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Institutio Christianae Religionis
In einem Kapitel über die Sakramente werden Taufe und Abendmahl erläutert, die weiteren Sakramente der römisch-katholischen Kirche (Firmung, Beichte, …
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Entwicklung
Die Institutio Christianae Religionis („Unterricht“ oder „Unterweisung in der christlichen Religion“) ist das theologische Hauptwerk von Johannes Calvin. Die lateinische Erstausgabe wurde 1536 in Basel gedruckt. Calvin erweiterte das Werk über fast 25 Jahre: Aus zunächst sechs Kapiteln wurden in der letzten Ausgabe von 1559 vier Bücher mit 80 Kapiteln. Die Institutio wurde dadurch zu einem großen Lehrwerk des christlichen Glaubens im reformatorischen Sinne.
Ausgaben und Zweck
Die erste Fassung von 1536 war als lateinischer Katechismus für Gebildete gedacht. Calvin wollte zeigen, dass die in Frankreich verfolgten Glaubensgenossen keine Ketzer und Aufwiegler, sondern Erneuerer des biblischen Glaubens und der wahren Kirche seien. Für ihn sollte die Institutio „ein Schlüssel und eine Tür zu einem guten und rechten Verständnis der Heiligen Schrift“ sein. Sie behandelt Gesetz und Zehn Gebote, Glauben und Apostolikum, Gebet und Vaterunser, Taufe und Abendmahl, die Ablehnung weiterer fünf römisch-katholischer Sakramente sowie christliche Freiheit, Amt und Obrigkeit.
Calvin vollendete diese sechs Kapitel am 23. August 1535; Thomas Platter druckte sie im März 1536 in Basel. Die 514 Seiten im kleinen Oktavformat widmete Calvin dem französischen König Franz I., in der vergeblichen Hoffnung, die Verfolgung der Hugenotten zu beenden. Die Struktur ähnelt einem Katechismus und wurde oft mit Luthers Kleinem Katechismus verglichen; eine direkte Abhängigkeit ist jedoch nicht belegt, während Luthers theologischer Einfluss deutlich ist.
Die zweite Fassung von 1539, in Straßburg gedruckt, hatte 17 Kapitel und richtete sich an Studenten. Calvin verwendete nun den Titel Institutio Christianae Religionis und wollte in Bibelvorlesungen auf dogmatische Fragen verweisen können, ohne den Bibeltext durch Exkurse zu unterbrechen. Überarbeitungen von 1543 und 1550 führten unter anderem Themen wie Opfercharakter der Messe, Pflichtzölibat, Traditionen, Kirchenordnung und Ekklesiologie ein. 1550 wurden die Kapitel in Paragraphen gegliedert.
Gott, Mensch und Christus
Die Ausgabe von 1559 folgt in vier Büchern einem vierteiligen Verständnis des Apostolischen Glaubensbekenntnisses: Erkenntnis Gottes des Schöpfers (Buch I, 18 Kapitel), Erkenntnis Gottes als Erlösers in Christo (Buch II, 17 Kapitel), Empfang der Gnade Jesu Christi und ihre Wirkungen (Buch III, 25 Kapitel) sowie äußere Mittel zur Gemeinschaft mit Christus und zu ihrem Erhalt (Buch IV, 20 Kapitel).
Buch I beginnt mit Gotteserkenntnis und menschlicher Selbsterkenntnis, lateinisch cognitio Dei ac nostri. Calvin beschreibt natürliche und biblische Gottesoffenbarung, das Trinitätsdogma und Gottes Vorhersehung. Gott und Mensch werden dabei in ihrer Beziehung dargestellt; eine eigenständige Anthropologie, also Lehre vom Menschen, fehlt.
Buch II behandelt Christologie, die Lehre von Christus. Calvin verbindet die Erbsünde mit der völligen Unfähigkeit des Menschen zum Guten und weist die These eines freien Willens zurück. Christus ist als Mittler (Mediator) Erlöser. Das alttestamentliche Gesetz weist auf Christus und hat für Christen eine positive Funktion, den usus in renatis; dazu gehört die Auslegung der Zehn Gebote. Altes und Neues Testament bilden eine Einheit, und der Bund mit Israel schließt die Verheißung des ewigen Lebens ein.
Christus muss wahrer Gott und wahrer Mensch sein; Calvin bekräftigt die altkirchliche Zweinaturenlehre. Kennzeichnend ist zudem das dreifache Amt Christi als Prophet, Priester und König. Die Propheten, Priester und Könige des Alten Testaments weisen auf Christus voraus; die Gemeinde als Leib Christi hat an diesen Ämtern Anteil. Der Abstieg „in das Reich des Todes“ bezeichnet für Calvin nicht einen Triumphzug durch die Unterwelt, sondern die seelische Qual des Gekreuzigten.
