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Johann Baptist Metz
Johann Baptist Metz (* 5. August 1928 in Welluck; † 2. Dezember 2019 in Münster) war ein deutscher römisch-katholischer Priester und Fundamentaltheologe.
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Kern: neue Politische Theologie
Johann Baptist Metz (5. August 1928–2. Dezember 2019) war ein deutscher römisch-katholischer Priester und Fundamentaltheologe. Er gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Theologen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und als Begründer der von ihm selbst so bezeichneten „neuen“ Politischen Theologie.
Diese Theologie entwickelte Metz in Abgrenzung zur „alten“ Politischen Theologie Carl Schmitts. Sie wurde vom deutschen Linkskatholizismus, unter anderem von Walter Dirks, und von der Frankfurter Schule beeinflusst und stand im kritischen Austausch mit der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung. Metz verband dabei die transzendentaltheologisch-anthropozentrische Theologie seines Lehrers Karl Rahner mit Impulsen der kritischen und neomarxistischen Sozialphilosophie von Ernst Bloch, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse.
Im Mittelpunkt steht die „Autorität der Leidenden“. Theologie und Kirche sollen die Theodizee-Frage, also die Frage nach dem Leid angesichts des Glaubens an Gott, als bleibenden Auftrag bewahren. Metz bezeichnete dieses erinnernde Bewusstsein als „memoria passionis“ und verstand es als ein provozierendes Gedächtnis des Leidens. Dadurch soll eine Humanisierung der Welt gefördert werden, zugleich in Offenheit für ihre eschatologische Vollendung durch Gott. Mit dem Begriff „eschatologischer Vorbehalt“ ist gemeint, dass menschliche und gesellschaftliche Zustände nicht als endgültig vollendet gelten dürfen.
Metz engagierte sich außerdem für eine „offensive Treue“ zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Seine Theologie bezog sich auf das Verhältnis von Religion und Gesellschaft, Theorie und Praxis sowie auf die politische und soziale Verantwortung des Christentums. Seit den 1970er Jahren führte er darüber ein kontroverses Gespräch mit Jürgen Habermas, unter anderem über kommunikative und anamnetische Vernunft. Seit den späten 1970er Jahren war Metz zudem ein maßgeblicher Initiator einer katholischen Theologie nach Auschwitz.
Leben und akademischer Weg
Metz wuchs in einer katholisch geprägten Kleinstadt der bayerischen Oberpfalz auf. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er in der Wehrmacht eingesetzt. Rückblickend sah er diese Kriegserfahrungen als wichtig für seine spätere besondere Sensibilität gegenüber der Theodizee und dem Leid in der Geschichte.
Nach dem Abitur am heutigen Gregor-Mendel-Gymnasium in Amberg begann Metz 1948 in Bamberg ein Studium der Theologie und Philosophie. 1949 wechselte er nach Innsbruck und schloss sich früh dem engeren Kreis um Karl Rahner an, der sein wichtigster Lehrer wurde. Bereits 1952 promovierte er bei dem Jesuiten Emerich Coreth mit einer philosophischen Dissertation über Heidegger und das Problem der Metaphysik zum Dr. phil.
1954 wurde Metz in Bamberg zum Priester geweiht und trat in den pastoralen Dienst ein. Nebenher verfasste er zwei Monographien und Artikel für das von Karl Rahner herausgegebene Lexikon für Theologie und Kirche. 1961 promovierte er theologisch mit der Arbeit Christliche Anthropozentrik über Thomas von Aquin. Eine bei Rahner in München begonnene Habilitation schloss er nicht ab, weil er noch vorher auf den neu eingerichteten ordentlichen Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster berufen wurde. Diesen Lehrstuhl hatte er bis 1993 inne.
Seit den frühen 1960er Jahren gehörte Metz der Internationalen Paulus-Gesellschaft an und förderte den Dialog zwischen Christen und Marxisten. In den 1960er Jahren engagierte er sich außerdem in der Friedensbewegung, etwa im von Eugen Kogon und Walter Dirks gegründeten Bensberger Kreis. 1963 lernte er Ernst Bloch kennen; daraus entwickelte sich eine Freundschaft. 1965 traf er Theodor W. Adorno. Diese Begegnungen prägten seine Weiterentwicklung der Rahnerschen Theologie.
