Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Islamische Musik

Islamische Musik ist eine vokale oder instrumentale Musik, die in einem engeren Sinn mit der religiösen Praxis des Islam oder in einem weiteren Sinn mit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Begriff
  2. 2. Religiöse Bewertung
  3. 3. Überlieferung und musikalische Systeme
  4. 4. Religiöse Anlässe und Sufi-Musik
  5. 5. Weitere Formen und Gegenwart
  6. 6. Instrumente

Grundidee und Begriff

Islamische Musik ist vokale oder instrumentale Musik, die entweder eng mit der religiösen Praxis des Islam verbunden ist oder weiter gefasst aus Gesellschaften mit überwiegend muslimischer Bevölkerung stammt beziehungsweise von muslimischen Minderheiten geprägt wurde. Der Begriff bezeichnet keinen einheitlichen Stil. Er umfasst sehr unterschiedliche regionale und historische Ausdrucksformen, von kultischer Musik bis zu weltlicher Musik.

Die klassische Heimat des Islam liegt im Nahen Osten, in Nordafrika, Turkestan, Afghanistan und Pakistan. Weil der Islam eine multikulturelle Religion ist, sind auch seine musikalischen Formen vielfältig. Besonders die klassische arabische Musik, die persische Musik und die indische Musik prägten islamische Musik stark. Auch die Seldschuken und später das Osmanenreich beeinflussten die Musiktraditionen, besonders über Anatolien und die Türkei.

Wichtig ist: Nicht alles, was nach europäischen Maßstäben wegen Melodie und Klang als Musik gelten könnte, wird von muslimischen Hörern auch als Musik verstanden. Das betrifft besonders den Adhān, also den Gebetsruf, und die Koranrezitation. In manchen Kulturen gibt es außerdem keinen scharf getrennten Begriff für Musik im Unterschied zu Tanz und Ritual.

Religiöse Bewertung

Die Haltung traditioneller islamischer Religions- und Rechtsgelehrter zur Musik war nicht einheitlich. Anders als beim weitgehend anerkannten Verbot der Darstellung lebendiger Wesen in der bildenden Kunst gab es bei Musik verschiedene Positionen. Da der Koran keine ausdrücklichen Regeln zur Musik enthält, stützte sich die sogenannte Samāʿ-Debatte vor allem auf die Hadith-Literatur, also Überlieferungen über Aussagen und Handlungen des Propheten.

Als problematisch galt Musik besonders dann, wenn sie mit als sündhaft verstandenen Handlungen verbunden wurde, etwa Weingenuss, Unzucht oder Ekstase. Besonders ablehnend wurden in manchen Überlieferungen Sängersklavinnen aus dem vorislamischen Arabien gesehen, deren Darbietungen mit Alkohol und Erotik verbunden waren.

Der Gesang der reinen menschlichen Stimme wurde dagegen nur selten als verwerflich betrachtet. Häufig wurde der schönen menschlichen Singstimme das in Sure 31:19 als hässlich beschriebene Brüllen des Esels gegenübergestellt. Daraus entwickelte sich eine starke A-cappella-Tradition kultischen Gesangs.

Bei Musikinstrumenten waren sich die Gelehrten uneinig. Manche Instrumente, besonders Saiteninstrumente, galten oft als verboten, während die arabische Handtrommel Daf in einem Hadith ausdrücklich erlaubt wird. Trotzdem wurden gerade Lauteninstrumente wie die Oud im islamischen Kulturraum sehr wichtig. Im Sufismus, der islamischen Mystik, gilt kultische Musik, auch mit Instrumenten, oft nicht nur als erlaubt, sondern als wesentliches Element der Andacht.

Überlieferung und musikalische Systeme

Islamische Musik wurde meist mündlich überliefert. Eigene Notationssysteme entstanden erst spät und blieben wenig verbreitet. Ein Grund dafür war, dass die Qualität einer Aufführung oft am Improvisationstalent der Musiker gemessen wurde. Deshalb lassen sich viele ältere Melodien heute kaum rekonstruieren.

