Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Index der geschlechtsspezifischen Entwicklung

Die beiden geschlechtsbezogenen HDI-Werte werden berechnet aus Daten zu drei Bereichen: Gesundheit (Lebenserwartung), Bildung (Schuljahre) sowie Pro-Kopf- …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Berechnung und Einteilung
  3. 3. Entwicklung und internationale Ergebnisse
  4. 4. Datenlücken und Grenzen des Index
  5. 5. Rezeption und Kritik

Grundidee und Bedeutung

Der Index der geschlechtsspezifischen Entwicklung (Gender Development Index, GDI) ist ein sozialer Indikator des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Er misst, wie gleich Frauen und Männer bei der menschlichen Entwicklung abschneiden. Der GDI ergänzt den Index der menschlichen Entwicklung (HDI), indem der HDI zunächst getrennt für Frauen und Männer berechnet wird. Das Verhältnis von Frauen-HDI zu Männer-HDI ergibt den GDI.

Der GDI erfasst drei Bereiche: Gesundheit, Bildung und wirtschaftliche Ressourcen. Je kleiner der GDI, desto stärker sind Frauen gegenüber Männern in den erfassten Lebensqualitäten benachteiligt. Ein GDI von 1,000 bedeutet Gleichstand. Werte über 1,000 zeigen rechnerisch eine Benachteiligung von Männern. Der prozentuale Abstand zwischen Frauen-HDI und Männer-HDI wird als Gender-Gap, also Geschlechterkluft oder Geschlechtslücke, angegeben.

Der GDI wird seit 2014 jährlich veröffentlicht. Er trat im UNDP-Bericht 2014 an die Stelle des Frauenbeteiligungsindex GEM (Gender Empowerment Measure). Vier Einzelangaben des GDI dienen außerdem als Verteilungsmaß für die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs): Lebenserwartung gehört zu SDG 3 „Gesundes Leben für alle“, die beiden Bildungsindikatoren zu SDG 4.3 und 4.6 „Bildung für alle“ und das geschätzte Bruttonationaleinkommen pro Kopf zu SDG 8.5 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“.

Berechnung und Einteilung

Für Frauen und Männer werden zunächst getrennte Teilindizes berechnet:

  • Gesundheit: Lebenserwartung ab Geburt. In der Berechnung wird angenommen, dass Frauen durchschnittlich fünf Jahre länger leben als Männer; der Grenzwert beträgt 87,5 Jahre.
  • Bildung: Die voraussichtliche Schulbesuchsdauer von Personen im Alter von 6 bis 24 Jahren einschließlich Studium, mit einem Grenzwert von 18 Jahren, und die durchschnittliche Schulbesuchsdauer von Personen ab 25 Jahren, mit einem Grenzwert von 15 Jahren. Aus beiden Werten wird das arithmetische Mittel gebildet: die Hälfte von (a + b).
  • Wirtschaftliche Ressourcen: geschätztes jährliches Pro-Kopf-Einkommen in kaufkraftbereinigten Internationalen Dollar ($), mit einem Grenzwert von 75.000 $.

Aus den drei begrenzten Teilindizes wird für jedes Geschlecht der HDI geometrisch gemittelt:

HDI = (Gesundheitsindex × Bildungsindex × Einkommensindex)^(1/3).

Der GDI ist anschließend das Verhältnis von Frauen-HDI zu Männer-HDI. Für Mexiko nennt UNDP folgende Einzelwerte:

  • Frauen: (0,8514 × 0,686617 × 0,7135)^(1/3) = 0,7472 HDI
  • Männer: (0,8403 × 0,682096 × 0,8297)^(1/3) = 0,7805 HDI
  • GDI: 0,7472 ÷ 0,7805 = 0,957

Mexiko lag damit auf GDI-Platz 90 und beim HDI auf Rang 76. Die zugrunde liegenden Werte waren 77,8 zu 72,1 Lebensjahre, 14,6 zu 14,0 erwartete Schuljahre, 08,4 zu 08,8 vollbrachte Schuljahre sowie 11.254 $ zu 24.286 $ Jahreseinkommen von Frauen beziehungsweise Männern. Der GDI von 0,957 entspricht einem Gap von 4,3 %, berechnet als 100 × (1 − 0,957).

UNDP teilt die Länder anhand des Gaps in fünf Gruppen ein:

  • Gruppe 1: GDI ab 0,9751, Gap unter 2,5 %, hohe Gleichheit; 53 Länder.
  • Gruppe 2: GDI ab 0,9501, Gap unter 5,0 %, mittelhohe Gleichheit; 39 Länder.
  • Gruppe 3: GDI ab 0,9251, Gap unter 7,5 %, mittlere Gleichheit; 22 Länder.
  • Gruppe 4: GDI ab 0,9001, Gap unter 10,0 %, mittelniedrige Gleichheit; 8 Länder.
  • Gruppe 5: GDI unter 0,9001, Gap ab 10,0 %, niedrige Gleichheit; 44 Länder.

