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Invasion in der Schweinebucht

Die Invasion in der Schweinebucht war ein von den Vereinigten Staaten organisierter militärischer Angriff kubanischer Exilanten auf Kuba. Sie wurde am 17.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Konflikt mit den USA und Vorbereitung
  3. 3. Plan und Kampfverlauf
  4. 4. Ursachen des Scheiterns
  5. 5. Gefangene und politische Folgen

Überblick und Bedeutung

Die Invasion in der Schweinebucht war ein von den Vereinigten Staaten organisierter militärischer Angriff kubanischer Exilanten auf Kuba. Sie fand vom 17. bis 19. April 1961 an der Schweinebucht im Süden Kubas statt und war Teil des Kalten Krieges. Rund 1300 seit 1959 aus Kuba geflohene Freiwillige sollten mit verdeckter Unterstützung des US-Auslandsgeheimdienstes CIA die Revolutionsregierung unter Fidel Castro stürzen. Die Angreifer kamen aus Ausbildungslagern in Guatemala. Kuba gewann die Kämpfe innerhalb von drei Tagen.

Die Invasion wurde für die USA zu einem militärischen und politischen Debakel. Die US-Regierung bestritt vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zunächst jede Beteiligung; vier Tage nach Beginn des Angriffs übernahm Präsident John F. Kennedy jedoch die volle Verantwortung. Das Scheitern schwächte das Vertrauen in seine erst 90 Tage alte Regierung und stärkte Castro. Dieser vertrat nun offen die bereits 1959 eingeleitete kommunistische Ausrichtung der kubanischen Revolution. Die Furcht vor einem weiteren Angriff beschleunigte außerdem Kubas Annäherung an die Sowjetunion, die 1962 in die Kubakrise mündete.

Konflikt mit den USA und Vorbereitung

Vor der kubanischen Revolution waren Politik und Wirtschaft Kubas stark von den USA beeinflusst. Nach dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista verschlechterten sich die Beziehungen. Die USA stoppten zunächst ihre Öllieferungen. Weil Kubas Stromerzeugung auf der Verbrennung von Öl beruhte, bedrohte dies die Energieversorgung. Kuba gewann daraufhin die UdSSR als Lieferanten. Die US-Regierung wies amerikanische Raffinerien auf Kuba an, kein sowjetisches Öl zu verarbeiten. Da bestehende Verträge die Raffinerien zur Verarbeitung von Erdöl unabhängig von seiner Herkunft verpflichteten, stellte die kubanische Regierung sie wegen des Vertragsbruchs unter staatliche Zwangsverwaltung.

Eine offene Intervention war politisch problematisch: Der Rio-Vertrag von 1947 und die Charta der Organisation Amerikanischer Staaten untersagten die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Kubas. Deshalb ließ die Regierung Dwight D. Eisenhowers die CIA einen verdeckten Umsturz vorbereiten. Als Vorbilder dienten die Operation Ajax von 1953 im Iran und die Operation PBSUCCESS von 1954 in Guatemala. Der Plan zielte darauf, einen Volksaufstand auszulösen. Eine kubanische Exilregierung sollte von Kuba aus um Hilfe bitten und damit den Weg für ein Eingreifen des US-Militärs öffnen.

Im Januar 1960 richtete die CIA unter Jacob Donald Esterline die Abteilung Western Hemisphere Branch 4 ein, die bis April 1961 auf 588 Mitarbeiter anwuchs. Die CIA warb besonders Gegner Batistas an, die zugleich mit Castro unzufrieden waren. Im Oktober 1960 entstand als politisches Bündnis von Exilkubanern die Frente Revolucionario Democrático, später zum Concilio Revolucionario Cubano umgebildet. Ihr militärischer Arm war die Brigade 2506 mit 1143 Mann. Die Rekrutierung erfolgte hauptsächlich in Miami, die Ausbildung aus Geheimhaltungsgründen unter anderem in Panama, Puerto Rico, Nicaragua und besonders Guatemala.

Ein erster Versuch, 40 ausgebildete Männer zum Aufbau von Widerstandszellen nach Kuba zu schicken, scheiterte; schon 48 Stunden nach Beginn der Operation gab es kein Lebenszeichen mehr von ihnen. Auch die Vorbereitung eines inneren Aufstands und Pläne, Castro mithilfe der Mafia zu vergiften, misslangen. Das kubanische Regime zerschlug Anfang 1961 die Opposition und ließ Tausende Menschen in Lagern inhaftieren. Daraufhin setzte die CIA auf eine größere Invasion mit dem Codenamen Operation Zapata.

