Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Importierte Inflation

Importierte Inflation (englisch imported inflation) ist in der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaft eine Inflation, deren Ursachen in den Außenbeziehungen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Externe Ursachen
  3. 3. Inländischer Auslöser
  4. 4. Offene Volkswirtschaft und Übertragung
  5. 5. Wechselkurse und Gegenmaßnahmen
  6. 6. Euro-Raum

Grundidee und Bedeutung

Importierte Inflation ist in der Volkswirtschaftslehre eine Form der Inflation, deren Ursachen in den Außenbeziehungen einer Volkswirtschaft liegen. Sie entsteht, wenn ein hohes Preisniveauwachstum im Ausland über Importe auf das Inland übertragen wird. Das bedeutet: Steigen im Ausland die Preise für Güter, die ein Land einführt, können diese höheren Preise auch im Inland das Preisniveau erhöhen.

Wichtig ist die Abgrenzung zur „hausgemachten Inflation“. Bei hausgemachter Inflation liegen die Ursachen im Inland, etwa in einer zu stark steigenden Nachfrage, in höheren Kosten oder in einer wachsenden Geldmenge. Bei importierter Inflation kommen die entscheidenden Impulse dagegen von außen. Im Zusammenhang mit weltweiter Inflationsentwicklung und Globalisierung hat diese Erklärung von Inflation in der wissenschaftlichen Diskussion an Bedeutung gewonnen.

Externe Ursachen

Importierte Inflation kann auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden, die sich in der Wirklichkeit häufig überlagern. Deshalb lässt sich oft keine eindeutige Ursache feststellen.

Eine erste Form ist die importierte Nachfrageinflation, englisch demand push inflation. Sie entsteht, wenn im Ausland bei gegebenem Preisniveau und Vollbeschäftigung die Güternachfrage größer ist als das Güterangebot. Dann steigen dort die Preise. Werden diese teureren Güter ins Inland importiert, übertragen sich die Preissteigerungen auf das Inland.

Eine zweite Form ist die importierte Angebotsinflation, englisch supply push inflation. Sie liegt vor, wenn im Ausland Kostensteigerungen auf die Güterpreise überwälzt werden; dies wird cost push inflation genannt. Ebenso kann das Güterangebot höhere Gewinnmargen durchsetzen; dies heißt profit push inflation. In beiden Fällen steigen die Preise im Ausland, und diese höheren Preise können durch Importe ins Inland gelangen.

Eine dritte Form ist die außenhandelsinduzierte Inflation bei festen Wechselkursen. Leistungsbilanzüberschüsse durch Exporte erhöhen im Inland die Geldmenge, weil die Zentralbank die Devisenüberschüsse der Exporteure zum festen Wechselkurs gegen Inlandswährung ankaufen muss. Dies geschieht durch Devisenmarktintervention. Wenn das Inland zugleich Güter aus einem von Inflation betroffenen Ausland importiert, kann das inländische Preisniveau steigen, besonders wenn die Güter eine geringe Preiselastizität der Nachfrage haben. Damit sind Güter gemeint, die für die Volkswirtschaft elementar wichtig sind und nicht sofort ersetzt werden können, zum Beispiel Erdöl. Werden wegen höherer Erdölpreise Lohnerhöhungen durchgesetzt, kann über eine Lohn-Preis-Spirale zusätzliche inländische Inflation entstehen. Außerdem führt eine höhere Geldmenge bei konstantem Güterangebot zu Preissteigerungen im Inland.

Inländischer Auslöser

Neben den externen Ursachen nennt der Artikel eine interne Ursache: die Abwertung der Inlandswährung. Wenn die eigene Währung gegenüber ausländischen Währungen an Wert verliert, werden Importe teurer. Dadurch erhöht sich das inländische Preisniveau.

Diese Ursache ist besonders, weil sie zwar zu importierter Inflation führt, aber im Inland ausgelöst wird. Die Preissteigerung kommt über die verteuerten Importe ins Land, der auslösende Wechselkurseffekt liegt jedoch bei der Inlandswährung.

Offene Volkswirtschaft und Übertragung

Importierte Inflation kann nur in einer offenen Volkswirtschaft auftreten. Eine offene Volkswirtschaft betreibt Außenhandel, also Handel mit anderen Ländern. In einer geschlossenen Volkswirtschaft ist importierte Inflation ausgeschlossen, weil dort vom Außenhandel abstrahiert wird.

Ein typischer Übertragungsweg entsteht bei Vorprodukten. Importiert ein Unternehmen Vorprodukte, die es in der eigenen Produktion weiterverarbeitet, und sind diese Vorprodukte teurer geworden, wird das Unternehmen die höheren Kosten in seiner Preiskalkulation berücksichtigen. Dadurch können auch die Inlandspreise steigen. Importierte Inflation kann die inländische Inflation also in Gang setzen oder verstärken.

Wenn die Inlandspreise im Verhältnis zu den Preisen im Ausland weniger stark steigen, kann dies tendenziell die Exporte erhöhen. Ceteris paribus, also unter sonst gleichen Bedingungen, führt dies zu einer Verknappung des inländischen Güterangebots und zu einer Erhöhung der inländischen Geldmenge. Daraus können zusätzliche inflatorische Impulse entstehen. Der Artikel nennt dies eine „inflatorische Lücke“.

