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Jacob Talmon
Sein Lebenswerk war seine Trilogie der „Geschichte der totalitären Demokratie“. Er wurde aufgrund des scharfen Antimarxismus, der sich durch sein gesamtes Werk …
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Historiker und zentrale Ideen
Jacob Leib Talmon (* 14. Juni 1916 in Rypin, Kongresspolen; † 16. Juni 1980 in Jerusalem, Israel) war ein israelischer Historiker und Professor für zeitgenössische Geschichte an der Universität Jerusalem. Sein Lebenswerk war die dreibändige „Geschichte der totalitären Demokratie“ (1952–1980).
Talmon untersuchte die Entwicklung des Totalitarismus. Totalitarismus bezeichnet hier eine politische Ordnung mit einem umfassenden, absoluten Anspruch auf Gesellschaft und Politik. Er kam zu dem Schluss, dass dieser Messianismus aus der Französischen Revolution hervorgegangen sei. Politischer Messianismus meint dabei einen politischen Erlösungsanspruch: Politik verfolgt einen als absolut verstandenen kollektiven Zweck.
Er prägte die Begriffe „totalitäre Demokratie“ und „politischer Messianismus“. Als totalitäre Demokratie verstand er eine Auffassung von Demokratie, die nicht von individuellen Freiheiten und empirischer Erfahrung ausgeht, sondern die Verwirklichung eines absoluten kollektiven Ziels verlangt. Talmon stellte diese Auffassung einer „liberal-empirischen“ Demokratie gegenüber.
Deutung von Revolution und Diktatur
Talmon betonte Ähnlichkeiten zwischen Jakobinismus und Stalinismus. Der Jakobinismus steht für die radikale politische Richtung der Französischen Revolution; der Stalinismus für die unter Josef Stalin geprägte Form der sowjetischen Herrschaft. In beiden Fällen fragte Talmon nach dem Zusammenhang zwischen Terror und politischer Glaubensgewissheit sowie zwischen Diktatur und einem totalen Erlösungsanspruch.
In seinem ersten Trilogieband Die Ursprünge der totalitären Demokratie (1952; englisch The Origins of Totalitarian Democracy) behandelte er diese Fragen. Reinhart Koselleck ordnete Talmon 1963 wegen seiner Klarheit, Stringenz und Gründlichkeit in eine Reihe mit Tocqueville, Taine und Brinton ein. Als weiteres Hauptwerk gilt Political Messianism: The Romantic Phase. Talmon argumentierte, Rousseaus Standpunkt lasse sich am besten als „totalitäre Demokratie“ verstehen: Seine Philosophie sei nur durch das Ziel und die Erlangung eines absoluten kollektiven Zwecks zu verstehen.
Durch den scharfen Antimarxismus seines gesamten Werks wurde Talmon als „Kalter-Kriegs-Liberaler“ eingeordnet. Sein anti-utopischer Liberalismus, also eine liberale Haltung gegen politische Utopien, weist Ähnlichkeiten mit den politischen Gedanken Karl Poppers auf.
Ausbildung, akademische Laufbahn und Werke
Talmon wurde als Jakov Leib Fleischer in einer orthodoxen jüdischen Familie in Polen geboren. 1934 wanderte er nach Tel Aviv aus und studierte an der Hebräischen Universität Jerusalem. 1939 setzte er sein Studium an der Sorbonne der Universität Paris fort, verließ Frankreich jedoch 1940 infolge des Frankreichfeldzuges in Richtung London. 1943 erwarb er an der London School of Economics den Abschluss Ph. D. 1949 kehrte er nach Israel zurück und begann an der Hebräischen Universität Jerusalem zu lehren. 1957 erhielt er den Israel-Preis, 1968 wurde er Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften.
Zu seinen weiteren Werken gehören The Nature of Jewish History – Its Universal Significance (1957), Political Messianism – The Romantic Phase (1960; deutsch Politischer Messianismus, Köln 1963), The Unique and The Universal (1965), Romanticism and Revolt (1967), Israel among the Nations (1968), The Age of Violence (1974), The Myth of Nation and Vision of Revolution, The Origins of Ideological Polarization in the 20th Century (1981) sowie The Riddle of the Present and the Cunning of History (2000, hebräisch, p. m.).