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Jette Nietzard
Jette Nietzard (* 1999 in Leverkusen) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Von Oktober 2024 bis Oktober 2025 war sie in einer Doppelspitze …
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Person und politischer Werdegang
Jette Nietzard (* 1999 in Leverkusen) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Von Oktober 2024 bis Oktober 2025 war sie gemeinsam mit Jakob Blasel Bundessprecherin der Grünen Jugend.
Sie war stellvertretende Schülersprecherin am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Bergisch Gladbach. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Praktikum bei RTL und arbeitete kurzzeitig bei der Redaktion von Explosiv – Das Magazin. Sie studierte Erziehung und Bildung in der Kindheit an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und schloss den Bachelor of Arts im Frühjahr 2022 ab. Thema ihrer Abschlussarbeit war die Wechselwirkung von Ökonomisierung und Professionalisierung in der frühkindlichen Bildung aus kapitalismuskritischer Perspektive.
Ab März 2022 arbeitete sie nach eigenen Angaben mit Flüchtlingen, unter anderem beim Berliner jugendFORUM 2022 und beim Projekt UMGeben für 20 Erstaufnahmeeinrichtungen. Von Januar bis November 2024 war sie beim Deutschen Kinderhilfswerk tätig. Seit Dezember 2025 arbeitet sie im Büro der Bundestagsabgeordneten Lena Gumnior.
Nach eigenen Angaben ist sie seit 2019 bei den Grünen aktiv und Mitglied im Kreisverband Berlin-Lichtenberg. Bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen erhielt sie im Wahlkreis Lichtenberg 3 2021 11,1 % und bei der Wahlwiederholung 2023 8,9 % der Erststimmen. Als der gesamte Bundesvorstand der Grünen Jugend im September 2024 Rücktritt und Parteiaustritt ankündigte, kandidierte sie mit Blasel für den Vorsitz. Sie wurde mit 84,47 % der gültigen Stimmen gewählt und kündigte am 29. Juli 2025 an, im Oktober 2025 nicht erneut anzutreten.
Engagement und politische Einordnung
Seit 2016 engagierte sich Nietzard in der Landesschüler*innenvertretung Nordrhein-Westfalen und war dort Vorstandsmitglied. Sie arbeitete beim SV-Bildungswerk und für die National Coalition, deren erweitertem Vorstand sie angehört. Seit 2022 ist sie Vorstandsmitglied der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin.
Als politische Kernthemen werden soziale Gerechtigkeit und Feminismus genannt. Nietzard vertritt eine radikale Form des Feminismus und bezeichnet sich selbst als linksradikal. Ihre bewusst provokanten und polarisierenden Aussagen führten wiederholt zu Kritik in Medien, sozialen Netzwerken und in der eigenen Partei. Besonders Parteimitglieder, die konservativere Wählergruppen ansprechen wollen, widersprachen ihr häufig.
Aussagen zu Männern, Arbeit und Lindner
Am 31. Dezember 2024 schrieb Nietzard auf X: „Männer die ihre Hand beim Böllern verlieren können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ Dafür wurde sie medial und innerparteilich kritisiert; ihr wurden außerdem verallgemeinernde Aussagen über Männer und Männerfeindlichkeit vorgeworfen. Sie löschte den Beitrag und entschuldigte sich, betonte aber die Notwendigkeit einer Debatte über häusliche Gewalt statt über „gekränkte Männeregos“. Sie erklärte, bewusst polarisieren zu wollen. Im November 2025 bezeichnete sie die Löschung als Fehler. An Silvester 2025 schrieb sie mit Blick auf eine Wehrpflichtdebatte, Männer mit beim Böllern verlorener Hand müssten zumindest keinen Wehrdienst leisten.
In der Debatte über eine Arbeitspflicht für Bürgergeldempfänger schlug sie 2025 vor, stattdessen „800.000 Privatiers in Deutschland“ zu gemeinnütziger Arbeit zu verpflichten. Sie nannte diese die „größte Gruppe der Arbeitslosen“ und „größte Gruppe Steuerhinterzieher“. Dies löste kontroverse Reaktionen aus.
