Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Religion und Identität: Was glaubst du denn? | Ich und die Anderen | planet schule | ARD
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 257 Zeilen
- Ich hab den Eindruck, es sind manchmal sehr wenige, existenzielle und grundlegende Fragen, die damit verbunden sind.
- Ist das Glauben oder nicht Glauben? Gibt's Gott oder nicht? Das ist für mich so eine große Frage,
- und deswegen gibt es auch so viele Zweifel. (Ruhige Musik)
- Die Aufgabe für mich ist schon immer hinzuhören: "Ist das noch mein Weg?" Die Frage stell ich nicht nur mir selber,
- sondern die stell ich ja auch Gott. Ganz simpel: "Gott willst du, dass ich das mache?"
- (Energievolle Musik) Am ersten Tag der elften Klasse
- war ich zum ersten Mal mit dem Kopftuch in der Schule. Das wird für immer ein besonderer Moment sein.
- Meine Freundin hat mir angesehen, dass ich sehr nervös bin. Sie meinte: "Warum bist du nervös?"
- "Das war deine Entscheidung, sei stark jetzt." Meine Eltern haben gemeint: "Laila, mach dir keine Sorgen."
- Jetzt werd ich auch emotional. Dann hab ich einfach das getan, was mein Herz mir gesagt hat.
- (Ruhige Musik) Es ist mir wirklich sehr wichtig,
- dass ich eine jüdische Frau finde und jüdische Kinder habe. Mein Uropa war, glaub ich, Rabbiner, alle waren sehr religiös.
- Ich fand das etwas schade, weil meine Tante und mein Onkel, alle, die in Russland leben, sind überhaupt nicht religiös.
- Ich finde es schade, dass es verloren geht, weil ... Um es ganz dumm zu sagen: Es gibt nicht mehr viele Juden.
- Dann gibt's noch mal weniger, wenn ich dann keine jüdische Frau finde. Ich finde, das ist eine Sache, die man weitergeben sollte.
- Es ist Teil meiner Identität. (Ruhige Musik)
- Ich hab heute ... die haben mir die Kaplansaufgabe gegeben. Bischof, Mitra, an und aus. Muss ich vorher noch was besprechen?
- Nee, ist alles ganz normal? - Ganz normal. (Entfernte Stimmen, er summt leise.)
- Heute ist der große Jugendtag im Rahmen der Heilig-Haupttage. Es gibt einen Jungendgottesdienst im Dom.
- Ich helf ein bisschen mit hier, kümmer mich um die Ministranten, die als Gäste sozusagen aus dem ganzen Bistum gekommen sind.
- Und ähm, jetzt gibt's was zu regeln, genau. Wir kommen an, dann gibt er den Stab ab und die Mitra
- und macht dann die Verbeugung? Nee, er verbeugt sich ... - Genau.
- Ah! - Richtig, genau. Wir sitzen ja nebeneinander, das kriegen wir hin, genau.
- (Entferntes Kirchenläuten) Ich bin nach der Erstkommunion ganz selbstverständlich
- Messdiener geworden und hab in der Jugendarbeit Erfahrungen gemacht, die waren sehr gut.
- Die Leute, die ich persönlich erleben konnte, haben immer ausgestrahlt, dass ihnen das große Freude macht.
- Die waren ganz sie selbst, deswegen hat das auf mich so ein bisschen abgefärbt.
- (Langsame Orgelmusik) Vielleicht hat eine Rolle gespielt,
- dass ich ziemlich früh meinen Vater verloren hab. Damit sind große Fragen verbunden:
- "Warum passiert ausgerechnet mir das?", "Warum wird mir der Vater genommen?",
- "Gibt es jemanden, der dafür verantwortlich ist?", "Kann ich auf jemanden sauer sein?".
- Irgendwie bin ich über die vielen Fragen, die so kamen, darauf gekommen, dass ich dem näher nachgehen will.
- ♪ Es segne euch der allmächtige Gott, ♪ der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
- (alle:) ♪ Amen! Dann schien mir das irgendwann sinnvoll zu sein,
- dass es mit dem Theologiestudium oder mit dem Priesterberuf vielleicht gut geht, auf die großen Fragen des Lebens Antwort zu finden.