23 Länder verfügten nicht über ausreichende Daten. Bei dieser Einteilung wird nicht zwischen einer Benachteiligung von Frauen und einer Benachteiligung von Männern unterschieden. Deshalb gehören auch GDI-Werte über 1,025 zur Gruppe 2: Katar erreichte mit 1,043 den höchsten GDI, was einem Minus-Gap von 4,3 % zuungunsten der Männer entspricht.

Entwicklung und internationale Ergebnisse

UNDP erprobte seit den 1990er Jahren Kennzahlen, mit denen die geschlechtsspezifische Lücke zwischen Frauen und Männern international vergleichbar werden sollte. 1995 wurde zunächst der Gender-related Development Index als „Index der geschlechtsbezogenen Entwicklung“ vorgestellt. Der GDI wurde im UNDP-Bericht 2010 durch den Gender Inequality Index (GII) ersetzt. Der GII erfasst unter anderem Fortpflanzungsgesundheit, politische Teilhabe, höhere Schulbildung und die Erwerbsquote von Frauen. Wegen seines Aufbaus galt er jedoch als schwer interpretierbar und wenig geeignet, konkrete Verbesserungen in einzelnen Lebensbereichen anzuzeigen. Nach Kritik nahm UNDP den GDI ab dem Berichtsjahr 2014 in neuer Form zusätzlich wieder auf.

Der weltweite GDI lag 2018 bei 0,941. Das entspricht einem Gap von 5,9 % beziehungsweise 5,86 % in den erfassten Lebensqualitäten. 2013 lag der GDI bei 0,939, im Jahr 2000 bei 0,913. Damit verbesserte er sich seit 2013 um 0,2 % und seit 2000 um 2,8 %; der Gap sank seit 2000 von 8,7 % auf 5,9 %.

Für 2018 veröffentlichte UNDP Werte für 166 Länder. Der Durchschnitt dieser UN-Mitglieder betrug 0,941; der Durchschnitt der 36 OECD-Staaten lag bei 0,976. Zum Vergleich wurden auch HDI, GII und der Global Gender Gap Index (GGGI) des Weltwirtschaftsforums herangezogen. Norwegen hatte den höchsten HDI mit 0,954 auf Rang 1, aber einen GDI von 0,990 auf Platz 31. Deutschland lag mit einem Frauen-HDI von 0,9228 und einem Männer-HDI von 0,9532 bei einem GDI von 0,968 auf Platz 72; der Gap betrug 3,20 %. Die Schweiz und Österreich erreichten jeweils 0,963 und lagen auf den Plätzen 82 beziehungsweise 84.

Der HDI-Rang und der GDI-Rang können stark voneinander abweichen. Saudi-Arabien hatte wegen seines hohen Einkommens einen HDI von 0,857 auf Rang 36, aber wegen des Einkommensunterschieds von 18.000 $ für Frauen zu 72.000 $ für Männer einen GDI von 0,879 auf Platz 135. Umgekehrt hatte Lesotho nur einen HDI von 0,518 auf Rang 164, aber einen GDI von 1,026 auf Platz 5, weil die erfassten Bereiche vergleichsweise geschlechtergerecht verteilt waren.

An der Spitze des GDI standen Katar mit 1,043, die Mongolei mit 1,031, Lettland mit 1,030, Litauen mit 1,028 und Lesotho mit 1,026. Die niedrigsten Werte hatten Afghanistan mit 0,723, Jemen mit 0,458 und Niger mit 0,298. Als Hauptursache niedriger Werte nennt der Artikel meist das deutlich höhere Einkommen der Männer. Nur für Burundi und Liberia wurden höhere Einkommen von Frauen angegeben. In einigen osteuropäischen Ländern und in Russland lebten Frauen mehr als zehn Jahre länger als Männer; in Syrien betrug der Unterschied 11,2 Jahre. Kuwait hatte mit 0,07 % und Kasachstan mit 0,14 % die kleinsten Abstände zwischen Frauen- und Männer-HDI.

Datenlücken und Grenzen des Index

Für 2018 konnte UNDP den GDI nur für 166 UN-Mitgliedstaaten berechnen. Bei 23 weiteren Staaten lagen zwar Daten für den allgemeinen HDI vor, aber nicht getrennt nach Frauen und Männern für Lebenserwartung, Schuljahre und Einkommen. Dazu gehörten unter anderem Andorra, die Bahamas, Liechtenstein, die Seychellen, Turkmenistan und Vanuatu.

