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Marienbildnis
Seit dem 3. Jahrhundert bildet das Marienbild den häufigsten Gegenstand der christlichen Kunst, der sich auf zahllosen Bildmedien und in vielfachen inhaltlichen …
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Begriff und Bedeutung
Ein Marienbildnis, genauer Marienbild oder Madonnenbild, ist in der christlichen Ikonografie die Darstellung Marias allein oder zusammen mit dem Jesuskind. „Madonna“ bezeichnet überwiegend Einzeldarstellungen der Gottesmutter mit ihrem Kind. Seit dem 3. Jahrhundert ist das Marienbild der häufigste Gegenstand der christlichen Kunst. Es erscheint in sehr unterschiedlichen Bildmedien und Zusammenhängen und gibt der Marienverehrung einen bildhaften Ausdruck.
Die Darstellungen greifen häufig Szenen aus dem apokryphen Jakobusevangelium, aus dem Marienleben oder aus dem Leben Jesu Christi auf. Daneben entstanden Bildzyklen und Einzeldarstellungen mit eigenen Bildtypen. Manche Bilder veranschaulichen außerdem bestimmte theologische Vorstellungen und Zusammenhänge.
Entwicklung und frühe Darstellungen
Die Geschichte der Marienbilder hängt mit der Entwicklung ihrer Darstellungstypen, den Anlässen für Mariendarstellungen, Marienheiligtümern und Wallfahrten sowie mit der wechselnden Marienfrömmigkeit zusammen. Veränderungen der Frömmigkeit konnten auch die Bedeutung der Bilder verändern. Wegen dieser überlagerten Entwicklungen und vieler regionaler oder lokaler Besonderheiten lässt sich die Marienikonografie kaum vollständig systematisieren.
Frühe Marienbilder gibt es bereits aus dem 2. Jahrhundert; drei Beispiele aus dem 3. Jahrhundert befinden sich in der Priscilla-Katakombe in Rom. Zunächst wurde Maria meist nicht als eigenständige Figur gezeigt, sondern in Szenen, die auf das Leben oder die Theologie Christi bezogen waren. Nachdem Maria 431 auf dem Konzil von Ephesos als Gottesmutter dogmatisiert worden war, nahm die Zahl der Bilder zu und eigenständige Marienbildtypen entwickelten sich. Die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom steht programmatisch für diese neue Haltung. Das Madonnenbild ist besonders dem Evangelisten Lukas als Attribut zugeordnet, weil er die Madonna gemalt haben soll.
Byzantinische Bildtypen
Byzantinische und russische Ikonen verwenden andere, teilweise sehr einheitliche Darstellungsformen als westeuropäische Marienbilder. Zugleich waren byzantinische Darstellungen für die europäische Bildkunst richtungsweisend. Wichtige benannte Typen sind:
- Hodegetria („Wegweisende“): Maria trägt das Kind auf dem linken Arm und weist mit der rechten Hand auf es. Seltene Varianten sind die Dexiokratusa mit dem Kind auf dem rechten Arm und die Tricherusa beziehungsweise kirchenslawisch Troeručica mit drei Händen.
- Nikopoia („Siegbringende“) oder Kyriotissa: Maria steht dem Betrachter frontal mit dem Kind gegenüber.
- Blacherniotissa oder Maria orans: Maria ohne Kind, mit zum Gebet erhobenen Armen.
- Platytera: die betende Maria mit ausgebreiteten Armen; vor ihr erscheint das Christuskind auf einem Clipeus. Beide blicken frontal zum Betrachter.
- Eleusa („Erbarmerin“) oder Glykophilusa: Das Kind schmiegt sich an das Gesicht der Mutter.
- Psychosostria („Seelenretterin“): Maria ist als Brustbild dargestellt, trägt das aufrecht sitzende segnende Christuskind auf dem linken Arm und weist mit der freien Hand sanft auf ihn.
- Galaktotrophousa, im Mittelalter Maria lactans: die meist halbfigurige stillende Maria.
- Paraklesis („Trösten“ oder „Bitten“): Maria ohne Kind mit einer Schriftrolle als Attribut.
Westeuropa und Lateinamerika
Die westeuropäische Kunst entwickelte weniger strenge Formen. Zentral sind die thronende Madonna als Mutter Gottes mit Kind sowie die stehende Maria mit oder ohne Kind. In Romanik und Frühgotik erscheint sie oft in einer Mandorla, später in einem Strahlenkranz. In der Romanik wurde sie überwiegend feierlich und streng als Maestà oder Sedes sapientiae dargestellt. Die Goldene Madonna des Essener Domschatzes von etwa 980/990 ist die älteste erhaltene vollplastische Mariendarstellung.
In der Gotik entstanden viele Bildtypen; nicht jedes Bild ist aber eindeutig zuzuordnen. Die Mutterrolle Marias wird stärker betont: Viele gotische Madonnen stehen und wenden sich dem Kind zu. Seit dem 12. Jahrhundert wurden auch Szenen aus dem Marienleben bevorzugt, etwa Mariä Geburt, Hochzeit, Heilige Familie und Marientod. Ein vollständiger Marienzyklus befindet sich am Lettner der Kathedrale von Chartres. Weitere Themen sind Anna selbdritt, englischer Gruß, Mariä Himmelfahrt, Marienkrönung, Pietà und Beweinung Christi. In Italien ist in der Renaissance die Sacra conversazione, Maria im kleinen Kreis, typisch; nördlich der Alpen erscheinen Virgo inter Virgines, Maria im Rosenhag und Maria im Paradiesgarten.
In der Gegenreformation wurde Maria häufig als hoheitsvolle Herrscherin, Regina Caeli, oder als Immaculata, die Unbefleckte, dargestellt. Ein Marienbild kann in der liturgischen Form der Krönung eines Marienbildes mit einer Krone geschmückt werden. Als Sonderformen nennt der Artikel unter anderem Mondsichelmadonna, Schutzmantelmadonna, Schwarze Madonna, Mater Dolorosa, Maria Knotenlöserin, Himmelfahrtsmadonna und Traubenmadonna.
In Lateinamerika vermischten sich nach dem Artikel in der Figur der Pachamama vorchristliche indigene Vorstellungen mit der christlichen Gestalt Mariens. Nach Dieter Grotehusmann sind Abbildungen vor dem 19. Jahrhundert nicht nachweisbar. Eine Ausnahme unter den Marienbildnissen ist das Gemälde „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“, das im Acontecimiento Guadalupano wichtig ist.