Kennedy wurde nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 1961 über den Plan informiert und stimmte ihm im März unter der Bedingung zu, dass keine US-Truppen eingreifen würden. Die Brigade müsse selbst ein bedeutendes Gebiet erobern, bevor Washington eine neue kubanische Regierung diplomatisch anerkennen könne. Noch am 12. April erklärte Kennedy öffentlich, US-Streitkräfte würden unter keinen Umständen in Kuba intervenieren.

Plan und Kampfverlauf

Die CIA wählte die Schweinebucht, weil sie an dem schwer zugänglichen Sumpfgebiet Ciénaga de Zapata lag, sich in der Nähe des von Konterrevolutionären genutzten Escambray-Gebirges befand und nur dünn besiedelt war. Die Planung beruhte jedoch auf Berichten kubanischer Revolutionsgegner, die die antirevolutionäre Stimmung in der Bevölkerung und die Stärke der Rebellen im Escambray übertrieben. Am 14. April genehmigte Kennedy den CIA-Plan endgültig, behielt sich aber die Entscheidung über den Einsatz bereitstehender Marineeinheiten vor.

Am 15. April bombardierten B-26-Flugzeuge der US Air Force drei kubanische Flugplätze. Sie trugen kubanische Hoheitszeichen, um den Angriff wie den Beginn einer innerkubanischen Gegenrevolution erscheinen zu lassen. Fünf US-Bomber wurden von kubanischen Flugzeugen abgeschossen. Die Angriffe zerstörten etwa 22 Prozent der kubanischen Flugzeuge; durch Verlegung und Tarnung war die Luftwaffe grundsätzlich einsatzfähig geblieben. Nachdem der Luftkampf in den Vereinten Nationen zur Sprache gekommen war, stoppte Außenminister Dean Rusk einen zweiten Luftangriff, den CIA-Planer Esterline für den Erfolg als notwendig ansahen. Obwohl die CIA Kennedy nicht erreichen konnte, setzte sie die Invasion fort.

Am 17. April landeten etwa 1300 Exilkubaner der Brigade 2506 unter dem Kommando zweier CIA-Beamter und mit logistischer Unterstützung der US-Marine. Kuba wurde zwar überrascht, besaß mit Lockheed T-33, Hawker Sea Fury und B-26 aber weiterhin die Luftüberlegenheit. Kubanische Flugzeuge versenkten zwei Munitionsschiffe der Angreifer. Am 18. und 19. April unterstützten B-26-Flugzeuge die Brigade; dabei wurde auch Napalm eingesetzt. Zwei Maschinen wurden abgeschossen, deren Besatzungen als US-Bürger und Piloten der Air National Guard identifiziert wurden. Die zahlenmäßig weit überlegene kubanische Armee besiegte die Invasionstruppen innerhalb von drei Tagen. In einem Brief vom 18. April versicherte Kennedy dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow erneut, dass die USA keine militärische Intervention in Kuba beabsichtigten.

Ursachen des Scheiterns

Die Brigade konnte die vorgesehene Landepiste nicht lange genug halten, um die Exilregierung aus Miami einfliegen zu lassen. Damit kam auch der geplante Hilferuf nicht zustande, der für Kennedy die politisch notwendige Voraussetzung eines offenen Eingreifens der US-Marine gewesen wäre. Kennedy ließ die Operation gegen den Widerstand der CIA abbrechen.

Mehrere Faktoren führten zur Niederlage:

  • Der Plan blieb nicht geheim, weil Teilnehmer in Miami offen über ihre bevorstehende Beteiligung sprachen.

  • Sabotageakte und aus den USA in den kubanischen Luftraum eindringende Flugzeuge hatten die kubanische Regierung vor der Invasionsgefahr gewarnt.

  • Die Bewohner der Ciénaga de Zapata gehörten überwiegend zu den armen Köhlern und hatten durch Schulen, medizinische Versorgung und neue Infrastruktur früh von der Revolution profitiert. Sie leisteten den Angreifern bewaffneten Widerstand und verschafften den Regierungstruppen Zeit zur Neuordnung ihrer Reserven.

