  3. 3. Historischer Verlauf der Weltbevölkerung
  4. 4. Demografischer Übergang und regionale Unterschiede
  5. 5. Urbanisierung und öffentlicher Diskurs

Begriff und demografische Grundgleichung

Bevölkerungsentwicklung beschreibt die Veränderung der Zahl der Menschen beziehungsweise Einwohner auf einer bestimmten Fläche. Sie ist ein zentrales Untersuchungsgebiet der Demografie, also der Wissenschaft von Bevölkerungen.

Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Erstens aus der natürlichen Bevölkerungsentwicklung, also dem Verhältnis von Geburten und Sterbefällen; zweitens aus dem Migrationssaldo. Dieser ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderungen über eine Gebietsgrenze. Ein positiver Gesamtsaldo bedeutet Bevölkerungswachstum, ein negativer Gesamtsaldo Bevölkerungsrückgang.

Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Abwanderungen sind Bewegungsgrößen. Vereinfacht gilt: „Bestandsgröße des Vorjahres ± Bewegungsgröße = aktuelle Bestandsgröße“.

Wachstum und Verdopplung

Das Ausmaß eines Bevölkerungswachstums wird meist als jährliche Wachstumsrate in Prozent angegeben. Bei dauerhaft gleichbleibender Rate folgt die Entwicklung mathematisch einer geometrischen Folge.

Bei einer geschätzten globalen Wachstumsrate von 1,14 % im Jahr 2006 würde sich die Bevölkerung in ungefähr 61 Jahren verdoppeln. Bei 2 % pro Jahr beträgt die Verdopplungszeit 35 Jahre, bei 3,5 % nur 20 Jahre. Dazu passt auch die 72er-Regel.

Für die Weltbevölkerung war besonders in den letzten 200 Jahren ein hyperexponentielles Wachstum kennzeichnend: eine additive Überlagerung mehrerer Exponentialverteilungen. Deshalb wird teilweise von einer Bevölkerungsexplosion gesprochen. Seit dem Wendepunkt 1962/63 sinkt jedoch die Wachstumsrate. Ein Sinken der Wachstumsrate bedeutet nicht automatisch, dass die Einwohnerzahl abnimmt, sondern dass sie weniger stark zunimmt. Der absolute Zuwachs lag laut Artikel seit 40 Jahren relativ konstant bei etwa 1,5 Millionen Menschen pro Woche.

Historischer Verlauf der Weltbevölkerung

Thomas Robert Malthus untersuchte 1798 das Verhältnis von Bevölkerungswachstum und Bodenertrag. Er nahm an, dass der Bodenertrag nur arithmetisch wachsen könne, etwa 1, 2, 3, 4, 5, die Bevölkerung aber geometrisch, etwa 1, 2, 4, 8, 16. Daraus leitete er Hunger und Armut als Folge ab und sah Geburtenkontrolle, etwa durch Enthaltsamkeit, als Mittel gegen Armut. John Stuart Mill stützte diese Bevölkerungslehre 1848 mit dem Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag. Der Neomalthusianismus propagierte später Verhütungsmittel zur Geburtenkontrolle; laut Artikel wurden seine statistischen Prognosen weitgehend verifiziert.

Um die Zeitenwende lebten weniger als 200 Millionen Menschen auf der Erde, 1650 rund 500 Millionen. Die Wachstumsrate betrug damals 0,3 %. Nach den starken Zuwächsen der Industriellen Revolution gab es 1900 bereits 1,6 Milliarden Menschen; die Bevölkerung hatte sich damit mehr als verdreifacht. Die jährliche Rate lag bei 0,7 bis 0,8 %, was einer Verdopplungszeit von etwa 100 Jahren entspricht. Tatsächlich verdoppelte sich die Weltbevölkerung bis 1965 auf 3,3 Milliarden; die Wachstumsrate lag dann bei 2 % und die Verdopplungszeit bei 36 Jahren.

Das starke Wachstum entstand vor allem, weil die Sterberate stark sank, während die Geburtenrate nur langsam zurückging. Als Voraussetzungen nennt der Artikel Ertragssteigerungen in einer zunehmend technisierten Landwirtschaft, die industrielle Produktion und den Einsatz von Stickstoffdünger seit dem Zweiten Weltkrieg sowie Erfolge der Grünen Revolution. Von 1960 bis 2022 stieg die Weltbevölkerung von 3 auf 8 Milliarden. Die jährliche Wachstumsrate erreichte 1963 mit 2,27 % ihren Höchstwert und fiel danach kontinuierlich; 2020 lag sie erstmals wieder unter 1 %. Parallel sank die durchschnittliche Kinderzahl je Frau von fünf in den 1950er Jahren auf 2,7 Ende der 1990er Jahre.

