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Italienische Grammatik
Futur II (futuro anteriore) · Vedrai la televisione dopo che avrai fatto i compiti. – „Du wirst fernsehen, nachdem du die Hausaufgaben gemacht haben wirst.“.
Inhalt6 Abschnitte
Grundaufbau des italienischen Verbs
Das italienische Verb verbindet flektierende Merkmale mit agglutinierenden und isolierenden Elementen. In finiten Formen kennzeichnet es drei Zeitstufen mit den entsprechenden vorzeitlichen Tempora, zwei Aspekte sowie zusätzlich eine Verlaufsform, drei Personen, Singular und Plural, Aktiv und Passiv. Es gibt vier Modi: Indikativ, Konjunktiv, Konditional und Imperativ.
Zu den infiniten Formen gehören der Infinitiv, das Partizip Perfekt Passiv, das nicht mehr produktive, aber noch vorhandene Partizip Präsens Aktiv und das Gerundium. Einfache Zeiten werden morphologisch durch Endungen gebildet. Zusammengesetzte Zeiten bestehen aus einem Hilfsverb und dem Partizip Perfekt. Nicht jede Kombination von Modus und Tempus existiert; beispielsweise gibt es keine zusammengesetzten Imperativformen.
Funktion der Modi und Tempora
Der Indikativ beschreibt tatsächliche und unzweifelhafte Vorgänge. Das Präsens bezeichnet Gegenwärtiges, Gewohnheiten und allgemeingültige Tatsachen. Es kann außerdem als historisches Präsens vergangene Ereignisse unmittelbar erzählen oder mit einer Zeitangabe die nahe Zukunft ausdrücken: „Domani vengo a trovarti“ bedeutet „Morgen komme ich dich besuchen“.
Das passato prossimo bezeichnet eine punktuelle, abgeschlossene Handlung der Vergangenheit und betont häufig ein noch bestehendes Ergebnis. Es ist besonders im gesprochenen Italienisch Norditaliens die wichtigste Vergangenheitsform, im Süden jedoch nicht in gleicher Weise. Das passato remoto bezeichnet ebenfalls abgeschlossene Handlungen, aber ohne Gegenwartsbezug; es ist vor allem die Erzählzeit der Literatur. In Norditalien fehlt es weitgehend in Umgangssprache und Dialekten, während es im Süden auch umgangssprachlich und dialektal gebräuchlich ist. In Mittelitalien und der Toskana unterscheiden sich passato remoto und passato prossimo funktional.
Das imperfetto stellt eine vergangene Handlung als Zustand, Verlauf, Gewohnheit oder Wiederholung dar. Es ist das typische Beschreibungstempus. Der Unterschied zum passato prossimo kann die Bedeutung eines Verbs verändern: „Sapevo“ bedeutet „ich wusste“, „ho saputo“ dagegen „ich habe erfahren“. Das imperfetto wird zunehmend auch in höflichen Wendungen wie „Volevo chiedere …“ verwendet. Das trapassato prossimo bezeichnet die Vorvergangenheit, also eine Handlung vor einem anderen vergangenen Ereignis.
Das futuro semplice bezeichnet Zukünftiges und kann wie im Deutschen eine Vermutung ausdrücken. Das futuro anteriore bezeichnet eine zukünftige Handlung, die vor einer anderen zukünftigen Handlung abgeschlossen ist. Es kann auch eine Vermutung über die nahe Vergangenheit ausdrücken.
Der Konditional bezeichnet bedingte Vorgänge. Der condizionale semplice dient in Hauptsätzen besonders der Höflichkeit und dem Wunsch, der condizionale passato der nicht eingetretenen Folge in einem hypothetischen Bedingungssatz. Der Konditional II kann außerdem eine Handlung bezeichnen, die aus Sicht eines vergangenen Zeitpunkts in der Zukunft liegt. In Pressemeldungen signalisiert der Konditional manchmal, dass eine Aussage nicht als sicher dargestellt wird.
Der Konjunktiv drückt subjektiv betrachtete, nicht tatsächliche oder ungewisse Vorgänge aus, etwa Unsicherheit, Möglichkeit, Wunsch, Sorge oder Furcht. Er steht vor allem in Nebensätzen und wird oft durch bestimmte Konjunktionen oder Verben verlangt. Im Italienischen wird er nicht zur Kennzeichnung der indirekten Rede verwendet. In irrealen Bedingungssätzen stehen Konjunktiv Imperfekt oder Plusquamperfekt im Nebensatz und der Konditional im Hauptsatz. Als selbstständiger Aussagesatz kann der Konjunktiv einen Wunsch ausdrücken.
