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John Adams (Komponist)

Er wird zusammen mit Steve Reich, Philip Glass und Terry Riley zu den bekanntesten Vertretern der Minimal Music gezählt, eines musikalischen Stils, der auf sich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Leben und Ausbildung
  3. 3. Zentrale Werke und Bühnenprojekte
  4. 4. Stil und Themen
  5. 5. Preise und späte Arbeiten
  6. 6. Ausgewählte Werke

Einordnung und Bedeutung

John Coolidge Adams (* 15. Februar 1947 in Worcester, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Komponist. Er gehört zusammen mit Steve Reich, Philip Glass und Terry Riley zu den bekanntesten Vertretern der Minimal Music. Minimal Music ist ein Musikstil, der auf wiederholten harmonischen und/oder rhythmischen Mustern beruht. Adams selbst bezeichnet seine Kompositionen seit den 1990er Jahren als Post-Minimalismus, also als Weiterentwicklung dieser Richtung.

Seine Werke gelten als moderne Klassiker der Minimal Music. Nach einer Erhebung stammt fast jede zehnte zeitgenössische Aufführung in den USA von ihm. In Europa wurde um die Jahrtausendwende teils angenommen, dass die Minimal Music mit Steve Reichs Video-Oper The Cave an ihr Ende gekommen sei; seit Mitte der 2010er Jahre wird jedoch wieder eine stärkere Aufführungspraxis von Adams-Werken in Europa beobachtet.

Leben und Ausbildung

Adams lernte Klarinette bei seinem Vater und spielte in Marschkapellen sowie kleineren Orchestern. Eine frühe prägende Musikerfahrung war für ihn eine Aufführung von Ralph Vaughan Williams’ Fantasia nach Themen von Thomas Tallis. Mit zehn Jahren begann er zu komponieren; bereits als Jugendlicher hörte er die erste orchestrale Aufführung eines eigenen Werks.

Er studierte an der Harvard University und wurde dort von Leon Kirchner unterrichtet. Als Student spielte er gelegentlich im Boston Symphony Orchestra und dirigierte das Harvard University Bach Society Orchestra. 1970 erhielt er einen BMI Student Composer Award. Nach dem Studium zog er 1971 nach San Francisco, wo er seitdem lebt. 1997 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Adams unterrichtete zehn Jahre am San Francisco Conservatory of Music. Von 1982 bis 1985 war er Hauskomponist der San Francisco Symphony. Für deren Dirigenten Edo de Waart entwickelte er die erfolgreiche und kontroverse Konzertreihe Neue und Ungewöhnliche Musik. Mehrere seiner Orchesterstücke schrieb er speziell für die San Francisco Symphony, darunter Harmonium (1981), Grand Pianola Music (1982), Harmonielehre (1985) und El Dorado (1992).

Zentrale Werke und Bühnenprojekte

Erste Aufmerksamkeit erhielt Adams mit den Klavierwerken Phrygian Gates und China Gates. Sein erster Welterfolg war das Orchesterwerk Shaker Loops. 1985 begann seine Zusammenarbeit mit der Textdichterin Alice Goodman und dem Regisseur Peter Sellars. Daraus entstanden zwei erfolgreiche und zugleich umstrittene Opern: Nixon in China über Richard Nixons Besuch in China 1972 und The Death of Klinghoffer über die Entführung des Kreuzfahrtschiffs Achille Lauro durch palästinensische Terroristen. Nixon in China erhielt 1989 einen Grammy für die beste zeitgenössische klassische Komposition.

The Death of Klinghoffer führte zu starken Kontroversen. Adams’ Oper versucht, Verständnis für alle Beteiligten zu entwickeln; jüdische und arabische Interessenverbände warfen ihm jeweils Parteinahme für die andere Seite vor. Das Werk wurde deshalb mehrere Jahre in den USA nicht mehr aufgeführt. Eine Filmversion wurde 2003 von Penny Woolcock für Channel Four eingerichtet und gewann internationale Fernsehpreise, darunter den Prix Italia. 2011 brachte das Opernhaus von Saint Louis eine Neuproduktion heraus, 2014 folgten Long Beach und die Metropolitan Opera New York. Dort wurde eine geplante weltweite Kinoübertragung nach massiven Protesten abgesagt.

Weitere Bühnenprojekte mit Sellars waren I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky, ein „Songplay“ über das Erdbeben von 1994 in der Gegend um Los Angeles, El Niño, eine vielsprachige Wiedergabe der Weihnachtshistorie zur Feier des Jahrtausendwechsels, und Doctor Atomic über J. Robert Oppenheimer und die Entwicklung der ersten Atombombe. A Flowering Tree entstand als Auftragsarbeit zu Mozarts 250. Geburtstag, lehnt sich an Die Zauberflöte an und basiert im Wesentlichen auf einer südindischen Sage.

Adams schrieb zwei eigentliche Filmmusiken: Matter of Heart zu einem Dokumentarfilm über C. G. Jung und An American Tapestry, einen Spielfilm von Gregory Nava über illegale Einwanderer in den USA. Die Musik zu Luca Guadagninos Film I Am Love mit Tilda Swinton stammt ausschließlich von Adams, wurde aber nicht eigens für den Film komponiert; verwendet wurden Stücke aus den Jahren 1978 bis 1996. Adams arbeitete außerdem mit dem Kronos Quartet zusammen.

