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Dreibund

Als Dreibund wird ein geheimes Defensivbündnis zwischen dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien bezeichnet.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Entstehung
  2. 2. Vertragliche Pflichten
  3. 3. Deutsche Interessen
  4. 4. Italienische Kolonialpolitik
  5. 5. Niedergang und Ende

Grundidee und Entstehung

Der Dreibund war ein geheimes Defensivbündnis zwischen dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien. Ein Defensivbündnis bedeutet, dass sich Staaten vor allem für den Fall eines Angriffs gegenseitige Unterstützung zusichern. Der Dreibund entstand am 20. Mai 1882, als Italien dem Zweibund beitrat. Der Zweibund war bereits im Oktober 1879 zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn geschlossen worden und blieb als eigener Vertrag weiter bestehen.

Italien suchte durch den Dreibund Rückhalt für seine kolonialen Ziele in Afrika. Am 30. Oktober 1883 trat auch Rumänien dem Bündnis bei. Bis 1912 wurde der Dreibund alle fünf Jahre erneuert. Um die Jahrhundertwende verlor er jedoch zunehmend an Bedeutung. Im Ersten Weltkrieg zerbrach er endgültig: Italien und Rumänien erklärten sich 1914 zunächst für neutral, traten aber später auf Seiten der Entente in den Krieg ein, Italien 1915 und Rumänien 1916.

Vertragliche Pflichten

Der Dreibundvertrag verpflichtete die Unterzeichner zu gegenseitiger Unterstützung in bestimmten Kriegsfällen. Hilfe sollte geleistet werden, wenn zwei andere Mächte gleichzeitig angriffen oder wenn Frankreich ohne Provokation Deutschland oder Italien angriff.

Auf Wunsch Italiens wurde eine zusätzliche Klausel aufgenommen: Italiens Teilnahme am Dreibund sollte nicht so verstanden werden, als richte sie sich gegen Großbritannien. Außerdem galt wie schon im Zweibund-Vertrag eine Einschränkung für Österreich-Ungarn: Es war nicht verpflichtet, Deutschland gegen Frankreich zu unterstützen.

Deutsche Interessen

Aus deutscher Sicht ergänzte der Dreibund den Neuaufbau von Otto von Bismarcks Bündnissystem nach dem Berliner Kongress von 1878. Durch den Vertrag wurde auch Italien fest an Deutschland gebunden.

Deutschland verfolgte damit mehrere Ziele. Erstens sollte die Rivalität zwischen Österreich-Ungarn und Italien auf dem Balkan und an der östlichen Adriaküste abgeschwächt werden. Zweitens konnte Italien langfristig als militärischer Partner in einem Krieg zwischen Deutschland und Frankreich wichtig werden. In einem solchen Fall hätte Italien Deutschlands südliche Flanke entlasten können.

Italienische Kolonialpolitik

Ein unmittelbarer Anlass für Italiens Beitritt war der Einmarsch französischer Truppen in Tunesien. Tunesien wurde mit dem Bardo-Vertrag vom 12. Mai 1881 zu einem französischen Protektorat erklärt. Italien sah dadurch seine eigenen kolonialen Pläne in Nordafrika bedroht.

Nach dem Risorgimento, also der italienischen Einigungsbewegung, wollte Italien am Wettlauf um Afrika teilnehmen. Es hoffte, durch den Dreibund gegenüber Frankreich und Großbritannien stärkeren Rückhalt für seine Kolonialpolitik zu gewinnen. In der Folge richteten sich die italienischen Bestrebungen vor allem auf Ostafrika. In den 1880er Jahren versuchte Italien dort mit Eritrea und Italienisch-Somaliland ein Kolonialimperium aufzubauen.

Diese Politik blieb jedoch von der freien Durchfahrt durch den Suez-Kanal abhängig. Der Kanal wurde seit der britischen Intervention von 1881/82 von Großbritannien kontrolliert. Durch die Niederlage im Italienisch-Äthiopischen Krieg 1895/96 erlitt Italiens Kolonialpolitik einen schweren Rückschlag. Ein größerer Erfolg gelang erst 1911 mit der Eroberung Libyens im Italienisch-Türkischen Krieg.

Niedergang und Ende

Obwohl am 1. November 1913 noch eine neue Dreibundmarinekonvention für die Seekriegsführung im Mittelmeer in Kraft trat, war das Bündnis politisch bereits geschwächt. De jure, also rechtlich, zerbrach es 1915. Italien unterzeichnete zunächst den geheimen Londoner Vertrag mit der Triple Entente und kündigte danach den Dreibundvertrag. Kurz darauf trat Italien auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein.

Tatsächlich hatte der Dreibund schon seit der Jahrhundertwende keine tragende Rolle mehr in der deutschen Außenpolitik gespielt. Italien erzielte 1902 einen Interessenausgleich mit Frankreich über koloniale Einflussbereiche in Nordafrika und 1909 mit Russland über beiderseitige Interessen auf dem Balkan. Die Bosnische Annexionskrise von 1908 belastete das Verhältnis Italiens zu Österreich-Ungarn stark. Auch Italiens Krieg gegen das Osmanische Reich 1911/12 passte nicht zu Deutschlands Bemühungen, das deutsch-türkische Verhältnis zu verbessern.

Deutschland setzte deshalb immer stärker auf seine bestehende Verbindung mit Österreich-Ungarn im Zweibund. Italien kündigte den Dreibund am 3. Mai 1915 auf, nachdem es am 26. April 1915 den Londoner Vertrag mit der Triple Entente abgeschlossen hatte.

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