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Mahavira

Mahavira (Sanskrit, m., महावीर, mahāvīra, wörtl.: „großer Held“) gilt vielen als der Begründer der indischen Religion Jainismus, die etwa zeitgleich …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung für den Jainismus
  2. 2. Leben nach der Überlieferung
  3. 3. Die fünf großen Gelübde
  4. 4. Erlösung und gesellschaftliches Handeln
  5. 5. Schriften, Darstellungen und Feste

Bedeutung für den Jainismus

Mahavira gilt vielen als Begründer des Jainismus, einer indischen Religion, die ungefähr gleichzeitig mit dem Buddhismus entstand. In Indien besteht der Jainismus bis heute fort, außerhalb des indischen Subkontinents konnte er jedoch kaum Fuß fassen. Nach jainistischer Tradition ist Mahavira der letzte von 24 Tirthankaras, also „Furtbereitern“, die einen Weg zur Erlösung zeigen. Sein Vorgänger war der halbmythologische Parshvanata.

Mahaviras bürgerlicher Name war Vardhamana. Die historische Rekonstruktion seines Lebens ist unsicher. Die Überlieferung datiert es auf 599 bis 527 v. Chr.; die moderne Forschung nimmt eher etwa 497 bis 425 v. Chr. an. Einige Forschende vermuten, dass er im 5. Jahrhundert v. Chr. und damit gleichzeitig mit dem Buddha lebte.

Leben nach der Überlieferung

Mahavira soll in Kundapura, einem Vorort von Vaishali beim heutigen Besarh nördlich von Patna, geboren worden sein. Er gehörte zur Kshatriya-Kaste der Jnata und wuchs als Prinz auf. Er war mit Yasodha verheiratet und hatte eine Tochter. Im Alter von ungefähr 30 Jahren entschied er sich für ein asketisches Leben.

Nach zwei Jahren der Kasteiung legte er alle Kleidung ab und zog als nackter Asket umher. Dieses Wanderleben dauerte zwölf Jahre und war von ungünstiger Witterung sowie Anfeindungen geprägt. Danach erreichte er unter einem Weidenbaum die Allwissenheit, die in der Darstellung der Erleuchtung Buddhas entspricht. Seitdem trug er die Ehrennamen Jina („der Siegreiche“) und Mahavira („der große Held“).

Anschließend zog er predigend von Rajagriha bis Kaushambi durch das Land. Er gründete einen Orden für Mönche und Nonnen und gewann zahlreiche Laienanhänger, besonders in Adelskreisen. Bimbisara, König von Magadha, und dessen Sohn Ajatasattu unterstützten ihn. Nach 38 Jahren Lehrtätigkeit soll Mahavira im Alter von 72 Jahren in Pavapuri ins Nirwana eingegangen sein. Der Legende nach übertrug er die Leitung der Gemeinde elf Schülern unter Gautama Indrabhuti. Im 1. Jahrhundert n. Chr. spaltete sich die junge Religionsgemeinschaft in dogmatischer Hinsicht.

Die fünf großen Gelübde

Mahaviras Philosophie baut laut Artikel auf acht kardinalen („Gesetz des Vertrauens“), drei metaphysischen Prinzipien – Dravya, Jiva und Ajiva – sowie fünf ethischen Prinzipien auf. Ihr Ziel ist eine Steigerung der Lebensqualität. Maßgeblich sind fünf große Gelübde der Entsagung, die Vratas. Sie gelten bis heute für Jainas, sowohl für asketisch Lebende als auch für Familienmenschen:

• Ahimsa bedeutet Gewaltlosigkeit gegenüber allem Lebendigen. Alle Lebewesen besitzen Heiligkeit und Würde und sollen mit größtmöglicher Freundlichkeit behandelt werden.

• Satya bedeutet Wahrhaftigkeit und den Verzicht auf Lügen oder einseitige Sichtweisen. Gedanken, Worte und Taten sollen aufrichtig sein und Vertrauen sowie Harmonie fördern.

• Asteya bedeutet Nicht-Stehlen. Angenommen werden darf nur, was rechtmäßig übergeben wurde.

• Brahmacharya bedeutet Keuschheit und die entschlossene Zurückhaltung gegenüber sinnlichen Vergnügungen. Für Nicht-Kleriker bezeichnet es insbesondere den Verzicht auf außerehelichen Sex.

• Aparigraha bedeutet Besitzlosigkeit beziehungsweise für Nicht-Kleriker den Verzicht auf unnötigen Besitz. Dazu gehört, weder an inneren Neigungen und Abneigungen noch an äußeren Errungenschaften zu haften.

Erlösung und gesellschaftliches Handeln

Mahavira betonte besonders das bedingungslose Ahimsa, also das Nicht-Verletzen von Lebewesen, und Vairagya, das innere Loslassen und die Enthaltsamkeit. Auch im Buddhismus sind diese Themen bedeutsam; laut Artikel beeinflussten sie wahrscheinlich spätere Schriften und Meister des Yoga. Jainismus und Buddhismus zeigen beide einen praktischen Weg zur Erlösung. Während Buddha Selbstkasteiung nur eingeschränkt befürwortete, hatte sie für Mahavira eine wichtige Funktion: Sie sollte vergangenes Karma auflösen. Deshalb unterliegt die Lebensführung von Jainas bis heute vergleichsweise strengen Einschränkungen, etwa bei der Ernährung.

Mahavira verglich die Jagd nach Vergnügungen mit einem endlosen Spiel. Verlangen und Leidenschaften sollen durch den Verstand gezügelt werden, damit Gleichmut, geistige Ausgeglichenheit und spirituelle Balance entstehen können. Unnötige Anhäufung von Gütern soll unterbleiben. Die Mächtigen und Reichen sollen Schwache und Arme nicht durch immer weiteren Besitzaufbau unterdrücken, da dies eine ungerechte Verteilung des Reichtums und schließlich Armut bewirke.

Die fünf Gelübde sollen nach dieser Lehre nicht durch staatlichen oder äußeren Zwang durchgesetzt werden, weil dies lediglich Heuchelei oder verborgenes kriminelles Verhalten fördern könne. Stattdessen soll jedes Mitglied der Gemeinschaft selbst Zurückhaltung üben. Damit werden sozialer Frieden, Sicherheit und eine aufgeklärte Gesellschaft angestrebt.

Schriften, Darstellungen und Feste

Mahaviras Hauptschüler Indrabhuti Gautama stellte seine Lehren als Jain Agamas zusammen. Diese Texte wurden zunächst von Jain-Mönchen mündlich weitergegeben. Als sie im 1. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben wurden, waren sie vermutlich bereits weitgehend verloren gegangen. Die überlieferten Fassungen der von Mahavira gelehrten Agamas gehören zu den Grundlagentexten des Jainismus.

Mahavira wird meist sitzend oder stehend in meditativer Haltung und mit einem Löwen als Symbol dargestellt. Die frühesten bekannten Darstellungen stammen aus archäologischen Stätten in Mathura in Nordindien und werden in die Zeit vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. datiert. Seine Geburt wird als Mahavir Jayanti gefeiert; seines Nirwanas gedenken Jainas an Diwali.

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