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Informationskrieg

Dazu werden Medien gezielt mit manipulierten Informationen, Fake News, Desinformation und Propaganda gefüttert, um so die öffentliche Meinung zu beeinflussen, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Hybride Mittel und Ziele
  4. 4. KI-Schwärme und Einflussnahme
  5. 5. Beschriebene russische Aktionen

Begriff und Bedeutung

Informationskrieg, kurz Infokrieg (englisch infowar oder information warfare), bezeichnet moderne Konflikte, in denen Informationen als wichtigstes Mittel eingesetzt werden, um strategische Ziele zu erreichen. Er geht über traditionelle militärische Auseinandersetzungen hinaus und richtet sich gegen die Wahrnehmung, Meinungsbildung, Entscheidungsfähigkeit und Stabilität eines Gegners.

Zu den Mitteln gehören manipulierte Informationen, Fake News, Desinformation und Propaganda. Desinformation sind absichtlich verbreitete falsche oder irreführende Angaben; Propaganda ist die gezielte Beeinflussung von Einstellungen und Verhalten. Außerdem umfasst der Informationskrieg Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und psychologische Operationen, die Menschen oder Gruppen beeinflussen und verunsichern sollen. Dadurch stellt er Staaten, Gesellschaften und einzelne Personen vor erhebliche Herausforderungen.

Historische Entwicklung

Der Begriff Informationskrieg lässt sich bis in die frühe Phase der Computerrevolution in den 1970er Jahren zurückverfolgen. Der US-Journalist Dale Minor verwendete ihn erstmals 1970 in seinem Buch „The Information War“. Darin beschrieb er lange vor der alltäglichen Nutzung des Internets die Möglichkeit, neue Informationstechnologien als Waffen einzusetzen. Thomas P. Rona, wissenschaftlicher Berater des Weißen Hauses, übertrug den Begriff in seiner 1976 für Boeing erstellten Monographie „Weapon Systems and Information War“ in einen militärisch-technischen Zusammenhang.

Praktiken des Informationskriegs gab es jedoch schon früher. Im Zweiten Weltkrieg betrieben sowohl die Alliierten als auch das Deutsche Reich Geheimsender. Sie werteten Informationen über den Gegner aus und verbreiteten systematisch Propaganda, um gegnerische Truppen und Bevölkerungen im Sinne psychologischer Kriegsführung zu beeinflussen und zu verunsichern. Das Radio war zwischen den 1920er und 1940er Jahren das wichtigste Massenmedium. Sendungen von geheimen Standorten und unter falschen Identitäten sollten authentisch wirken. Diese Form wurde als „Krieg im Äther“ oder „black propaganda“ bezeichnet.

Hybride Mittel und Ziele

Der Artikel ordnet den Informationskrieg als Form des Cyberkrieges ein. Dabei werden manipulierte Informationen gesteuert verbreitet, um dem eigenen Akteur Vorteile zu verschaffen. Kommunikationsstrategien verbinden Desinformation, Halbwahrheiten und Verschwörungserzählungen. Durch populistische Verzerrungen und Diffamierung soll die öffentliche Meinung beeinflusst und das Vertrauen in freiheitliche Demokratien geschwächt werden. Hass, Gewalt, Ausgrenzung und Grausamkeit sollen als für den gesellschaftlichen Zusammenhalt schädliche Stimmungen in den alltäglichen Diskurs gelangen.

In sozialen Medien kommen gezielt Social Bots und Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Social Bots sind automatisierte Konten, die sich an Online-Diskussionen beteiligen. Ausgefeilte PR-Kampagnen sollen Medien und Öffentlichkeit möglichst umfassend infiltrieren. Illiberale Regime und politische Demagogen müssen abweichende Ansichten nicht unbedingt durch Zensur unterdrücken, wenn Propaganda und Desinformation ausreichen, um die Öffentlichkeit zu stören und zu verwirren.

