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Goethe, Schiller und die „Weimarer Klassik“

MrWissen2go Geschichte | Terra X11:31 224.564 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Wer reitet zu spät durch Nacht und Wind? Freude schöner Götterfunken. Das also war das Pudes Kern. Diese Zitate habt
  2. ihr bestimmt schon einmal gehört. Sie stammen von zwei der berühmtesten deutschen Dichter, Johann Wolfgang Göhte
  3. und Friedrich Schiller. Fast in jeder Stadt gibt es eine Göte oder eine Schillerstraße oder gleich beides. Und
  4. in der Schule sind die Werke der beiden Autoren oft Unterrichtsstoff. Aber warum nennen wir ihre Namen eigentlich so
  5. häufig in einem Atemzug? Was verbindet sie? Wir erklären in diesem Video, wie Göthen Modetrend auslöste, warum
  6. Schiller vor seinem Arbeitgeber Flo und warum der Begriff Weimara Classic nicht ganz unproblematisch ist.
  7. Im September 1826 holt Johann Wolfgang Göte ein ungewöhnliches Objekt in sein Haus, den Schädel von Friedrich
  8. Schiller. Ja, ihr habt richtig gehört. Gohe nimmt den Totenkopf des gut 20 Jahre zuvor verstorbenen Dichters an
  9. sich und platziert ihn auf blauem Samt unter einer Glasvitrine bei sich zu Hause. Und es wird noch schräger. Wenig
  10. später schreibt er ein Gedicht, das heute unter dem Namen bei Betrachtung von Schillers Schädel bekannt ist. Diese
  11. merkwürdige Episode hat einen ernsten Hintergrund. Gohe schätzt Schiller nicht nur als Schriftsteller, er ist auch über
  12. 10 Jahre lang eng mit ihm befreundet. Die Geschichte von Gohe kann daher nicht ohne Schiller erzählt werden und das
  13. Leben von Schiller nicht ohne Gothe. Gotes Leben beginnt in Frankfurt am Mai. Hier kommt er im August 1749 als
  14. erstgeborener Sohn einer wohlhabenden Familie zur Welt. Nach dem Wunsch des Vaters studiert er Jura und arbeitet
  15. zunächst als Anwalt. Allerdings beginnt er früh nebenbei literarische Texte zu verfassen. Schon mit 23 Jahren
  16. veröffentlicht er das Drama Götz von Bärlichingen, das sofort ein Erfolg ist. Ein Jahr später folgt der Briefroman Die
  17. Leiden des jungen Werter. Der ist sogar noch erfolgreicher und wird in mehrere Sprachen übersetzt. Der Roman erzählt
  18. die Geschichte einer tragischen Liebesbeziehung zwischen Werter und der mit einem anderen Mann verlobten Lotte.
  19. Die Begeisterung für den Roman ist so groß, dass er sogar eine eigene Wertermode inspiriert. Junge Männer
  20. kleiden sich wie der Protagonist mit gelber Weste und Hose, blauem Frack und grauem Filzhut. Gote wird in kurzer Zeit
  21. zu einem gefeierten Schriftsteller. Der Ruhm trägt dazu bei, dass er vom Herzog des kleinen Fürstentums Sachsen Weimer
  22. Eisen nach eingeladen wird, dort zu arbeiten. Hier übernimmt Gohe sehr handfeste Aufgaben. Als
  23. Verwaltungsbeamter inspiziert er Bergwerke, er regelt Finanzfragen und er überwacht den Straßenbau. Trotzdem ist
  24. es kein Zufall, dass er ausgerechnet in Weimer arbeitet. In der Residenzstadt des Herzogtums leben Ende des 18.
  25. Jahrhundert zwar nur etwa 6000 Einwohner, aber Anna Amalia, die verwittwerte Mutter des Herzogs, fördert
  26. aktiv Künstlerinnen und Künstler. Sie holt Schauspieler, Dichter und Maler an den Hof und macht Weimer so zu einem
  27. blühenden Kulturstandort. Schnell klettert Gohe in Weimar die Karriereleiter hinauf.
