Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Isonzoschlachten
Die Isonzoschlachten waren zwölf große Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg zwischen dem Königreich Italien und den beiden verbündeten Mittelmächten …
Inhalt5 Abschnitte
Bedeutung und Vorgeschichte
Die Isonzoschlachten waren zwölf große Schlachten des Ersten Weltkriegs zwischen dem Königreich Italien und den Mittelmächten Österreich-Ungarn und Deutsches Kaiserreich. Sie fanden von Juni 1915 bis Oktober 1917 entlang des Isonzo statt, slowenisch Soča. Das Kampfgebiet liegt größtenteils im heutigen Slowenien; die Gefechte am Oberlauf in den Julischen Alpen gehörten zum Gebirgskrieg 1915–1918. Mit insgesamt mehr als einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten zählen die Isonzoschlachten zu den verlustreichsten Kämpfen des Krieges.
Italien war seit 1882 mit Deutschland und Österreich-Ungarn im Dreibund verbunden. Dieser war jedoch ein Verteidigungsbündnis. Weil Österreich-Ungarn Serbien ohne vorherige Konsultation Italiens den Krieg erklärte und damit nach italienischer Auffassung Artikel V des Vertrages verletzte, blieb Italien 1914 zunächst neutral. Hinzu kamen die langjährige Rivalität mit Österreich-Ungarn und Italiens Forderung nach italienischsprachigen Gebieten der Donaumonarchie.
Deutschland drängte Österreich-Ungarn zu Gebietsabtretungen, um Italien vom Kriegseintritt abzuhalten. Kaiser Franz Joseph verweigerte solche Zugeständnisse zunächst strikt; dies führte am 11. Januar 1915 zum Rücktritt von Außenminister Leopold Berchtold. Spätere Angebote kamen zu spät. Die Triple Entente nahm im geheimen Londoner Vertrag vom 26. April 1915 fast alle territorialen Forderungen Italiens auf, darunter auch nichtitalienische Gebiete. Italien kündigte daraufhin den Dreibund und erklärte Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 den Krieg.
Frontaufbau und erste fünf Schlachten
Die österreichisch-ungarische Armee war auf den Angriff nur unzureichend vorbereitet. Den Oberbefehl über die Isonzo-Verteidigung erhielt General der Infanterie Svetozar Boroević von Bojna. Am Abend des 27. Mai standen im Kampfraum erst 32 Bataillone und 9 Batterien; am 28. Mai wurde die Front in vier Verteidigungsabschnitte gegliedert. Italien setzte vor allem die 2. Armee im Raum Görz und am oberen Isonzo sowie die 3. Armee gegen das Plateau von Doberdò ein. Trotz anfänglicher italienischer Überlegenheit stabilisierte die österreichisch-ungarische 48. Division die Front bis Mitte Juni. Cadornas strategisches Ziel blieb der Durchbruch nach Triest.
In der Ersten Isonzoschlacht vom 23. Juni bis 7. Juli 1915 griffen die Italiener besonders den Monte San Michele, die Höhen bei Monfalcone und den Brückenkopf von Görz an. Sie nahmen Redipuglia und erreichten stellenweise den Rand des Karstgebietes, scheiterten aber unter anderem bei Oslavija, Plava, Selz und Doberdò. Auch die Zweite Isonzoschlacht vom 17. Juli bis 3. August brachte keinen Durchbruch. Die geringen Geländegewinne standen in keinem Verhältnis zu den Verlusten.
Während der Dritten Isonzoschlacht vom 18. Oktober bis 4. November blieben die Angriffe gegen den Görzer Brückenkopf, den Norden der Doberdò-Hochfläche und Zagora erfolglos. Italien verlor 62.466 Gefallene, Verwundete, Vermisste und Gefangene, Österreich-Ungarn etwa 40.000 Mann. In der Vierten Isonzoschlacht vom 10. November bis 14. Dezember griff Italien zunächst bei Doberdò und Oslavija, danach an der gesamten Front an, ohne die Verteidiger entscheidend zu schwächen. Nach den ersten vier Schlachten beliefen sich die italienischen Verluste auf etwa 175.000, die österreichischen auf rund 123.000 Soldaten.
