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Interzonenzug
Bei der DR war beispielsweise 1960 von Zügen DDR–Westdeutschland die Rede, in den 1970er und 1980er Jahren von Zügen DDR–BRD. Sie galten als Internationale …
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Grundbegriff und Einordnung
Als Interzonenzug wurden Reisezüge zwischen Westdeutschland beziehungsweise der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetischen Besatzungszone beziehungsweise der DDR und Berlin bezeichnet. Sie waren wichtig, weil sie über Jahrzehnte eine der zentralen Bahnverbindungen zwischen den getrennten Teilen Deutschlands bildeten.
Später wurde genauer unterschieden: Transitzüge dienten vor allem dem Verkehr durch die DDR nach West-Berlin. Andere Züge hatten Ziele innerhalb der DDR und hielten dort an verschiedenen Orten jenseits der Innerdeutschen Grenze; sie gehörten damit auch zum DDR-Binnenverkehr. Berliner Bahnhöfe wurden von diesen Zügen im Allgemeinen nicht angefahren.
Auch die Züge nach Berlin galten nicht als Privilegierter Eisenbahn-Durchgangsverkehr. Der Grund war, dass sie das Netz der Deutschen Bundesbahn nicht wieder erreichten; für die Bahnanlagen in Berlin war ausschließlich die Deutsche Reichsbahn zuständig. Es handelte sich daher um eine besondere Form des Wechselverkehrs zwischen Deutscher Bundesbahn und Deutscher Reichsbahn.
Namen und politische Begriffe
Der Begriff Interzonenzug wurde 1946 von der Deutschen Reichsbahn in der Sowjetischen Besatzungszone eingeführt. Nach Gründung der beiden deutschen Staaten blieb er zunächst eine offizielle Bezeichnung für deutsch-deutsche Reisezüge: bei der Deutschen Reichsbahn bis 1954, bei der Deutschen Bundesbahn bis in die 1960er Jahre. Umgangssprachlich blieb der Name bis zum Ende der DDR gebräuchlich; erst mit der Wiedervereinigung entfiel er.
Die offiziellen Bezeichnungen änderten sich mehrfach entsprechend der politischen Lage. Bei der Deutschen Reichsbahn war 1960 von Zügen DDR–Westdeutschland die Rede, in den 1970er und 1980er Jahren von Zügen DDR–BRD. Diese Züge galten als Internationale Reisezüge und standen deshalb im Internationalen Kursbuch der DR. Bei der Deutschen Bundesbahn sprach man 1970 von Zügen DB–DR, in den 1980er Jahren von Zügen Bundesrepublik Deutschland – Deutsche Demokratische Republik beziehungsweise Berlin (West). Auf Fachebene war auch Wechselverkehrszüge üblich; die offizielle Bezeichnung lautete Reisezüge zwischen der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn.
Im Volksmund der DDR wurden die Züge auch Silberhaar- oder Mumien-Expreß genannt, weil sie von DDR-Bürgern häufig von Rentnern genutzt wurden. Diese hatten nach Überschreiten des 60. Lebensjahres bei Frauen beziehungsweise des 65. Lebensjahres bei Männern Erleichterungen bei den Reisebeschränkungen.
Entwicklung nach 1945 bis zum Mauerbau
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Bahnverkehr zwischen den Besatzungszonen zunächst im Güterverkehr: Am 5. August 1945 fuhr der erste Güterzug aus dem Ruhrgebiet nach Berlin. Durchgehender Schienenpersonenfernverkehr wurde erst im Mai 1946 aufgenommen. Der erste und bis 1949 einzige Interzonen-Schnellzug war ausländischen Reisenden vorbehalten und fuhr zwischen Berlin und Osnabrück; dort gab es Anschluss an den Nord-Express nach Amsterdam und Paris.
Während der Berlinblockade war der Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und den Westzonen vom 23. April 1948 bis zum 12. Mai 1949 auf sowjetische Weisung wegen angeblicher „technischer Schwierigkeiten“ unterbrochen. Am 12. Mai 1949 fuhr der erste Interzonenzug wieder um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße ab.
Da das Fernschnellzugpaar FD 111/112 zwischen Köln und Berlin ständig überlastet war, kamen ab dem 10. September 1949 fünf zusätzliche Fernschnellzugpaare über die innerdeutsche Grenze hinzu. Dazu gehörten Verbindungen zwischen Berlin und Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München sowie ein Schnelltriebwagen zwischen Berlin und Hamburg. Erstmals führten sie auch Wagen der damaligen zweiten Wagenklasse.