Ein wichtiges Beispiel ist das im 10. Jahrhundert entstandene Kitāb al-Aghānī, das „Buch der Lieder“, von al-Isfahānī. Die dort gesammelten Musikstücke enthalten nur knappe Hinweise, aus denen Melodien und Aufführungspraxis heute kaum sicher erschlossen werden können. Seit dem 20. Jahrhundert werden westliche Notationssysteme verwendet, sie eignen sich aber nur begrenzt, um die harmonischen und melodischen Besonderheiten dieser Traditionen festzuhalten.

Die gesungenen Texte sind dagegen oft gut bekannt. Häufig handelt es sich um Vertonungen bekannter Gedichte. In kultischer Musik werden auch Gebete und Anrufungen Gottes oder des Propheten wiederholt vorgetragen.

Wichtige modale Systeme, also Tonordnungen mit bestimmten melodischen Regeln, sind die arabischen Maqāmāt, die persischen Dastgāh-hā und der indische Raga. Sie verbreiteten sich überregional und beeinflussten einander. Traditionelle kultische Rezitationen ohne Instrumentalbegleitung, vor allem Adhān und Koranrezitation, werden gemeinhin nicht zur Musik gezählt.

Religiöse Anlässe und Sufi-Musik

Musik wird bei öffentlichen religiösen Feierlichkeiten aufgeführt, zum Beispiel beim Mawlid, dem Geburtstag Mohammeds. Schiitische Traditionen kennen musikalisch unterlegte Passionsspiele zum Gedenken an die Martyrien des Imam Hussein. Im Iran gehören dazu Ta'zieh-Aufführungen; während der Muharram-Trauerzeit wird Aschura-Musik gespielt.

Eine der wichtigsten kultischen Formen ist die Sufi-Musik. Sie entstand im Iran und verbreitete sich in die Türkei und auf den indischen Subkontinent. Sufis nutzen Musik als Teil religiöser Andacht, besonders in Gottesdiensten und Gesängen. Im Westen bekannt sind die Dhikr-Gottesdienste der Mevlevi-Derwische in der Türkei, bei denen gesungen und rhythmisch getanzt wird. Geistliche Gesangskonzerte heißen in der Türkei Mehfil-e-Sama'. Zu den Liedformen gehören İlahi und Nefes.

In Nordindien und Pakistan heißen solche Konzerte und der zugehörige Musikstil Qawwali. Ein traditionelles Qawwali-Programm beginnt mit dem Hamd, einem Lobpreis Gottes ohne Instrumentalbegleitung. Es folgen das Naat, ein Lobpreis auf den Propheten Muhammad, manchmal mit Trommeln, sowie Manqabat, Loblieder auf Lehrer der jeweiligen Sufibruderschaft. Ghaselen drücken mit der Sprache romantischer Liebe die Sehnsucht der Seele nach Verbindung mit dem Göttlichen aus. In schiitischen Konzerten folgen auf das Naat ein Loblied auf Ali, ebenfalls Manqabat genannt, und eine Marsiya, eine Klage über den Tod zahlreicher Anhänger Alis bei der Schlacht von Kerbela.

Qawwali wurde zunehmend auch als musikalisches Genre außerhalb enger religiöser Praxis populär. Manche Künstler verkürzen die traditionelle Folge der Lobgesänge oder verzichten ganz auf religiöse Inhalte. Das wird von Traditionalisten und konservativeren Gläubigen kritisiert.

Weitere Formen und Gegenwart

Neben Sufi-Musik gibt es viele weitere traditionelle Formen. In Nordafrika ist die Musik der Gnawa ein Beispiel volkstümlicher religiöser Musik; die Gnawa sind eine ethnische Minderheit in Marokko, deren Musik auch aus alten afrikanischen Traditionen schöpft. In Äthiopien heißen moralische Lieder Manzuma; eine besondere Form ist Hazinu nimmihawi. Madīh nabawī sind arabische Hymnen auf den Propheten Mohammed.

In der Gegenwart ist besonders bei Muslimen in Europa und Amerika der Naschid verbreitet. Naschid ist rhythmischer Gesang, meist ohne Instrumente und vor allem mit menschlicher Stimme, manchmal auch mit Schlaginstrumenten. Bekannte Vertreter sind Sami Yusuf, Zain Bhikha und Yusuf Islam. Auch Rap und Hip-Hop werden als zeitgenössische islamische Ausdrucksformen genannt, etwa bei Outlandish und Native Deen.