Der Imperativ dient der Aufforderung. Er besitzt Formen für alle Personen und Numeri außer der ersten Person Singular. Die Höflichkeitsform verwendet Formen des Konjunktiv Präsens; bei der verneinten zweiten Person Singular steht der Infinitiv: „Parla!“ – „Sprich!“, aber „Non parlare!“ – „Sprich nicht!“ Das historische Plusquamperfekt trapassato remoto kommt heute nur schriftlich vor. Es ist nur zulässig, wenn eine Handlung im Nebensatz unmittelbar vor der Handlung im Hauptsatz geschieht und beide Sätze dasselbe Subjekt haben.
Bildung der einfachen Zeiten
Die regelmäßige Konjugation richtet sich vor allem nach den Infinitivklassen -are, -ere und -ire. Im Präsens lauten die typischen Endungen bei -are: -o, -i, -a, -iamo, -ate, -ano; bei -ere: -o, -i, -e, -iamo, -ete, -ono; bei -ire: -o, -i, -e, -iamo, -ite, -ono. Einige -ire-Verben fügen in bestimmten Formen -isc- ein, etwa capisco, capisci, capisce und capiscono. Bei Verben auf -care und -gare erscheint zur Erhaltung der Aussprache ein h, zum Beispiel cerchi und paghi. Ein unbetontes i vor einem i der Endung fällt weg. Präfixe ändern die Konjugationsweise nicht.
Im imperfetto lauten die Endungen für -are -avo, -avi, -ava, -avamo, -avate, -avano; für -ere -evo, -evi, -eva, -evamo, -evate, -evano; für -ire -ivo, -ivi, -iva, -ivamo, -ivate, -ivano. Zusammengezogene Verben verwenden dabei ihre ältere, ungekürzte Form: -durre wird wie -ducere gebildet, porre wie ponere, trarre wie traere, fare wie facere und dire wie dicere.
Das passato remoto hat bei regelmäßigen -are-Verben die Endungen -ai, -asti, -ò, -ammo, -aste, -arono; bei -ire -ii, -isti, -ì, -immo, -iste, -irono. Bei -ere kommen -ei oder -etti, -esti, -é oder -ette, -emmo, -este, -erono oder -ettero vor. Die meisten -ere-Verben bilden diese Zeit unregelmäßig, etwa cadere – caddi, scrivere – scrissi und tenere – tenni. Bei diesen Formen gelten unter anderem -i in der ersten Person Singular, -e in der dritten Person Singular und -ero in der dritten Person Plural. Essere ist vollständig unregelmäßig: fui, fosti, fu, fummo, foste, furono.
Das futuro semplice besteht aus dem Infinitiv ohne -e und den Endungen -ò, -ai, -à, -emo, -ete, -anno. -are wird dabei grundsätzlich zu -er, außer bei fare, dare und stare. Bei -giare und -ciare fällt das i weg. Wichtige unregelmäßige Stämme sind sar- bei essere, berr- bei bere, rimarr- bei rimanere, terr- bei tenere, varr- bei valere, verr- bei venire und vorr- bei volere. Bei avere, andare, potere, sapere, vedere und vivere fällt der letzte Vokal des Stammes vor dem r weg, etwa avrò, andrò und potrò.
Der Konjunktiv Präsens hat bei -are überwiegend die Endungen -i, -i, -i, -iamo, -iate, -ino; bei -ere und -ire -a, -a, -a, -iamo, -iate, -ano. Der Konjunktiv Imperfekt verwendet -assi, -assi, -asse, -assimo, -aste, -assero bei -are sowie entsprechend -essi und -issi bei -ere und -ire. Der condizionale presente besitzt denselben Stamm wie das Futur, aber die Endungen -ei, -esti, -ebbe, -emmo, -este, -ebbero. Der Imperativ verwendet typischerweise bei der zweiten Person Singular -a bei -are und -i bei -ere und -ire; die Höflichkeitsform entspricht dem Konjunktiv Präsens. Das Gerundium endet auf -ando bei -are und -endo bei -ere und -ire. Das Partizip Präsens endet auf -ante oder -ente, das Partizip Perfekt auf -ato, -uto oder -ito.
Zusammengesetzte Zeiten und Partizipangleichung
Zusammengesetzte Zeiten werden aus essere oder avere in einer einfachen Zeit und dem Partizip Perfekt gebildet. So entstehen unter anderem passato prossimo aus dem Präsens, futuro anteriore aus dem Futur, trapassato remoto aus dem passato remoto, condizionale passato aus dem condizionale presente sowie die zusammengesetzten Konjunktivzeiten.