Gnade, Glauben und christliches Leben
Buch III behandelt die Pneumatologie, also das innere Wirken des Heiligen Geistes. Der Geist verbindet die Gläubigen mit Christus. Calvin erläutert Glauben, Buße und Beichte und kritisiert dabei die damalige römisch-katholische Lehre zu Beichte, Ablass und Fegefeuer.
Das christliche Leben soll Gottes Gerechtigkeit und menschlichen Gehorsam zur Übereinstimmung bringen; dies ist für Calvin der Zweck der Wiedergeburt. Es ist geprägt von Selbstverleugnung, Kreuztragen und Meditation des künftigen Lebens. Auch der Umgang mit irdischen Gütern wird behandelt.
Calvin vertritt eine forensische Rechtfertigungslehre: Gott nimmt die guten Werke des gerechtfertigten Menschen, die aus dem Glauben kommen, an und belohnt sie. Daraus erklärt er christliche Freiheit. Weiter folgen Gebetslehre, die Auseinandersetzung mit der Anrufung von Heiligen und eine Auslegung des Vaterunsers.
Die doppelte Prädestination wird knapp als „ewige Erwählung“ beschrieben, durch die Gott die einen zum Heil und die anderen zum Verderben vorherbestimmt habe. Gott habe einigen Menschen aus unverdientem Erbarmen die Erwählung geschenkt; anderen sei der Weg zum Leben verschlossen. Calvin begründet dies mit Bibel und Augustinus, bestreitet, dass Gott dadurch zum Tyrannen werde, und hält Menschen weiterhin für ihr Tun schuldig. Den Erwählten schenke Gott Beständigkeit. Das Buch endet mit der Auferstehung der Toten.
Kirche, Sakramente und Übersetzungen
Buch IV beschreibt das äußere Wirken des Heiligen Geistes. Die Kirche ist für Calvin die „Mutter“ der Christen. Als Merkzeichen der wahren Kirche gelten Predigt des Wortes und Verwaltung der Sakramente. In der römisch-katholischen Kirche seien diese nicht gegeben, doch erkennt Calvin noch Spuren von Kirche (vestigia ecclesiae), „kein Gebäude mehr, aber immerhin eine Ruine“. Er begründet die Vierämterlehre biblisch, kritisiert päpstlichen Primat und kanonisches Recht und betont die Kirchenzucht. Die Institutio endet mit Aufgaben einer christlichen Regierung.
Ein Sakrament stärkt nach Calvin den Glauben, weil Gott sich dem menschlichen Erkenntnisvermögen anpasst (accomodatio Dei). Es ist vor allem Gottes Gabe und erst danach Bekenntniszeichen; Sakramente bieten Christus dar. Die Taufe ist ein Zeichen der Einweihung: Kinder gläubiger Eltern gehören von Geburt an zur Kirche und erhalten sie als Siegel dieser Zugehörigkeit. Deshalb lehnt Calvin die Nottaufe ab und vergleicht die Kindertaufe mit der Beschneidung als Bundeszeichen.
Im Abendmahl stellen Brot und Wein die unsichtbare Gabe Christus dar. Christi auferstandener Leib ist im Himmel und daher nicht materiell in Brot und Wein enthalten. Der Heilige Geist verbindet die Teilnehmenden mit Christus; nur Gläubige empfangen ihn. Calvin lehnt Transsubstantiationslehre, Messopfertheologie, eine leibliche Gegenwart Christi an vielen Orten und die Siebenzahl der römisch-katholischen Sakramente ab. Die Gegenwart Christi bleibt ein Mysterium: „Ich erfahre es mehr, als daß ich es begreife.“
Die französische Übersetzung erschien erstmals 1541; auf die lateinische Ausgabe von 1559 folgte 1560 eine französische. Die erste deutsche Gesamtübersetzung erschien 1572 in Heidelberg. Otto Webers Gesamtübersetzung aller vier Bücher erschien 1936 bis 1938, wurde bis 1997 sechs Mal neu aufgelegt, 2008 von Matthias Freudenberg und Forschenden bearbeitet neu herausgegeben und 2022 in vierter unveränderter Neuauflage veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung der Ausgabe von 1536 fertigte Bernhard Spiess 1887 an; Thomas Schirrmacher gab sie 2008 bearbeitet neu heraus.