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Goethe, Schiller und die „Weimarer Klassik“
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Transkriptautomatisch erstellt · 112 Zeilen
- Wer reitet zu spät durch Nacht und Wind? Freude schöner Götterfunken. Das also war das Pudes Kern. Diese Zitate habt
- ihr bestimmt schon einmal gehört. Sie stammen von zwei der berühmtesten deutschen Dichter, Johann Wolfgang Göhte
- und Friedrich Schiller. Fast in jeder Stadt gibt es eine Göte oder eine Schillerstraße oder gleich beides. Und
- in der Schule sind die Werke der beiden Autoren oft Unterrichtsstoff. Aber warum nennen wir ihre Namen eigentlich so
- häufig in einem Atemzug? Was verbindet sie? Wir erklären in diesem Video, wie Göthen Modetrend auslöste, warum
- Schiller vor seinem Arbeitgeber Flo und warum der Begriff Weimara Classic nicht ganz unproblematisch ist.
- Im September 1826 holt Johann Wolfgang Göte ein ungewöhnliches Objekt in sein Haus, den Schädel von Friedrich
- Schiller. Ja, ihr habt richtig gehört. Gohe nimmt den Totenkopf des gut 20 Jahre zuvor verstorbenen Dichters an
- sich und platziert ihn auf blauem Samt unter einer Glasvitrine bei sich zu Hause. Und es wird noch schräger. Wenig
- später schreibt er ein Gedicht, das heute unter dem Namen bei Betrachtung von Schillers Schädel bekannt ist. Diese
- merkwürdige Episode hat einen ernsten Hintergrund. Gohe schätzt Schiller nicht nur als Schriftsteller, er ist auch über
- 10 Jahre lang eng mit ihm befreundet. Die Geschichte von Gohe kann daher nicht ohne Schiller erzählt werden und das
- Leben von Schiller nicht ohne Gothe. Gotes Leben beginnt in Frankfurt am Mai. Hier kommt er im August 1749 als
- erstgeborener Sohn einer wohlhabenden Familie zur Welt. Nach dem Wunsch des Vaters studiert er Jura und arbeitet
- zunächst als Anwalt. Allerdings beginnt er früh nebenbei literarische Texte zu verfassen. Schon mit 23 Jahren
- veröffentlicht er das Drama Götz von Bärlichingen, das sofort ein Erfolg ist. Ein Jahr später folgt der Briefroman Die
- Leiden des jungen Werter. Der ist sogar noch erfolgreicher und wird in mehrere Sprachen übersetzt. Der Roman erzählt
- die Geschichte einer tragischen Liebesbeziehung zwischen Werter und der mit einem anderen Mann verlobten Lotte.
- Die Begeisterung für den Roman ist so groß, dass er sogar eine eigene Wertermode inspiriert. Junge Männer
- kleiden sich wie der Protagonist mit gelber Weste und Hose, blauem Frack und grauem Filzhut. Gote wird in kurzer Zeit
- zu einem gefeierten Schriftsteller. Der Ruhm trägt dazu bei, dass er vom Herzog des kleinen Fürstentums Sachsen Weimer
- Eisen nach eingeladen wird, dort zu arbeiten. Hier übernimmt Gohe sehr handfeste Aufgaben. Als
- Verwaltungsbeamter inspiziert er Bergwerke, er regelt Finanzfragen und er überwacht den Straßenbau. Trotzdem ist
- es kein Zufall, dass er ausgerechnet in Weimer arbeitet. In der Residenzstadt des Herzogtums leben Ende des 18.
- Jahrhundert zwar nur etwa 6000 Einwohner, aber Anna Amalia, die verwittwerte Mutter des Herzogs, fördert
- aktiv Künstlerinnen und Künstler. Sie holt Schauspieler, Dichter und Maler an den Hof und macht Weimer so zu einem
- blühenden Kulturstandort. Schnell klettert Gohe in Weimar die Karriereleiter hinauf.