- Oder zumindest sich auf die Suche danach einzulassen, ja. (Atmosphärische Musik)
- (Entfernte Gespräche) (Der Lehrer spricht Japanisch.)
- " ... tabete wa ikimasen"? Ich studier Politikwissenschaft
- und mache auch Japanisch- und Chinesisch-Sprachkurs. Ich glaube, dass es heute wichtig ist, wegen der Globalisierung,
- dass man weltoffen ist, verschiedene Kulturen und Sprachen kennt. (Unverständliches Gespräch)
- Meine Eltern haben mich nie gezwungen, irgendwas zu machen, also zu beten oder zu fasten oder irgendwas anderes Religiöses.
- Sie haben mir davon erzählt, ich fand es schön und wollte es machen. Meine Mutter war immer ein Vorbild für mich,
- von wegen "Sei gut zu deinen Mitmenschen" ... "Behandle andere so, wie du dich selbst behandeln würdest".
- Ich wusste, dass sie das von unserer Religion hat. Ich wollte mehr von dieser Religion erfahren.
- Da! Der ist immer am Anfang. (Popmusik) Der ist ... echt schlimm.
- Über die Ferien hat sie schon so geschrieben, dass sie jetzt Schleier trägt, was für mich erst mal ...
- ungewohnt war, also, ich war erst quasi sogar schockiert. "Ist das jetzt dauerhaft oder nur so phasenmäßig?"
- Sie war dann so, ja, eigentlich hat sie vor, das für immer zu tragen. Als ich sie das erste Mal gesehen hab ...
- war das schon ... echt ziemlich ungewohnt. (Atmosphärische Musik)
- (leise:) Du machst Nudeln? Wo ich in der Schule dann angefangen hab, mein Kopftuch zu tragen,
- das war echt ein schöner Moment. Ein ... etwas befreiender Moment.
- (Sie lachen.) Ich hab mich auch, ehrlich gesagt, selbstbewusster gefühlt.
- Weil ich vorher eher eine Person war, die nicht so selbstbewusst ist. Ähm, ja, das ist unser Kühlschrank.
- Und wie man vielleicht sehen kann, wir trennen nach Milch und Fleisch. Es ist unkoscher, wenn man Milch und Fleisch zusammen isst.
- Cheeseburger geht überhaupt nicht. Wir haben auch kein Schweinefleisch, wär auch unkoscher.
- Keine Giraffen oder sonst irgendwas. Ich hab davon absolut gar nichts, glaub ich.
- Ich mach das aus dem Gedanken heraus, vielleicht, wenn ich nicht mehr bin, geht es mir oben besser oder so.
- Sonst ist es einfach eine Sache, die zu meiner Kultur gehört, zu meiner Herkunft gehört.
- Ich find es schön, dass man sich damit immer erinnern kann, wer man selber eigentlich ist.
- Es gibt insgesamt ja 613 Gebote und Verbote zusammengenommen. Es wirkt erst mal so krass, 613.
- Aber da sind ganz banale Dinge dabei teilweise, von daher. Ich kann die nicht alle auswendig, ich glaub, das kann niemand.
- Das ganze Judentum für mich selbst entdeckt hab ich mit zwölf, und irgendwann hab ich so gedacht:
- "13 ist Bar-Mizwa-Alter, ich will das machen, bin aber nicht beschnitten."
- Die Bar-Mizwa ist im Prinzip die Konfirmation unter den Juden. Ich hab meiner Mutter gesagt: "Ich will das machen."
- "Ich find das wichtig, das ist ein Teil von mir." (Entfernte Folgetonhorn)
- In der Stadt gibt's nicht so viele Juden. In meiner Schule bin ich, glaub ich, sogar der einzige,
- trotz ungefähr 1.200, 1.300 Schüler. Da ist es irgendwie special dann immer.
- Dass mein Herz bricht, mein Herz bricht? (lacht:) Ja, so ähnlich.
- Äh, Skinny, ich mach noch einen one taker und schick dir die Audio. Okay, ich würd zur Bank gehen.
- Ich mach sehr gern Musik, vor allem Rap, und hab dazu Musikvideos ins Internet gestellt und so weiter.
- So richtig übertrieben, so: "Du Ficker!" Bist du bereit? Ich wär so weit.