  28. 1782 adelt ihn der Herzog. Nun ist er Johann Wolfgang von Gothe. Im Laufe der Zeit übernimmt er immer mehr Ämter und
  29. die Flut an offiziellen Aufgaben schwillt ständig an. Im Jahr 1786 fühlt sich Gohe so eingezwängt, dass er sich
  30. zu einem radikalen Schritt entschließt. Von heute auf morgen kehrt er dem Weimarerhof den Rücken und verbringt
  31. ganze zwei Jahre in Italien. Die gehören zu den prägendsten Zeiten in seinem Leben. Wir kommen später darauf noch mal
  32. zurück. Auch in Schillers Biografie gibt es eine spektakuläre Flucht. Schiller kommt 1759 in Marbach am Necker in der
  33. Nähe von Stuttgart zur Welt. 10 Jahre nach Göte. Als junger Mann studiert er Medizin und arbeitet anschließend als
  34. Arzt in der Armee des Herzogs von Württemberg. Schillers Herz schlägt allerdings für die Literatur. 1782
  35. findet die Uraufführung seines Stücks die Räuber statt. In dem Drama geht es kurz gesagt um die Rivalität zwischen
  36. zwei Brüdern, die sich jeweils auf ihre Weise gegen die herrschende Ordnung auflehnen. Die Zuschauer sind
  37. begeistert. Schillers Räuber machen ihn quasi über Nacht berühmt. Und hier zeigt sich eine wichtige Gemeinsamkeit
  38. zwischen Schiller und Göte. Beide sind schon in jungen Jahren gefeierte Schriftsteller und beide brechen in
  39. ihren Werken mit gängigen Konventionen. Es zeigt sich z.B. an derbprache. So sagt etwa Götz von Berlichingen in Götes
  40. gleichnamigem Drama. Er aber kann mich im Arsche lecken. Wir ordnen diese Werke heute der Literaturströmung der
  41. sogenannten Sturm und Drang zu, deren Autoren mit den damaligen Geflogenheiten brechen, starke Emotionen in den
  42. Mittelpunkt ihrer Werke stellen und damit das Establishment schockieren. Zu der Strömung gehören auch andere Autoren
  43. wie Johann Gottfried Herder oder Friedrich Maximilian Klinger. Schillers Arbeitgeber, der Herzog von Württemberg
  44. ist von den Räubern wenig begeistert. Tatsächlich verbietet er Schiller sogar weiter Texte zu veröffentlichen. In
  45. dieser Situation entscheidet sich Schiller die Flucht zu ergreifen. Sein spärrliches, aber gesichertes Einkommen
  46. fällt damit weg. In den nächsten Jahren plagen ihn ständig finanzielle Sorgen. Immerhin tritt der 1789 eine Professur
  47. für Geschichte in Jena an. Zunächst unbesoldet, später mit einem kleinen Gehalt. Kurz darauf erschüttert ein
  48. Ereignis ganz Europa. Im Juli 1789 beginnt in Paris die französische Revolution. Für uns ist vor allem hier
  49. eine Info wichtig. Mit der französischen Revolution zeigt sich, wie sehr das Bürgertum mittlerweile an Einfluss
  50. gewonnen hat. Das bedeutet, dass die alten Eliten, der König, der Adel und der Klerus, also die Kirche, nicht mehr
  51. allein den Ton angeben können. Vertreter des Bürgertums, etwa Kaufleute, Verwaltungsbeamte oder Ladenbesitzer
  52. wollen jetzt mitreden. Das gilt nicht nur für Frankreich, sondern auch für die deutschsprachigen Gebiete. Die neue
  53. Bedeutung des Bürgertums zeigt sich auch in den Lesegewohnheiten. Schon im Laufe des 18. Jahrhunderts lernen mehr und
  54. mehr Menschen lesen, erhalten eine umfassende Bildung und der Markt für Bücher wächst. Einzelne Autoren sind
  55. plötzlich einer breiten Masse bekannt und werden berühmt. So geht es auch Göte und Schiller. Als 1789 die französische
