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Juden in der AfD

Die Bundesvereinigung Juden in der AfD e. V., kurz Juden in der AfD (JAfD), auch Jüdische Bundesvereinigung in der AfD genannt, ist eine parteinahe …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Organisation
  2. 2. Gründung und Selbstverständnis
  3. 3. Grundsätze und öffentliche Stellungnahmen
  4. 4. Debatten innerhalb der AfD
  5. 5. Kritik und wissenschaftliche Einordnung
  6. 6. Veröffentlichung

Überblick und Organisation

Die Bundesvereinigung Juden in der AfD e. V. (JAfD), auch Jüdische Bundesvereinigung in der AfD genannt, ist eine parteinahe politische Vereinigung von Mitgliedern der Alternative für Deutschland (AfD). Sie wurde am 7. Oktober 2018 gegründet. Die AfD wird im Artikel als teils rechtspopulistisch und teils rechtsextrem bezeichnet. Die JAfD ist als eingetragener Verein organisiert und hat ihren Sitz in Berlin.

Nach den angegebenen Zahlen gehören ihr etwa 22 Vollmitglieder und rund 60 Fördermitglieder an. Seit Juni 2021 ist Artur Abramovych Bundesvorsitzender; Marcel Hirsch ist stellvertretender Vorsitzender und Dimitri Schulz Schatzmeister. Die Internetseite lautet seit 2024 j-afd.de, zuvor j-afd.org. Die Gründung wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland und zahlreichen weiteren jüdischen Organisationen scharf kritisiert.

Gründung und Selbstverständnis

Die Vereinigung wurde in Wiesbaden-Erbenheim von 24 jüdischen AfD-Mitgliedern gegründet, von denen 19 bei der Gründungsveranstaltung anwesend waren. 2019 bezeichnete sie sich als „Interessensvereinigung jüdischer AfD-Mitglieder“. Erste Vorsitzende war bis Juni 2021 die Ärztin und damalige Vorstandssprecherin des AfD-Kreisverbandes Esslingen, Vera Kosova. Zu ihren Stellvertretern wurden Wolfgang Fuhl und Artur Abramovych gewählt. Die Idee zur Gründung ging nach Darstellung des Artikels auf den Berliner Ingenieur Emanuel Bernhard Krauskopf zurück. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Dimitri Schulz und der Publizist Michael Kühntopf.

Die jüdische Zugehörigkeit der Mitglieder ist umstritten: Die Organisation beschreibt ihre Gründer und Mitglieder nach eigenen Angaben als jüdisch. Barbara Traub, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, erklärte dagegen, nur zwei Mitglieder der JAfD seien Juden.

Grundsätze und öffentliche Stellungnahmen

Als Hauptgründe für ihre Gründung nennt die JAfD in ihrer Grundsatzerklärung die „unkontrollierte Masseneinwanderung“ junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis, denen sie eine „antisemitische Sozialisation“ zuschreibt, sowie die von ihr behauptete „Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie“ durch Gender-Mainstreaming und Frühsexualisierung. Mitglied werden können demnach AfD-Mitglieder, die „ethnisch zum Judentum“ gehören und sich dessen „bewusst“ sind oder zum Judentum übergetreten sind. Israel erscheint in der Erklärung hauptsächlich im Zusammenhang mit einer Bedrohung durch den radikalen Islam.

Die Erklärung behandelt muslimischen Antisemitismus und antiimperialistischen Antizionismus – also eine gegen den Zionismus gerichtete Haltung, die mit antiimperialistischen Vorstellungen begründet wird – jeweils in eigenen Abschnitten. Antisemitismus in der AfD beschreibt sie dagegen als „Restbestände des rechten Antisemitismus“, die von den Partei­vorständen bekämpft würden. Die Bedeutung problematischer Personen werde nach ihrer Auffassung in den Medien stark übertrieben, um die gesamte Partei zu diffamieren. Phillip Markgraf und Johanna Zeewaert stellten 2021 fest, dass die Erklärung Antisemitismus in der Mehrheitsgesellschaft beziehungsweise der politischen Mitte vollständig ausklammere.

Nach dem rechtsextremen Anschlag auf die Synagoge in Halle am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Oktober 2019 warf die JAfD Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich als Beschützerin der Juden inszenieren zu wollen. Der Journalist Ferdinand Otto wertete dies als Relativierung der zuvor von führenden AfD-Politikern gezeigten Anteilnahme. Charlotte Knobloch griff die JAfD ebenfalls scharf an, nachdem diese der AfD bei einer Rede zum Holocaust-Gedenktag 2019 Verfassungsfeindlichkeit, Missachtung demokratischer Werte und Verbindungen zur extremen Rechten vorgeworfen hatte. Vor der Bundestagswahl 2021 widersprach die JAfD den Aufrufen jüdischer Organisationen, nicht die AfD zu wählen. Artur Abramovych erklärte, die Basis der jüdischen Gemeinden halte linken und muslimischen Antisemitismus für gefährlicher als den vereinzelten Missbrauch des gelben Sterns bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen.

Debatten innerhalb der AfD

Der AfD-Bundesvorstand begrüßte die Gründung. Der damalige Bundesvorsitzende Jörg Meuthen lobte den „Mut“ der Initiatoren. Petr Bystron sprach von „historischer Bedeutung“, Joachim Kuhs von einem „echten Glücksfall“, durch den politischen Gegnern das „Spielzeug der Nazikeule“ genommen werde.