- (Langsame, unstete Musik) ♪ Als Nächstes battle ich so 'ne lyrische Kanone,
- ♪ dessen Haare aussehn wie 'ne missratene Calzone. ♪ Du bist dangerous, du schießt mir in mein Brain,
- ♪ aber wenn, du kannst meines nur verfehlen. Boris kenn ich jetzt seit anderthalb Jahren.
- Ich hab mich gefreut, weil es der erste Jude ist. Weil ich einfach mal einen anderen Einblick in die Religion hab.
- Aber an sich ändert sich ja nichts an der Person. ♪ Geh doch bitte in eine andere Rubrik,
- ♪ mit Stahl kannst du gut über die Einsamkeit singen. ♪ Aber ich hab noch jemand, um dir 'n Vorschlag mehr zu bringen.
- Jede Kultur und jede Religion hat ihre Tradition. Ich find diese Debatte um die Beschneidung,
- die find ich eigentlich komplett überflüssig. Ich find es ein bisschen lächerlich einfach,
- wenn Menschen behaupten, das wäre Körperverletzung, obwohl sie keinerlei Bezug zur Tradition haben.
- Sie wissen nicht, was für einen Grund das hat. Das ist für mich, dass man wem verbietet,
- den Bund mit Gott zu schließen, wenn er Jude ist, weil sie es falsch finden.
- Also ich kenne keinen einzigen jüdischen Jugendlichen, der sagen würde: "Nö, ich find das komplett verwerflich."
- (Bewegte Musik) (Leises Gespräch)
- (Er lacht.) Ich bin jetzt auf dem Weg nach Wittlich, wo wir gemeinsam
- mit ein paar Studienkollegen eine Kunstausstellung anschauen werden, die den Titel trägt: "Leidenschaft für das Leiden".
- Die ist seitenverkehrt gegenüber dieser Werkstellung. (Glorreiche Chormusik)
- Und das ist eine Originaldarstellung und das ist dann noch einmal ... In manchen Fragen fühl ich mich nah dran am Alltag der Menschen,
- manchmal frag ich mich auch: Ist nicht die Tatsache, dass ich Priesteramtskandidat bin, schon ein Zeichen dafür,
- dass ich an manchen Menschen nicht so dran bin? Aber ich sag mal so: Unabhängig von meinem Berufswunsch,
- bin ich natürlich erst mal 23, ganz normal im Kopf und irgendwie mit den gleichen Fragen unterwegs
- wie alle anderen auch. Ich mein, eine spätere Aufgabe wird definitiv sein,
- in der Seelensorge tätig zu sein. Das ist irgendwie so mein Traumberuf, Seelsorger zu sein.
- Und ähm, da glaub ich schon, dass es schon Nähe gibt zum Leben, ja. (Glorreiche Chormusik)
- Gerade wenn es um Trauer und Tod geht, kann ich natürlich durch den Tod meines eigenen Vaters
- relativ gut nachvollziehen, was sich in Leuten vielleicht emotional tut. Auch wenn ich in niemanden reingucken kann,
- aber ich kann zumindest sagen, das ist meine Erfahrung. Und ich glaube, also ein Ziel, was ich mir setzen möchte, ist:
- Das klingt ein bisschen geschwollen, aber also jemand zu werden, der sich immer mehr darin einübt, ein weites Herz zu haben.
- (Entfernte Folgetonhorn) (Leise Gespräche)
- Man verrichtet die rituelle Gebetswaschung, weil man aus islamischer Hinsicht gereinigt beten soll
- und Gott gegenüber stehen soll. Ich hab immer das Gefühl, dass es noch meine Seele reinigt.
- Und das ist auch noch mal ein Kick, da ist man noch etwas wacher. Und dann ist man auch etwas konzentrierter.
- (Sie sprechen in ihrer Sprache.) Der Gebetsbereich von Mann und Frau ist getrennt,
- weil Mann sich nicht von Frau ablenken lassen soll während des Gebets und andersrum.
- Also ich find das okay so. Es geht ja in erster Stelle darum, dass man konzentriert betet,
- und man soll sich verbunden fühlen zu Gott. (Gebet in ihrer Sprache)
- Wenn ich zum Beispiel fünfmal am Tag bete, dann ist mein Tag für mich viel organisierter und strukturierter.