Für DDR-Bürger war die Nutzung solcher Züge an Genehmigungen gebunden. Wer in die Bundesrepublik reisen wollte, benötigte einen Interzonenpass, ab 1953 eine Ausreisegenehmigung der DDR oder den Reisepass der Deutschen Demokratischen Republik mit eingetragenem Visum. Bis zum Mauerbau 1961 verkehrten laut Fahrplan 1960/61 zahlreiche Züge über Übergänge wie Lübeck/Herrnburg, Büchen/Schwanheide, Wolfsburg/Oebisfelde, Helmstedt/Marienborn, Bebra/Wartha, Ludwigsstadt/Probstzella und Hof/Gutenfürst. Viele hielten auch in der DDR, waren dort aber nur ausnahmsweise für den Binnenverkehr freigegeben; in den Gegenzügen mussten DDR-Binnenreisende spätestens an bestimmten Bahnhöfen aussteigen.
Verkehr zwischen DDR und Bundesrepublik 1961 bis 1989
Nach dem Bau der Berliner Mauer wurden die Kontrollen an der DDR-Grenze verschärft und die Grenzbahnhöfe stärker gesichert. Zugleich trennte sich das Angebot deutlicher in Züge nach Berlin und Züge mit Zielen innerhalb der DDR.
Die Interzonenzüge waren überwiegend Schnellzüge zu Endbahnhöfen in der DDR und hatten teils lange Laufwege, zum Beispiel Köln–Rostock über Lübeck, Frankfurt am Main–Frankfurt (Oder) über Gerstungen und Leipzig oder München–Rostock über Gutenfürst, Leipzig und Potsdam. Ab dem ersten Halt im Hinterland nach dem DDR-Grenzkontrollbahnhof dienten sie auch dem DDR-Binnenverkehr. Deshalb fuhren sie nicht über West-Berliner Gebiet. Wenn sie durch den Großraum Berlin kamen, nutzten sie den Berliner Außenring und hielten etwa im damaligen Potsdamer Hauptbahnhof, Potsdam Pirschheide, oder auf der Strecke Köln–Görlitz am Flughafenbahnhof Berlin-Schönefeld.
Für Reisen zwischen der Bundesrepublik und Ost-Berlin nutzten die meisten Reisenden die Züge des Transitverkehrs zum Bahnhof Friedrichstraße. Dort fanden die Grenzkontrollen an der Kontrollstelle des Bahnhofs statt. Bei den Interzonenzügen gab es je Tag und Strecke in der Regel nur ein bis zwei Zugpaare.
Die Kontrollen waren umfangreich. Der Interzonenzug Köln–Rostock–Köln hielt in Herrnburg beim Grenzübertritt 40 Minuten für Personen- und Gepäckkontrollen; im Abschnitt bis Bad Kleinen wurde nochmals 40 Minuten im fahrenden Zug kontrolliert. Auf bundesdeutscher Seite fanden Passkontrollen im fahrenden Zug ohne zusätzliche Verzögerung statt. Reisende, die ostwärts an bundesdeutschen Grenzbahnhöfen zustiegen, wurden auf dem Bahnsteig kontrolliert.
In den letzten Jahren der DDR wurde das Angebot schrittweise ausgeweitet. Seit Mitte der 1980er Jahre fuhren einige Eilzüge am Wochenende als Kleiner Grenzverkehr für Tagesreisende aus der Bundesrepublik, etwa zwischen Lübeck und Schwerin, Lichtenfels und Saalfeld oder Helmstedt und Eilsleben. Nach Reiseerleichterungen für DDR-Bürger wurden 1988/89 zusätzliche Züge eingeführt. Nach dem Mauerfall erhöhten beide deutsche Staatsbahnen das Angebot stark, um die gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Nach der Wiedervereinigung wurden die Züge in das normale Bahnangebot integriert; einige Verbindungen wurden aber auch ersatzlos eingestellt.
Transitzüge nach West-Berlin
Transitzüge waren die Züge im Verkehr mit Berlin, die nach dem Mauerbau ohne planmäßigen Verkehrshalt durch die DDR fuhren. Vor dem Transitabkommen konnten die Wartezeiten an DDR-Grenzbahnhöfen bis zu einer Stunde betragen. Kontrolliert wurde bei Einreise in die DDR und bei Ausreise aus der DDR, auch das Gepäck wurde überprüft.
Das Transitabkommen trat am 3. Juni 1972 in Kraft. Danach sollte nur noch eine einmalige Passkontrolle während der Fahrt durch die DDR stattfinden. Die Standzeiten an den DDR-Grenzbahnhöfen sanken auf 5 bis 20 Minuten; länger als 5 Minuten waren sie nur in Gerstungen und Probstzella wegen des Lokwechsels. Auf DDR-Gebiet begleiteten Angehörige einer Passkontrolleinheit des Ministeriums für Staatssicherheit und der Transportpolizei die Züge.
