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Cembalo
Das Cembalo zeichnet sich durch einen hellen, obertonreichen Klang aus. Anders als beim Klavier werden die Saiten nicht mit Hämmerchen angeschlagen, sondern mit …
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Instrument und Spielweise
Das Cembalo ist ein Tasteninstrument und Chordophon, dessen Blütezeit im 15. bis 18. Jahrhundert lag. Es hat einen kleineren Tonumfang als das moderne Klavier, der jedoch oft durch 4-Fuß-Register und gelegentlich durch 16- oder 2-Fuß-Register erweitert wird. Sein Klang ist hell und obertonreich. Anders als beim Klavier schlagen keine Hämmer die Saiten an: Kiele, also kleine Plektren, zupfen sie.
Beim Tastendruck hebt sich ein Springer. In ihm sitzt eine bewegliche Zunge mit dem Kiel, die die Saite anreißt. Beim Loslassen fällt der Springer zurück; die Zunge lässt den Kiel an der Saite vorbeigleiten, und ein Filzfähnchen dämpft die Saite. Kiele waren früher oft Vogelfeder- oder Lederplektren, heute meist Kunststoff wie Polyamid oder POM. Sie sind Verschleißteile und können ausgetauscht sowie intoniert werden.
Die Saiten bestehen fast immer aus Metall, meist Messing oder Eisen. Messing klingt wärmer, dunkler und etwas lauter; Eisen silbriger, heller und feiner. Häufig werden Basssaiten aus Messing und mittlere sowie hohe Saiten aus Eisen verwendet. Lautencembali bilden eine seltene Ausnahme mit Darmsaiten.
Der Anschlag ermöglicht zwar geringe messbare Lautstärkeunterschiede, aber keine nennenswerte Lautstärkesteuerung wie beim Klavier. Der Ausdruck entsteht daher vor allem durch Artikulation, also die Art, Töne zu trennen oder zu verbinden, und durch Agogik, kleine Veränderungen von Tempo und Zeitgestaltung. Bei Akkordbrechungen kann Legatissimo entstehen, indem Harmonietöne liegen gelassen werden.
Register sind ein- und ausschaltbare Saitensätze, die Klangfarbe und Lautstärke verändern. Ein Lautenzug ist dagegen kein eigener Saitenbezug, sondern ein zuschaltbarer Dämpfer: Er macht den Klang weicher und lautenähnlich. Englische Instrumente nach 1760 konnten einen Deckelschweller mit Pedal besitzen; dessen Wirkung ist aber nur eingeschränkt mit einem Orgel-Schwellwerk vergleichbar.
Bauformen, Manuale und Register
Die große, flügelförmige Bauform heißt Kielflügel und wird im engeren Sinn als Cembalo bezeichnet. Seine Saiten verlaufen in Verlängerung der Tasten; die Klaviatur liegt an einem Ende der Saiten. Das Clavicytherium ist eine hochkant stehende, platzsparende Variante, bei der die Saiten senkrecht zu den Tasten verlaufen. Es war mindestens seit den 1460er Jahren bekannt; das älteste erhaltene Kielinstrument ist ein anonymes kleines Clavicytherium von etwa 1470, vermutlich aus Ulm.
Einmanualige Cembali haben eine Klaviatur und oft zwei Register in 8-Fuß-Lage (8'). Diese normale Tonlage ist nach den tonhöhenanalogen Orgelpfeifen benannt. Unterschiedliche Anreißpunkte erzeugen unterschiedliche Klangfarben: Ein näher zur Saitenmitte liegender Anreißpunkt klingt voller und runder, ein näher zur Taste liegender heller und silbriger. Beide Register können einzeln oder gekoppelt erklingen. Frühe italienische und Ruckers-Cembali besaßen oft die Disposition 8'/4'; das 4-Fuß-Register (4') klingt eine Oktave höher. Viele historische Instrumente wurden später umgebaut und erhielten statt des 4'-Registers ein zweites 8'-Register.
Zweimanualige Cembali haben meist zwei Klaviaturen und die Disposition 8'/8'/4'. Sie sind mindestens seit 1648 nachweisbar, anscheinend zuerst in Frankreich. Jedes Manual bedient normalerweise ein 8'-Register; das 4'-Register gehört zu einem Manual. Eine Schiebekoppel kann durch Verschieben eines Manuals Register gemeinsam einschalten und ermöglicht etwa Echo- oder forte-piano-Wirkungen. Bei dogleg-Springern kann ein Register von beiden Manualen gespielt werden. Ab etwa 1760 erlaubten französische Kniehebel und englische Pedale das Umregistrieren während des Spiels.
Seltene 16'-Register wurden fast nur in Hamburg, Sachsen und Thüringen gebaut; ihre langen Saiten machen die Instrumente deutlich größer. Ein 2'-Register ist noch seltener. Nasalregister erzeugen einen hellen, spitzen, näselnden Klang. Das englische lute-stop bezeichnet ein solches Register und darf nicht mit dem Lautenzug verwechselt werden, der in England harp-stop hieß. Französische Instrumente erhielten ab den 1760er Jahren gelegentlich ein 8'-Register mit weichen Büffellederplektren, peau de buffle, für einen besonders weichen Ton.