- Und durch das Gebet hab ich immer diese kleinen Pausen zwischendurch, in denen ich ganz abschalte von dem ganzen Stress
- und mich nur auf mich selbst konzentriere oder auf die Beziehung zwischen mir und Gott.
- (Bewegte Musik) Gott weiß ja, dass Menschen nicht perfekt sind,
- und wenn man mal eine Regel bricht oder ähm ... Dann kommt man nicht direkt in die Hölle, so ist das nicht.
- Das ist immer so am Ende, Gesamtpaket muss stimmen, deshalb bleib ich trotzdem optimistisch
- und versuche, es das nächste Mal besser zu machen. Die Kippa zieh ich an, wenn ich in die Synagoge reingehe,
- weil da muss man mit Kopfbedeckung rein. Die Kippa hat einfach den Sinn, dass, egal, wie erfolgreich man ist,
- dass man sich immer dran erinnert, dadurch, dass man etwas auf dem Kopf hat:
- Es ist jemand über dir, und zwar Gott. Lange nicht mehr gesehen, geht's dir gut?
- Wie geht's dir, prima? - Ja, super. Als was bist du angezogen?
- Unter Purim ist Tradition, dass man sich verkleidet, wie Fasching. Ich hab eine Wette verloren, dass ich jetzt ein Kleid anziehen muss.
- (lacht:) Ein bisschen Contouring. Hanni!
- Haman, der Berater des Königs, wollte alle Juden umbringen lassen. Die Juden haben sich verkleidet, um sich zu schützen.
- Als Tradition ist entstanden, dass man sich verkleidet an Purim. Ich mach Jugendarbeit total gerne,
- einfach weil du hilfst diesen Kindern einen Teil ihrer Identität zu verstehen, sie verstehen aber auch,
- dass Religion nicht zwangsläufig bedeutet: Ich bete und dann darf ich das nicht.
- Sondern ich kann das mit Spaß machen, kann es lustig gestalten. Religion heißt nicht immer, ich schließe mich irgendwo ein,
- sondern es kann auch heißen, ich hab eine gewisse Gemeinschaft, die zu Freunden werden, eine zweite Familie, wenn man so will.
- (Stimmengewirr) Purim hat auch seine Gebote, dass man zuhört, wenn vorgelesen wird.
- (Singendes Gebet) Jedes Mal, wenn Haman gesagt wird ...
- (Lauter Jubel) werden alle ganz laut und klopfen auf Tische und alles Mögliche.
- Um ihn quasi wieder zu vertreiben und auszubuhen. (Singendes Gebet)
- (Buhen, Rasseln) Es ist schon etwas lockerer, aber es ist immer noch irgendwo religiös.
- Wie jedes Fest eigentlich: Sie haben versucht, uns zu töten, wir haben überlebt, lass uns essen.
- (Laute Rapmusik) So läuft irgendwie fast jedes Fest ab.
- (Singendes Gebet) Auch wenn ich bete, ich sag jetzt nicht: "Ich will das und das."
- Die Gebete sind quasi vorgegeben, man spricht nicht selbst was dazu, was man will.
- Es ist gut, dass es keine Extrawürste gibt. In Deutschland haben wir genug Essen, ein Dach überm Kopf.
- Das sind die elementaren Sachen. Und bei den Gebeten betet man nicht für viel mehr.
- Also für Gesundheit, für Frieden, einfach, dass es einem gut geht. Mehr braucht man nicht, den Rest kann man sich erarbeiten.
- (Bewegte Musik) Heute ist ein Gottesdienst, bei dem ich gebeten wurde,
- Zeugnis abzulegen darüber, wer ich bin, und was mich bewogen hat, den Weg einzuschlagen, Priester werden zu wollen.
- (Nervöses Lachen) Bist du nervös? - Nee, es geht.
- Hab das schon mal gemacht, von daher geht es. Aber ich hoff, ich kann meine Schrift noch lesen.
- (Ruhige Orgelmusik) ALs Priester bereit ich mich natürlich auch darauf vor,
- zölibatär zu leben. Das bedeutet in erster Linie ... keine eigene Familie zu haben.
- Keine Frau, keine Kinder, aber mit dem Ziel, freier zu sein sozusagen für ... also auf eine andere Weise ...
