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Johanna Wanka

Johanna Wanka (geborene Müller; * 1. April 1951 in Rosenfeld bei Torgau) ist eine deutsche Mathematikerin und Professorin sowie Politikerin der CDU.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Ausbildung
  2. 2. Wissenschaftliche Laufbahn und Hochschulleitung
  3. 3. Politischer Weg in Brandenburg und Niedersachsen
  4. 4. Bundesministerin und verfassungsrechtliche Kontroverse
  5. 5. Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Überblick und Ausbildung

Johanna Wanka, geborene Müller (* 1. April 1951 in Rosenfeld bei Torgau), ist eine deutsche Mathematikerin, Professorin und CDU-Politikerin. Ihre wichtigsten Regierungsämter waren das der Bundesministerin für Bildung und Forschung von 2013 bis 2018, das der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur von 2010 bis 2013 sowie das der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg von 2000 bis 2009. Zuvor war sie von 1994 bis 2000 gewählte Rektorin der Hochschule Merseburg. Sie war die erste und bisher einzige Ostdeutsche, die Ministerin eines westdeutschen Bundeslands wurde.

Wanka wuchs in Rosenfeld in Nordsachsen auf; ihre Eltern bewirtschafteten dort einen Bauernhof. Ihre Mutter, die aus Ostpreußen stammte, war gelernte Apothekenhelferin. Wanka besuchte von 1958 bis 1966 die Polytechnische Oberschule in Großtreben und anschließend bis zum Abitur 1970 die Erweiterte Oberschule in Torgau. Parallel erlernte sie den Beruf der Agrotechnikerin. Vor dem Abitur trat sie der Freien Deutschen Jugend (FDJ) bei, um sicher zu einem Studium zugelassen zu werden.

Sie studierte Mathematik an der Universität Leipzig und schloss das Studium 1974 mit dem Diplom ab. Ihre Diplomarbeit hieß „Räumliche Randwertaufgaben der Potentialtheorie mit Koppelungsbedingungen“. Wanka ist evangelisch, mit dem Mathematiker Gert Wanka verheiratet und hat zwei Kinder.

Wissenschaftliche Laufbahn und Hochschulleitung

Ab 1974 arbeitete Johanna Wanka als Wissenschaftliche Assistentin an der Technischen Hochschule Carl Schorlemmer Leuna-Merseburg in der Sektion Mathematik. 1980 promovierte sie zum Dr. rer. nat.; ihre Dissertation trug den Titel „Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln“. Von 1985 bis 1993 war sie Wissenschaftliche Oberassistentin.

1993 erhielt sie eine Professur für Ingenieurmathematik an der Hochschule Merseburg. Im März 1994 wurde sie als Nachfolgerin des Gründungsrektors Lothar Teschke zur ersten gewählten Rektorin dieser Hochschule gewählt. Als Rektorin baute sie die Hochschule mit sechs Fachbereichen weiter aus und blieb bis zu ihrer Berufung zur Ministerin im Oktober 2000 im Amt. Ihr Nachfolger wurde der Chemiker Heinz Zwanziger.

Zusätzlich übernahm sie Aufgaben in der Hochschul- und Wissenschaftsorganisation Sachsen-Anhalts: Von 1994 bis 1998 war sie Vizepräsidentin der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt, von 1995 bis 1998 stellvertretende Vorsitzende des Beirates für Wissenschaft und Forschung des Landes Sachsen-Anhalt.

Politischer Weg in Brandenburg und Niedersachsen

1989 trat Wanka der Bürgerbewegung der DDR bei und war Gründungsmitglied des im September 1989 gegründeten Neuen Forums in Merseburg. Von 1990 bis 1994 gehörte sie für das Neue Forum dem Kreistag Merseburg an. Im Jahr 2000 wurde sie, damals noch parteilos, im Kabinett Stolpe III für die CDU Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg. Dieses Amt hatte sie bis November 2009 inne. Seit März 2001 ist sie CDU-Mitglied.

