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Instrumentalkonzert
Das Instrumentalkonzert [Anm. 1] (allgemein genannt Konzert. Italienisch: Concerto) entstand in der Barockzeit als formale Gegenüberstellung von …
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Grundidee und Entwicklung
Das Instrumentalkonzert, meist einfach Konzert genannt, ist eine musikalische Form, die in der Barockzeit entstand. Ihr Kern ist die Gegenüberstellung von einem oder mehreren Soloinstrumenten und einem Ensemble oder Orchester. Typisch ist das abwechselnde Zusammenspiel von Tutti, also allen beteiligten Musikerinnen und Musikern, und Solo, also einzelnen hervorgehobenen Stimmen.
Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich das Konzert zu einem satztechnischen Prinzip: Einzelne Instrumentalstimmen wirken mit einer instrumentalen Stimmgruppe zusammen. Dieses Verhältnis von Solo und Tutti veränderte sich im Lauf der Musikgeschichte. Der Begriff „concertare“ konnte ursprünglich sowohl das Zusammenwirken als auch das Wettstreiten von Stimmen oder Instrumenten bedeuten. Zur Zeit Johann Joachim Quantz’ im 18. Jahrhundert war „Concerto“ bereits eng mit dem Instrumentalkonzert verbunden.
Ursprünge
Die Wurzeln des Konzertierens liegen in der italienischen Mehrchörigkeit des 16. Jahrhunderts. Andrea Gabrieli, Giovanni Gabrieli und Lodovico Grossi da Viadana bezeichneten mit „Concert“ das Zusammenklingen gesungener und instrumentaler Gruppen, noch ohne deutliche Betonung eines Solos. Auch geistliche Konzerte, etwa bei Heinrich Schütz, konnten sehr unterschiedliche vokale und instrumentale Besetzungen haben.
Bis ins 17. Jahrhundert wurden Musikstücke oft nicht für genau festgelegte Instrumente geschrieben. Häufig standen nur die Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass fest; die Wahl der Instrumente blieb den Ausführenden überlassen. Als sich in Italien das vierstimmige barocke Streichorchester als Standardensemble für weltliche Musik und Kirchenmusik bildete, entstanden neue Klang- und Spielmöglichkeiten. Berufsmusiker übernahmen in oft mit Laien besetzten Orchestern die schwierigeren Stellen. Daraus entwickelten sich das Concerto grosso mit mehreren Solisten und das moderne Solo-Instrumentalkonzert. Dieses eignete sich besonders für reisende Virtuosen, die in Adelshäusern mit dortigen Ensembles auftraten. Seit dem späten 18. Jahrhundert machte der bürgerliche Konzertsaal diese Kunstform noch populärer, besonders das Violinkonzert und später das Klavierkonzert.
Form und Aufbau
Ein instrumentales Konzert besteht in der Regel aus mehreren Sätzen. Seit Antonio Vivaldi wurde die dreisätzige Anlage schnell – langsam – schnell zur Grundform. Die beiden schnellen Ecksätze stehen häufig in Ritornellform: Ein wiederkehrender Orchestergedanke, das Ritornell, wechselt mit Solopassagen. Der mittlere Satz ist meist langsamer und gesanglich angelegt.
Nach dem Barock festigte sich für den ersten Satz die Sonatensatzform. Wegbereiter der klassischen Konzertform war Carl Philipp Emanuel Bach. In der Romantik wurden die Formen freier: Es entstanden Konzerte ohne feste Satzbindung oder feste Satzbezeichnung, aber auch einsätzige Konzertstücke, etwa Carl Maria von Webers Konzertstück f-Moll für Klavier und Orchester. Umgekehrt konnte ein Konzert auch erweitert werden, zum Beispiel durch einen vierten Satz wie das Scherzo in Johannes Brahms’ Klavierkonzert B-Dur.
Barock und Klassik
Im Barock war das Concerto grosso durch das Wechselspiel zwischen Concertino, den solistischen Spielern, und Ripieno, dem gesamten Ensemble, geprägt. Die ersten Solo-Instrumentalkonzerte orientierten sich an der Opernarie: Orchester-Ritornelle wechselten mit Solopassagen, die oft nur vom Continuo begleitet wurden. Continuo meint eine Bassstimme mit harmonischer Stütze, zum Beispiel durch Cembalo und Violoncello.
Antonio Vivaldi entwickelte die Form besonders stark weiter. In seinen schnellen Sätzen wiederholt sich das Ritornell nicht starr, sondern verändert sich harmonisch und im Umfang. Zwischen zwei schnellen Sätzen steht ein langsamer, gesanglicher Satz mit sparsamer Begleitung. Vivaldis Solopartien, vor allem in Violinkonzerten, sind oft sehr virtuos. Von ihm sind 477 Konzerte erhalten, darunter 228 für Violine. Die von ihm standardisierte Dreisätzigkeit blieb bis ins 20. Jahrhundert grundlegend.