- die Liebe zu den Menschen zu leben. Ganz zum Schluss hab ich es meinen Eltern gesagt, die,
- wie vielleicht manche von Ihnen sich vorstellen könnten, weniger begeistert waren.
- Der Glaube ist für mich so was wie ein Weg. Ein Weg des Kennenlernens und vielleicht des Sehens,
- wie wir es im Evangelium gehört haben. Gott kennenzulernen, die Menschen und mich.
- Und irgendwie auf einem Weg zu sein, der auf jeden Fall in Richtung leben geht, es ist ein Weg des Lebens.
- (off:) Ich kenn auch Momente, wo ich mich frag, ob das, was ich mache, nur Theater ist oder so.
- Ich hab immer gesagt: "Für mich ist Gott einer, der da ist." Aber ich kann das nicht immer in gleicher Weise spüren.
- Das ist ja nicht wie auf Knopfdruck. Und wenn dieser Eindruck, Gott ist da, länger ausbleibt,
- hab ich den Eindruck: "Verdammt, Spielst du hier nur Theater, was ist das für eine Situation?".
- (Lachen) Ich hab damit nicht gerechnet. (Hallendes Stimmengewirr)
- Schöne Zeit noch, gell? -Ja, ebenso! Bis neulich mal. Es ist eine enorme Herausforderung, du lebst alleine
- und kommst abends in dein Pfarrhausheim, beladen mit 10.000 Gedanken, Themen und Problemen,
- die dich beschäftigen. Dann musst du schauen, was machst du damit?
- Für Jesu da sein zu wollen, für die Menschen da sein zu wollen, füllt dich das aus, gibt dir das Kraft und Halt,
- und was ist, wenn es dir mal nicht so gut geht, ja? Ah ja. - Ja.
- (Rege Gespräche) Ich glaub Einsamkeit ist ein großes Thema.
- Gerade bei ... der Frage rund ums zölibatäre Leben. Mir selbst vorzustellen, dass ich auch irgendwann alt und einsam bin.
- Das ist natürlich eine Vorstellung, die mir auch Angst machen kann. (Bewegte Musik)
- Laila, was ist mit dem? Komm schon, das würde voll gut aussehen.
- Nein, danke. Also ich schau nach längeren Kleidern.
- Sollte nicht halbarm, sondern schon vollarm sein. Ja, da schränke ich mich schon selbst ein.
- Ich würd einfach drunter noch ein langes Hemd anziehen, in schwarz. Schwarz? - Ja.
- Man zwingt sozusagen die Leute, auf die inneren Werte einer Person zu achten.
- Ob eine Frau einen Schleier trägt oder nicht macht sie nicht zu einer besseren Person.
- Es ist sehr wichtig, dass ein Muslim einfach ein gutes Herz hat. (Leises Gespräch)
- Ich weiß nicht, für manche Leute ist es komisch, wenn sie jemanden mit Kopftuch sehen und dann irgendwelche Blondinen.
- Blonde Haare, kurze Haare ... Das ist für die, ich glaub, zu viel auf einmal.
- Du hast sie mal richtig rum aufgedrückt. Der Islam nimmt mir nicht irgendwelche Rechte ab.
- Mir wird sogar gesagt, dass ich mich positiv in die Gesellschaft einbringen soll.
- Viele Leute haben die Vorurteile, dass Frauen unterdrückt werden, aber ich bin mir zu 100 Prozent sicher,
- dass sie sich nie mit einer muslimischen Frau unterhalten und gefragt haben: "Wieso trägst du ein Kopftuch?"
- Die haben das Vorurteil im Kopf, dass die Frau gezwungen wurde. Danke schön.
- Manchmal kann es etwas schwierig sein, da hört man Kommentare wie: "Hm, was trägt sie unter dem Kopftuch, vielleicht eine Bombe?"
- Oder da gab es ein Mädchen, dass dann meinte, dass Kopftuch in Deutschland nichts zu suchen hat,
- und ich soll dann wieder zurück in mein Land. Dann denk ich mir immer:
- Deutschland ist mein Land, ich bin hier geboren, meine besten Freunde sind Deutsche, deshalb kannst du mir nicht sagen,
- dass ich zurück in mein Land soll. Da würd ich auch nach Deutschland zurückkommen, aber ...