Nach der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 kommentierte sie Christian Lindners angekündigten Rückzug auf X mit einer Aussage über seine Ehefrau Franca Lehfeldt. Renate Künast und Danyal Bayaz kritisierten den Post als unsouverän beziehungsweise niveaulos. Nietzard erklärte, sie habe auf unbezahlte Care-Arbeit aufmerksam machen wollen, durch die Frauen vom Arbeitsmarkt ferngehalten würden.
Rechtsstaat, Migration und Polizei
Im Fall der Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Stefan Gelbhaar sagte Nietzard, die Grünen sollten als feministische Partei Aussagen von Frauen über sexuelle Belästigung grundsätzlich glauben. Die Unschuldsvermutung gelte ihrer Auffassung nach nur vor Gericht: „Aber wir sind eine Organisation, und wir sind kein Gericht“. Nach Darstellung der taz stand sie damit für einen innerparteilichen Pol, der Regeln beibehalten möchte, nach denen Betroffene sich im Vertrauen auf Glauben an eine Ombudsstelle wenden können und „im Zweifel für die Betroffenen“ entschieden wird. Ein anderer Pol wollte die Unschuldsvermutung stärken.
Kritiker, darunter Marco Buschmann und Volker Beck, warfen ihr vor, rechtsstaatliche Grundsätze zu vernachlässigen oder feministischen Anliegen zu schaden. Nietzard antwortete, zwischen moralischen und juristischen Urteilen müsse unterschieden werden; vor Gerichtsurteilen seien Vorsichtsmaßnahmen möglich. Falsche Vorwürfe schadeten der MeToo-Bewegung, doch „gesamtgesellschaftlich gesehen sind die allermeisten Vorwürfe nicht falsch“.
In der ARD-Sendung KLAR erklärte sie zu Tötungsdelikten durch Migranten, Kinder würden nicht mehr von „afghanischen Attentätern“ als von „deutschen Vätern“ ermordet. Sie ist grundsätzlich gegen Abschiebungen, besonders in Kriegs- und Krisengebiete wie Syrien, und sagte: „wir haben genug Platz für alle“.
Im Mai 2025 zeigte sie auf Instagram Kleidung mit den Aufschriften „A.C.A.B.“ und „eat the rich“. Vor allem „A.C.A.B.“ wurde als pauschale Abwertung von Polizisten kritisiert, auch von Grünen-Politikern und Polizeivertretern. Nietzard lehnte eine Entschuldigung ab und verwies auf Ängste nicht weißer Menschen vor Polizei sowie auf die Angst vieler Betroffener sexueller Gewalt, bei einer Anzeige nicht geglaubt zu werden. Der Journalist Arne Semsrott bewertete die öffentliche Skandalisierung in einem taz-Gastkommentar als Folge einer rechtsextremen Kampagne.
Weitere Kontroversen und Vorwürfe
Am 5. Juni 2025 bezeichnete Nietzard in einem Video der Grünen Jugend den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 zunächst als „militärische Operation“. Dies wurde als Verharmlosung kritisiert. Das Video wurde gelöscht; sie entschuldigte sich und stellte klar, es sei ein „feiger Terroranschlag“ gewesen, bei dem 1.200 unschuldige Menschen umkamen, Frauen vergewaltigt, Kinder ermordet und Hunderte Menschen entführt wurden. Volker Beck kündigte Parteiordnungsmaßnahmen an. Die Jüdische Studierendenunion akzeptierte die Entschuldigung nicht; die frühere Präsidentin Hanna Veiler trat daraufhin aus der Grünen Jugend aus.
Im September 2025 bezeichnete Nietzard den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder in einem TikTok-Video als „Hundesohn“, nachdem sie seine Einkommensverhältnisse und Arbeitseinstellung kritisiert hatte.
Nach ihrem Ausscheiden als Bundessprecherin wurden im Oktober 2025 Vorwürfe erhoben, sie habe andere Mitglieder systematisch eingeschüchtert und diffamiert. Betroffene warfen ihr Mobbing und Machtmissbrauch vor; außerdem soll sie andersdenkende Mitglieder schikaniert und Sozialpolitik gegenüber Klimapolitik bevorzugt haben. Der Artikel stellt diese Punkte als Vorwürfe dar.