Beim Virginal verlaufen die Saiten quer zu den Tasten. Es ist polygonal oder rechteckig; meist hat es ein Register und klingt voll, rund und etwas glockig. Beim flämischen Muselar liegt die Klaviatur weiter rechts, was einen dunklen, glockig-flötigen Klang bewirkt. Das eigentliche oder Querspinett hat schräg zu den Tasten verlaufende, kürzere Saiten und eine platzsparende, meist dreieckige Form. Es ist überwiegend ein Hausinstrument mit einem Manual und einem Register.
Sonderformen und europäischer Cembalobau
Der möglicherweise erste bekannte Cembalobauer und Erfinder war Hermann Poll aus Wien. Ein Brief von Lodovico Lambertacci von 1397 nennt sein clavicembalum; weitere frühe Erwähnungen stammen von 1404 und 1440. Das Cembalo und verwandte Kielinstrumente etablierten sich in der Renaissance in unterschiedlichen europäischen Bautraditionen.
Neben Instrumenten in 8-Fuß-Lage gab es im 16. und 17. Jahrhundert häufig 4-Fuß- und Quartinstrumente. Ein Oktavcembalo oder Ottavino klingt eine Oktave höher, ein Quartinstrument eine Quarte höher. Ruckers baute zwischen etwa 1570 und 1650 zweimanualige Transponiercembali: Das obere Manual klang eine Quarte höher als das untere, beide waren nicht gleichzeitig spielbar. Von Ioannes Ruckers sind nur zwei im Originalzustand erhalten, von 1637 und 1638.
Italienische Instrumente mit „gebrochenen“ Obertasten erweiterten die gewöhnliche Tastatur. Vorderer und hinterer Teil einer Taste konnten verschiedene Töne erzeugen, etwa Gis und As. Ein cimbalo cromatico konnte 19 Tasten pro Oktave haben; das archicembalo war mit 36 Tasten pro Oktave ein Extremfall. Vito de Trasuntinos Clavemusicum omnitonum von 1606 besitzt 31 Tasten pro Oktave und ist das einzige erhaltene Instrument dieser Art. Solche Bauformen verschwanden etwa nach 1650, als chromatische und enharmonische Experimente abnahmen und praktikablere Stimmungen, etwa von Werckmeister, aufkamen.
Das clavecin brisé von Jean Marius war ein dreiteiliges, zusammenklappbares Reisecembalo. Dafür erhielt er am 18. September 1700 ein 20-jähriges königliches Patent. Diese Instrumente sind etwa 130 cm lang und 75 cm breit und haben den Umfang G₁–e³ mit kurzer Bassoktave. Kombinationsinstrumente verbanden das Cembalo beispielsweise mit einem Orgelpositiv zum Claviorganum, manchmal zusätzlich mit einem Regal; später gab es Kombinationen mit Hammerklavier oder Tangentenflügel.
Italien war im 16. und 17. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum. Italienische Cembali waren meist einmanualig, häufig aus Zypresse oder Zeder und oft als zierliches Instrument in einem äußeren Schutzkasten gebaut (inner-outer). In Flandern entwickelten die Ruckers und Couchet stabile, breitere Instrumente mit dickeren Wänden, ursprünglich meist mit 8'/4' und kurzer Oktave auf C/E. Ruckers-Instrumente prägten besonders Frankreich, England und Deutschland. In Frankreich war ab 1648 das zweimanualige 8'/8'/4'-Cembalo mit Lautenzug typisch; später wurden viele ältere flämische Instrumente durch petit oder grand ravalement erweitert und umgebaut. Das grand ravalement führte gewöhnlich zum Umfang F₁–f³ über fünf volle Oktaven und konnte sogar Umbauten vom ein- zum zweimanualigen Instrument einschließen.
Deutschland zeigte besonders vielfältige Dispositionen, darunter Nasalregister und einzelne sehr große 16'-Cembali. England entwickelte im 18. Jahrhundert unter anderem durch Shudi und Kirkman große, füllig klingende Instrumente; ab etwa 1760 besaßen sie oft Pedale zum Registrieren und teils einen Venetian swell. Österreich war stark italienisch beeinflusst. Spanische Instrumente werden teils noch als originär spanisch diskutiert; portugiesische Instrumente der Familie Antunes aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ähneln italienischen Cembali.
Wiederentdeckung und heutige Varianten
Nachdem das Cembalo an Bedeutung verloren hatte, leitete die Pariser Weltausstellung 1889 eine Wiederentdeckung ein. Tomasini, Érard und Pleyel stellten dort Instrumente vor, die frei nach einem Taskin-Cembalo von 1769 gebaut waren. Im frühen 20. Jahrhundert verband sich die erneute Verbreitung mit der Wiederentdeckung der Barockmusik; Wanda Landowska und Eta Harich-Schneider machten das Instrument durch Konzerte und Unterricht bekannter.
