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Institut national de l’audiovisuel

Sein Auftrag ist es, alle französischen Rundfunk- und Fernsehproduktionen zu sammeln, zu bewahren und öffentlich zugänglich zu machen, in etwa vergleichbar dem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Auftrag
  2. 2. Archivierung und Digitalisierung
  3. 3. Forschung, Produktion und Ausbildung
  4. 4. Internationale Zusammenarbeit und Archivbestände
  5. 5. Weitere Sammlungen und Besonderheiten

Überblick und Auftrag

Das Institut national de l’audiovisuel (INA) ist ein öffentlich-rechtliches französisches Unternehmen, genauer ein établissement public à caractère industriel et commercial (EPIC). Es gilt als erstes digitalisiertes Archiv Europas. Seine zentrale Aufgabe ist es, französische Rundfunk- und Fernsehproduktionen zu sammeln, zu bewahren, zu digitalisieren, zu restaurieren und öffentlich zugänglich zu machen. Damit ähnelt seine Rolle der Bibliothèque nationale de France (BnF), die geschriebene und gedruckte Dokumente archiviert.

Die Sammlungen des INA sind teilweise kostenlos über die Website zugänglich. Andere Bestände unterliegen urheberrechtlichen Beschränkungen. Das Institut arbeitet für verschiedene Nutzergruppen: professionelle Nutzer, wissenschaftliche Nutzer, Institutionen und die breite Öffentlichkeit.

Die gesetzliche Grundlage entstand durch Artikel 3 des Gesetzes vom 7. August 1974. Das INA wurde damit mit Archivierung, Forschung und beruflicher Bildung im Bereich audiovisueller Medien beauftragt. Der gesetzliche Auftrag wurde später mehrfach angepasst und erweitert.

Archivierung und Digitalisierung

Das INA verwaltet französische Rundfunkarchive aus mehr als 70 Jahren Rundfunkprogramm und Fernseharchive aus mehr als 60 Jahren Fernsehen. Seine Bestände gehören zu den bedeutendsten audiovisuellen Sammlungen der Welt: genannt werden drei Millionen Stunden aufgezeichneter Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie mehr als eine Million abgelichteter Dokumente.

Zu den Archivgattungen gehören Feuilletons, Fernsehfilme, Dokumentarsendungen, Nachrichten, Sport- und Unterhaltungssendungen, Gespräche, Hörspiele und Konzerte. Sie dienen als Material für Neuproduktionen, Wiederholungen, Forschung, Ausbildung und öffentliche Online-Angebote.

Zu den gesetzlich definierten Hauptaufgaben gehören die professionelle Archivierung des öffentlich-rechtlichen französischen Rundfunks und Fernsehens seit 1945 und die Hinterlegung von Pflichtexemplaren, französisch dépôt légal, aller französischen Rundfunk- und Fernsehsendungen. Die Archive des dépôt légal dürfen nicht vertrieben werden, können aber für Forschungszwecke genutzt werden.

Das INA sammelt fortlaufend etwa 300.000 Programmstunden jährlich. Außerdem bewahrt und digitalisiert es Programme, die vom Verschwinden bedroht wären. Wegen der Nachfrage nach Bildmaterial in guter Qualität und des schlechter werdenden physischen Zustands älterer Medien müssen jährlich etwa 500 Stunden Film-, Video- und Tonmaterial mit intern entwickelter Software restauriert werden.

Der Artikel enthält einen als veraltet markierten Hinweis: Bis 2015 sollte das INA im Rahmen des Plan de sauvegarde et de numérisation (PSN) von 1999 alle vom endgültigen Zerfall bedrohten Archivbestände digitalisiert haben. Bei einem Gesamtbestand von rund drei Millionen Stunden seien ursprünglich etwa 835.000 Stunden gefährdet gewesen; bis 2009 seien bereits 600.000 Stunden Programm vor der „unwiderruflichen Zerstörung“ bewahrt worden. Der Artikel weist selbst darauf hin, dass diese Angaben seit 2015 möglicherweise nicht mehr aktuell sind.

Für professionelle Nutzer baute das INA thematische Erschließungen seiner Bestände auf, darunter mehr als 300 corpus thématiques zu Themen wie Politik, Gesellschaft, Kultur, Aufführungen, Sport und Persönlichkeiten. Seit Februar 2004 bietet es mit inamediapro.com eine audiovisuelle Online-Archivdatenbank an, die 2005 den Focal Award der Federation of Commercial Audiovisual Libraries für die weltweit beste Bilddatenbank erhielt.

