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Streichorchester
Ein Streichorchester ist ein Orchester, das ausschließlich Streichinstrumente verwendet. In der Regel sind dies Violinen. Bratschen, Violoncelli und Kontrabä …
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Aufbau und Funktion
Ein Streichorchester ist ein Orchester, das ausschließlich Streichinstrumente verwendet. Die übliche Besetzung besteht aus Violinen, meist in zwei Gruppen, Bratschen, Violoncelli und Kontrabässen. Selten werden die Violinen in drei Gruppen geteilt, wie teilweise bei Erich Wolfgang Korngold. Die Streichergruppe bildet im klassischen Sinfonieorchester das Zentrum und die Grundlage der Besetzung. Je nach Stil, Anlass und Musikgenre wird sie dort durch Blas-, Schlag- oder andere Instrumente ergänzt.
Die Größe eines Streicherkorpus wird in Partituren oft nicht genau festgelegt. Anders als bei Bläsern, Percussion und sonstigen Instrumenten, deren Zahl seit der Barockzeit gewöhnlich genau angegeben wird, kann die Zahl der Streicher je nach Orchester und Konzertumgebung stark variieren. Sie richtet sich üblicherweise auch nach der Größe der Bläsersektion und der Zahl weiterer Instrumente. Die Zahlenfolge 8.6.4.3.2 bezeichnet beispielsweise die Anzahl der fünf üblichen Streichergruppen. Für die Wiener Klassik ist ergänzend zu Bläsern und Pauke häufig eine eher kleine Besetzung wie 8.6.4.3.2 typisch; spätromantische Werke verwenden als Grundschattierung oft größere Besetzungen wie 16.14.12.10.8.
In der Spätromantik sowie im 20. und 21. Jahrhundert werden teilweise besonders große Besetzungen verlangt. Arnold Schönberg forderte für die Gurre-Lieder 84 Streicher; Hans Zimmer und James Newton Howard verlangen in ihrer Musik zu Batman Dark Knight bis zu 88 Streicher. Werke, die ausschließlich auf einem Streichorchester beruhen, haben dagegen häufig weniger Instrumente. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts gab es zusätzlich die Tenor-Viola. Sie lag als Stimme zwischen der Bratsche, die damals Alt-Viola hieß, und dem Violoncello. International heißt diese Besetzung häufig Orchestra d'archi, auf Französisch auch Orchestre à cordes.
Abweichende Besetzungen und typische Werke
Außerhalb der klassischen Musik kann die Besetzung von der üblichen Anordnung abweichen. Bei einer von einem Streichorchester begleiteten Big-Band fehlt häufig die Kontrabasssektion. In Musicalproduktionen fehlen häufig die Bratschen; dies ähnelt dem klassischen Salonorchester. In zahlreichen Popmusiken ist teils nur eine Violingruppe besetzt. Einige Filmmusikkomponisten, etwa Hans Zimmer, verzichten seltener vollständig auf Bratschen und ersetzen die Alt-Lage durch eine groß besetzte, durch Divisispiel weit aufgefächerte Cellisektion. Divisispiel bedeutet, dass eine Instrumentengruppe in mehrere Stimmen aufgeteilt wird. In den meisten Kompositionen mit Streichorchester ist jedoch eine Bratschensektion vorhanden. Es gibt auch Stücke nur für Violoncelli, zum Beispiel Wilhelm Kaiser-Lindemanns „Bossa-nova. Variacioes brasileiras op. 36“.
Oft geht einem Werk für Streichorchester eine kammermusikalische Komposition für Streichquartett, Streichquintett oder Streichsextett voraus. Beispiele für Bearbeitungen sind Samuel Barbers Adagio for Strings, das eigentlich ein Arrangement des zweiten Satzes seines Streichquartetts Nr. 1 ist, sowie Arnold Schönbergs Verklärte Nacht Op. 4: ursprünglich 1899 für Streichsextett geschrieben und 1917 für Streichorchester umgeschrieben. Alban Bergs 3 Stücke aus der Lyrischen Suite wurden ebenfalls von der ursprünglichen Fassung für Streichsextett von 1927 1928 für Streichorchester umgeschrieben.
Zum Repertoire zählen außerdem Mozarts Divertimenti für Streicher KV 136/125a, KV 137/125b und KV 138/125c aus dem Jahr 1772 sowie Eine Kleine Nachtmusik (1787), Tschaikowskis Serenade für Streicher in C-Dur, Dvořáks Serenade E-Dur Op. 22, Bartóks Divertimento für Streichorchester, Brittens Simple Symphony und Richard Strauss’ Metamorphosen für 23 Solostreicher. Als Beispiel für den ausschließlichen Einsatz von Streichern in der Filmmusik wird Bernard Herrmanns Soundtrack zu Alfred Hitchcocks Psycho genannt.