Wechselkurse und Gegenmaßnahmen

Seit 1956 wurde importierte Inflation vor allem im System fester Wechselkurse diskutiert. Zur Vermeidung einer aus dem Ausland ausgelösten Inflation wurde später die Einführung flexibler Wechselkurse gefordert. In einem festen Wechselkursregime konnte importierte Inflation vor allem durch eine Aufwertung verhindert werden. Im März 1973 wurden durch das „Blockfloating“ der damaligen EU-Mitgliedsstaaten flexible Wechselkurse eingeführt.

Auch flexible Wechselkurse verhindern importierte Inflation jedoch nicht grundsätzlich. Nach der Kaufkraftparitätentheorie wären kompensierende Wechselkursänderungen zu erwarten. In der Praxis treten diese aber nicht immer ein, weil andere Einflussgrößen wie Konjunkturentwicklung, Spekulation und Zinsentwicklung sie überdecken können.

Es gibt kein wirksames Mittel, das die Gefahr eines Inflationsimports grundsätzlich verhindert. Eine Maßnahme, die besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt wird, ist die geldpolitische Strategie der Wechselkurssteuerung. Dabei misst die Zentralbank Importgütern bei der inländischen Preisbildung so großes Gewicht bei, dass sie ihre gesamte Geldpolitik daran ausrichtet. Die Popularität fester Wechselkurse in Entwicklungsländern wird auf das Phänomen des Fear of Floating zurückgeführt.

Feste Wechselkurse können zwar gegen importierte Inflation helfen, die durch Währungsabwertungen entsteht. Zugleich ermöglichen gerade feste Wechselkursregime importierte Inflation im engeren Sinne. Bei flexiblen Wechselkursen wollen Exporteure die Auslandswährung ebenfalls in Inlandswährung tauschen. Dann kann auf dem Devisenmarkt ein Angebotsüberhang der Auslandswährung entstehen, wodurch der Kurs der Auslandswährung gegenüber der Inlandswährung fällt. Diese Abwertung der Auslandswährung kann die Preisniveausteigerung im Ausland ausgleichen, sodass die ausländische Inflation nicht importiert wird.

Euro-Raum

Mit der Einführung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) entfiel für die Mitgliedsländer die Möglichkeit, sich durch Wechselkursänderungen gegen importierte Inflation aus anderen Mitgliedsländern abzusichern. Als Ausgleich wurden die Maastricht-Kriterien eingeführt.

Nach diesen Kriterien darf ein Land den Euro nur einführen, wenn seine Inflationsrate die durchschnittliche Inflationsrate der drei preisstabilsten Mitgliedsländer nicht um mehr als 1,5 Prozent überschreitet. Für Länder, die bereits im Euro-System sind, bestehen jedoch keine verpflichtenden Konvergenzkriterien. Deshalb können in der Praxis deutlich größere Abweichungen zwischen den Inflationsraten entstehen.

Weiterlesen

Volkswirtschaftslehre Ökonomische Modelle ... Besonders kritisiert wurden vor allem die vorherrschenden DSGE-Modelle, die als umfassende Makro-Modelle der Wirtschaft entwickelt wurden. Wirtschaft Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Inflation die Geldmenge zunimmt (Geldschöpfung), · die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt, oder · die reale Produktion (das Handelsvolumen) sinkt. Preisniveau Steigt das Preisniveau in der Volkswirtschaft, sinkt die Kaufkraft und umgekehrt. Tendenziell steigendes Preisniveau nennt man Inflation, fallendes Deflation. Globalisierung Der Begriff Globalisierung bezeichnet den Vorgang, bei welchem weltweite Verflechtungen in unter anderem den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur, … Preis (Wirtschaft) Der Preis ist die sich aus Angebot und Nachfrage auf einem Markt ergebende und in Geldeinheiten gezahlte Gegenleistung für eine bestimmte Mengeneinheit von … Geldmenge Unter Geldmenge versteht man den Geldbestand einer Volkswirtschaft einer bestimmten Bindungsdauer, der sich in Händen von Nichtbanken befindet. Exporteur Exporteur ist im Sinne des Außenwirtschaftsrechts derjenige, der einen Kaufvertrag über Güter mit einem ausländischen Importeur abschließt bzw. die Güter in … Preiselastizität Die Preiselastizität misst die relative Änderung des Angebots oder der Nachfrage im Anschluss an eine Preisänderung. Ölpreis Der Ölpreis ist ein auf einem Markt festgestelltes Austauschverhältnis für eine bestimmte Menge einer Ölsorte. Die Vielzahl unterschiedlicher Ölsorten … Lohn-Preis-Spirale Die Lohn-Preis-Spirale ist in der Volkswirtschaftslehre und in der Umgangssprache ein politisches Schlagwort, mit dem die Hypothese vertreten wird, … Offene Volkswirtschaft Eine offene Volkswirtschaft ist in der Makroökonomie dadurch gekennzeichnet, dass das Ausland in den Wirtschaftskreislauf einbezogen ist.