Forschung, Produktion und Ausbildung

Das INA betreibt Forschung und Entwicklung in der Bild- und Tonverarbeitung. Am Anfang stand besonders die Forschung zur synthetischen Bilderzeugung, auch für die französische Trickfilmindustrie. 1982 gründete das Institut in Monaco die jährliche Messe Imagina für digitale Bilderstellung und organisierte sie bis 2000.

Ein großer Teil der Forschung dient der Erfassung, Restaurierung, Sicherung und Aufbewahrung audiovisueller Aufzeichnungen. Das INA entwickelt Systeme zur Klassifizierung und Auswertung multimedialer Inhalte, Techniken der Bildmarkierung und Suchinstrumente für Bildarchive. Es arbeitet dabei mit Unternehmen, Universitäten sowie französischen und internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Genannt werden unter anderem CEA, France Télécom, Thomson und die Thales Group.

Ab Februar 2004 koordinierte das INA das europäische Forschungsprojekt Prestospace. Ziel war die Bereitstellung technischer Lösungen und integrierter Systeme für eine vollständige digitale Sicherung audiovisueller Sammlungen. Außerdem war oder ist das INA an Cap Digital, Europeana und dem deutsch-französischen Suchmaschinenprojekt Quaero beteiligt. Die Groupe de recherches musicales (GRM) des INA erforscht, schafft und konserviert akustische Aufzeichnungen und elektronische Musik.

Das INA produziert und veröffentlicht auch audiovisuelle und Multimedia-Programme für nationale und internationale Medien. In den ersten 30 Jahren entstanden mehr als 2.000 Arbeiten mit etwa 1.800 Programmstunden. Davon wurden 1.500 im Fernsehen ausgestrahlt und 200 als Filme auf internationalen Festivals gezeigt. Viele Eigen- oder Koproduktionen behandeln historische Persönlichkeiten, Politiker, Wissenschaftler, Künstler, geschichtliche Ereignisse oder gesellschaftliche Themen.

Seit dem 27. April 2006 kann das breite Publikum per Download oder DVD auf mehr als 100.000 Rundfunk- oder Fernsehsendungen zugreifen. Das Angebot wächst um 5.000 Stunden jährlich. Beispiele für thematische Projekte sind Apprendre und Jalons pour l’histoire du temps présent für Unterricht und Pädagogik, Les présidentielles zur französischen Politik seit 1946, Projekte zu den Filmfestspielen von Cannes, zum französischen Chanson, zu Charles de Gaulle, zu Mai 68, zur europäischen Kultur, zur Mittelmeerregion und zu Künstlerinnen im Centre Pompidou.

Das INA ist außerdem eines der wichtigsten europäischen Ausbildungszentren für professionelle Bild- und Tonbearbeitung. Seit Oktober 2007 bietet Ina’Sup, die Hochschule für audiovisuelle und digitale Technik, ein Universitätsdiplom in „Marketing und Vertrieb in der europäischen audiovisuellen Wirtschaft“ sowie einen Masterabschluss „Multimediale Kreation und Produktion“ an. Seit 2010 gibt es auch eine Berufsausbildung zum „Multimedia-Dokumentar“.

Internationale Zusammenarbeit und Archivbestände

Als Pionier der Digitalisierung berät das INA Unternehmen und Institutionen in anderen Ländern bei der Erhaltung audiovisueller Archive. In Solidaritätsaktionen unterstützt es Afghanistan und Kambodscha beim Wiederaufbau ihres audiovisuellen Erbes. Das Institut ist Mitglied der Fédération Internationale des Archives de Télévision/International Federation of Television Archives (FIAT/IFTA), in der fast 180 Fernseharchive aus 70 Ländern zusammengeschlossen sind. Diese Organisation veröffentlichte 2004 einen internationalen Aufruf zur Bewahrung des audiovisuellen Welterbes.

Die meisten INA-Bestände werden im Zentrum Les Essarts-le-Roi im Département Yvelines aufbewahrt. Insgesamt sind mehr als 2,5 Millionen Archivstunden audiovisuelles Material aus mehr als 60 Jahren erfasst. Der Artikel unterscheidet sechs große Sammlungen.