Stil und Themen

Adams begann als Minimalist im Sinne von Philip Glass und Steve Reich. In späteren Werken verband er die rhythmische Energie des Minimalismus mit einer reichen Harmonik und großer orchestraler Vorstellungskraft; darin zeigen sich auch Einflüsse der Spätromantik. Das Violinkonzert von 1993 ordnete er selbst klar einer „post-minimalistischen Epoche“ zu. Zugleich sagte er, schon Phrygian Gates (1977) und Shaker Loops (1978) hätten an seinen Bindungen zum Minimalismus „geknabbert“.

2017 erklärte Adams, Minimalismus sei eine sehr reine und strenge musikalische Sprache, ähnlich wie minimalistische Plastik und Malerei. Er habe aber von Anfang an einen stärkeren Impuls zu dramatischer Überraschung gehabt. Zwar liebe er vieles am Minimalismus, doch sei er ihm emotional „ein wenig zu einfarbig“ gewesen. Mit seiner eigenen Musik wollte er eine Sprache schaffen, die ein „fluideres emotionales Leben“ ermögliche, und entwickelte über die Jahre eine vielfältigere harmonische Sprache.

Adams verarbeitet Einflüsse aus E-Musik und U-Musik, bleibt aber auf einer tonalen Basis. Tonal bedeutet hier: Die Musik behält einen Bezug zu Tonarten oder tonalen Zentren. Gleichzeitig achtet er auf kunstvoll zugespitzte Spannungsbögen. Eine besondere Rolle spielt Charles Ives, dem Adams My Father Knew Charles Ives und ein Orchester-Arrangement von Ives-Songs widmete. Weitere Werke reagieren auf oder variieren Musik anderer Komponisten: Eros Piano antwortet auf Tōru Takemitsus riverrun, A Flowering Tree bezieht sich auf Mozarts Zauberflöte, Harmonielehre und Chamber Symphony setzen sich mit Arnold Schönberg auseinander, und Slonimsky’s Earbox basiert auf den ersten Takten von Igor Strawinskys Le Chant de Rossignol.

Häufig nimmt Adams aktuelle oder zeithistorische Ereignisse als Ausgangspunkt, etwa Nixons Staatsbesuch in China, die Entführung eines Kreuzfahrtschiffs, ein Erdbeben, die Entwicklung der ersten Atombombe, Terroranschläge, den Amerikanischen Bürgerkrieg und illegale Immigration. Auch Philosophie, Literatur und Religion spielen eine wichtige Rolle: Shaker Loops erinnert an die ekstatischen Tänze der amerikanischen Shaker-Gemeinde, El Niño gestaltet die Weihnachtshistorie neu, The Dharma at Big Sur bezieht sich auf Jack Kerouac und Henry Miller, Harmonium auf Gedichte Wallace Stevens’, Naive and Sentimental Music auf Friedrich Schillers Unterscheidung zwischen naiver und sentimentalischer Dichtung, und The Wound Dresser vertont Verse Walt Whitmans über den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Preise und späte Arbeiten

2002 komponierte Adams On the Transmigration of Souls für die New Yorker Philharmoniker. Das Werk entstand zum ersten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Dafür erhielt Adams den Pulitzer-Preis für Musik und drei Grammys zugleich: für die beste Aufnahme klassischer Musik, die beste Orchesteraufnahme und die beste zeitgenössische klassische Komposition.

2017 entstand die Oper Girls of the Golden West, inspiriert von den Briefen Louise Clappes aus den Jahren 1851/52. Clappe lebte während des kalifornischen Goldrauschs eineinhalb Jahre unter Minenarbeitern und veröffentlichte ihre Briefe unter dem Namen Dame Shirley. Das Libretto schrieb Peter Sellars; die Uraufführung fand am 21. November 2017 in San Francisco statt. Im März 2019 wurde Adams’ drittes Klavierkonzert Must the Devil Have All the Good Tunes? in der Walt Disney Concert Hall uraufgeführt, gespielt von Yuja Wang mit den Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel.

Zu seinen Auszeichnungen gehören der BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award für 2018, der Erasmuspreis für 2019 und der Glashütte Original MusikFestspielPreis der Dresdner Musikfestspiele 2021, dotiert mit 25.000 Euro. Die Jury begründete dies damit, dass Adams mit „seiner Musik Generationen von Komponisten, Musikern und Zuhörern inspiriert“ habe. 2022 erschien die umfangreiche Edition John Adams Collected Works mit Aufnahmen aus vier Jahrzehnten, darunter 42 Ersteinspielungen, 31 Solo-Alben und 6 Opernproduktionen.

Ausgewählte Werke

Wichtige Werke aus Adams’ Werkverzeichnis sind unter anderem Christian Zeal & Activity (1973), China Gates (1977), Phrygian Gates (1977), Shaker Loops in der Fassung für Streichseptett (1978) und für Streichorchester (1983), Harmonium (1981), Grand Pianola Music (1982), Harmonielehre (1985), The Chairman Dances (1986), Short Ride in a Fast Machine (1986), Nixon in China (1987), The Wound Dresser (1989), The Death of Klinghoffer (1991), Chamber Symphony (1993), das Violinkonzert (1993), I Was Looking at the Ceiling and Then I Saw the Sky (1995), Century Rolls (1996), Naive and Sentimental Music (1999), El Niño (2000), On the Transmigration of Souls (2002), Doctor Atomic (2005), A Flowering Tree (2006), The Gospel According to the Other Mary (2012), Scheherazade.2 (2014), Girls of the Golden West (2017), Must the Devil Have All the Good Tunes? (2019), Antony and Cleopatra (2022), Frenzy (2023) und After the Fall (2024). 2008 veröffentlichte Adams außerdem die Autobiographie Hallelujah Junction – Composing an American Life.

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