Die Tabelle des Artikels nennt für 2020 7,80 Milliarden Menschen, eine Wachstumsrate von 0,92 %, einen jährlichen Zuwachs von 71,2 Millionen und ein Medianalter von 29,7 Jahren. Für 2050 werden 9,69 Milliarden, 0,45 % Wachstum, 44,1 Millionen jährlicher Zuwachs und ein Medianalter von 35,9 Jahren prognostiziert.

Demografischer Übergang und regionale Unterschiede

Der demografische Übergang ist ein Fünf-Phasen-Modell für die typische Veränderung von Geburten- und Sterbeziffern sowie des Bevölkerungswachstums in Ländern und weltweit. In Phase 1 sind Geburten- und Sterberate hoch; die Wachstumsrate bleibt niedrig und relativ konstant. In Phase 2 sinkt durch bessere Ernährung, Hygiene und medizinische Versorgung zunächst die Sterberate, während die Geburtenrate noch ein oder zwei Generationen hoch bleibt. Die Lücke wächst, ebenso die Wachstumsrate.

In Phase 3 sinkt durch veränderte Lebensweise und Lebensgewohnheiten auch die Geburtenrate, wie es typischerweise in Industriegesellschaften vorkommt; das Wachstum verlangsamt sich. In Phase 4 bleibt die Sterberate niedrig und kaum weiter senkbar, während die Geburtenrate weiter fällt. In Phase 5 haben sich beide Raten auf einem konstant niedrigen Niveau eingependelt; die Wachstumsrate ist wieder ähnlich konstant wie in Phase 1. Sinkt die Geburtenrate unter die Sterberate, kann eine negative Zuwachsrate und damit Bevölkerungsabnahme entstehen.

Die Entwicklung unterscheidet sich regional deutlich. Die ärmsten Staaten weisen laut Artikel oft die höchsten Wachstumsraten auf; dies wird als demografisch-ökonomisches Paradoxon bezeichnet. Besonders genannt werden Afrika südlich der Sahara, Pakistan, Bangladesch, Indonesien und die Philippinen. China gilt wegen seiner Ein-Kind-Politik als Sonderfall: Seine Wachstumsrate war für ein Entwicklungsland relativ niedrig, das absolute Wachstum lag 2014 aber noch bei knapp sieben Millionen pro Jahr. Im selben Jahr betrug Indiens jährlicher Zuwachs 19,4 Millionen bei 1,5 % Wachstum; Nigeria hatte mit 2,5 % die höchste Rate in der aufgeführten Tabelle. Bei den vier größten Industrieländern wies Japan −0,2 % auf, Russland 0 %, Deutschland 0,4 % und die Vereinigten Staaten 0,4 %.

Urbanisierung und öffentlicher Diskurs

Das Wachstum der Weltbevölkerung findet vorwiegend in Städten der Entwicklungsländer statt. 1975 lebten etwa 37 % der Weltbevölkerung in Städten. 2009 waren es erstmals mehr als 50 %, nämlich 3,3 Milliarden Menschen. Bis 2030 soll diese Zahl auf rund fünf Milliarden steigen. Für Asien wird ein Anstieg der städtischen Bevölkerung von 1,36 auf 2,59 Milliarden genannt, für Afrika von 294 auf 761 Millionen und für Lateinamerika und die Karibik von 394 auf 585 Millionen.

Kennzeichnend ist die Zunahme von Megastädten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern: 1975 gab es fünf, 2014 bereits 28 und für 2030 werden 41 erwartet, überwiegend in Asien und Lateinamerika. Die städtische Bevölkerung wächst insgesamt um etwa 60 Millionen Menschen jährlich. Als besonders starke Beispiele nennt der Artikel São Paulo, Mumbai, Delhi, Kolkata und Karatschi, deren Einwohnerzahlen sich zwischen 1955 und 2005 mindestens verdreifachten, teilweise verfünfzehnfachten. Dhakas Einwohnerzahl verdreißigfachte sich in diesem Zeitraum.

Robert Engelman, Präsident des Worldwatch Institute, stellte 2013 fest, das Anwachsen der Weltbevölkerung komme in öffentlichem Diskurs und Regierungspolitik kaum vor. Vertreter einer pro-aktiven Bevölkerungspolitik verweisen auf begrenzte Ressourcen und mögliche Folgen wie Krankheiten, Hunger und bewaffnete Konflikte. Laut Artikel gilt das Thema als politisch sensibel: Staaten fürchteten, ärmere und bevölkerungsreiche Staaten sowie religiöse Gruppen zu verärgern. Deren Gegenargument lautet, der deutlich höhere Ressourcenverbrauch reicher Menschen sei eine größere Bedrohung als hohe Geburtenraten.

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