Im Jahr 2005 war Wanka Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Während dieser Amtszeit wurde die Reform der deutschen Rechtschreibung eingeführt. Als im Juli 2005 über eine Verschiebung der für den 1. August geplanten Einführung diskutiert wurde, sprach sie sich für die Einführung aus und kritisierte die zurückhaltende Haltung Bayerns und Nordrhein-Westfalens. Ein halbes Jahr später erklärte sie gegenüber dem Spiegel: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“

Wanka hatte mehrere Parteiämter in Brandenburg: Sie gehörte von Mai 2003 bis Juni 2010 dem CDU-Landesvorstand an, wurde im Dezember 2003 Kreisvorsitzende der CDU Dahme-Spreewald und 2007 stellvertretende Landesvorsitzende. Nach dem Rücktritt von Ulrich Junghanns führte sie den Landesvorsitz ab 29. Oktober 2008 kommissarisch und wurde am 17. Januar 2009 in Potsdam zur Landesvorsitzenden gewählt.

Von 2004 bis 2010 war sie Mitglied des Landtages Brandenburg. Sie zog jeweils über die CDU-Landesliste ein, weil sie den Wahlkreis Dahme-Spreewald III (Wahlkreis 28) nicht direkt gewann. Bei der Landtagswahl am 27. September 2009 war sie Spitzenkandidatin der CDU. Die CDU erreichte 19,8 Prozent, nach einem Zuwachs von 0,4 Prozentpunkten, und lag damit hinter SPD mit 33 Prozent und Linkspartei mit 27,2 Prozent. Nachdem die SPD eine Koalition mit der Linken bildete, wurde Wanka am 20. Oktober 2009 CDU-Fraktionschefin. Im April 2010 gab sie dieses Amt und ihr Landtagsmandat wegen ihrer Berufung nach Niedersachsen auf.

Am 27. April 2010 ernannte Ministerpräsident Christian Wulff sie zur niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur; sie folgte Lutz Stratmann. Sie blieb auch im Kabinett McAllister im Amt. Nach der Landtagswahl 2013 und der daraus folgenden rot-grünen Mehrheit war der Verlust dieses Ministeramtes absehbar.

Bundesministerin und verfassungsrechtliche Kontroverse

Nach dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wurde Wanka als Nachfolgerin vorgeschlagen. Sie trat deshalb am 13. Februar 2013 vorzeitig als niedersächsische Ministerin zurück, wurde am folgenden Tag zur Bundesministerin für Bildung und Forschung ernannt und am 21. Februar im Bundestag vereidigt. Während ihrer Amtszeit wurde 2016 die Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft beschlossen. Am 14. März 2018 wurde sie als Bundesministerin von Anja Karliczek abgelöst.

Während der Flüchtlingskrise 2015/2016 veröffentlichte Wanka im November 2015 auf der Website ihres Ministeriums einen Aufruf, der AfD die „Rote Karte“ zu zeigen. Die AfD hatte zuvor zu einer Demonstration unter dem Motto „Rote Karte für Merkel – Asyl braucht Grenzen“ aufgerufen. Das Bundesverfassungsgericht erklärte diese Praxis 2018 für verfassungswidrig. Staatliche Organe dürften Bürger nicht zur Teilnahme oder Nichtteilnahme an Demonstrationen politischer Parteien aufrufen. Nach dem Gericht greife dies unzulässig in das Recht der Parteien auf Chancengleichheit ein; die Bundesregierung dürfe staatliche Mittel nicht zugunsten oder zulasten einzelner Parteien einsetzen.

Auszeichnungen und Veröffentlichungen

1997 erhielt Wanka das Bundesverdienstkreuz am Bande. Im September 2010 wurde sie mit der Ernst-Ludwig-Ehrlich-Medaille für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk würdigte damit ihren Einsatz für die jüdische Bildungsarbeit. 2017 wurde sie Ehrensenatorin der Hochschule Merseburg.

Zu ihren genannten Schriften gehören ihre Dissertation „Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln“ von 1980 sowie als Herausgeberin der 2001 erschienene „Tagungsband zur 1. Tagung der Nachwuchswissenschaftler an der Fachhochschule Merseburg. Applied Science Conference“.

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