Die Filmsammlung enthält unter anderem die Wochenschau Actualités Françaises, die zwischen 1940 und 1969 wöchentlich in französischen Kinos gezeigt wurde. Sie umfasst auch Reportagen über die Forces françaises libres (FFL) und alliierte Filmaufnahmen aus der Zeit von 1940 bis 1944 sowie 18 Filme der Coopérative générale du cinéma français, darunter La Bataille du rail von René Clément aus dem Jahr 1946.

Das nationale Fernseharchiv umfasst Nachrichtensendungen, politische Sendungen, Magazine, Reportagen und Sportformate von den Anfängen des Office de Radiodiffusion Télévision Française bis zur Gegenwart. Als Beispiel nennt der Artikel die ersten französischen Fernsehnachrichten von Pierre Sabbagh am 26. Juni 1949. Zur Sammlung gehören außerdem Fernsehfilme, Serien, Feuilletons, Dokumentationen, Unterhaltung, Spiele, Zeichentrickfilme, Kultur- und Gesellschaftsmagazine, Sportereignisse, Theateraufführungen, Konzerte sowie Eigen- und Koproduktionen des INA ab 1975.

Das nationale Rundfunkarchiv reicht mit ersten Aufzeichnungen bis 1933 zurück. Es enthält Ansprachen und Reden öffentlicher Persönlichkeiten wie Léon Blum, Paul Reynaud und Édouard Daladier. Aus dem Zweiten Weltkrieg bewahrt es 4.000 Tonaufzeichnungen von Sendestationen aus Paris, Vichy und dem Ausland auf, darunter Sender der Résistance. Seit 1975 wächst die Sammlung täglich durch Sendungen von Radio France, France Culture, France Inter und France Musique.

Weitere Sammlungen und Besonderheiten

Das Werbearchiv stellt seit 2009 einen Bestand von 200.000 Werbespots online bereit. Es umfasst alle Spots des französischen Fernsehens seit dem ersten Werbespot, der am 1. Oktober 1968 ausgestrahlt wurde. Die Sammlung soll unter anderem die Entwicklung von Werbetechniken, Sitten, Verbrauchergewohnheiten, der Stellung der Frau und der Kleidermode dokumentieren.

Das Bildarchiv umfasst etwa 1,5 Millionen Fotografien seit den 1950er Jahren. Es dokumentiert die Anfänge des französischen Fernsehens in einer Zeit, in der es nur Direktübertragungen und noch keine regulären Aufzeichnungen oder Archive gab. Dazu gehören Fotos von Dreharbeiten, Technikern, Regisseuren, Künstlern, Persönlichkeiten und dem Alltagsleben in Frankreich zwischen 1961 und 1974. Im November 2010 machte das INA diese Sammlung auf einer Website öffentlich zugänglich.

Die Regionalarchive bestehen aus sechs regionalen Zweigstellen. Sie konservieren öffentliche regionale Rundfunk- und Fernsehprogramme. Jede Zweigstelle verwertet durchschnittlich 50.000 Archivstunden. Genannt werden Ina Nord in Lille, Ina Méditerranée in Marseille, Ina Pyrénées in Toulouse, Ina Centre Est in Lyon, Ina Grand Est in Strasbourg und Ina Atlantique in Rennes.

Die Sammlung von Pflichtexemplaren umfasst terrestrisches Fernsehen, Kabel- und Satellitenfernsehen, digitales Fernsehen, Musikvideos, Fernsehwerbung, ein Archiv des Service d’observation des programmes, Radioarchive und Printmedien. Seit dem 1. Januar 2002 werden die Programme bestimmter terrestrischer Sender komplett erfasst. Für Radio France werden seit dem 1. Januar 1995 fünf Programme vollständig aufgezeichnet: France Inter, France Musique, France Culture, France Info und France Bleu. Ab dem 1. Januar 2001 wurde die Sammlung auf RFI, Privatsender und nationale Themensender erweitert.

Als ältestes Dokument des INA nennt der Artikel eine Stimmaufzeichnung von Gustave Eiffel aus dem Jahr 1891. Außerdem erwähnt er vergleichbare Rundfunk- und Fernseharchive in Dänemark, Deutschland, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Ungarn, den USA und dem Vereinigten Königreich. Zu möglichen Archivverlusten wird berichtet, dass der tunesische Autor und Regisseur William Karel 2007 in der Sendung Jeux d’archives sagte, bestimmte audiovisuelle Aufzeichnungen und Notizen zu General de Gaulle oder zum Algerienkrieg seien beim INA nicht mehr auffindbar.

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