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Iranische Wirtschaft
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 84,78 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 97,71 Mrd. US-Dollar gegenüber. · Die …
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Grundlagen und Bedeutung
Die iranische Wirtschaft ist in weiten Teilen verstaatlicht; dazu gehören mit wenigen Ausnahmen auch die Banken. Daneben bestehen private und genossenschaftliche Bereiche. Die Wirtschaft ist kapitalistisch ausgerichtet, wird aber als Kommandowirtschaft bezeichnet, weil politische Machtzentren sie stark steuern. Grundlage der staatlichen Planung sind Fünfjahrespläne. Gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Wirtschaftsleistung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Preisniveaus, gehört Iran zu den 20 größten Wirtschaftsmächten. Der Weltwirtschaftsrang beträgt 41 nach nominalem BIP und 23 nach Kaufkraftparität (2024).
Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Erdöl und Erdgas. Daneben sind Textilindustrie, Landwirtschaft sowie Zement- und Baustoffproduktion bedeutend. Im Global Competitiveness Index lag Iran 2017–18 auf Platz 69 von 137 Ländern, im Index für wirtschaftliche Freiheit 2017 auf Platz 155 von 180 Ländern.
Für 2024 werden ein nominales BIP von 401 Mrd. US-Dollar, ein kaufkraftbereinigtes BIP von 1.695 Mrd. US-Dollar, ein BIP pro Kopf von 4.633 US-Dollar nominal beziehungsweise 19.576 US-Dollar nach Kaufkraftparität, ein Wachstum von 3,5 % und eine Inflationsrate von 32,6 % angegeben. Die Währung ist der Iranische Rial (IRR).
Wirtschaftliche Entwicklung und Außenbeziehungen
Die Wirtschaftsstruktur wird von Dienstleistungen, Industrie und Landwirtschaft bestimmt. Nach den Angaben für 2017 entfielen 9,8 % des BIP auf die Landwirtschaft, 35,9 % auf die Industrie und 54,3 % auf Dienstleistungen. Für die Erwerbstätigen werden für 2016 Anteile von 16,3 % in der Landwirtschaft, 35,1 % in der Industrie und 48,6 % im Dienstleistungssektor genannt. Der Staat unterhält einen großen Verwaltungsapparat. Für 2016 nennt der Artikel 29,75 Millionen arbeitsfähige Menschen und eine Arbeitslosigkeit von etwa 12,5 %; außerdem wird für 2017 eine Arbeitslosenquote von 11,8 % angegeben.
Trotz internationaler Sanktionen nahm die industrielle Produktion stark zu. Die Stahlproduktion stieg von 0,55 Mio. Tonnen 1980 über 1,6 Mio. Tonnen 1990 und 6,6 Mio. Tonnen 2000 auf 14,5 Mio. Tonnen 2012. Die Zementproduktion wuchs von 7,5 Mio. Tonnen 1980 auf 70 Mio. Tonnen 2012. Damit war Iran der viertgrößte Zementhersteller weltweit.
Das wichtigste Exportgut ist Erdöl. Für 2024 werden Exporte von 100,0 Mrd. US-Dollar und Importe von 117,2 Mrd. US-Dollar genannt; daraus ergibt sich eine Außenhandelsbilanz von −17,3 Mrd. US-Dollar. Wichtigste Exportpartner waren 2023 China mit 35 %, die Türkei mit 16 %, Indien mit 8 %, Pakistan mit 7 % und Armenien mit 5 %. Bei den Importen entfielen 34 % auf China, 20 % auf die Vereinigten Arabischen Emirate, 11 % auf die Türkei, 8 % auf Brasilien und 4 % auf Deutschland. Frühere Angaben nennen für 2008/2009 Exporte von 101,3 Mrd. US-Dollar und Importe von 70,2 Mrd. US-Dollar. Gegen Iran wurden verschiedene Embargos verhängt; für die Europäische Union war unter anderem die Verordnung (EG) Nr. 423/2007 maßgeblich.