In Indonesien gehören Sholawat-Lieder, auf Indonesisch lagu-lagu sholawat, zu den populärsten islamischen Musikformen. Es sind arabischsprachige Lobeshymnen auf den Propheten Mohammed. Sie werden bei verschiedenen islamischen Zeremonien gesungen und sind deshalb vielen Menschen in Indonesien vertraut. Ein bekannter Sholawat-Sänger ist Haddad Alwi. Er versteht seine Tätigkeit nicht eigentlich als Musik, sondern als Dakwah, also religiöse Verkündigung.

Instrumente

Religiöse Gesänge können instrumental begleitet werden. Welche Instrumente verwendet werden, hängt stark von der lokalen musikalischen Tradition ab. Der Artikel weist darauf hin, dass der Instrumentenabschnitt nicht ausreichend belegt ist; diese Angaben sollten daher vorsichtig verwendet werden.

Genannt werden Trommeln wie Daf, eine persische und kurdische Rahmentrommel, Bendir aus Nordafrika und dem Nahen Osten, Zarb, eine persische Bechertrommel, Rebana aus islamischen Ländern Südostasiens und T'bol aus dem Maghreb. Zu den Idiophonen, also selbstklingenden Instrumenten, gehören Gongs und Qarqaba aus dem Maghreb.

Bei den Saiteninstrumenten nennt der Artikel Rabāb, türkische und arabische Streichinstrumente, Kamantsche, ein persisches Streichinstrument, Tar, eine zentralasiatische gezupfte Langhalslaute, Oud, eine gezupfte arabische Kurzhalslaute, Santur und Quanun als persische beziehungsweise arabische Zithern sowie Gimbri aus dem Maghreb. Als Blasinstrumente erscheinen Ney, eine Längsflöte, Shehnai, ein indisches Doppelrohrblattinstrument, und Zummara, eine gedoppelte Rohrpfeife von Nordafrika bis in den Mittleren Osten. Außerdem wird das Harmonium genannt, das in Indien und Pakistan seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verwendet wird.

Weiterlesen

Musik Musik kann neben körperlichen Reaktionen auch seelische Empfindungen oder Assoziationen unterschiedlicher Art und Intensität hervorrufen. ... Da sich der … Islam Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Afghanistan Drei Viertel des Landes mit heute 34 Provinzen bestehen aus schwer zugänglichen Gebirgsregionen. Afghanistan. افغانستان (Paschto, Dari-Persisch). Afġānistān … Pakistan Einwohnerzahl, 255,2 Millionen (5.) (2025, Schätzung) ; Bevölkerungsdichte, 290 Einwohner pro km² ; Bevölkerungsentwicklung, +1,6 % (Schätzung für das Jahr 2025). Indische Musik Die Indische Musik beschreibt die Gesamtheit der in Südasien gehörten Musikstile. Diese lassen sich grob einteilen in: Klassische Musik: Kultivierter Musikstil … Kalifat Ausbreitung unter dem Propheten Mohammed, 622–632 · Ausbreitung unter den vier „rechtgeleiteten Kalifen“, 632–661 · Ausbreitung unter den Umayyaden, 661–750 … Musik der Türkei Obwohl türkische Volksmusik einige Spuren zentralasiatischer Turkkulturen enthält, wurde sie auch stark durch viele andere Kulturen in der Region beeinflusst. Hip-Hop Hip-Hop ist eine Musikrichtung mit den Wurzeln in der afroamerikanischen Funk- und Soul-Musik, die aus den Ghettos der USA stammt. Bilderverbot Ein Bilderverbot oder Abbildungsverbot aus religiösen Gründen untersagt bildliche Darstellungen, die Reichweite kann sich auf die Abbildungen von Göttern … Koran Nach dem Glauben der sunnitischen Muslime ist der Koran die unerschaffene Rede Gottes oder zumindest ein Ausdruck davon. Eine Minderheit von Muslimen ist … Hadith Die große Bedeutung der Hadithe im Islam ergibt sich daraus, dass die Handlungsweise (Sunna) des Propheten normativen Charakter besitzt und nach dem Koran die … A cappella ab dem 19. Jahrhundert Chormusik bzw. Chorgesang ohne Instrumentalbegleitung; ein modernes Musikgenre, bei dem ein Close-Harmony-Vokalensemble ohne oder mit …