  56. Revolution ausbricht, sind die beiden längst Popstars der deutschen Literatur. Obwohl sie so nah aneinander leben,
  57. Schiller in Jena, Gothe in Weimer, dauert es bis sie sich anfreunden. Zunächst bleiben sie auf Distanz.
  58. Vielleicht auch, weil Gohee sich von Schilla zu sehr an seine eigene Sturm und Drangzeit erinnert fühlt, die er
  59. mittlerweile hinter sich gelassen hat. Erst im Juli 1794 führen sie nach einem Vortrag in
  60. Jena ein lebhaftes Gespräch, das beiden positiv in Erinnerung bleibt. Es ist der Beginn einer engen Freundschaft. Im
  61. Dezember 1799 zieht Schiller mit seiner Familie schließlich ebenfalls nach Weimer. Drei Jahre später erhält auch er
  62. vom Herzog den Adelstitel. Güte und Schiller sehen sich fast täglich. diskutieren bis tief in die Nacht über
  63. ihre Manuskripte und geben sich gegenseitig Ratschläge. Besonders intensiv beschäftigen sich Gothe und
  64. Schiller mit der Antike. Gothe steht dabei stark unter dem Einfluss seiner Italienreise. Dort haben ihn die antiken
  65. Monumente und Kunstwerke so beeindruckt, dass er die antike Kunst fortan in vielerlei Hinsicht als Vorbild ansieht.
  66. Das Ziel der Schriftsteller ist es, die Leser und Zuschauer mit ihren Werken stärker zu erziehen. Im Mittelpunkt
  67. stehen dabei insbesondere Werte wie Humanität, Toleranz und auch die Balance zwischen Gefühlen und Vernunft. Mit
  68. diesem Anspruch reagieren Göte und Schiller auch auf die chaotischen und gewaltvollen Entwicklungen der
  69. französischen Revolution. Diese Periode ihrer Arbeit bezeichnen wir heute als Weimarer Klassik mit der manchmal auch
  70. noch die Weimaraer Autorin Christoph Martin Weland oder der vorhin schon erwähnte Johann Gottfried Herder als
  71. wichtige Wegbereiter in Verbindung gebracht werden. Ein Beispiel für den Stil der Weimaraer Klassik ist Gothes
  72. Schauspiel Ifigenie auf Tauris. Es orientiert sich an den klassischen Dramen antiker Dichter, hat eine klare
  73. Struktur und ist in Versform verfasst. Bei Schiller ist es z.B. Die Wallensteintrilogie, die Geschichte
  74. eines Heerführers aus dem 30-jährigen Krieg, in der Schiller sich beim Bergaufbau an antiken Vorbildern
  75. orientiert. Die enge Freundschaft zwischen Schiller und Gote hält bis zum frühen Tod Schillers an. Er stirbt am 9.