- (Bewegte Musik) Hier sind wieder zwei Stolpersteine, die an die deportierten Juden
- und ermordeten Juden während dem Holocaust, Shoah, erinnern sollen. Es sieht aus wie ein ganz normales Haus, wie ich glaube,
- dass es ganz normale Leute waren. Es ist immer noch verwunderlich, wie es dazu kommen konnte, weil ...
- Ich kann es mir nicht erklären. Die Ausmaße werden dadurch auch noch mal deutlich,
- weil an jeder zweiten Straße ist so ein Stolperstein oder so was. Das ist so: "Okay ... heftig."
- Es kann sich wiederholen, aber ich glaube, dass sich das wiederholt, was vergessen wird.
- Aber man soll trotzdem immer ein Auge aufhalten. Ich hatte zwei-, dreimal anti- semitische Äußerungen mir gegenüber,
- wegen dem Nahostkonflikt. So wirklich "Ich mag dich nicht, weil du bist Jude" gab es nie.
- Manche Leute haben halt Vorurteile, und die lassen sich auch nur durch Dialog entschärfen und entfernen.
- (Bewegte Musik) (Vogelzwitschern)
- Jakob und ich kennen uns von der Uni, wir studieren zusammen Theologie, er will auch Priester werden.
- Das ist super, ihn als Gesprächspartner zu haben, dass wir uns austauschen können über Dinge, die uns bewegen.
- (Entfernte Stimmen) Da, wo die klettern, das sind so die Normalen,
- aber es gibt so einen, der ist richtig hoch. Bist du da schon mal durch? - Ja.
- Wow, das ist geil. (Er lacht.) Es ist nicht so, dass wir ständig in der Kirche abhängen.
- Jeder muss eine gute Balance zwischen Freizeit und Studium haben. Ja.
- Wenn die Frage ist, wie kann die Kirche Bindung zu Menschen haben, dann dadurch, dass man selbst in Beziehungen lebt, die guttun.
- Hört man immer, ja. Also, der oben ist schon knallhart, mit diesen Reifen da.
- Unbedingt braucht es Schultern, an die ich mich anlehnen kann, sonst funktioniert das gar nicht.
- Leute, bei denen ich traurig sein kann, wenn es mir schlecht geht. Das geht nicht ohne, sonst wirst du ja verrückt.
- (Bewegte Musik) Das ist schon hoch, gell? Wenn das eben passiert, dass mir jemand über den Weg läuft,
- und ich merke, das wirft mich total aus der Bahn. Dann nützt es nichts, das wegzudrücken und zu sagen,
- das darf nicht sein, weil es ja eh längst da ist. Und dann irgendwie die Größe vor mir selbst zu behalten und zu sagen:
- "Okay, ich guck jetzt hin, was ist das?" Und dann wieder die Frage zu stellen:
- "Wo geht die Spur jetzt weiter?" (Bewegte Musik)
- (Sie begrüßen sich.) Am Anfang kannte ich keine Muslime hier.
- Und erst durch die Hochschulgruppe hab ich erfahren, dass es doch hier sehr viele Muslime gibt.
- Das ist mir wichtig, Nicht-Muslimen die Möglichkeit zu geben, uns Muslime und unsere Feierlichkeiten kennenzulernen.
- Und vielleicht auch andere Dinge in unserer Religion. Wir wollte so eine Spendenaktion anbieten, dass wir Spenden sammeln,
- um einen Brunnen in armen Ländern in Afrika bauen zu lassen. Und das in unserem Namen halt.
- Es ist eine Aufgabe von uns, sich um unsere Mitbürger zu kümmern, denen es nicht so gut geht, die in schwereren Situationen sind.
- Was im Islam wichtig ist, ist Solidarität, Mitgefühl, und anderen zu helfen.
- Vielleicht kann ich dadurch, dass ich anderen Leuten erkläre, wieso ich mein Kopftuch trage, ihnen dann zeigen,
- dass der Islam nicht das Bild ist, was von extremistischen Leuten dargestellt wird.