Johann Sebastian Bach übernahm und bearbeitete Vivaldi-Konzerte, etwa für Orgel oder Cembalo. Sein Italienisches Konzert von 1735 für Cembalo allein stellt Tutti und Solo auf zwei Manualen ohne Orchester dar. In Bachs reiferen Werken sind Solo- und Orchesterstimmen stärker kontrapunktisch verwoben, also kunstvoll gegeneinandergeführt. Neben Violinkonzerten, dem Doppelkonzert BWV 1043 und Konzerten für ein bis vier Cembali enthalten auch die Brandenburgischen Konzerte Elemente von Concerto grosso und Solokonzert.
In der Klassik wuchs mit der bürgerlichen Konzertkultur der Bedarf an neuen Attraktionen. Die Persönlichkeit der Ausführenden trat stärker hervor. Das klassische Solokonzert entwickelte sich parallel zur Sinfonie. Im schnellen Kopfsatz stellt meist das Orchester das erste Thema vor, danach tritt das Soloinstrument mit einer Variante oder einem eigenen Thema ein. Der zweite Satz ist langsamer und oft liedhaft; der Finalsatz ist wieder schneller und virtuos, häufig in Sonatenform, Rondoform oder einer Mischform. Neu wichtig wurde die Solokadenz: eine unbegleitete Stelle, in der der Solist technisches Können und ursprünglich auch Improvisation zeigen konnte. Bevorzugte Gattungen waren Violinkonzert und Klavierkonzert, etwa bei Mozart und Beethoven. Das Orchester wurde gegenüber dem Barock durch Bläser erweitert und konnte bis zum vollen Sinfonieorchester anwachsen.
Romantik und Neue Musik
In der Romantik steigerte sich die instrumentale Virtuosität stark. Niccolo Paganini führte die Möglichkeiten der Violine an ihre Grenzen; Franz Liszt übertrug eine vergleichbare Virtuosität auf das Klavier. Das Klavierkonzert wurde intensiver und umfangreicher, etwa bei Liszt, Tschaikowsky, Rachmaninov und Reger, und konnte bei Johannes Brahms sogar viersätzig werden. Ferruccio Busoni bezog in sein Klavierkonzert op. 39 einen Männerchor ein. Gleichzeitig konnten Sätze auch zu einem einsätzigen Werk verschmelzen, wie bei Robert Schumanns einsätziger Phantasie für Klavier und Orchester von 1841, aus der später sein Klavierkonzert op. 54 hervorging.
Auch in der Neuen Musik blieb das Prinzip Solo gegen oder mit Orchester erhalten, zum Beispiel bei Sofia Gubaidulinas Violinkonzert und ihrem Konzert für Viola und Orchester. Gleichzeitig wurde das Instrumentalkonzert sehr variantenreich. Komponisten der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg verwendeten zwölftönige und serielle Kompositionsweisen, etwa Schönberg, Anton Webern und Alban Berg. Seit Paul Hindemiths Konzert für Orchester von 1925 gibt es außerdem Konzerte ohne einzelnes Soloinstrument: Das Orchester selbst wird solistisch und virtuos behandelt, wie später bei Witold Lutosławski und Béla Bartók. Ein modernes Beispiel ist Helmut Lachenmanns Concertini für Ensemble von 2005. Caspar René Hirschfeld knüpfte mit dem Doppelkonzert Wandlungen V für Violine und Cello in moderner Tonsprache an die klassisch-romantische Tradition an.
Weitere Formen und besondere Besetzungen
Neben dem Solokonzert gibt es häufig Konzerte für zwei Soloinstrumente mit Orchester. Sie heißen Doppelkonzerte. Dabei stehen zwei Solisten dem Orchester gegenüber und treten zugleich miteinander in Dialog, etwa in Johann Sebastian Bachs Konzert d-Moll BWV 1043. Ein Tripelkonzert hat drei Solisten, wie Bachs Tripelkonzert für Violine, Flöte und Cembalo mit Streichorchester. Besonders im Barock gab es auch Gruppenkonzerte wie das Quadrupelkonzert.
Im 18. Jahrhundert wurden Doppelkonzerte teils unter der Bezeichnung „Sinfonia concertante“ geführt, einer Mischform von Sinfonie und Konzert. Beispiele sind Werke von Mozart, etwa für Flöte und Harfe KV 299 oder für zwei Klaviere KV 365, sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Oboe von Antonio Salieri. In späteren Epochen wurden Doppelkonzerte seltener; ein bekanntes Beispiel ist Brahms’ Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester. Der Artikel erklärt diese Seltenheit vor allem mit der virtuosen Solistenkultur der Romantik, also dem Zeitalter des Startums.
Es gibt außerdem ungewöhnliche Besetzungen. Vivaldi schrieb bereits im Barock Solokonzerte für seltenere Instrumente wie Viola d’amore, Fagott, Chalumeau oder Mandoline. Johann Georg Albrechtsbergers Doppelkonzert für Maultrommel, Mandora und Streichorchester gilt als besonders experimentierfreudig. In der Moderne gehören Igor Stravinskys Ebony Concerto für Klarinette und Jazz-Bigband von 1945, Elliott Carters Doppelkonzert für Klavier, Cembalo und zwei Kammerorchester sowie John Serrys Concerto for Free Bass Accordion von 1967 zu solchen originellen Varianten.