Die Fünfte Isonzoschlacht vom 11. bis 16. März 1916 wurde auf Wunsch Frankreichs und Großbritanniens begonnen, um die Entente in der Schlacht um Verdun zu entlasten. Italien verfügte über 286 Bataillone, 1360 Geschütze und 90 Reservebataillone, Österreich-Ungarn über 100 Bataillone, 470 Geschütze und 30 Reservebataillone. Der erneute Angriff auf Görz und Doberdò endete ohne Geländegewinn; wegen der Kürze und des wenig entschlossenen Vorgehens verloren beide Seiten jeweils etwa 2000 Mann.
Vom Fall von Görz bis zur neunten Offensive
In der Sechsten Isonzoschlacht vom 4. bis 15. August 1916 erzielte Italien seinen bis dahin wichtigsten Erfolg. Das VI. Korps durchbrach den nördlichen Teil des Görzer Brückenkopfes und erreichte das östliche Ufer des Isonzo. Da der Monte San Michele den Brückenkopf beherrschte, wurde auch dort heftig gekämpft. Zwischen dem 9. und 11. August räumten die österreichisch-ungarischen Truppen schrittweise den Frontbogen von Görz und die Stellungen am Monte San Michele. Angriffe auf den Monte Santo blieben erfolglos; auf der Hochfläche von Comen kam es zu besonders verlustreichen Kämpfen.
Die Siebente Isonzoschlacht vom 14. bis 18. September begann nach langem Trommelfeuer auf etwa 20 Kilometern Frontbreite südlich der Wippach. Die italienischen Angriffe auf die Karsthöhe brachen unter großen Verlusten zusammen. Boroević verlegte seine wenigen Reserven südlich von Görz und wehrte dort weitere Angriffe ab.
Die Achte Isonzoschlacht vom 9. bis 12. Oktober war eine direkte Fortsetzung. Das Ziel blieb Triest. Italien eroberte östlich von Görz einige Schützengräben und gewann bei Hudi Log und Kostanjevica na Krasu nur wenig Gelände. Italien verlor etwa 24.000 Mann, Österreich-Ungarn 25.000.
In der Neunten Isonzoschlacht vom 31. Oktober bis 4. November konzentrierte Italien acht Divisionen auf nur 8,5 Kilometer Frontbreite. Der Durchbruch am Volkovnjak, die zeitweilige Einnahme des Fajti Hrib und der Vorstoß bis Kostanjevica brachten Boroević’ Armee an den Rand des Zusammenbruchs. Weil die Italiener zögerten, konnte Boroević seine 5. Armee sammeln, Hudi Log zurückerobern und die Gegner über den Fajti Hrib zurückwerfen. Etwa 16.000 Italiener und 11.000 Österreicher kamen ums Leben.
Zehnte und elfte Schlacht
In der Zehnten Isonzoschlacht vom 12. Mai bis 5. Juni 1917 setzte Italien 450 Bataillone und 4000 Geschütze ein; Österreich-Ungarn verfügte über 210 Bataillone und 1400 Geschütze sowie Minenwerfer. Nach einem 2½-tägigen Trommelfeuer von Tolmein bis zur Adria griff Italien hauptsächlich südlich von Görz an. Jamiano wurde vorübergehend erobert, doch ein Gegenangriff warf die Italiener von der 225 Meter hohen Hermada auf die Flondarstellung zurück. Nördlich von Görz gelang zwischen Monte Santo und Zagora der Übergang über den Isonzo und die Sicherung eines Brückenkopfes. Italien verlor 160.000 Mann, darunter etwa 36.000 Tote, Österreich-Ungarn 125.000 Mann, darunter 17.000 Tote. Italien nahm 23.000 österreichische, Österreich-Ungarn 27.000 italienische Soldaten gefangen.
Die Elfte Isonzoschlacht vom 17. August bis 12. September 1917 war die bis dahin größte italienische Offensive. Sie sollte die österreichischen Nachschubverbindungen unterbrechen und Triest öffnen. Die italienische 2. Armee überquerte den Isonzo an mehreren Stellen und eroberte das Bainsizza-Plateau. Die 3. Armee gewann Gelände, scheiterte aber an der Hermada. Weil Italien die Erfolge erneut nicht konsequent ausnutzte, konnte Boroević seine Truppen in einer zweiten Linie sammeln.