Essere steht bei allen reflexiven Verben, bei Verben der eigenen Bewegung und des Zustands wie andare, venire und cadere, bei unpersönlichen Verben wie nevicare und piovere sowie bei durare, costare, bastare und servire. Avere steht bei den meisten nicht reflexiven Verben, bei Verben mit direktem Objekt und bei Bewegungsverben, die die Bewegungsart bezeichnen, etwa sciare, correre und viaggiare.
Bei cominciare, finire, terminare und iniziare richtet sich die Wahl danach, ob ein direktes Objekt vorhanden ist: ohne direktes Objekt steht essere, mit direktem Objekt avere. Bei passare steht essere im Sinn von „verbringen“ oder zeitlichem „vorübergehen“, avere im Sinn von „vorbeifahren“. Bei Modalverben mit Infinitiv entscheidet grundsätzlich das Hilfsverb, das der Infinitiv allein verlangen würde: „ho dovuto leggere“, aber „sono dovuto andare“. Bei intransitiven Verben sind heute beide Möglichkeiten gebräuchlich, etwa „Ho dovuto uscire“ und „Sono dovuto uscire“. Steht ein unbetontes Personalpronomen vor dem Hilfsverb, wird essere verwendet, nach dem Infinitiv avere. Mit dem Infinitiv essere steht avere: „Ha voluto essere la più bella.“
Das Partizip Perfekt wird angeglichen. Bei avere richtet es sich nach einem vorangestellten direkten Objekt, nicht nach einem indirekten Objekt: „Li ho visti“, aber „Non gli ho telefonato“. Bei nicht reflexiven Verben mit essere richtet es sich nach dem Subjekt. Bei reflexiven Verben mit essere richtet es sich nach einem vorangestellten direkten Objekt; bei si-Konstruktionen kann die Angleichung dem Satzobjekt folgen.
Substantive und ihre Formen
Das italienische Substantiv besitzt morphologisch nur eine Pluralform; Kasusfunktionen werden durch Präpositionen ausgedrückt. Das grammatische Geschlecht ist entweder maskulin oder feminin. Endungen auf -o sind in der Regel maskulin, Endungen auf -a in der Regel feminin; -e kann beide Geschlechter haben. Substantive auf -tore sind maskulin, solche auf -tà feminin.
Es gibt wichtige Ausnahmen: poeta, problema, turista, autista und boia sind trotz der Endung -a maskulin. Mano, foto, auto, moto und radio sind feminin trotz der Endung -o. Bei mano zeigt auch das Adjektiv die feminine Form: „la mano destra“.
Maskuline Substantive auf -o bilden den Plural meist mit -i, feminine auf -a mit -e und Substantive auf -e meist ebenfalls mit -i: il treno – i treni, la spiaggia – le spiagge, il signore – i signori. Einige maskuline Substantive auf -o haben einen Plural auf -a und werden dann formal feminin, besonders bei paarweise vorkommenden Körperteilen: il uovo – le uova, il braccio – le braccia; daneben bedeutet i bracci „Flussarme“. Maskuline Personenbezeichnungen auf -a bilden den Plural auf -i: il poeta – i poeti.
Bei vielen Substantiven bleibt die Endung im Singular und Plural gleich, etwa bei Endungen auf -à, -ù, -i oder Konsonant sowie bei Kurzformen: università – università, virtù – virtù, crisi – crisi, gas – gas und auto – auto.
Durch alterazione entstehen mit Suffixen Bedeutungsnuancen. Diminutive verwenden -ino/-ina, -etto/-etta oder -ello/-ella; Augmentative -one, -oni oder -ona; Pejorative -accio/-accia; Verniedlichungsformen (vezzeggiativi) -uccio/-uccia. Diese Suffixe können kombiniert werden, etwa spago – spaghetti, canna – cannella, cannone und cannuccia oder Pietro – Pierino und Petruccio.
Satzbau
Der italienische Hauptsatz folgt grundsätzlich der Reihenfolge Subjekt – Verb – Objekt (SVO): „La madre scrive una lettera.“ Da der Kasus am Substantiv nicht wie im Deutschen markiert wird, lassen sich Subjekt und Objekt oft nur anhand der Wortstellung unterscheiden. Bei ditransitiven Verben steht das direkte Objekt vor dem indirekten: „La madre scrive una lettera al figlio.“
Zur Hervorhebung kann ein Satzglied an den Satzanfang oder das Satzende verschoben werden. So kann „Ha chiamato l’avvocato“ je nach Betonung „Der Anwalt hat angerufen“ oder „Es hat der Anwalt angerufen“ bedeuten. Ebenso kann das indirekte Objekt vorangestellt werden: „Al figlio la madre scrive una lettera.“