Staatshaushalt und wirtschaftliche Steuerung
Die öffentlichen Finanzen schwanken je nach Jahr und Erdölpreisen deutlich. Für 2024 werden öffentliche Schulden von 36,8 % des BIP, Staatseinnahmen von 10,7 %, Staatsausgaben von 14,5 % und ein Haushaltssaldo von −4,1 % des BIP angegeben. 2009 standen Ausgaben von 84,78 Mrd. US-Dollar Einnahmen von 97,71 Mrd. US-Dollar gegenüber; daraus ergab sich ein Haushaltsüberschuss von 3,9 % des BIP. Die Staatsverschuldung betrug 2010 16,2 % eines BIP von 467,8 Mrd. US-Dollar. Für 2006 werden Staatsausgaben von 6,8 % des BIP für Gesundheit, 5,1 % für Bildung und 2,5 % für das Militär genannt.
Religiöse Stiftungen, die Bonyāds, sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Artikel schreibt ihnen etwa 80 % der Wertschöpfung zu; zugleich wird diese Angabe im Text nicht näher eingegrenzt. Die Bonyāds treten als Holdings auf und sind unter anderem in Export, Beton, Reedereien, Petrochemie, Hotels, Universitäten und Banken tätig. Sie unterstützen ungefähr die Hälfte der bedürftigen Bevölkerung, werden aber wegen mangelnder Transparenz, Korruption, Vetternwirtschaft und steuerlicher Vorteile kritisiert. Verantwortlich sind sie allein gegenüber dem Revolutionsführer und Staatsoberhaupt Āyatollāh Ali Chamene’i. Als größte Stiftungen werden die Bonyād-e-Mostafezān und der Āstān-e Qods-e Razavi genannt.
Seit 2001 fördern iranische Regierungen die Privatwirtschaft; dafür wurde Artikel 44 der Verfassung geändert. Ein Privatisierungsprogramm von 2006 bezog auch strategisch wichtige Industrien im Öl- und Finanzsektor ein, wurde aber nur schwach umgesetzt. Ein weiteres Programm folgte 2008. Von Privatisierungen profitierte auch die Iranische Revolutionsgarde über Rentenkassen und Beteiligungen an großen Unternehmen. Umfang und direkte Einflussnahme sind umstritten. 2025 wurde die überschuldete private Ayandeh Bank mit der staatlichen Bank Melli fusioniert. Für 2025 werden Schulden von 4,67 Mrd. US-Dollar und Guthaben von 2,34 Mrd. US-Dollar genannt; 1,21 Mrd. US-Dollar waren an Unternehmen geflossen, die der Gründerfamilie zugerechnet wurden.
Landwirtschaft, Energie und Infrastruktur
Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst trotz Gebirgen und Wüsten 10 % der Landesfläche; ein Drittel davon wird künstlich bewässert. Die Landwirtschaft gehört zu den größten Arbeitgebern. Wichtige Erzeugnisse sind Pistazien, Weizen, Reis, Zucker, Baumwolle, Früchte, Nüsse, Datteln, Wolle und Kaviar. Nach der Revolution von 1979 wurde der Weinanbau wegen des islamischen Alkoholverbots fast vollständig auf Tafeltrauben und Rosinen umgestellt. Iran ist nach der Türkei der zweitgrößte Rosinenexporteur und deckt beim Safran ungefähr 90 % des weltweiten Bedarfs.
2005 verfügte Iran über eine Kraftwerksleistung von 41.000 Megawatt. Die Wasserkraft trug 12.000 Megawatt bei; mehrere Anlagen befanden sich noch im Bau. Der Ausbau von Kernkraftwerken wurde damit begründet, Erdöl für den Export verfügbar zu machen. Der Bau von etwa 20 Kernkraftwerken und Anlagen zur Herstellung von Kernbrennstoffen war geplant.
2010 förderte Iran rund 4,245 Mio. Barrel Erdöl täglich. Davon wurden 1,799 Mio. Barrel im Inland verbraucht und 2,446 Mio. Barrel exportiert. Die bekannten Reserven wurden mit etwa 18 Mrd. Tonnen beziehungsweise 136 Mrd. Barrel angegeben, was damals den drittgrößten Erdölreserven der Welt entsprach. Die Raffineriekapazität stieg seit 2000 von 1,6 Mio. auf 1,86 Mio. Barrel täglich. Die Iranische Ölbörse auf der Insel Kisch wurde am 17. Februar 2008 eröffnet; entgegen ursprünglicher Pläne wurden Preise überwiegend in Rial statt in Euro berechnet.