Für zehn weitere Staaten und Gebiete lagen auch keine geeigneten Daten für den HDI vor: Kosovo, Monaco, Nauru, Nordkorea, San Marino, Taiwan, Somalia, Tuvalu, die Vatikanstadt und die Westsahara. Gründe waren laut Artikel unter anderem die fehlende UN-Mitgliedschaft, politische Konflikte, außenpolitische Isolation oder unzureichende statistische Daten.

Der GDI ist nur zusammen mit dem HDI sinnvoll zu beurteilen. Ein hoher GDI kann auch in einem Land mit insgesamt niedriger menschlicher Entwicklung vorkommen, wenn Frauen und Männer ähnlich schlechte Werte haben. Umgekehrt kann ein Land mit hohem HDI einen niedrigen GDI aufweisen, wenn die Vorteile von Einkommen, Bildung oder Gesundheit ungleich verteilt sind. Der Index misst außerdem nur die drei erfassten Bereiche und ist daher kein vollständiges Maß für Gleichberechtigung.

Rezeption und Kritik

Der Entwicklungsökonom Stephan Klasen bezeichnete den GDI 2017 als begrüßenswerten Zusatz zu den Gender-Maßnahmen der UN. Er hob die direkte Verbindung mit dem HDI, die leichte Interpretierbarkeit und die Bedeutung des Index hervor.

Klasen verwies zugleich auf wichtige Grenzen. Besonders problematisch ist die Messung der Einkommensunterschiede. Der GDI betrachtet das tatsächliche Arbeitseinkommen. Wenn Männer zwar mehr verdienen, das Einkommen aber von der Familie gemeinsam genutzt wird, kann der Index die tatsächliche Verteilung der Ressourcen ungenau abbilden. Außerdem berücksichtigt er weder Pflegeleistungen noch andere unbezahlte oder informelle Tätigkeiten wie Hausarbeit, Kochen, Reinigung und Kinderbetreuung.

Zum Vergleich mit dem GDI nennt der Artikel den GII der Vereinten Nationen, den früheren GEM, den GGGI des Weltwirtschaftsforums sowie Statistiken zur Lebenserwartung von Männern und Frauen. Zentrale Datengrundlage waren die UNDP-Berichte, insbesondere der Human Development Report 2019 mit Datenstand 2018 und die dazugehörigen technischen Hinweise. Die Werte von HDI, GDI und GII werden von UNDP jährlich mit den jeweils aktuellsten Daten und wissenschaftlichen Berechnungsmethoden ermittelt und können auch rückwirkend für frühere Jahre neu berechnet werden.

Weiterlesen

Ziele für nachhaltige Entwicklung Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals, SDGs; französisch Objectifs de développement durable) sind politische … Gleichstellung der Geschlechter Statt der älteren Bezeichnung Gleichstellung von Frau und Mann wird in jüngerer Zeit der neutralere Ausdruck Gleichstellung der Geschlechter bevorzugt. Damit … Index der menschlichen Entwicklung Sehr hohe menschliche Entwicklung ; 1 · Island Island ; 2 · Norwegen Norwegen ; 2 · Schweiz Schweiz ; 4 · Danemark Dänemark ; 5 · Deutschland Deutschland … Ungleichverteilungsmaß Der Gini-Koeffizient ist das in den Sozialwissenschaften am häufigsten verwendete Ungleichverteilungsmaß. Er ist 0 (oder 0 %) bei völliger Gleichverteilung Bildungsbenachteiligung Mit Bildung und dem Ausbau des Bildungssystems war in der Vergangenheit häufig die Hoffnung verbunden, soziale Ungleichheiten abzubauen. Dass Chancengleichheit … Pro-Kopf-Einkommen Zu den Einkommensgrößen der Privathaushalte zählen das Arbeitnehmerentgelt, Brutto- oder Nettoeinkommen je Arbeitnehmer oder das verfügbare Einkommen nach Art … Vereinte Nationen Die Vereinten Nationen (kurz VN; englisch United Nations, kurz UN; auch Organisation der Vereinten Nationen (OVN) oder UNO (von englisch United Nations … Prozent Laut DIN 5008 wird dabei zwischen der Zahl und dem Prozentzeichen ein Leerzeichen gesetzt. Eine Prozentangabe kann als Bruch (19 % = 19/100) oder als … Gleichberechtigung Gleichberechtigung bezeichnet die Gleichheit verschiedener Rechtssubjekte in einem bestimmten Rechtssystem. Inhaltsverzeichnis. 1 Grundlagen. 1.1 Geschichte. Weltwirtschaftsforum Das Weltwirtschaftsforum (WEF; englisch World Economic Forum [ˈwɜːld ˌiːkəˈnɒmɪk ˈfɔːɹəm], französisch Forum économique mondial, italienisch Forum economico … D-A-CH D-A-CH oder auch DACH ist ein Kunstwort bzw. ein Apronym für Deutschland, Österreich und die Schweiz. DACH-Staaten. Es wird aus den Nationalitätszeichen der … Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als …