  76. Mai 1805 mit nur 45 Jahren. Zeit Lebens hatte Schilla mit den Spätfolgen einer Lungenentzündung zu kämpfen und war
  77. ständig krank. Beigesetzt wird Schilla in einem Grab, in dem neben ihm noch viele andere Verstorbene liegen. Das
  78. führt zu einer folgen schweren Verwechslung. Der Schädel, den sein Freund Gohte später in seinem Haus hat,
  79. gehört tatsächlich gar nicht Schiller, wie moderne DNA-Analysen belegen. Gothe meist davon allerdings nichts. Dre Jahre
  80. nach Schillers Tod veröffentlicht Göte seine Tragödie Faust. Heute eins seiner bekanntesten Werke. Alle Literaturnerds
  81. können gerne einmal ihr Lieblingszitat aus dem Faust in die Kommentare schreiben. Mein Lieblingszitat ist:
  82. "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen." Dass wir heute noch viele Faustzitate
  83. kennen, das zeigt exemplarisch die riesige Bekanntheit von Gote und Schiller und ihren Werken. Nicht zuletzt
  84. hat das auch mit einem historischen Umbruch in dieser Zeit zu tun. Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts besteht
  85. Deutschland noch aus vielen kleinen Staaten. Gleichzeitig gibt es eine starke Nationalbewegung, die sich für
  86. einen vereinten deutschen Nationalstaat einsetzt. Einige Jahre nach Götes Tod, 1832, erklärt man ihn und Schiller zu
  87. Nationaldichtern, also gewissermaßen zum kulturellen Klebstoff, der den ersehnten deutschen Staat verbinden soll. Ein
  88. Hinweis darauf sind z.B. für die vielen Denkmäler von den beiden. Heute am bekanntesten ist wohl das Göte und
  89. Schiller Denkmal vor dem Weimarer Theater, das 1857 eingeweiht wird. Zwei Jahre später anlässlich von Schillers
  90. 100 zum Geburtstag ehren Menschen den Dichter in vielen deutschen Städten bei sogenannten Schiller feiern und
  91. versammeln sich für patriotische Umzüge und das, obwohl Schiller und Gohe selbst sich nie besonders für einen deutschen
  92. Nationalstaat stark gemacht haben. Die patriotische Überhöhung der beiden Dichter trägt stark zu der Überzeugung
  93. bei, dass mit ihnen der Gipfel deutscher Kultur erreicht worden sei. Im 19. Jahrhundert werden Göte und Schiller so
  94. zu Klassikern der deutschen Literatur erhoben. Gerade der Begriff Weimarer Klassik wird mittlerweile aber
  95. kritischer gesehen. Die aktuelle Literaturwissenschaft betont, dass Gothe und Schiller nicht allein eine ganze
  96. Literaturepoche geprägt haben. Allerdings benutzt sie weiterhin das Schlagwort Weimerer Klassik, um die enge
  97. Zusammenarbeit zwischen Gote und Schiller zu beschreiben und einzelne ihrer Werke einzuordnen. Die Idee der
  98. Weimerer Klassik als eigene Literaturepoche hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert, aber auch im 20.
  99. Jahrhundert werden die Namen von Goe und Schiller immer wieder für politische Zwecke herangezogen. Besonders verdreht
  100. wird Erbe in der Zeit des Nationalsozialismus, also zwischen 1933 und 1945.
  101. 1934 erscheint etwa das Buch Schiller als Kampfgenosse Hitlers und der Germanistikprofessor Julius Petersen
  102. verkündet imselben Jahr: Schiller und Göth seinen die ersten Nationalsozialisten gewesen. Heute
  103. können wir nüchter auf Göth und Schiller schauen. Dabei wird deutlich, dass es in ihren Leben viele Parallelen gibt. Beide
  104. werden schon früh zu gefeierten Schriftstellern, auch weil immer mehr Menschen Ende des 18. Jahrhunderts
  105. überhaupt Bücher lesen. Beide lehnen die Gewaltexzesse der französischen Revolution ab und betonen in ihren
  106. späteren Berken stattdessen moralische Ideale wie Humanität und beide werden nach ihrem Tod von der Nationalbewegung
  107. des 19. Jahrhunderts vereinnahmt und zu Klassikern erhoben. Aber wie seht ihr das denn? Zählen Gote und Schiller für
  108. euch zu den Autoren, deren Berker man unbedingt lesen muss oder sollten andere Schriftsteller vielleicht mehr
  109. Aufmerksamkeit erhalten? Und wenn ja, wä? Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare und wie gesagt eure
  110. Faustzitate auch gerne unten rein. Bin sehr gespannt, was euch da alles so einfällt. Danke schon mal dafür. Hier
  111. neben mir findet ihr noch zwei weitere Videos hier vom Kanal. Schaut da gerne mal rein. Euch noch eine gute Zeit.
  112. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal. M.

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