Bei Erdgas lag Iran 2011 mit etwa 152 Mrd. m³ Förderung weltweit auf Platz vier und mit geschätzten 27 Billionen m³ Reserven auf Platz zwei. 2003 wurden von 79 Mrd. m³ Förderung 72,4 Mrd. m³, also fast 92 %, im Inland verbraucht. Viele Lagerstätten waren noch nicht erschlossen. Iran exportierte Gas unter anderem in die Türkei, war wegen Importen aus Turkmenistan aber weiterhin Nettoimporteur.
Das Atomprogramm wurde offiziell auch mit dem hohen Eigenbedarf an Erdgas begründet. Internationale Staaten befürchteten jedoch eine militärische Nutzung. Der UN-Sicherheitsrat forderte 2006 die Unterbrechung der Urananreicherung und drohte mit Sanktionen. Die iranische Führung kündigte dennoch eine Fortsetzung und mögliche Ausweitung an. Der Reaktor von Buschehr wurde am 21. August 2010 bestückt und am 4. September 2011 erstmals an das Stromnetz angeschlossen. Eine 2013 veröffentlichte Studie hielt es für möglich, dass Iran bis Mitte 2014 genügend hochangereichertes Uran für Atombomben herstellen könnte; die ausschließlich friedliche Nutzung blieb daher umstritten.
Iran baute außerdem zahlreiche Staudämme: 157 waren errichtet, 84 im Bau oder in Planung; vor der Revolution gab es 13. Ziele waren Stromerzeugung und die Bekämpfung der Wasserknappheit. Kritiker verwiesen unter anderem auf mögliche Schäden am Grab Kyros’ des Großen und auf die Austrocknung des Urmiasees. Die Regierung stellte 900 Mio. US-Dollar für dessen Rettung bereit.
Industrie, Dienstleistungen und soziale Probleme
Die Automobilindustrie beschäftigte 2010 rund 500.000 Menschen und war nach der Ölindustrie der zweitgrößte Arbeitgeber. Iran war der größte Automobilproduzent im Nahen Osten. Die Produktion fiel 2012 auf 989.110 Fahrzeuge, darunter 848.000 Pkw und 141.110 Nutzfahrzeuge, und lag damit 40 % unter dem Wert von 2011. Die größten Hersteller sind die staatliche SAIPA und Iran Khodro. Iran Khodro produziert unter anderem Dena und Runna sowie Peugeot-Modelle in Lizenz. Von 2013 bis 2017 verdoppelte sich die Produktion auf über 1,5 Millionen Fahrzeuge, bevor sie 2018 nach der Aufkündigung des Atomabkommens durch die Vereinigten Staaten auf unter 1,1 Millionen sank. 12,64 % der zugelassenen Fahrzeuge wurden mit Gas betrieben.
Zum tertiären Sektor gehören mehrere Börsen und Handelsplätze. Die größte ist die Teheraner Börse mit dem Leitindex TEPIX. Weitere Einrichtungen sind die Iran Fara Bourse Securities Exchange, die Iran Mercantile Exchange, die Kish Stock Exchange und die Iranische Ölbörse. Der National Development Fund of Iran soll Einnahmen aus Öl und Gas in produktive Investitionen für zukünftige Generationen umwandeln. Der Abschnitt zur Rüstungsindustrie enthält keine näheren Angaben.
Die Korruption ist laut Artikel sehr stark ausgeprägt. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lag Iran 2012 auf Platz 133 von 174 Ländern.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 reformierte die Regierung Subventionen für Energie, Getreide, Brot und den öffentlichen Personenverkehr. Im ersten Jahr wurden Subventionen im Umfang von 60 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 15 % des BIP gekürzt. Die Energiepreise stiegen teilweise bis zum 20-Fachen. 30 % der Einsparungen sollten direkt an die Bevölkerung, 20 % an die Industrie für Energiesparmaßnahmen und der Rest in den Staatshaushalt fließen. 93 % der Bürger waren für Direktzahlungen registriert; pro Person wurden etwa 80 US-Dollar alle zwei Monate gezahlt. Der IWF stellte im Juni 2011 eine zunächst positive Bilanz fest und nannte eine Inflationsrate von 14,2 % im Mai 2011.
Neben hoher Arbeitslosigkeit sind Kinderarbeit und die Beschäftigung von Billiglohnarbeitern, besonders aus Afghanistan, verbreitet. Für Beschäftigte gab es 2007 keine gewerkschaftliche Vertretung; insbesondere Billiglohnarbeiter waren starken Repressionen ausgesetzt.