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Jamila Schäfer

Von Januar 2018 bis Januar 2022 war sie stellvertretende Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie ist …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Ausbildung
  2. 2. Politischer Aufstieg bei Jugendorganisation und Partei
  3. 3. Arbeit im Deutschen Bundestag
  4. 4. Finanz-, Wirtschafts- und Klimapolitik
  5. 5. Außen-, Sicherheits- und Gesellschaftspolitik

Person und Ausbildung

Jamila Anna Schäfer, geboren am 30. April 1993 in München, ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Von Januar 2018 bis Januar 2022 war sie stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei. Seit 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort ist sie Obfrau ihrer Partei im Haushaltsausschuss, also die zuständige Sprecherin beziehungsweise Koordinatorin der Fraktion in diesem Ausschuss.

Schäfer machte 2011 am Bertolt-Brecht-Gymnasium Abitur. Von 2012 bis 2013 studierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München zunächst Jura, brach dieses Studium aber ab. Seit 2013 studiert sie in Frankfurt Soziologie mit dem Nebenfach Philosophie. Sie ist Mutter einer Tochter.

Politischer Aufstieg bei Jugendorganisation und Partei

Schäfer kam im Oktober 2011 während Protesten gegen das achtjährige Gymnasium zur Grünen Jugend, der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen. Von 2012 bis 2014 gehörte sie dem Vorstand der Grünen Jugend München an, zuletzt als Sprecherin. Im Oktober 2014 wurde sie Beisitzerin im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Am 31. Oktober 2015 wurde sie auf dem 45. Bundeskongress zur Sprecherin gewählt und blieb bis zum 28. Oktober 2017 in diesem Amt. In ihrer Bewerbungsrede setzte sie sich für das Grundrecht auf Asyl ein.

2016 löste die Grüne Jugend eine Debatte über Patriotismus in der Berichterstattung zur Fußball-Europameisterschaft aus. Schäfer äußerte die Sorge, dass dadurch Nationalismus in der Gesellschaft gefestigt werde. Vor den Jamaika-Sondierungsgesprächen 2017, also Gesprächen über eine mögliche Regierung aus CDU/CSU, FDP und Grünen, stand sie einer Regierungsbeteiligung eher skeptisch gegenüber. Sie warnte vor „freudestrahlender Regierungsbegeisterung“ und sprach sich für mehr politische Konflikte zwischen demokratischen Parteien aus.

Anfang 2018 kandidierte Schäfer für den Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz im Januar 2018 in Hannover setzte sie sich in einer Kampfabstimmung gegen Anna Cavazzini durch. Sie wurde europäische und internationale Koordinatorin und damit stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei. In dieser Funktion war sie für die Vorbereitung des Parteiprogramms zur Europawahl 2019 verantwortlich. Im November 2019 wurde sie auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Bielefeld ohne Gegenkandidatur als stellvertretende Bundesvorsitzende wiedergewählt.

Arbeit im Deutschen Bundestag

Für die Bundestagswahl 2021 wurde Schäfer im Bundestagswahlkreis München-Süd nominiert. Die Nominierung erfolgte zunächst online und wurde anschließend per Briefwahl bestätigt. Mit 27,5 Prozent der Stimmen gewann sie das erste Direktmandat der Grünen in Bayern.

In der 20. Wahlperiode des Deutschen Bundestages von 2021 bis 2025 war sie Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Haushaltsausschuss. Ab dem 17. Februar 2022 war sie ordentliches Mitglied des Vertrauensgremiums, das die Haushaltspläne der Nachrichtendienste des Bundes billigt. Außerdem war sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union und ab dem 8. Juli 2022 stellvertretendes Mitglied im Untersuchungsausschuss zu den Umständen des Abzugs aus Afghanistan. Sie war zudem Vorsitzende des Bundesfinanzierungsgremiums, Delegationsmitglied zur Interparlamentarischen Konferenz über Stabilität, wirtschaftspolitische Koordinierung und Steuerung der EU sowie Co-Sprecherin der bayerischen Landesgruppe der grünen Bundestagsfraktion.