  • Die kubanische Revolutionsarmee bestand nach einem dreijährigen Guerillakrieg aus erfahrenen, motivierten Kämpfern.

  • Kennedy begrenzte die vorgesehene Luftunterstützung. Dadurch wurde nur etwa die Hälfte der kubanischen Luftwaffe am Boden zerstört; die verbliebenen Flugzeuge konnten fünf US-Bomber und zwei Munitionsschiffe vernichten.

Der Vereinigte Generalstab hatte den Erfolg intern wegen Castros wachsender Streitkräfte, der kampfstarken Milizen und des Fehlens einer breiten Opposition als sehr zweifelhaft bewertet. Zwei Tage später legte General Lyman Lemnitzer Verteidigungsminister Robert McNamara dennoch eine positivere Einschätzung mit einer „großen Chance“ vor. CIA-Direktor Allen Welsh Dulles erklärte später, er habe Kennedy seine eigenen Zweifel nicht mitgeteilt und bei einem Scheitern der Brigade mit einem Eingreifen der USA gerechnet. Als weiterer erschwerender Faktor gilt die kurz zuvor erfolgte Amtsübergabe von Eisenhower an Kennedy: Die neue Regierung war unerfahren, während Behörden teilweise noch nach den Leitlinien der Vorgängerregierung arbeiteten.

Gefangene und politische Folgen

Die Angaben zu Verlusten und Gefangenen unterscheiden sich innerhalb des Artikels: Die Übersicht nennt 176 kubanische Tote sowie 118 tote und 1202 gefangene Angreifer. Kuba meldete dagegen über 1000 Gefangene und rund 90 gefallene Angreifer. Den Gefangenen wurde öffentlich der Prozess gemacht. Nach langen Verhandlungen des von ihren Angehörigen beauftragten Anwalts James B. Donovan durften zu Weihnachten 1962 insgesamt 1113 Gefangene in die USA ausreisen. Castros Forderung von rund 53 Millionen Dollar wurde durch Lieferungen von Medikamenten und Nahrungsmitteln erfüllt, die unter anderem durch das regierungsnahe Komitee „Traktoren für den Frieden“ finanziert wurden.

Vierzehn Teilnehmer wurden wegen Straftaten angeklagt, die sie bereits vor der Invasion begangen hatten. Fünf wurden kurz darauf hingerichtet, neun zu jeweils 30 Jahren Haft verurteilt. Zwei starben im Gefängnis; die letzten zwei kamen 1986 frei.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen befasste sich auf Antrag Kubas mit dem Angriff und erinnerte am 21. April 1961 alle Staaten daran, zwischenstaatliche Konflikte friedlich zu lösen. Besonders in Lateinamerika entstand eine Welle der Sympathie für Kuba: Am 21. April demonstrierten etwa 15.000 Menschen in Mexiko und 8000 in Montevideo. Das Scheitern des US-Vorgehens ermutigte revolutionäre Bewegungen, statt sie abzuschrecken.

In den USA löste die Invasion eine Debatte über die Rolle der Geheimdienste in der Außenpolitik aus. CIA-Generalinspekteur Layman Kirkpatrick kritisierte 1961 intern das Selbstbild, die Organisation und die Durchführung der Operation. CIA-Direktor Allen Welsh Dulles, sein Stellvertreter Charles P. Cabell und der stellvertretende Planungsdirektor Richard M. Bissell wurden entlassen. Eine von Kennedy eingesetzte Cuba Study Group befragte etwa 50 Zeugen und kam zu dem Ergebnis, die Eisenhower-Regierung hätte die Operation spätestens im November 1960 dem Verteidigungsministerium übertragen müssen, weil sie nicht mehr unter glaubhafter Geheimhaltung der amerikanischen Beteiligung durchführbar war.

Nach der Niederlage begann Kennedy am 30. November 1961 die Operation Mongoose, die erneut auf den Sturz der kubanischen Regierung zielte. 1962 entwickelte der US-Generalstab außerdem die Operation Northwoods: Inszenierte Terroranschläge gegen den zivilen Luft- und Schiffsverkehr in den USA sollten Castro angelastet werden und einen Vorwand für eine Invasion schaffen. Kennedy lehnte den ihm am 13. März 1962 vorgelegten Plan ab; er wurde nie umgesetzt.

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