- 1782 adelt ihn der Herzog. Nun ist er Johann Wolfgang von Gothe. Im Laufe der Zeit übernimmt er immer mehr Ämter und
- die Flut an offiziellen Aufgaben schwillt ständig an. Im Jahr 1786 fühlt sich Gohe so eingezwängt, dass er sich
- zu einem radikalen Schritt entschließt. Von heute auf morgen kehrt er dem Weimarerhof den Rücken und verbringt
- ganze zwei Jahre in Italien. Die gehören zu den prägendsten Zeiten in seinem Leben. Wir kommen später darauf noch mal
- zurück. Auch in Schillers Biografie gibt es eine spektakuläre Flucht. Schiller kommt 1759 in Marbach am Necker in der
- Nähe von Stuttgart zur Welt. 10 Jahre nach Göte. Als junger Mann studiert er Medizin und arbeitet anschließend als
- Arzt in der Armee des Herzogs von Württemberg. Schillers Herz schlägt allerdings für die Literatur. 1782
- findet die Uraufführung seines Stücks die Räuber statt. In dem Drama geht es kurz gesagt um die Rivalität zwischen
- zwei Brüdern, die sich jeweils auf ihre Weise gegen die herrschende Ordnung auflehnen. Die Zuschauer sind
- begeistert. Schillers Räuber machen ihn quasi über Nacht berühmt. Und hier zeigt sich eine wichtige Gemeinsamkeit
- zwischen Schiller und Göte. Beide sind schon in jungen Jahren gefeierte Schriftsteller und beide brechen in
- ihren Werken mit gängigen Konventionen. Es zeigt sich z.B. an derbprache. So sagt etwa Götz von Berlichingen in Götes
- gleichnamigem Drama. Er aber kann mich im Arsche lecken. Wir ordnen diese Werke heute der Literaturströmung der
- sogenannten Sturm und Drang zu, deren Autoren mit den damaligen Geflogenheiten brechen, starke Emotionen in den
- Mittelpunkt ihrer Werke stellen und damit das Establishment schockieren. Zu der Strömung gehören auch andere Autoren
- wie Johann Gottfried Herder oder Friedrich Maximilian Klinger. Schillers Arbeitgeber, der Herzog von Württemberg
- ist von den Räubern wenig begeistert. Tatsächlich verbietet er Schiller sogar weiter Texte zu veröffentlichen. In
- dieser Situation entscheidet sich Schiller die Flucht zu ergreifen. Sein spärrliches, aber gesichertes Einkommen
- fällt damit weg. In den nächsten Jahren plagen ihn ständig finanzielle Sorgen. Immerhin tritt der 1789 eine Professur
- für Geschichte in Jena an. Zunächst unbesoldet, später mit einem kleinen Gehalt. Kurz darauf erschüttert ein
- Ereignis ganz Europa. Im Juli 1789 beginnt in Paris die französische Revolution. Für uns ist vor allem hier
- eine Info wichtig. Mit der französischen Revolution zeigt sich, wie sehr das Bürgertum mittlerweile an Einfluss
- gewonnen hat. Das bedeutet, dass die alten Eliten, der König, der Adel und der Klerus, also die Kirche, nicht mehr
- allein den Ton angeben können. Vertreter des Bürgertums, etwa Kaufleute, Verwaltungsbeamte oder Ladenbesitzer
- wollen jetzt mitreden. Das gilt nicht nur für Frankreich, sondern auch für die deutschsprachigen Gebiete. Die neue
- Bedeutung des Bürgertums zeigt sich auch in den Lesegewohnheiten. Schon im Laufe des 18. Jahrhunderts lernen mehr und
- mehr Menschen lesen, erhalten eine umfassende Bildung und der Markt für Bücher wächst. Einzelne Autoren sind
- plötzlich einer breiten Masse bekannt und werden berühmt. So geht es auch Göte und Schiller. Als 1789 die französische
- Revolution ausbricht, sind die beiden längst Popstars der deutschen Literatur. Obwohl sie so nah aneinander leben,
- Schiller in Jena, Gothe in Weimer, dauert es bis sie sich anfreunden. Zunächst bleiben sie auf Distanz.
- Vielleicht auch, weil Gohee sich von Schilla zu sehr an seine eigene Sturm und Drangzeit erinnert fühlt, die er
- mittlerweile hinter sich gelassen hat. Erst im Juli 1794 führen sie nach einem Vortrag in
- Jena ein lebhaftes Gespräch, das beiden positiv in Erinnerung bleibt. Es ist der Beginn einer engen Freundschaft. Im
- Dezember 1799 zieht Schiller mit seiner Familie schließlich ebenfalls nach Weimer. Drei Jahre später erhält auch er
- vom Herzog den Adelstitel. Güte und Schiller sehen sich fast täglich. diskutieren bis tief in die Nacht über
- ihre Manuskripte und geben sich gegenseitig Ratschläge. Besonders intensiv beschäftigen sich Gothe und
- Schiller mit der Antike. Gothe steht dabei stark unter dem Einfluss seiner Italienreise. Dort haben ihn die antiken
- Monumente und Kunstwerke so beeindruckt, dass er die antike Kunst fortan in vielerlei Hinsicht als Vorbild ansieht.
- Das Ziel der Schriftsteller ist es, die Leser und Zuschauer mit ihren Werken stärker zu erziehen. Im Mittelpunkt
- stehen dabei insbesondere Werte wie Humanität, Toleranz und auch die Balance zwischen Gefühlen und Vernunft. Mit
- diesem Anspruch reagieren Göte und Schiller auch auf die chaotischen und gewaltvollen Entwicklungen der
- französischen Revolution. Diese Periode ihrer Arbeit bezeichnen wir heute als Weimarer Klassik mit der manchmal auch
- noch die Weimaraer Autorin Christoph Martin Weland oder der vorhin schon erwähnte Johann Gottfried Herder als
- wichtige Wegbereiter in Verbindung gebracht werden. Ein Beispiel für den Stil der Weimaraer Klassik ist Gothes
- Schauspiel Ifigenie auf Tauris. Es orientiert sich an den klassischen Dramen antiker Dichter, hat eine klare
- Struktur und ist in Versform verfasst. Bei Schiller ist es z.B. Die Wallensteintrilogie, die Geschichte
- eines Heerführers aus dem 30-jährigen Krieg, in der Schiller sich beim Bergaufbau an antiken Vorbildern
- orientiert. Die enge Freundschaft zwischen Schiller und Gote hält bis zum frühen Tod Schillers an. Er stirbt am 9.