Zum Informationskrieg zählen außerdem Methoden der elektronischen Kampfführung, mit denen gegnerische Kommunikations- und Führungseinrichtungen ausgeschaltet oder sabotiert werden. Beispiele sind Angriffe auf Computernetzwerke, die Manipulation von Software und wirtschaftlichen Daten sowie Cyber-Spionage. Weitere Ziele können Fernseh- und Radiosendeanlagen, fremde Sender und die Kommunikationslogistik sein. Fremde Stationen können zur Ausstrahlung eigener Informationen genutzt werden. Übergeordnetes Ziel ist stets Informationsüberlegenheit beziehungsweise Informationsdominanz: Der eigene Akteur will Informationen besser kontrollieren und nutzen können als der Gegner.

KI-Schwärme und Einflussnahme

Mit agentenbasierten KI-Systemen und Large Language Models (LLMs), also großen Sprachmodellen, ist laut Artikel eine neue Form des Informationskriegs entstanden: böswillige KI-Schwärme. Sie bestehen aus autonomen KI-Agenten, die sich ohne zentrale Steuerung koordinieren und menschliche soziale Dynamiken nachahmen.

Ihre wichtigsten Merkmale sind:

• Kognitive Kriegsführung: Die KI-Agenten nutzen ihre „unermüdliche operative Ausdauer“, um sich langfristig in digitale Gemeinschaften einzubetten und dort Sprache, Symbole und Identitäten subtil zu verändern.

• Synthetischer Konsens: Durch gleichzeitiges Handeln in verschiedenen Nischen-Communities erzeugen sie den Anschein eines breiten, parteiübergreifenden Konsenses. Dieses künstliche Vortäuschen einer gesellschaftlichen Bewegung heißt Astroturfing. Es soll die öffentliche Meinung über vermeintliche soziale Normen steuern.

• LLM-Grooming oder Datenvergiftung: Schwärme überfluten das Internet massenhaft mit erfundenen Inhalten. Dadurch sollen die Trainingsdaten zukünftiger KI-Modelle manipuliert und bösartige Narrative dauerhaft in ihren Modellgewichten verankert werden.

• Echtzeit-Anpassung: Die Agenten reagieren selbstständig auf Nutzerreaktionen und Plattform-Algorithmen. Deshalb sind sie schwerer zu erkennen als klassische Botnetze, die nach festen Skripten arbeiten.

Als mögliche Abwehrmaßnahmen werden in der Forschung ein weltweites „AI Influence Observatory“ und technische „KI-Schilde“ (AI Shields) diskutiert. Diese sollen „koordinierte Inauthentizität“, also abgestimmtes Handeln unter vorgetäuschten Identitäten oder falschem Anschein, kennzeichnen.

Beschriebene russische Aktionen

Der Artikel hebt die russische Regierung als international tätigen destruktiven Akteur hervor. Russische Staatsmedien erreichen demnach besonders Anhänger von Verschwörungsmythen am rechten und linken politischen Rand. Als Ziel russischer Propaganda wird beschrieben, gesellschaftliche Konflikte über Migration, Klimawandel, Genderthemen und Gesundheitspolitik während COVID-19 zu verschärfen und unbegründete Zweifel an demokratischen Institutionen zu verbreiten.

Seit 2022 fällt besonders die sogenannte Doppelgänger-Kampagne auf. Dabei werden Webseiten etablierter europäischer Medien gefälscht oder geklont und für russische Desinformation und Propaganda verwendet.

Am 12. Dezember 2025 bestellte das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland den russischen Botschafter Sergei Jurjewitsch Netschajew ein. Der russischen Regierung wird vorgeworfen, mithilfe von Hacker-Kollektiven, gezielter Desinformation und Cyberattacken Bundestagswahlen und innere Angelegenheiten Deutschlands beeinflusst zu haben, um das Land zu destabilisieren. Das Auswärtige Amt wirft ihr außerdem vor, durch falsche und irreführende Angaben in sozialen Medien Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen zu schüren. Diese Aussagen sind als Vorwürfe gekennzeichnet, nicht als abschließend bewiesene Tatsachen.

Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 verbot die Europäische Union die Desinformations- und Propagandakanäle des russischen Staatsunternehmens Rossija Sewodnja, insbesondere den Fernsehsender Russia Today und Ruptly. Über das Internet sind diese Angebote laut Artikel weiterhin aktiv.

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