Das 1912 von Pleyel für Wanda Landowska entwickelte Modell hatte zwei Manuale, vier Register (16′/8′/4′; 8′) und sechs Pedale. Solche modernen Konzertcembali orientierten sich eher am Klavierbau als an historischen Vorbildern. Die historische geschlossene Kastenbauweise wurde oft durch die Rastenbauweise ersetzt: Eine kräftige Holzbalkenkonstruktion und teils Metallstreben oder gusseiserne Rahmen fingen die Saitenzugkräfte auf. Die Instrumente wurden schwer; ihr orgelartiger, metallisch-dünner und wenig tragfähiger Ton galt zunehmend als klanglicher Nachteil.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte sich im Zuge historischer Aufführungspraxis die Rückbesinnung auf historische Materialien und Verfahren durch, etwa auf Korpusse aus Vollholz und die Kastenbauweise. Historisch orientierte Nachbauten beziehen sich beispielsweise auf Ruckers, Giusti, Mietke oder Taskin. Ihr Ton wird als präsent, schwingend, weittragend, lebendiger und weniger metallisch als bei Rasten-Cembali beschrieben. Heute wird diese Bauweise von führenden Cembalisten sowie Einrichtungen für Alte Musik allgemein bevorzugt.
Viele Serieninstrumente näherten sich von den 1960er- bis 1980er-Jahren historischen Bauformen an, behielten aber teils moderne Springer, Leder- oder Kunststoffkiele, Stellschrauben und eine wirksamere Dämpfung. Dadurch entstand eine große konstruktive und klangliche Vielfalt. Elektronische Varianten bieten Cembalo-Klänge und teils historische Stimmungen; Roland baut ein elektronisches Cembalo mit nachgebildetem Spielgefühl, GrandOrgue arbeitet mit Samplings originaler Cembali.
Musik und musikalische Verwendung
Die frühe Solomusik bestand vor allem aus Intabulierungen, also Bearbeitungen bekannter Melodien, Lieder, Chansons, Motetten und Madrigalen für ein Tasteninstrument. Dazu kamen Tänze. Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden je nach Land typische Formen: das spanisch-portugiesische Tiento als fugenartige Originalkomposition nach Art einer Motette, italienische Ricercari, Canzonen, Toccaten, Capricci und Variationen sowie englische Virginalmusik. In England bezeichnete virginalls damals alle Arten von Kielinstrumenten, nicht nur Virginale.
Zu den bedeutenden Komponisten gehören Antonio de Cabezón mit Variationen und Tientos, Claudio Merulo und Andrea Gabrieli, die neapolitanischen Meister Ascanio Mayone und Giovanni Maria Trabaci sowie Girolamo Frescobaldi. Die englischen Virginalisten, besonders William Byrd, John Bull, Giles Farnaby und Peter Philips, schrieben oft hochvirtuose Musik. In Frankreich entstanden unter anderem Suiten aus Tänzen und später Charakterstücken, besonders bei Jacques Champion de Chambonnières, Louis Couperin, Jean-Henri d’Anglebert, François Couperin und Jean-Philippe Rameau.
In Deutschland komponierte Johann Jakob Froberger Toccaten, Ricercari, Canzonen, Capricci und zahlreiche Suiten. Johann Kuhnau schrieb erste Werke, die ausdrücklich ein zweimanualiges Cembalo verlangen, darunter die Biblischen Sonaten, und gilt als erster Komponist ausdrücklicher mehrsätziger Cembalosonaten. Fugen und Suiten von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel sowie die virtuosen Sonaten Domenico Scarlattis entstanden ursprünglich für das Cembalo.
Im 18. Jahrhundert entstanden Konzerte für Cembalo und Orchester, besonders von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach. Das Cembalo wurde außerdem obligat in Kammermusik verwendet und war in Kammermusik, Oper und Orchestermusik ein wichtiges Instrument für die improvisierte Generalbass-Begleitung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verdrängte das Hammerklavier das Cembalo schrittweise. Dennoch konnten frühe und mittlere Clavierwerke von Mozart und Clementi noch auf Cembalo gespielt werden; frühe und mittlere Klaviersonaten Beethovens tragen noch die Bezeichnung pour le clavecin ou pianoforte. Als Continuo-Instrument blieb das Cembalo wegen seines durchdringenden Klanges bis ins frühe 19. Jahrhundert, etwa in Opern Rossinis, in Gebrauch.
Auch im 20. und 21. Jahrhundert entstanden neue Werke für Cembalo, darunter Manuel de Fallas Concerto per Clavicembalo (o Pianoforte) von 1926, Francis Poulencs Concert champêtre von 1927–1928, György Ligetis Continuum von 1968 und sein Hungarian Rock von 1978 sowie Philip Glass’ Konzert für Cembalo und Kammerorchester von 2002.