Innerparteiliche Kritik kam besonders von Wolfgang Gedeon, einem baden-württembergischen Landtagsabgeordneten, der zuvor mehrfach durch antisemitische Äußerungen aufgefallen war, 2020 aus der AfD ausgeschlossen wurde und damals bereits keiner Fraktion mehr angehörte. Er bezeichnete weitere Interessenvereinigungen als Ursache einer „Atomisierung“ der Partei und die JAfD im ungünstigsten Fall als „zionistische Lobbyorganisation“, die deutschen Interessen entgegenstehe. Der AfD-Abgeordnete Stefan Räpple unterstützte diese Aussagen und wandte sich gegen eine von ihm behauptete Durchsetzung israelischer Interessen in Deutschland.

Der baden-württembergische AfD-Landesvorsitzende Marc Jongen und sein damaliger Stellvertreter Ralf Özkara distanzierten sich davon. Jongen erklärte, Gedeon sei in der Partei fehl am Platz, und stellte die JAfD als folgerichtige Reaktion auf einen durch muslimische Einwanderung wachsenden Antisemitismus dar. Am 15. Oktober 2018 beschloss der AfD-Bundesvorstand, Gedeons Parteiausschluss erneut zu beantragen. Auch Alice Weidel forderte seinen Ausschluss.

Kritik und wissenschaftliche Einordnung

Der Zentralrat der Juden und 46 weitere Organisationen veröffentlichten nach der Gründung die gemeinsame Erklärung „Keine Alternative für Juden“. Sie bezeichneten die AfD als antisemitisch und rechtsradikal und verwiesen unter anderem auf gemeinsame Auftritte von AfD-Funktionären mit Rechtsextremen und Neonazis bei den gewalttätigen Protesten in Chemnitz. In der Partei fänden die Relativierung bis hin zur Leugnung der Shoah – der nationalsozialistischen Ermordung der europäischen Juden – ein Zuhause. Zu den Unterzeichnern gehörten die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland und Makkabi Deutschland. In Frankfurt protestierten etwa 250 Menschen gegen die JAfD. Zentralratspräsident Josef Schuster nannte sie im September 2024 ein „Feigenblatt“ für eine Partei, in der sich Antisemiten zu Hause fühlen könnten.

JAfD-Mitgründer Wolfgang Fuhl entgegnete, jüdische Verbände seien wegen ihrer finanziellen Abhängigkeit vom Staat der Politik Angela Merkels gefolgt. AfD-Politiker wie Volker Münz und Beatrix von Storch warfen dem Zentralrat vor, jüdische AfD-Anhänger nicht angemessen zu vertreten.

Die wissenschaftlichen Bewertungen fallen unterschiedlich aus, sind überwiegend jedoch kritisch. Der Historiker Michael Wolffsohn erklärte, die AfD könne für Juden attraktiv sein, die ihre körperliche Sicherheit durch andere Parteien nicht ausreichend geschützt sähen. Die jüdische Bevölkerung sei sowohl in der Migrationsfrage als auch gegenüber der AfD uneinig. Innerhalb der AfD gebe es juden- und israelfreundliche, aber ebenso eindeutig antisemitische Gruppen. Wolffsohn betonte später, er sei fälschlich so dargestellt worden, als begrüße er eine Mitgliedschaft von Juden in der AfD.

Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber sieht den Zweck der JAfD darin, von antisemitischen Skandalen der Partei abzulenken. Gideon Botsch bezeichnet sie als „Show“ mit sehr wenigen Mitgliedern und ohne nennenswerte Verankerung in jüdischen Gemeinschaften. Nach seiner Analyse weist sie Antisemitismus pauschal muslimischen Migranten und politischen Gegnern zu, spielt rechten Antisemitismus herunter und verwendet selbst antijüdische Bilder und Vorurteile.

Das Moses Mendelssohn Zentrum bewertete 2020 Behauptungen der JAfD, Geldgeber, Verbände und Medien unterdrückten einen Meinungswandel in jüdischen Gemeinden, als „strukturell antisemitische Argumentationslinie“. Jannis Niedick und Marc Grimm sahen 2024 die strategische Funktion des Vereins darin, der AfD eine Abwehr des Antisemitismusvorwurfs zu ermöglichen und jüdische sowie israelische Kritiker, besonders den Zentralrat der Juden, als nicht relevant darzustellen.

Journalistische Bewertungen deuteten die Gründung ebenfalls überwiegend als politische Inszenierung. Micha Brumlik verglich die JAfD mit weit rechts stehenden jüdischen Organisationen der Weimarer Republik. Ricarda Breyton berichtete über Äußerungen des Mitgründers Dimitri Schulz, in denen er an deutsche Opfer erinnern wollte und erklärte, die positiven Seiten deutscher Geschichte überwögen „bei Weitem alles Negative“. Ronen Steinke vertrat die Auffassung, die AfD wolle mit der JAfD weniger jüdische als vielmehr nichtjüdische rechte Wähler ansprechen.

Veröffentlichung

2019 erschien das von Vera Kosova, Wolfgang Fuhl und Artur Abramovych herausgegebene Buch „Was Juden zur AfD treibt. Neues Judentum und neuer Konservatismus. Jüdische Stimmen aus Deutschland“ im Gerhard Hess Verlag, Bad Schussenried. Die ISBN lautet 978-3-87336-656-5.

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