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Physikotheologie
Die Physikotheologie (auch Naturtheologie) ist eine theologische Richtung, in der der rationalistische Erweis der Existenz Gottes in den Wundern seiner …
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Grundidee und Einordnung
Physikotheologie, auch Naturtheologie, ist eine theologische Richtung. Sie versucht, die Existenz Gottes rational aus den Wundern seiner Schöpfung, also der Natur (griechisch physis), zu erweisen. Wichtig ist dabei besonders die Annahme, dass die Natur zweckhaft eingerichtet und geordnet sei. Aus dieser Ordnung und Zweckmäßigkeit soll auf Gott geschlossen werden.
Sie ist mit der natürlichen Theologie verwandt: Diese will mit philosophischen Mitteln und der „natürlichen Vernunft“ Erkenntnisse über Gott gewinnen, ohne sich auf Offenbarungswissen zu stützen. „Physikotheologie“ wird jedoch enger verwendet. Gemeint ist vor allem ein Beweis aus Naturwundern und zweckhafter Einrichtung, der zu kosmologischen oder teleologischen Gottesbeweisen gehören kann. Teleologisch bedeutet: auf Zwecke und Zweckmäßigkeit gerichtet. Der Begriff wird gewöhnlich für Autoren ab dem 16. Jahrhundert gebraucht.
Entwicklung und Vertreter
Ein Staunen über die Wunder der Natur wird bereits im Barock beschrieben; als Hintergrund nennt der Artikel die Veränderung des Weltbildes nach Nicolaus Copernicus, Giordano Bruno und Galileo Galilei. Physikotheologische Gottesbeweise, auch „physikotheologischer“ oder „physiko-teleologischer“ Beweis genannt, wurden beliebt.
Je nach Gegenstand der Natur entstanden Bezeichnungen wie Astro-, Hydro-, Ichthyo-, Insecto-, Litho- und Pyrotheologie sowie mindestens 30 weitere. Als einflussreichster Vertreter gilt Barthold Brockes (1680–1747), Schriftsteller und Hamburger Senator. Seine Gedichtsammlung Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten erschien 1721–48 in neun Bänden. Sie verbindet die Huldigung von Natur und Schöpfung mit einer präzisen, analytischen Betrachtung.
Johann Albert Fabricius und sein Kreis, darunter Johann Christoph, Christian Wolff, Hermann Samuel Reimarus und Michael Richey, trugen in Deutschland stark zu dieser Gattung bei. Anders als Brockes betonten sie, aufbauend auf William Derham, besonders Gottes Vorsehung bei der Ordnung der Natur. Solche Schriften wirkten auch auf Naturwissenschaftler wie Carl von Linné und förderten bereits in der Frühzeit der Biologie die Betrachtung ökologischer Zusammenhänge: Man versuchte, „gesetzmäßige Zusammenhänge zwischen den Arten festzustellen“.
Die Angaben dieses Abschnitts sind laut Artikel nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet.
Naturwissenschaft, Literatur und Kritik
Für die Germanistik ist Physikotheologie wichtig, weil sie zeigt, wie Ergebnisse moderner Naturwissenschaften im Spannungsfeld mit orthodoxer Religiosität literarisch verarbeitet wurden. In Brockes’ Naturgedichten ist das dichterische Ich von der Perfektion der Schöpfung fasziniert. Es beschreibt Naturwissenschaftliches genau und ordnet es danach als Wunder sowie als Zeichen der Größe Gottes ein. Naturwissenschaft wird dadurch als Gottesbeweis verwendet.
Eine radikalisierte Form vertraten Johann Christian Edelmann (1698–1767) und der Wolffianer Lorenz Schmidt. Schmidt bot in seiner sogenannten Werthheimer Bibelübersetzung von 1735 eine vollständige Neudichtung des Pentateuch im Sinne der Aufklärung und kam dafür als Religionsspötter ins Gefängnis.
Im 17. Jahrhundert spielte die Physikotheologie zur Zeit der aufkommenden Naturwissenschaften eine wichtige Rolle. Die theologische Deutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ermöglichte eine für beide Seiten vorteilhafte Symbiose von Theologie und Naturwissenschaft. Immanuel Kant versuchte in Kritik der Urteilskraft, § 85, die angestrebten Gottesbeweise als falsch und unzulässig zu zeigen: Sie ließen sich seiner Auffassung nach auf den ungültigen Anselmschen Gottesbeweis zurückführen. Kant trug damit nach dem Artikel dazu bei, dass Naturwissenschaft ohne theologische Deutungen auskommen konnte. Außerdem wollte er zeigen, dass sich aus einer teleologischen Betrachtung der Körperwelt nicht auf Gott als Endzweck schließen lässt.
Neuere Wiederaufnahme
Als eine Art „postmoderne Physikotheologie“ bezeichnet der Artikel Intelligent Design, eine neuere Variante des Kreationismus. Diese Strömung konservativer Denkfabriken versucht, teleologische Argumente als wissenschaftlich zu legitimieren. Von der Komplexität von Lebewesen soll auf das Wirken eines Schöpfers oder Designers geschlossen werden.
Kritisch hält der Artikel fest: In den Lebenswissenschaften werden „Zwecke“ und „Funktionszusammenhänge“ in biologischen Systemen methodisch unterstellt. Intelligent Design ordne sie jedoch dem aristotelischen Zweckbegriff zu, siehe auch Entelechie. Dadurch würden Funktionen wissenschaftlicher Modelle zu Ontologien gemacht, also zu Aussagen darüber, was wirklich existiert.