Bei der Bundestagswahl 2025 verlor Schäfer den Wahlkreis München-Süd mit 29,8 Prozent der Stimmen an die CSU-Kandidatin Claudia Küng. Wegen fehlender Zweitstimmendeckung wurde dieses Direktmandat jedoch nicht berücksichtigt. Schäfer zog über Listenplatz eins der bayerischen Grünen erneut in den Bundestag ein. Im 21. Deutschen Bundestag ist sie Obfrau von Bündnis 90/Die Grünen im Haushaltsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss sowie im Auswärtigen Ausschuss. Am 26. Juni 2025 wählte sie das Plenum des Bundestages erneut in das Vertrauensgremium zur Genehmigung der geheimen Wirtschaftspläne der Nachrichtendienste des Bundes.

Finanz-, Wirtschafts- und Klimapolitik

Schäfer wird dem linken Flügel von Bündnis 90/Die Grünen zugerechnet. Sie ist Fördermitglied des Finanzwende e. V., einer Organisation, die sich mit Finanzmarktpolitik beschäftigt. In der Finanz- und Wirtschaftspolitik wirbt sie für eine Reform der Schuldenbremse. Die Schuldenbremse ist eine Regel, die die staatliche Neuverschuldung begrenzen soll. Schäfer möchte durch eine Reform den finanziellen Spielraum des Staates vergrößern, damit Investitionen in Klimaschutz, Sicherheit und den Ausbau erneuerbarer Energien finanziert werden können.

Außerdem spricht sie sich für eine stärkere Besteuerung von Vermögen aus. In einem Gastbeitrag bezeichnete sie dies als „ein[en] Beitrag zur Gerechtigkeit und zur Handlungsfähigkeit des Staates in Krisenzeiten“.

In der Klima- und Umweltpolitik lehnte sie im April 2024 die Reform des Klimaschutzgesetzes ab. Sie begründete dies damit, dass die Reform eine „Schieflage zulasten des Klimaschutzes“ verursache. Außerdem entlasse sie einzelne Ministerien aus der Pflicht, „konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der sektorspezifischen Klimaziele“ zu ergreifen. Sektorspezifische Klimaziele sind Vorgaben für einzelne Bereiche wie Verkehr, Gebäude oder Industrie.

Außen-, Sicherheits- und Gesellschaftspolitik

In der Außen- und Sicherheitspolitik setzt sich Schäfer für eine stärkere Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Überfall seit 2022 ein. Sie plädierte dafür, auch eingefrorene staatliche russische Vermögenswerte zur Finanzierung der Selbstverteidigung der Ukraine zu nutzen. In einer persönlichen Erklärung schrieb sie, es sei entscheidend für langfristigen Frieden, Freiheit und Demokratie auf dem europäischen Kontinent, dass Russland mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine scheitere.

Seit 2022 ist Schäfer Schirmfrau des Zentrums Überleben, das sich national und international für Überlebende von Folter und Kriegsgewalt einsetzt. Im Februar 2024 unterschrieb sie einen offenen Brief, der die Freilassung von Julian Assange forderte.

In der Migrationspolitik setzt sie sich für die Aufnahme von Geflüchteten ein. Im Januar 2024 lehnte sie die Einführung einer Bezahlkarte für Asylbewerber ab und nannte das Gesetz in einer persönlichen Erklärung eine „unverhältnismäßige Rechts- und Freiheitseinschränkung für schutzsuchende Menschen“. Es leiste „keinen Beitrag zur Lösung realer Probleme in der Migrations- und Integrationspolitik“. Auch das „Gesetz zur Verbesserung der Rückführung“ lehnte sie ab, weil es aus ihrer Sicht erhebliche unverhältnismäßige Grundrechtseinschränkungen enthalte, humanitäre Hilfe kriminalisiere und zugleich die Probleme der Kommunen bei Migration nicht löse.

Schäfer unterstützt einen Antrag, der eine Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens auf den Weg bringen soll. Außerdem spricht sie sich für eine Absenkung des Wahlalters aus. Sie unterstützte den Gruppenantrag zur Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs nach §218 StGB sowie eine fraktionsübergreifende Initiative für die Widerspruchslösung bei Organspenden. Bei der Widerspruchslösung gilt eine Person grundsätzlich als Organspenderin oder Organspender, wenn sie dem nicht widersprochen hat.

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