Betriebshalte, also Halte aus betrieblichen Gründen und nicht zum Ein- oder Aussteigen, wurden streng überwacht. Ziel war, dass kein DDR-Bürger in den Zug gelangte und aus der DDR fliehen konnte und dass kein BRD-Bürger unbemerkt in die DDR einreiste. Bei außerplanmäßigen Halten sicherten Transportpolizei und Staatssicherheit die Züge. Transitzüge hatten im Betriebsablauf Sonderrechte, um ungeplante Halte möglichst zu vermeiden; meist wurde im Fahrplan ein Zeit-Kanal von 5 bis 10 Minuten vor dem Transitzug freigehalten.
In Berlin begannen und endeten die Transitzüge im Betriebsbahnhof Rummelsburg. Sie wurden leer über die östliche Stadtbahnstrecke geführt und am Fernbahnsteig des Bahnhofs Berlin Friedrichstraße gründlich durchsucht, um Fluchtversuche zu verhindern. Erst danach durften Fahrgäste einsteigen. Der Fernbahnsteig lag im Ostteil Berlins, war aber vom Westen mit S-Bahn und U-Bahn ohne Kontrollen erreichbar. In West-Berlin hielten die Züge am Bahnhof Berlin Zoologischer Garten, ab 1976 je nach Laufweg auch in Berlin-Spandau oder Berlin-Wannsee. In den Zuglaufanzeigen wurde als Ziel „Berlin Stadtbahn“ angegeben.
Auf DDR-Gebiet durfte zwischen dem Bundesgebiet und Berlin grundsätzlich niemand ein- oder aussteigen. Ausnahmen betrafen einzelne Grenzbahnhöfe an der DDR-Westgrenze; die Praxis war unterschiedlich. In Gerstungen war Ein- und Ausstieg verboten, ebenso seit den 1970er Jahren in Probstzella, abgesehen von einem besonderen Zubringerzug von Saalfeld. In Schwanheide, Gutenfürst und Marienborn konnte in Züge des DDR-Binnenverkehrs umgestiegen werden. Ein Teil der Zugpaare über Helmstedt–Marienborn waren internationale Züge, die ostwärts bis Warschau oder Moskau und westwärts bis Paris-Nord, Oostende oder Hoek van Holland fuhren.
Grenzübergänge und Militärverkehr
Für den Verkehr zwischen Bundesrepublik und DDR wurden mehrere Grenzbahnhöfe genutzt. Dazu gehörten unter anderem Lübeck/Herrnburg, Büchen/Schwanheide, Wolfsburg/Oebisfelde, Helmstedt/Marienborn, Eichenberg/Arenshausen im Jahr 1990, Bebra/Wartha beziehungsweise ab 1963 Bebra/Gerstungen, Ludwigsstadt/Probstzella und Hof/Gutenfürst ab Oktober 1972. Nicht alle Übergänge waren für den Personen-Transitverkehr nach West-Berlin zugelassen: Lübeck/Herrnburg und Wolfsburg/Oebisfelde waren dafür nicht zugelassen.
Zwischen DDR und West-Berlin gab es für den Transitverkehr Übergänge wie Staaken/Berlin-Spandau ab 1976 und Griebnitzsee/Berlin-Wannsee. Drewitz/Berlin-Wannsee wurde nur für Güterzüge, Sonderzüge und Umleitungen wegen Bauarbeiten genutzt. Der einzige Weg im öffentlichen Personenverkehr, West-Berlin mit der Eisenbahn aus der DDR zu erreichen, führte über den Grenzübergang im Bahnhof Friedrichstraße mit der Berliner S-Bahn. Im Güterverkehr kamen zusätzlich Walkenried/Ellrich und Drewitz/Berlin-Wannsee hinzu.
Für den militärischen Transitverkehr von und nach West-Berlin hatten das US Army Transportation Corps, das Royal Corps of Transport und die französische Armee eigene Züge. Lokomotiven und Lokpersonal stellten auf ihrem jeweiligen Netz die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn. Die Grenzformalitäten wurden nach dem Viermächteabkommen von Angehörigen der Sowjetarmee durchgeführt. Wenn auf dem Abschnitt Berlin-Wannsee–Potsdam Kontrollen stattfanden, geschah dies nicht in Griebnitzsee, sondern im damaligen Bahnhof Potsdam Stadt, dem heutigen Potsdam Hauptbahnhof.