Von 1968 bis 1973 war Metz Konsultor des Päpstlichen Sekretariats für die Ungläubigen. Von 1971 bis 1975 beriet er die Würzburger Synode der Deutschen Bistümer und war Hauptverfasser des Dokuments Unsere Hoffnung, das für die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils in Deutschland zentral war. 1965 gründete er gemeinsam mit Karl Rahner, Yves Congar, Hans Küng und Edward Schillebeeckx die internationale theologische Zeitschrift Concilium.
1979 wurde seine Berufung als Nachfolger von Heinrich Fries auf den fundamentaltheologischen Lehrstuhl der Ludwig-Maximilians-Universität München durch den Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger und den bayerischen Kultusminister Hans Maier verhindert. Metz sprach 1978 auf dem Katholikentag in Freiburg über „Christen und Juden nach Auschwitz“ und gehörte zu den von Jürgen Habermas um Beiträge zur „geistigen Situation der Zeit“ gebetenen Intellektuellen.
In seinen letzten Lebensjahren arbeitete Metz mit dem Wiener Fundamentaltheologen Johann Reikerstorfer zusammen. Reikerstorfer gab auch Metz’ Gesammelte Schriften heraus. Die Edition umfasst neun Bände und einen Registerband. Metz starb am 2. Dezember 2019 im Alter von 91 Jahren in Münster.
Akademischer Schülerkreis und Weiterführung
Zu Metz’ Schülerkreis gehörten Theologen, Religionsdidaktiker, Philosophen und Erziehungswissenschaftler. Zu den Vertretern der neuen Politischen Theologie zählen Tiemo Rainer Peters, der lange als Assistent in Münster tätig war, und Edmund Arens, der bei Metz promovierte und sich bei ihm habilitierte.
Zu den mit Metz verbundenen Befreiungstheologen gehören Paulo Suess und Kuno Füssel. Der Theologe und Erziehungswissenschaftler Helmut Peukert sowie der Religionspädagoge Reinhold Boschki, der bei Metz über Elie Wiesel promovierte, zählen ebenfalls zu seinem akademischen Umfeld. Jürgen Manemann, ebenfalls ein Schüler Metz’, entwickelte die neue Politische Theologie in Richtung einer Politischen Philosophie weiter. Jürgen Kroth vermittelte sie als Religionspädagoge und Pastoraltheologe in die Pastoraltheologie.
Auch Francis Schüssler Fiorenza, Professor an der Harvard Divinity School, und die feministische Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza studierten bei Metz.
Ehrungen und Auszeichnungen
Metz erhielt 1994 die Ehrendoktorwürde der Universität Wien. 2002 verlieh ihm die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die Buber-Rosenzweig-Medaille. 2007 erhielt er für sein Gesamtwerk den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen.
Weitere Ehrenpromotionen folgten 2009 durch die Santa Clara University und 2013 durch die University of London. Am 15. Dezember 2018 wurde Metz der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Ministerpräsident Armin Laschet würdigte ihn dabei als einen der „bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts“.
Ausgewählte Publikationen
Zu Metz’ zentralen Veröffentlichungen gehören:
- Christliche Anthropozentrik. Über Denkformen des Thomas von Aquin (München 1962).
- Zur Theologie der Welt (Mainz 1973).
- Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu einer praktischen Fundamentaltheologie (Mainz 1977).
- Zeit der Orden? Zur Mystik und Politik der Nachfolge (Freiburg 1977).
- Jenseits bürgerlicher Religion. Reden über die Zukunft des Christentums (Mainz/München 1980).
- Unterbrechungen. Theologisch-politische Perspektiven und Profile (Gütersloh 1981).
- Die Theologie der Befreiung: Hoffnung oder Gefahr für die Kirche? (Düsseldorf 1986).
- „Landschaft aus Schreien“. Zur Dramatik der Theodizeefrage (Mainz 1995, herausgegeben von Metz).
- Zum Begriff der neuen Politischen Theologie 1967–1997 (Mainz 1997).
- Christologie nach Auschwitz (Münster 2001, herausgegeben mit Jürgen Manemann).
- Memoria Passionis. Ein provozierendes Gedächtnis in pluraler Gesellschaft (Freiburg 2006).
- Mystik der offenen Augen. Wenn Spiritualität aufbricht (Freiburg 2011).
Weitere von Metz herausgegebene theologische Studien erschienen 1996 unter dem Titel Gottesrede; eine zweite Auflage folgte 2001. Die Publikationen behandeln insbesondere praktische Fundamentaltheologie, die Theodizeefrage, Mystik, Politik, Befreiungstheologie, Christologie nach Auschwitz und die gesellschaftliche Bedeutung des Christentums.