- Mai 1805 mit nur 45 Jahren. Zeit Lebens hatte Schilla mit den Spätfolgen einer Lungenentzündung zu kämpfen und war
- ständig krank. Beigesetzt wird Schilla in einem Grab, in dem neben ihm noch viele andere Verstorbene liegen. Das
- führt zu einer folgen schweren Verwechslung. Der Schädel, den sein Freund Gohte später in seinem Haus hat,
- gehört tatsächlich gar nicht Schiller, wie moderne DNA-Analysen belegen. Gothe meist davon allerdings nichts. Dre Jahre
- nach Schillers Tod veröffentlicht Göte seine Tragödie Faust. Heute eins seiner bekanntesten Werke. Alle Literaturnerds
- können gerne einmal ihr Lieblingszitat aus dem Faust in die Kommentare schreiben. Mein Lieblingszitat ist:
- "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen." Dass wir heute noch viele Faustzitate
- kennen, das zeigt exemplarisch die riesige Bekanntheit von Gote und Schiller und ihren Werken. Nicht zuletzt
- hat das auch mit einem historischen Umbruch in dieser Zeit zu tun. Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts besteht
- Deutschland noch aus vielen kleinen Staaten. Gleichzeitig gibt es eine starke Nationalbewegung, die sich für
- einen vereinten deutschen Nationalstaat einsetzt. Einige Jahre nach Götes Tod, 1832, erklärt man ihn und Schiller zu
- Nationaldichtern, also gewissermaßen zum kulturellen Klebstoff, der den ersehnten deutschen Staat verbinden soll. Ein
- Hinweis darauf sind z.B. für die vielen Denkmäler von den beiden. Heute am bekanntesten ist wohl das Göte und
- Schiller Denkmal vor dem Weimarer Theater, das 1857 eingeweiht wird. Zwei Jahre später anlässlich von Schillers
- 100 zum Geburtstag ehren Menschen den Dichter in vielen deutschen Städten bei sogenannten Schiller feiern und
- versammeln sich für patriotische Umzüge und das, obwohl Schiller und Gohe selbst sich nie besonders für einen deutschen
- Nationalstaat stark gemacht haben. Die patriotische Überhöhung der beiden Dichter trägt stark zu der Überzeugung
- bei, dass mit ihnen der Gipfel deutscher Kultur erreicht worden sei. Im 19. Jahrhundert werden Göte und Schiller so
- zu Klassikern der deutschen Literatur erhoben. Gerade der Begriff Weimarer Klassik wird mittlerweile aber
- kritischer gesehen. Die aktuelle Literaturwissenschaft betont, dass Gothe und Schiller nicht allein eine ganze
- Literaturepoche geprägt haben. Allerdings benutzt sie weiterhin das Schlagwort Weimerer Klassik, um die enge
- Zusammenarbeit zwischen Gote und Schiller zu beschreiben und einzelne ihrer Werke einzuordnen. Die Idee der
- Weimerer Klassik als eigene Literaturepoche hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert, aber auch im 20.
- Jahrhundert werden die Namen von Goe und Schiller immer wieder für politische Zwecke herangezogen. Besonders verdreht
- wird Erbe in der Zeit des Nationalsozialismus, also zwischen 1933 und 1945.
- 1934 erscheint etwa das Buch Schiller als Kampfgenosse Hitlers und der Germanistikprofessor Julius Petersen
- verkündet imselben Jahr: Schiller und Göth seinen die ersten Nationalsozialisten gewesen. Heute
- können wir nüchter auf Göth und Schiller schauen. Dabei wird deutlich, dass es in ihren Leben viele Parallelen gibt. Beide
- werden schon früh zu gefeierten Schriftstellern, auch weil immer mehr Menschen Ende des 18. Jahrhunderts
- überhaupt Bücher lesen. Beide lehnen die Gewaltexzesse der französischen Revolution ab und betonen in ihren
- späteren Berken stattdessen moralische Ideale wie Humanität und beide werden nach ihrem Tod von der Nationalbewegung
- des 19. Jahrhunderts vereinnahmt und zu Klassikern erhoben. Aber wie seht ihr das denn? Zählen Gote und Schiller für
- euch zu den Autoren, deren Berker man unbedingt lesen muss oder sollten andere Schriftsteller vielleicht mehr
- Aufmerksamkeit erhalten? Und wenn ja, wä? Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare und wie gesagt eure
- Faustzitate auch gerne unten rein. Bin sehr gespannt, was euch da alles so einfällt. Danke schon mal dafür. Hier
- neben mir findet ihr noch zwei weitere Videos hier vom Kanal. Schaut da gerne mal rein. Euch noch eine gute Zeit.
- Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal. M.
Zum Nachlesen
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