Besonders erbittert wurde um den Monte San Gabriele gekämpft, dessen Verlust den Weg ins Wippachtal, nach Adelsberg und Triest geöffnet hätte. Etwa 100 italienische Bataillone mit mehr als 80.000 Mann griffen die knapp 1500 Meter lange Frontlinie am Berg an. Trotz des Einsatzes der Elitetruppe Arditi sowie von Artillerie, Minenwerfern und Gasgranaten gelang keine vollständige Eroberung. Dort starben zwischen Mitte August und dem 12. September ungefähr 25.000 italienische und 15.000 habsburgische Soldaten; genaue Zahlen zu Verwundeten, Gefangenen und Erkrankten fehlen. Insgesamt verlor Italien ungefähr 150.000 Mann, davon etwa 30.000 Tote, Österreich-Ungarn ungefähr 100.000, davon etwa 20.000 Tote; beide Angaben schwanken stark. Ruhr und Typhus ließen auf beiden Seiten zusätzlich bis zu 500.000 Soldaten ausfallen, die nicht in diesen Verlustzahlen enthalten sind.
Karfreit, Kampfweise und Folgen
Die Zwölfte Isonzoschlacht vom 24. bis 27. Oktober 1917, auch Schlacht von Karfreit oder Battaglia di Caporetto genannt, unterschied sich grundlegend von den vorherigen Offensiven. Nach den schweren Verlusten der zehnten und elften Schlacht entschied sich Österreich-Ungarn für einen eigenen Angriff. Unterstützt von der neu eingetroffenen 14. deutschen Armee erzwang es zwischen Flitsch und Tolmein innerhalb von drei Tagen den Durchbruch. Deutsche Pioniere verschossen mit Gaswerfern 70.000 Grün- und Blaukreuzgranaten. Die eingesetzten Kampfstoffe Chlorarsen und Diphosgen waren an der Südfront bis dahin unbekannt; italienische Gasmasken boten dagegen keinen Schutz.
Der Erfolg brachte auch die italienischen Fronten im Fleimstal, in den Dolomiten sowie in den Julischen und Karnischen Alpen zum Zusammenbruch. Die italienische 2., 3. und 4. Armee sowie die Karnische Gruppe mussten sich aus Friaul in die venetische Tiefebene zurückziehen. Italien verlor etwa 40.000 Tote und Verwundete sowie 298.745 Gefangene, 3512 Geschütze, 1732 Minenwerfer, 2899 Maschinengewehre und weiteres Material. Anfang November kam der Vormarsch der Mittelmächte am Hochwasser führenden Piave zum Stillstand. Dort stabilisierte sich das italienische Heer mit beginnender Unterstützung aus Großbritannien, Frankreich und den USA.
Die ersten elf Schlachten folgten meist demselben Muster: tagelanges Artilleriefeuer auf engem Raum, Infanterieangriffe, Nahkämpfe und Gegenangriffe. Maschinengewehre machten Frontalangriffe im gebirgigen, deckungsarmen Gelände besonders verlustreich. Größere Geländegewinne gelangen zunächst keiner Seite. Nach der Schätzung des Historikers MacGregor Knox kamen 1915 und 1916 auf jeden gefallenen österreichischen Soldaten 2,2 italienische, 1917 betrug das Verhältnis 1 zu 10 und im gesamten Krieg 1 zu 4,3.
Auch Natur und Gelände forderten viele Opfer. Pioniere unterhöhlten besetzte Gipfel und sprengten sie, etwa am Col di Lana. Im Winter 1916/17 starben mehr Soldaten durch Lawinen als unmittelbar durch Waffen; beide Seiten lösten Lawinen teilweise gezielt mit Artillerie aus. Noch heute erinnern Kavernen, Bunker, Versorgungsschächte und damalige Wege an die Kämpfe. Die Isonzoschlachten entschieden den Krieg für Italien nicht. Als entscheidender italienischer Sieg gilt vielmehr die spätere Schlacht von Vittorio Veneto, die zum Waffenstillstand von Villa Giusti führte.