- (Unverständliches Gespräch) Für mich ist Islam Frieden, Liebe,
- das Gefühl der Geborgenheit, der Zufriedenheit. Und ich finde, das gehört einfach dazu,
- wenn man ein glücklicher Mensch sein möchte, dass man diese Eigenschaften mit sich trägt.
- (Bewegte Musik) (Lautes Getöse, Schreien)
- Jewrovision, seid ihr da? - (alle:) Ja! Das ist die Jewrovision, und wir haben dieses Jahr das Thema
- "United Cultures of Judaism", also vereinte Kulturen des Judentums. Es kommen jüdische Leute aus ganz Deutschland,
- aus verschiedenen Jugendzentren. Es ist ganz nett, mal nicht der Einzige zu sein.
- An jüdischen Veranstaltungen ist es eigentlich komplett normal, dass die Polizei vor der Tür steht.
- Was halt ziemlich traurig ist, dass das immer noch notwendig ist. Leute können auch ohne Polizei in die Kirche gehen.
- Andererseits ist es gut, man weiß nie, wer auf dumme Ideen kommt. Es sind gemischte Gefühle.
- (Singendes Gebet) Die Jewrovision ist im Prinzip ... der kleine jüdische Bruder
- der Eurovision für deutsche Gemeinden. Da versucht jede Stadt, die teil- nimmt, eine gute Show abzuliefern.
- (Heitere Popmusik) Dementsprechend bereitet man sich auch darauf vor,
- so monatelang oder wochenlang, und steckt wirklich sehr viel Energie da rein.
- Obwohl es gar nicht um den Sieg geht, sondern darum, die Leute wiederzusehen, man kennt die meisten.
- (alle:) United as one! (Schreie, Jubel)
- (Laute Ansage) (Heitere Popmusik)
- ♪ We are united as one, as one, as one. (Fröhlicher Rap)
- (Lauter Jubel) (Fröhlicher Rap)
- ♪ We are united as one, as one, as one. (Tosender Beifall)
- Ich lebe den Glauben für mich, es geht nicht drum, andere zu überzeugen.
- Ich glaube dran, das ist gut, das ist schön. Aber das heißt nicht, dass ich propagiere:
- "Judentum ist das einzig Wahre." Ich sehe das Judentum als eine Religion, einen Weg zu Gott.
- (Bewegte Musik) Und es muss ja nicht nur einen Weg geben,
- genauso wie es zu jeder Straße mehrere Wege geben kann. Was hast du über mich gesagt? (Lachen)
- (Kirchenglocken, Kinderschreie) Ich find es sehr beeindruckend, das ist eine Lebensentscheidung,
- die Jungs sehr früh treffen müssen, finde ich. Und, ja, bewundere ihn, und finde,
- dass er eine sehr gute Art hat, sich damit auseinanderzusetzen, mit diesem Weg, den er geht.
- Nämlich nicht hinzugehen und schon fest davon auszugehen, dass er eines Tages geweiht wird, sondern er sagt ganz oft,
- er hofft, eines Tages geweiht zu werden. Das ist eine ganz wichtige innere Einstellung, glaub ich,
- da auch eine Entwicklung zu sehen. Ich glaube auch,
- dass er ein unheimlicher Gewinn für das Priestertum ist. Deswegen bin ich froh, dass er sich das traut.
- (Kirchenglocken) Oh, das ist eine gute Frage, warum zum Weg, Priester zu werden,
- so oft auch Zweifel dazugehören. Ich weiß nicht, warum, aber es gehört dazu, den Weg loszugehen,
- und es auf dem Weg immer wieder aus den Händen oder Augen zu verlieren. Und dann noch mal sich das irgendwie neu zu überlegen,
- und noch mal neu in dem Sinne schenken zu lassen. Das klingt pastoral, aber es ist so.
- (Gebet) (alle:) Amen!
- Es gibt Momente, wo ich merke, das stimmt einfach. So, mein Platz in der Gemeinschaft ist richtig.
- Wenn viele Leute zusammenkommen, dann ich als Einzelner da sein kann, und auch weiß, dass ich genau in diese Gemeinschaft reingehöre.
- Dass jeder an seinem Platz richtig ist und nichts vermissen muss. (Langsame Orgelmusik)
- (Ehrfürchtiger Gesang) (Ehrfürchtiger Gesang)
- SWR 2020